Ein paar Stunden später werde ich wach, weil Sina wie irre durch das Zimmer läuft. „Guck mal! Hier ist der Boden flauschig und da nicht!“ Dabei springt sie im hohen Bogen vom Teppich auf den Fußboden. Die Zweibeiner finden das wirklich lustig, ich finde es dämlich. „Guck dir die kleine Zicke an“, sagt die Menschenfrau auf einmal. „Zicke ist aber kein schöner Name“, meint der Menschenmann. „Die schwarzweiße sollten wir Chili nennen, das passt vom Temperament her. Und die kleine Tigerin hier…“ Die Frau betrachtet mich nachdenklich. Oh bitte, kommt mir jetzt nicht mit so etwas wie „Muschi“ oder ähnlichem Unsinn. „Chop Suey?“ Der Mann verdreht die Augen. „Paprika? Wollknödel? Uschelpuschel?“ Ich hab genug von dem Unsinn und bremse Sina, die nun Chili heißt und es vor lauter Begeisterung über die verschiedenen Fußböden nicht mit bekommen hat, aus. Sie sieht das als Aufforderung zum Spielen, ich fauche sie an. „Die nennen wir Peppa. Peppa mit a, damit man weiß, dass sie ein Mädchen ist. Verstehst du, Chili und Peppa, unser kleines Gewürzregal.“ Na gut, nennt mich meinetwegen Peppa. Ich gebe euch jetzt erstmal einen guten Grund, das Fenster im Bad aufzumachen, ich muss nämlich mal. Und dann will ich wissen, warum da noch eine verschlossene Tür ist, so was dulde ich in meinem neuen Heim nicht.
„Machst du groß?“, will Chili wissen. Eigentlich müsste selbst sie das mit ihrer verstopften Nase riechen können. „Ja… Bitte, ein wenig mehr Privatsphäre.“ Eines muss ich der Frau aber hoch anrechnen- sie macht das Klo gleich hinterher sauber. Super Service. Na, dann mach doch gleich mal die Tür gegenüber auf, damit ich da gucken kann. Leider klappt das mit der Kommunikation noch nicht so gut, aber da arbeiten wir dran. So doof sind Menschen ja nicht. Hoffe ich. Im nächsten Moment rollt ein Papierbällchen an mir vorbei, doch bevor ich mir das näher ansehen kann, hat Chili es sich schon unter die Krallen gerissen. Die muss einem aber auch immer die Show stehlen. Also lege ich mich ganz cool auf das Sofa, verteile da meine Haare, damit Chili auch schnallt, dass das mein Platz ist. „Gott, sie ist so niedlich.“ Und wieder streicht mir eine Hand sanft über das Fell. Ich kann nicht anders, ich muss schnurren und mir dabei überlegen, wie ich in das verschlossene Zimmer komme. Denn ich vermute, dass sich da ein Bett befindet. Ich hab andere Katzen mal davon reden hören, im Katzenknast. Da soll es voll kuschelig sein und weich und gemütlich. Und wenn man da schlafen darf, dann haben die Zweibeiner einen richtig lieb. Wenn man da aber auf helle Teppiche kötzelt, dann wohl nicht mehr so.