Guten Tag,
ich möchte Euch gerne die Geschichte von Liso erzählen. Da Liso stolze 17 Jahre alt wurde, kann es also länger werden.
Ich bekam Liso damals als er 4 Wochen alt war. Ich war 20 und hatte gerade meine erste Arbeitsstelle. Ein Kollege kam zu mir und fragte mich, ob ich keine Katze haben wollte. Sie hätten Junge und alle bis auf einen wären schon vergeben. Ich wollte damals eigentlich gar keine Katze haben, hatte gerade mit meinem Freund, die erste eigene Wohnung bezogen und Tierhaltung war dort nicht erlaubt.
Besagter Kollege meinte dann zu mir, na gut, dann wüßte er sich jetzt auch nicht mehr zu helfen, dann wird das "Vieh" hat ersoffen. Mir rutschte das Herz in die Hose und dachte nur bei mir, das geht ja mal gar nicht. Nimm die Katze und such dann ein Ruhe ein zu Hause für sie.
Also bin ich der in Mittagspause losgerannt und hab ein Katzenklo, Näpfe und Futter organisiert und pünktlich zum Feierabend hatte ich ein kleines, schwarzes etwas in der Hand. Ich taufte meine neue Katze Lisa.
Zu Hause angekommen, hat sich Lisa gleich bei mir gemütlich gemacht und ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Man konnte das Tierchen den ganzen Tag rumtragen und das war dann noch immer nicht genug. Wenn ich auf der Couch saß, war die Katze auf meinem Schoß, lag ich im Bett, lag sie auf meinem Kopfkissen. Ein paar Tage später gingen wir dann zum Tierarzt. Es stellte sich heraus, dass meine Katze ein Kater war. Als hieß er von dem Tag an Liso.
Er war eigentlich ein tolles Katzenbaby, er machte keine Möbel kaputt, kratze nicht an Wänden und spielte ganz brav ohne Krallen. Nach etwa 3-4 Wochen ging dann das Martyrium los, er erbrach sich, immer und immer wieder. Ich bin dann mit ihm zum Tierarzt, der gab ihm dann was gegen die Übelkeit und es wurde dann langsam besser. Einen Monat später das gleiche Spiel - wieder Tierarzt, wieder eine Spritze.
Zwischenzeitlich hatte dann auch unsere Vermieterin mitbekommen, dass wir eine Katze haben und hat uns das Leben ziemlich zur Hölle gemacht - also mussten wir uns eine neue Wohnung suchen. Wir fanden dann auch eine in dem gleichen Haus, in dem auch meine Oma wohnt. Das war sehr praktisch. Wenn ich morgens zur Arbeit ging, ließ ich Liso raus und Oma nahm ihn dann so gegen 10 mit zu sich. Aber Liso war verwöhnt, er lief keine Treppen und ließ sich immer von Oma hoch tragen. Die zwei haben dann zusammen gekocht und Liso bekam ein Schälchen Sheba. Danach wollte er schlafen und Oma hat ihn dann noch eine Etage höher in meine Wohnung geschleppt.
Wenn ich dann Abends von der Arbeit kam, haben wir zusammen Abendbrot gegessen. Liso hatte einen eigenen Stuhl am Tisch, da saß er immer, wenn ich aß und zugeschaut. Es fiel aber immer was für ihn ab. Geklaut hat er sich nie etwas

Und gegen halb zehn, da wollte er immer schlafen gehen - hat sich ins Schlafzimmer gestellt und nach mir gerufen - dann sind wir ins Bett.
Alles hätte so schön sein können, wenn er nicht immer wieder diese Brechattakten gehabt hätte. Sie kamen immer öfters, teilweise so schlimm, dass man ihm Infussionen legen mußte. Ich war hier bei wirklich jedem Tierazt, keiner konnte sich ein Reim darauf machen. Einer wollte ihn sogar einschläfern, weil er vermutete dass Liso Krebs hätte, konnte die Diagnose aber nicht sichern. Ein anderer meinte, er sei einsam, er bräuchte eine zweite Katze.
