Wundervolle Fotos Ela ;-)
Aber die sehen nicht wie unsere einheimischen Marienkäfer aus.
Das sind diese hier:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/n...ost-vom-nuetzling-zum-schaedling-1540304.html
Trotzdem haben die Summselchens richtig Glück gehabt :lol:
Supi - Info Dankeschön Indy:lol::lol::lol:
Vom Nützling zum Schädling
05.05.2008 · Marienkäfer bringen Glück, so heißt es. Wenn sie aber zu Tausenden anrücken, werden sie zu Störenfrieden. Der asiatische Vetter der heimischen Käferart ist weiter auf dem Vormarsch und erobert Europa.
Von Michael Schlag
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© AP Photo/CP, Windsor Star - Jason Kryk Harmonia axyridis, die asiatische Variante des heimischen Marienkäfers.
Etwas überrascht war Volker Weisel schon von seinen neuen Hausgenossen. Im Februar fielen sie unerwartet auf dem Lindenhof ein, den Weisel als Nebenerwerbsbauer bewirtschaftet. Immer mehr Marienkäfer sammelten sich im Wohnzimmer, obwohl es draußen noch viel zu kalt für den Insektenflug war. "Die krabbelten am Fenster rum, saßen unter der Lampe, irgendwo war immer einer." Familie Weisel war anfangs noch darauf bedacht, sie behutsam wieder ins Freie zu setzen; schließlich weiß jedes Kind, dass Marienkäfer zu den Nützlingen gehören. Irgendwann kam ihnen die Sache aber dann doch spanisch vor. Und so brachte der Hausherr einige Exemplare mit ins Institut für Phytopathologie der Universität Gießen, wo er hauptberuflich angestellt ist. Dort war der vermeintliche Glücksbringer schnell entlarvt: 19 schwarze Punkte auf den roten Flügeln und das schwarze "M" auf seinem weißen Halsschild wiesen ihn eindeutig als einen Vertreter der asiatischen Käferart Harmonia axyridis aus.
Der Vetter aus Fernost ist etwas größer als der beliebte heimische 7-Punkte-Marienkäfer und verfügt über eine erstaunliche Formenvielfalt. Anders als sein europäischer Verwandter ist er wenig wählerisch, was seine Nahrung betrifft. Neben Blattläusen frisst er auch Blattflöhe, Gallenläuse und Schildläuse. Und genau aus diesem Grund wurde er schon 1916 aus seiner asiatischen Heimat zum Zwecke der biologischen Schädlingsbekämpfung in die Vereinigten Staaten exportiert. Auch nach Europa kam er nicht etwa als blinder Passagier, sondern wurde ganz bewusst eingeführt, und zwar zum ersten Mal 1982 nach Südfrankreich, dann nach Belgien und in die Niederlande. Von dort gelangte er schließlich über den Versandhandel auch nach Deutschland, wo er unter Gärtnern als biologische Alternative zum Chemikalieneinsatz in der Gewächshauskultur gilt.
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Die einheimische Art wird verdrängt
Harmonia axyridis aber hielt es nicht lange im Gewächshaus. Inzwischen geht er längst auf Beutefang in freier Wildbahn. Dort erweist er sich als höchst anpassungsfähiger Opportunist ohne spezielle Ansprüche an Lebensraum und Nahrung. Hat er erst einmal alle Blattläuse weggefressen, macht er sich hemmungslos über die Larven anderer Nützlinge her, verschmäht auch pflanzliche Kost nicht und frisst schließlich sogar die Larven seiner europäischen Verwandten.
© picture-alliance/ dpa Ein Exemplar der heimischen Variante des Marienkäfers
"Der asiatische Marienkäfer zeigt ganz eindeutig die Tendenz, einheimische Arten zu verdrängen", sagt der Entomologe Andreas Vilcinskas vom Institut für angewandte Zoologie der Uni Gießen. Das zeigte sich schon in Nordamerika, wo die erste frei lebende Population von Harmonia axyridis zwar erst 1988 in Louisiana entdeckt worden war. Doch innerhalb weniger Jahre gelang es ihr, sich von dort aus bis nach Florida und Kanada auszubreiten. In Europa dauerte es weniger lange: 15 Jahre nach der Einfuhr fand sich der asiatische Marienkäfer 1997 bereits im belgischen Freiland. Um die Jahrtausendwende herum trat er dann erstmals im Rhein-Main-Gebiet und in Hamburg auf.
