Hallo zusammen,
wie das wohl oft so ist, beschäftigt man sich mit einem Thema erst dann, wenn etwas passiert ist, das sehr schmerzt. Es tut mir leid, dass mein erster Beitrag hier im Forum einer der sehr traurigen ist. Ich habe viele eurer Beiträge hier in den letzten 2 Tagen gelesen und trauere mit jedem, der sein geliebtes Familienmitglied verloren hat. Nun reihe ich mich bei euch ein, denn meine kleine Minka ist am Montag von uns gegangen. Mein Mann und ich sind Eltern von 2 Katzen, Mucki (schwarz) und Minka (Tigerchen). Wir haben Minka ab etwa ihrem 2 Lebensjahr Schnuffine oder Fienchen genannt, Minka auch noch zwischendurch, aber Fienchen war ihr Kosename. Beide sind fast 10 Jahre alt und wir haben sie im Oktober 2003 zu uns genommen, nachdem wir uns dazu entschieden haben, dass unsere Familie nicht nur aus uns beiden bestehen bleiben soll. Sie wurden von einer Frau beherbergt, die Kätzchen und Hunde für das Tierheim betreute. Fienchen war damals diejenige, die uns quasi zusammengebracht hat. Wir standen dort auf dem Dachboden, in einem extra für Kätzchen eingerichteten Zimmer, und nur Minka kam hervor, strich erst meinem Mann und dann mir um die Beine. Als wollte sie uns kennenlernen. Dann legte sie sie zu Mucki, die etwas abseits gemütlich ratzte. Da war es entschieden, sowohl für uns, als auch die Betreuerin, dass die beiden zu uns müssen.
Unser Fienchen baute in letzter Zeit ab, sie wurde schmaler und fraß die letzten Tage wenig, war aber immer in meiner Nähe, lag oft auf meinem Bauch. Am letzten Sonntag, als so dicke Schneeflocken fielen, nahm ich sie von ihrem in letzter Zeit bevorzugten Liegeplatz, dem Küchentisch, und nahm sie mit auf den Balkon, um ihr die Schneeflöckchen zu zeigen. Das war das letze mal, dass ich sie im Arm gehalten hab. Sie leckte eifrig den Schnee weg und sprang dann vom Liegebrett herunter, dabei stürzte sie regelrecht. Sie schleppte sich dann zu meinem Computertisch, wo sie auch oft gelegen hat, dabei wackelten ihre Beinchen bedenklich, und sprang mit letzter Mühe hoch. Ich rief in der Tierklinik an und wir fuhren mit ihr hin. Dort erst sahen wir bei dem grellen Licht, dass sie ganz gelbe Ohren und Schleimhäute hatte. Der Arzt stellte fest, dass sie nur noch sehr wenig rote Blutkörperchen hatte, seltsamerweise die Leber aber in Ordnung war. Er beielt sie dort, sie kam an den Tropf und bekam Spritzen. Mein Mäuschen war sehr scheu und ängstlich, es brac mir das Herz sie dort lassen zu müssen. Wir weinten den ganzen Tag. Am nächsten Montag meldete ich mich auf meiner neuen Arbeit ab und verlor den Job. Ich wurde gefragt, ob ich das tatsächlich wegen einer Katze aufgeben würde. Das Telefonat wurde beendet und ich habe nicht vor mich zu ärgern oder dem Job nachzuweinen. Mein Mann und ich fragten öfter in der Klinik nach, aber die Visite lief noch. Gegen Mittag erfuhren wir, dass nichts geholfen hatte und sie inzwischen sogar Krämpfe bekam. Da war uns klar, dass sie uns verlassen wird. Wir fuhren hin und sie wurde gebracht, hatte ganz riesige Pupillen von einem Mittel, mit dem sie ruhiggestellt wurde, um die Kräpfe besser verkraften zu können. Mein kleines Lämmchen sah so abgekämpft aus, sie heulte ein paar mal voller Angst auf und mir war klar, dass das arme Geschöpf in der letzten Nacht seines Lebens fürchterliche Angst gehabt haben muss. Der Arzt versuchte uns zu erklären, dass man nicht mit bestimmtheit sagen konnte, woran sie erkrankte, vielleicht eine Autoimmunkrankheit. Er sagte es nicht direkt, aber ich verstand es, als er uns nahelegte sie zu erlösen. Ich nickte dann und sagte ja. Wir haben geweint wie die Verrückten. Es ging so schnell. Sie hat meinem Mann noch das Köpfchen in die Hand gedrückt, als sie sie roch. Es tut mir im Nachhinein so leid, dass ich sie nicht noch einmal hochgenommen und an mich gedrückt hatte. Sie lag dort auf dem Tisch, in eine braune Decke gehüllt, völlig verängstigt, unsere Hände auf ihr liegend und sie streichelnd. Dann war sie sehr schnell weg und die riesigen Äuglein wurden starr. Oh mein Gott, ich kann diesen Anblick nicht vergessen. Mein Mann sagte dann, jetzt ist sie über uns und guckt auf uns runter. Ich schaute nach oben.
Heute holen wir unser Herzblatt vom Krematorium ab. Sie bekommt ein schönes Plätzchen auf einer Kommode, neben ihrem Bild. Wir haben die letzten Tage sehr viel geweint und viel über sie gesprochen. Ich habe oft das starke Gefühl, dass sie noch hier ist und frage mich, ob sie wohl versteht, warum ich sie nicht mehr körperlich wahrnehme.
Unsere kleine Mucki war am Sonntag und Montag recht "normal", ist in den letzten Tagen aber wurde sie sehr anhänglich und sucht dauernd meine Nähe. Zum Glück bin ich jetzt zu Hause und muss nicht arbeiten. Ich weiß nicht, wie es sich mit Muckilein weiter entwickeln wird. Dazu werde ich euren Rat benötigen, aber dafür mache ich später einen anderen Thread auf.
Sorry, dass ich so einen Roman geschrieben hab, es ist seit Montag das erste Mal, dass ich das Geschehene in geschriebenen Worten zusammengefasst hab. Wahrscheinlich ist das eine Form der Aufarbeitung. Mein kleines Lämmchen fehlt mir so sehr, ihr kennt das ja alle, man hat zu manchen Tieren ein liebevolles Verhältnis, aber mit manchen ist es etwas ganz, ganz Besonderes, sehr Inniges. Sie war meine verwandte Seele, wie man so sagt. Ich liebte sie abgöttisch und tue es immer noch. Mein Trost ist, dass wir uns eines Tages wiedersehen werden und ich wünsche es mir und freue mich darauf, dann von ihr empfangen zu werden. Auf Wiedersehen, mein kleiner Schatz