Nun gut, da es ja nun nicht sicher war, ob er einsam war oder nicht, wollte ich nicht dauerhaft eine zweite Katze haben und dachte mir, ich könnte es ja mit einer Pflegekatze versuchen. Gesagt getan. Die Pflegekatze erhielt ich damals über eine ganz tolle Tierärztin, die zwar weiter weg ihre Praxis hatte aber mit Leib und Seele Tierarzt war. Ich sprach dann auch mit ihr über Lisos Probleme. Sie untersuchte ihn und meinte, dass er nie im Leben Krebs hätte, sie aber auch nicht weiß, was er hat.
Nun gut, ihre Idee war es, ihn in eine Spezialklinik zu geben, die 100km von hier entfernt war. Was macht man nicht alles ? Also Kater in diese Klinik gefahren. Eine Woche später rund 1000DM ärmer wußten wir dann, dass Liso Geschwüre im Darm hat, die immer dann akut werden, wenn er sich aufregt. Also immer wenn etwas geschieht, was ihm nicht in den Kram paßt.
Diese Geschwüre ließen sich dann mittels Kortison recht gut behandeln. Allerdings gab es oft Dinge, die ihm nicht in den Kram gepaßt haben z.B. wenn Besuch kam, wenn Weihnachten war und ein Tannenbaum in der Wohnung stand, wenn Silverster war, oder einfache andere Dinge.
Mit der Pflegekatze verstand er sich so hervorragend, dass ich dann aus dem Tierheim doch eine eigene zweite Katze holte - Leo. Zwischen den zweien herrschte eine Haß-Liebe. Bis zum letzte Tag konnten sie weder miteinander noch ohneeinander.
Mit der Tierärtzin habe ich mich dann so geeinigt, dass ich eine grooooße Flasche Cortison und jede Menge Spritzen mit nach Hause bekomme, damit ich Liso selbst spritzen konnte. So kamen wir dann gut über die Runden.
Leider mußten wir auch dann aus dieser Wohnung wieder ausziehen, weil sich Liso immer in das Bett der Vermieterin gelegt hat und sie das gar nicht witzig fand.
Also haben wir uns eine große Wohnung auf dem Land gesucht. Liso fand das super. Unsere Tochter kam zur Welt und ich hatte schon die Panik, wegen der Aufregung - aber Liso machte das super. Hat sich gar nicht mal zu sehr aufgeregt und das schreiende Baby sogar akzeptiert und auch beschützt. Besonders vor uns

Wenn sie geweint hat, kam er motzend an, als wollte er sagen "stell den Ton endlich ab"
Hier entwickelte Liso dann auch ungeahnte Fähigkeiten, er lernte Türe zu öffnen - damit er rein und raus konnte, wann er wollte. Und er machte Schubladen auf, räumte sie leer und legte sich rein. Im Bett hat er dann abends angefangen zu reden. Man konnte ihn etwas fragen und man bekam Gebrabbel zur Antwort. Das war so seine Hochphase. Er hatte um die 8kg und war etwa so groß wie ein Zwergpudel. Alle Leute, die ihn gesehen haben, haben immer nachgefragt "ist das wirklich eine Katze ?"
Nun ja, die Jahre gingen dahin. Wir kauften ein Haus auf dem Land und zogen wieder um. Liso wurde immer stabiler, brauchte nur noch an Weihnachten Cortison. Liso hatte Spaß daran Marder zu erlegen und sah dementsprechend manchmal gerupft aus. Mäuse oder Vögel fand er eklig. Nachbars Rottweiler hat er auch mal angeriffen, weil er dachte, der Rottweiler will unsere Tochter angreifen, dabei wollte sie nur Gassi gehen.
Als er dann ca. 15 Jahre alt war, ging es mit den Nieren los. Wir kaufen Spezialfutter, von dem 80g 1,50€ kosteten. Jeder kann sich ausrechnen, was ein 8kg Kater am Tag so verspeist. Außerdem bekam er noch Homöopathische Tropfen und Tabletten. Nach einem Jahr war wieder einmal Nierenkontrolle beim Tierarzt und die Nierenwerte waren wieder in Ordnung. Tja was hat Liso gemacht ? Als ob er es verstanden hätte, hat er sich ab diesem Zeitpunkt geweigert Nierenfutter zu fressen. Aber es ging ihm auch mit anderem Futter gut. Leider hat er schon von Geburt an kein rohes Fleisch vertragen, gekocht hat es ihm nicht geschmeckt, also blieb nur Dosenfutter oder Parmaschinken.
Als er 16 war, fand ich auf der Treppe Bluttropfen, erst dachte ich, unsere Tochter hat sich verletzt. Doch sie hatte nichts. Dann habe ich die Katzen untersucht, auch hier war keiner verletzt. Also dachte ich mir nichts weiter dabei.
Ein paar Wochen später fand ich Blut am Futterplatz der Katzen. Da Leo draußen war, konnte es nur Liso sein. Also Beweisfoto gemacht, Kater geschnappt und zum Tierarzt gefahren. Sie konnte nichts feststellen, tippte auf eine Schleimhautentzündung im Mund oder Nase und gab ihm Antibiotikum.
Es wurde dann zwar kurzzeitig besser aber kam immer öfters. Er bekam immer wieder Antibiotikum und Cortison aber es halt alles nur sehr kurz. Er konnte zum Schluß nicht mehr Schnurren, weil er daran beinahe erstickt wäre. Er hustet und hustete. Und dann letztes Jahr als ich von der Arbeit kam, hatte er im Oberkopf eine dicke Beule. Da wußte ich dann, das wars.
Wir haben die Tierärztin angerufen und durften dann nach Praxisschluss hinfahren.
Die Praxis ist nicht weit von uns zu Hause entfernt, also durfte Liso seinen letzten Weg ohne Katzenbox antreten. Mein fuhr, meine Tochter saß vorne und ich hinten mit Liso. Er schaute dann auch noch ganz interessiert aus dem Fenster, als wenn nichts wäre.
In der Praxis angekommen, kamen in einen extra Raum. Die Tierärztin hat ihn dann nochmal untersucht und gemeint, da hätte man nicht mehr viel machen können, selbst wenn ich 1000de von Euros investiert hätte.
Sie merkte auch, dass ich mit meiner Entscheidung unsicher war und versicherte mir, dass sie niemals ein Tier enschläfern würde, wenn sie nicht selbst davon 100% überzeugt wäre, dass nicht noch einen anderen Weg geben würde.
Liso lag auf meinem Schoß und sie setzte ihm dann die Spritze. Ich fragte noch, wie lange es dauert und sie meinte so 15 Minuten. Und dann kam das schlimmste, er kämpfte dagegen an. Das Herz schlug und schlug. Nach 30 Minuten war er zwar bewußtlos aber noch immer nicht tot. Und so saß ich da mit meinem Kater auf dem Schoß und wartete darauf, dass es vorbei war. Irgendwann später, hörte dann endlich das Herz zu schlagen auf. Ich packte ihn ein eine Decke und wir fuhren mit meinem Toten Kater nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie lange ich noch mit ihm so in der Küche saß und heulte.
Irgendwann meinte, dann mein Mann, dass ich doch schlafen gehen sollte. Aber es fiel mir so schwer ihn loszulassen. Ich legte ihn in sein Körbchen und ging das selbst ins Bett. Am nächsten Tag haben wir ihn im Garten beerdigt.
Und dann gingen bei mir die Alpträume los. Ich träume davon, dass Nachbarn bei mir klingeln und Liso im Arm haben. Sie fragen mich, wieso ich meinen Kater weggeschickt habe. Ich träume, dass ich ihn auf der Straße laufen sehe und wenn ich ihn rufe, rennt er vor mir weg. Das ganze ist jetzt 8 Monate her und die Träume hören nicht auf. Mein Verstand weiß, dass es keinen anderen Ausweg gegeben hat, aber mein Unterbewußtsein spielt mir Streiche.
Das Positive ist, wir haben nochmal seit Juni zwei kleine Katerchen. Eines davon hat den selben Charakter wie Liso, das tröstet mich etwas auch wenn ich weiß, dass er ihn nie wird ersetzen können.
Allen Leser, die bis hierher durchgehalten haben, sage ich Danke
Liebe Grüße
Kunichen