Lästig wurden die Eindringlinge zuerst den Hausbesitzern. Vor allem frei stehende, zweistöckige Gebäude, die sich gut vor dem Horizont abheben, erinnern den asiatischen Marienkäfer unwillkürlich an sein natürliches Habitat: In seiner angestammten Heimat überwintert er in den Klüften und Hohlräumen von Felsen, im Idealfall auf der warmen Südseite. Wo solche Strukturen fehlen, sind eben Wohnhäuser die bevorzugten Quartiere. Welche Ausmaße eine solche Invasion annehmen kann, haben Margaret Huelsman und Joseph Kovach von der Ohio State University in der Zeitschrift American Entomologist beschrieben. Eine Umfrage im Bundesstaat Ohio ergab, dass der Käferbefall zu einem landesweiten Problem geworden war: Mehr als tausend Hausbesitzer hatten sich gemeldet, wobei der Befall des Hauses mit immerhin einigen tausend Käfern noch als mittelschwer eingestuft wurde.
Käferschwärme im Herbst
Die Plage tritt vor allem im Herbst auf, wenn die Käfer sich in großen Schwärmen auf die Suche nach Winterquartieren begeben. Im nachmittäglichen Sonnenlicht streben sie dann zielsicher zu den Schatten, die beispielsweise Regenrinnen oder Abflussrohre auf den Gebäuden zeichnen. Solche Strukturen erscheinen einem Schwarm von Harmonia axyridis als optische Signale, ähnlich den Felsspalten ihrer Heimat. Finden sie dann ein Schlupfloch ins Gebäude, hat der Hauswirt die Bescherung. Ebenso anpassungsfähig wie bei der Quartierssuche ist der asiatische Marienkäfer bei der Wahl seiner Wirtspflanzen. Ursprünglich ein typischer Baumbewohner, tritt er in Deutschland mittlerweile auch an Obst, Gemüse, Getreide und Zierpflanzen auf. Je nach Umgebung ist Harmonia axyridis nicht einmal auf eine bestimmte Körperfarbe oder -zeichnung festgelegt. Er kann durchaus dem 7- oder dem 4-Punkte-Marienkäfer ähneln, seine Punkte können aber auch größer ausfallen, bis er fast durchgängig schwarz aussieht. Manchmal treten die schwarzen Punkte ganz in den Hintergrund, er erscheint dann hell orange.
Die einzelnen Farbvariationen sind dabei nicht genetisch festgelegt, sondern eine Anpassung an die Umgebungstemperatur, hat Michael Majerus von der University of Cambridge herausgefunden. Welche Farbe das erwachsene Tier annimmt, wird durch die Bedingungen festgelegt, unter welchen es heranwächst: Je niedriger die Temperatur am Ende des Larvenstadiums liegt, umso dunkler färbt sich die Puppe. Das ist aus naheliegenden Gründen von Vorteil: Die dunkle Farbe absorbiert mehr Wärme und erlaubt eine schnellere Entwicklung. Mit Hilfe dieses sogenannten thermischen
Melanismus kann der asiatische Marienkäfer seine Brutzeit bis in den Oktober oder November ausdehnen. Da er nicht wählerisch ist, findet er auch so spät im Jahr noch Nahrung.
Geschmack an Blut
Zu dieser Herbstnahrung des asiatischen Marienkäfers zählen reife Früchte wie Pfirsiche, Äpfel und Himbeeren. Angeknabberte Früchte aber verkaufen sich schlecht, der Nützling wurde auf diese Weise zum Schädling. Auch Weinbauern beobachteten, wie er sich über ihre Trauben hermachte. Geschmacksrichter stellten auf Wein-Prämierungen anschließend bei etwa fünf Prozent der Proben einen seltsamen Geschmack fest, den sie als "ranzige Erdnuss" oder "gekochter Spinat" umschrieben. Er rührte von den Alkaloiden her, mit denen sich auch heimische Marienkäfer gegen Fressfeinde schützen. Allerdings produziert der asiatische Marienkäfer etwa hundertmal höhere Konzentrationen davon, warnt das Julius-Kühn-Institut, die ehemalige Biologische Bundesanstalt, in einem Informationsblatt. Bei Bedrohung stößt er diese Abwehrstoffe mitsamt einer Reflexblutung aus. Und das macht er eben auch, wenn er bei der Weinlese zwischen den Trauben gestört wird.
Überhaupt scheint der ungebetene Gast deutlich wehrhafter zu sein als seine friedlichen europäischen Genossen. Hausbesitzer, die ihm arglos Asyl gewährten, berichteten mehrfach, sie seien sogar gebissen worden. Der Insektenkundler Joseph Kovach von der Ohio State University machte daraufhin die Probe aufs Exempel: In einem tapferen Selbstversuch ließ er mehr als sechshundert asiatische Marienkäfer aus verschiedenen Sammlungen über seine Haut krabbeln. Ergebnis: Ein Viertel von ihnen biss ihn in die Hand und verschmähten auch sein Blut nicht. Trocken dokumentierte Kovach das weitere Käfertreiben auf seiner Hand: "War die Haut einmal durchbrochen, wurden zusätzliche Exemplare davon angelockt. Störte man sie nicht, fraßen manche dort bis zu dreißig Minuten lang."
Unterschätzte ökologische Potenz
Der Siegeszug des Störenfriedes scheint nicht mehr zu stoppen zu sein. 2004 tauchte er zum ersten Mal auch in England auf, seitdem dokumentiert der
Harlequin Ladybird Survey seine Verbreitung, die sich mittlerweile über die gesamte Insel erstreckt. Die Sprecherin der Freiwilligen-Organisation, Michael Majerus, berichtet, im vergangenen Jahr hätten sie zum ersten Mal eindeutig belegen können, dass er sich mittlerweile in der Überzahl befindet. Seit neuestem hat er auch die Schweiz erobert, wie Dirk Babendreier von der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope bestätigt, obwohl sein Einsatz im helvetischen Gartenbau nie erlaubt war.
Als man ihn als Nützling rief, habe man die ökologische Potenz des asiatischen Marienkäfers wohl eindeutig unterschätzt, meint Andreas Vilcinskas von der Universität Gießen. Das System des biologischen Pflanzenschutzes, einem Schädling seinen natürlichen Feind an die Fersen zu heften, sieht er deshalb zwar nicht gleich in Frage gestellt, aber garantiert folgenlos sei die Methode eben auch nicht.
Es ist nicht das erste Mal, dass vermeintliche Nützlinge aus dem Ruder laufen. In karibischen Ländern wurden beispielsweise Mungos zur Bekämpfung von Ratten eingesetzt. Nach getaner Arbeit vertilgten sie dann auch wichtige Reptilien- und Vogelarten. Das Aussetzen von Raubschnecken zur Dezimierung einer ebenfalls eingeschleppten afrikanischen Riesenschnecke erwies sich in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf Hawaii als weiterer Rohrkrepierer, weil sich die Fremdlinge alsbald auch über die heimische Schneckenwelt hermachten. Die Liste der Beispiele ließe sich noch lange fortsetzen.
Welchen ökologischen Ausgang der Fall des asiatischen Marienkäfers nimmt, kann jedenfalls zurzeit niemand sagen. "Die Verschiebungen im Ökosystem sind praktisch nicht kalkulierbar", schreibt das Julius-Kühn-Institut.
Wundervolle Fotos Ela ;-)
Aber die sehen nicht wie unsere einheimischen Marienkäfer aus.
Das sind diese hier:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/n...ost-vom-nuetzling-zum-schaedling-1540304.html
Den hast du sowas von MEGA gut getroffen!;-)
Indy, krieg ich jetzt wiklich nicht uff die Rübe...... wohnst Du in der Haupstadt?...:lol: