Diese Träume machen mich fertig :-(

Diskutiere Diese Träume machen mich fertig :-( im Regenbogenbrücke Forum im Bereich Katzenfreunde; Guten Tag, ich möchte Euch gerne die Geschichte von Liso erzählen. Da Liso stolze 17 Jahre alt wurde, kann es also länger werden. Ich bekam...
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #1
K

Kunichen

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Guten Tag,

ich möchte Euch gerne die Geschichte von Liso erzählen. Da Liso stolze 17 Jahre alt wurde, kann es also länger werden.

Ich bekam Liso damals als er 4 Wochen alt war. Ich war 20 und hatte gerade meine erste Arbeitsstelle. Ein Kollege kam zu mir und fragte mich, ob ich keine Katze haben wollte. Sie hätten Junge und alle bis auf einen wären schon vergeben. Ich wollte damals eigentlich gar keine Katze haben, hatte gerade mit meinem Freund, die erste eigene Wohnung bezogen und Tierhaltung war dort nicht erlaubt.
Besagter Kollege meinte dann zu mir, na gut, dann wüßte er sich jetzt auch nicht mehr zu helfen, dann wird das "Vieh" hat ersoffen. Mir rutschte das Herz in die Hose und dachte nur bei mir, das geht ja mal gar nicht. Nimm die Katze und such dann ein Ruhe ein zu Hause für sie.

Also bin ich der in Mittagspause losgerannt und hab ein Katzenklo, Näpfe und Futter organisiert und pünktlich zum Feierabend hatte ich ein kleines, schwarzes etwas in der Hand. Ich taufte meine neue Katze Lisa.

Zu Hause angekommen, hat sich Lisa gleich bei mir gemütlich gemacht und ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Man konnte das Tierchen den ganzen Tag rumtragen und das war dann noch immer nicht genug. Wenn ich auf der Couch saß, war die Katze auf meinem Schoß, lag ich im Bett, lag sie auf meinem Kopfkissen. Ein paar Tage später gingen wir dann zum Tierarzt. Es stellte sich heraus, dass meine Katze ein Kater war. Als hieß er von dem Tag an Liso.

Er war eigentlich ein tolles Katzenbaby, er machte keine Möbel kaputt, kratze nicht an Wänden und spielte ganz brav ohne Krallen. Nach etwa 3-4 Wochen ging dann das Martyrium los, er erbrach sich, immer und immer wieder. Ich bin dann mit ihm zum Tierarzt, der gab ihm dann was gegen die Übelkeit und es wurde dann langsam besser. Einen Monat später das gleiche Spiel - wieder Tierarzt, wieder eine Spritze.

Zwischenzeitlich hatte dann auch unsere Vermieterin mitbekommen, dass wir eine Katze haben und hat uns das Leben ziemlich zur Hölle gemacht - also mussten wir uns eine neue Wohnung suchen. Wir fanden dann auch eine in dem gleichen Haus, in dem auch meine Oma wohnt. Das war sehr praktisch. Wenn ich morgens zur Arbeit ging, ließ ich Liso raus und Oma nahm ihn dann so gegen 10 mit zu sich. Aber Liso war verwöhnt, er lief keine Treppen und ließ sich immer von Oma hoch tragen. Die zwei haben dann zusammen gekocht und Liso bekam ein Schälchen Sheba. Danach wollte er schlafen und Oma hat ihn dann noch eine Etage höher in meine Wohnung geschleppt.

Wenn ich dann Abends von der Arbeit kam, haben wir zusammen Abendbrot gegessen. Liso hatte einen eigenen Stuhl am Tisch, da saß er immer, wenn ich aß und zugeschaut. Es fiel aber immer was für ihn ab. Geklaut hat er sich nie etwas :) Und gegen halb zehn, da wollte er immer schlafen gehen - hat sich ins Schlafzimmer gestellt und nach mir gerufen - dann sind wir ins Bett.

Alles hätte so schön sein können, wenn er nicht immer wieder diese Brechattakten gehabt hätte. Sie kamen immer öfters, teilweise so schlimm, dass man ihm Infussionen legen mußte. Ich war hier bei wirklich jedem Tierazt, keiner konnte sich ein Reim darauf machen. Einer wollte ihn sogar einschläfern, weil er vermutete dass Liso Krebs hätte, konnte die Diagnose aber nicht sichern. Ein anderer meinte, er sei einsam, er bräuchte eine zweite Katze.

Nun gut, da es ja nun nicht sicher war, ob er einsam war oder nicht, wollte ich nicht dauerhaft eine zweite Katze haben und dachte mir, ich könnte es ja mit einer Pflegekatze versuchen. Gesagt getan. Die Pflegekatze erhielt ich damals über eine ganz tolle Tierärztin, die zwar weiter weg ihre Praxis hatte aber mit Leib und Seele Tierarzt war. Ich sprach dann auch mit ihr über Lisos Probleme. Sie untersuchte ihn und meinte, dass er nie im Leben Krebs hätte, sie aber auch nicht weiß, was er hat.
Nun gut, ihre Idee war es, ihn in eine Spezialklinik zu geben, die 100km von hier entfernt war. Was macht man nicht alles ? Also Kater in diese Klinik gefahren. Eine Woche später rund 1000DM ärmer wußten wir dann, dass Liso Geschwüre im Darm hat, die immer dann akut werden, wenn er sich aufregt. Also immer wenn etwas geschieht, was ihm nicht in den Kram paßt.
Diese Geschwüre ließen sich dann mittels Kortison recht gut behandeln. Allerdings gab es oft Dinge, die ihm nicht in den Kram gepaßt haben z.B. wenn Besuch kam, wenn Weihnachten war und ein Tannenbaum in der Wohnung stand, wenn Silverster war, oder einfache andere Dinge.

Mit der Pflegekatze verstand er sich so hervorragend, dass ich dann aus dem Tierheim doch eine eigene zweite Katze holte - Leo. Zwischen den zweien herrschte eine Haß-Liebe. Bis zum letzte Tag konnten sie weder miteinander noch ohneeinander.

Mit der Tierärtzin habe ich mich dann so geeinigt, dass ich eine grooooße Flasche Cortison und jede Menge Spritzen mit nach Hause bekomme, damit ich Liso selbst spritzen konnte. So kamen wir dann gut über die Runden.

Leider mußten wir auch dann aus dieser Wohnung wieder ausziehen, weil sich Liso immer in das Bett der Vermieterin gelegt hat und sie das gar nicht witzig fand.

Also haben wir uns eine große Wohnung auf dem Land gesucht. Liso fand das super. Unsere Tochter kam zur Welt und ich hatte schon die Panik, wegen der Aufregung - aber Liso machte das super. Hat sich gar nicht mal zu sehr aufgeregt und das schreiende Baby sogar akzeptiert und auch beschützt. Besonders vor uns :) Wenn sie geweint hat, kam er motzend an, als wollte er sagen "stell den Ton endlich ab"

Hier entwickelte Liso dann auch ungeahnte Fähigkeiten, er lernte Türe zu öffnen - damit er rein und raus konnte, wann er wollte. Und er machte Schubladen auf, räumte sie leer und legte sich rein. Im Bett hat er dann abends angefangen zu reden. Man konnte ihn etwas fragen und man bekam Gebrabbel zur Antwort. Das war so seine Hochphase. Er hatte um die 8kg und war etwa so groß wie ein Zwergpudel. Alle Leute, die ihn gesehen haben, haben immer nachgefragt "ist das wirklich eine Katze ?"

Nun ja, die Jahre gingen dahin. Wir kauften ein Haus auf dem Land und zogen wieder um. Liso wurde immer stabiler, brauchte nur noch an Weihnachten Cortison. Liso hatte Spaß daran Marder zu erlegen und sah dementsprechend manchmal gerupft aus. Mäuse oder Vögel fand er eklig. Nachbars Rottweiler hat er auch mal angeriffen, weil er dachte, der Rottweiler will unsere Tochter angreifen, dabei wollte sie nur Gassi gehen.

Als er dann ca. 15 Jahre alt war, ging es mit den Nieren los. Wir kaufen Spezialfutter, von dem 80g 1,50€ kosteten. Jeder kann sich ausrechnen, was ein 8kg Kater am Tag so verspeist. Außerdem bekam er noch Homöopathische Tropfen und Tabletten. Nach einem Jahr war wieder einmal Nierenkontrolle beim Tierarzt und die Nierenwerte waren wieder in Ordnung. Tja was hat Liso gemacht ? Als ob er es verstanden hätte, hat er sich ab diesem Zeitpunkt geweigert Nierenfutter zu fressen. Aber es ging ihm auch mit anderem Futter gut. Leider hat er schon von Geburt an kein rohes Fleisch vertragen, gekocht hat es ihm nicht geschmeckt, also blieb nur Dosenfutter oder Parmaschinken.

Als er 16 war, fand ich auf der Treppe Bluttropfen, erst dachte ich, unsere Tochter hat sich verletzt. Doch sie hatte nichts. Dann habe ich die Katzen untersucht, auch hier war keiner verletzt. Also dachte ich mir nichts weiter dabei.

Ein paar Wochen später fand ich Blut am Futterplatz der Katzen. Da Leo draußen war, konnte es nur Liso sein. Also Beweisfoto gemacht, Kater geschnappt und zum Tierarzt gefahren. Sie konnte nichts feststellen, tippte auf eine Schleimhautentzündung im Mund oder Nase und gab ihm Antibiotikum.
Es wurde dann zwar kurzzeitig besser aber kam immer öfters. Er bekam immer wieder Antibiotikum und Cortison aber es halt alles nur sehr kurz. Er konnte zum Schluß nicht mehr Schnurren, weil er daran beinahe erstickt wäre. Er hustet und hustete. Und dann letztes Jahr als ich von der Arbeit kam, hatte er im Oberkopf eine dicke Beule. Da wußte ich dann, das wars.

Wir haben die Tierärztin angerufen und durften dann nach Praxisschluss hinfahren.
Die Praxis ist nicht weit von uns zu Hause entfernt, also durfte Liso seinen letzten Weg ohne Katzenbox antreten. Mein fuhr, meine Tochter saß vorne und ich hinten mit Liso. Er schaute dann auch noch ganz interessiert aus dem Fenster, als wenn nichts wäre.
In der Praxis angekommen, kamen in einen extra Raum. Die Tierärztin hat ihn dann nochmal untersucht und gemeint, da hätte man nicht mehr viel machen können, selbst wenn ich 1000de von Euros investiert hätte.

Sie merkte auch, dass ich mit meiner Entscheidung unsicher war und versicherte mir, dass sie niemals ein Tier enschläfern würde, wenn sie nicht selbst davon 100% überzeugt wäre, dass nicht noch einen anderen Weg geben würde.

Liso lag auf meinem Schoß und sie setzte ihm dann die Spritze. Ich fragte noch, wie lange es dauert und sie meinte so 15 Minuten. Und dann kam das schlimmste, er kämpfte dagegen an. Das Herz schlug und schlug. Nach 30 Minuten war er zwar bewußtlos aber noch immer nicht tot. Und so saß ich da mit meinem Kater auf dem Schoß und wartete darauf, dass es vorbei war. Irgendwann später, hörte dann endlich das Herz zu schlagen auf. Ich packte ihn ein eine Decke und wir fuhren mit meinem Toten Kater nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie lange ich noch mit ihm so in der Küche saß und heulte.
Irgendwann meinte, dann mein Mann, dass ich doch schlafen gehen sollte. Aber es fiel mir so schwer ihn loszulassen. Ich legte ihn in sein Körbchen und ging das selbst ins Bett. Am nächsten Tag haben wir ihn im Garten beerdigt.

Und dann gingen bei mir die Alpträume los. Ich träume davon, dass Nachbarn bei mir klingeln und Liso im Arm haben. Sie fragen mich, wieso ich meinen Kater weggeschickt habe. Ich träume, dass ich ihn auf der Straße laufen sehe und wenn ich ihn rufe, rennt er vor mir weg. Das ganze ist jetzt 8 Monate her und die Träume hören nicht auf. Mein Verstand weiß, dass es keinen anderen Ausweg gegeben hat, aber mein Unterbewußtsein spielt mir Streiche.

Das Positive ist, wir haben nochmal seit Juni zwei kleine Katerchen. Eines davon hat den selben Charakter wie Liso, das tröstet mich etwas auch wenn ich weiß, dass er ihn nie wird ersetzen können.

Allen Leser, die bis hierher durchgehalten haben, sage ich Danke :)

Liebe Grüße
Kunichen
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #2
Das ist wirklich eine sehr Herzzerreisende Geschichte.
Zuersteinmal möchte ich dir mein Mitgefühl aussprechen und fühl dich mal gedrückt :d038:.
Ich denke du hast dich genau richtig entschieden und Liso wird es gut geht auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Sicherlich wartet er da auf dich.

Wegen den Träumen kann ich dir leider nichts sagen. Vielleicht mal einen Arzt darauf ansprechen?

LG
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #3
Liebe Kunichen,
mir tut es so leid für dich und deinen Liso. Aber er durfte 17 Jahre alt werden, trotz des miesen Starts, du hast nie aufgegeben, auch mit dem Erbrechen nicht, so viel Geduld und Liebe hätten nicht jeder gehabt.
Bei meiner Gundi (14 Jahre) war es beim Einschläfern leider ganz ähnlich. Sie bekam die Spritze und dann kam ein ganz, ganz schlimmer Notfall rein und der Tierarzt musste raus, aber meine Gundi, schlief und schlief nicht ein. Ich hab sie gestreichelt und immer wieder mit ihr geredet, dass sie doch gehen darf. Vorher hat sie auch in der Box noch mal richtig randaliert, es war furchtbar. Dabei hatte sie seit Tagen nichts mehr gefressen, konnte nicht mehr sehen, war völlig verwirrt und keine Medis haben mehr angeschlagen. Ich hab auch lange gebraucht über das wegzukommen. Der Tierarzt musste dann noch einmal nachspritzen.
Und ich denke auch, dass es völlig normal ist, dass man sich Vorwürfe macht, dass ist ja gerade bei Tieren so schwer, wo wir die Entscheidung oft treffen müssen. Aber auch mein Bruder, der ist bei seiner Katze nicht über sich brachte und die dann so eingeschlafen ist, sagte jetzt mal zu mir, dass er sich doch eher ihr zuliebe hätte durchringen soll und sich deshalb Gedanken macht.
Wenn Du aber über Deine Trauer gar nicht wegkommst,solltest Du Dir auch Hilfe holen. 8 Monate ist eine sehr lange Trauerzeit. Alles Gute!
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #4
Hallo Kunichen!

Was für eine schöne Geschichte. Mensch, haben Du und Liso viel miteinander erlebt! Ihr Beide wart so eng miteinander verbunden. Kein Wunder, daß Dein Unterbewußtsein Dir solche Träume schickt.

Klar, daß Dich das immer wieder durcheinanderwirbelt. Aber die TÄ scheint sehr verantwortungsvoll zu sein. Ich kann mir nur vorstellen, daß Liso hin- und hergerissen war. Auf der einen Seite, keine Beschwerden mehr zu haben, auf der anderen Seite bei Dir, seiner Seelenfreundin zu bleiben.

Fühl´ Dich lieb gedrückt!
Sisja
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #5
Kunichen, das ist wirklich eine extrem traurige Geschichte... ich fühle & leide mit dir. :(

Fühl dich unbekannterweise ganz doll gedrückt - ich glaube, wir können so etwas alle gut nachempfinden...

Was die Träume angeht .. gute Frage, was man da machen kann. Ich glaube, du musst das Thema für dich selbst einfach abschließen... und damit bestmöglich fertig werden.. vielleicht hast du das alles irgendwie doch noch verdrängt, kann das sein? Denn wenn dein Unterbewusstsein bei dieser Sache einfach keine Ruhe hat, dann ist noch irgendetwas offen ... dass du die Vorwürfe machst oder noch zu viele Fragen hast. Und das sollte so nicht sein... Du musst ruhig werden, was Liso angeht... Und ich denke, das klappt am besten, wenn du dich noch einmal abschließend mit dem Thema auseinandersetzt ... Hast du dir mal überlegt, vielleicht Briefe zu schreiben? Briefe an Liso? Was du ihm noch sagen möchtest, bevor du ihn endgültig gehen lassen kannst...?

Ich drück dich!

Lola
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #6
Vielen Dank für Eure lieben Worten.

Leider kann man mit den meisten Menschen darüber ja nicht reden, denn es ist ja kein Mensch der gestorben ist sondern "nur" ein Tier und da muss man sich ja nicht so dran stellen :-(

Für mich war es aber nicht nur ein Tier und wenn man 17 Jahre mit einander verbracht hat, ist es so, als wäre ein guter Freund gestorben.

Ganz liebe Grüße
Kunichen
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #7
Kunichen, das ist sehr gut verständlich... Mir würde es nicht anders gehen.. so etwas ist nicht leicht zu verkraften.. und lass dich von anderen Leuten nicht unterkriegen, die behaupten, du sollst dich nicht so anstellen... Jeder fühlt anders und es ist dein gutes Recht, traurig zu sein...
Du kannst dir hier jederzeit alles von der Seele schreiben, vielleicht hilft das ja schon ein wenig... Wir haben hier alle jede Menge offene Öhrchen. Fühl dich gedrückt!
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #8
Es tut mir so leid Dass du deinen Liso verloren hast. Es ist schlimm genug dass man sein geliebtes Tier verliert, und dann noch diese Träume. Das stelle ich mir ganz furchtbar vor. Schreibe dir deinen ganzen Schmerz von der Seele vielleicht geht es dir dann bald besser.
Du hast mein allertieftes Mitgefühl denn ich weiß wie weh es tut. Ich habe es leider schon vier mal erfahren müssen.

Traurige Grüße Kathi.
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #9
Guten Tag,

ich möchte Euch gerne die Geschichte von Liso erzählen. Da Liso stolze 17 Jahre alt wurde, kann es also länger werden.

Ich bekam Liso damals als er 4 Wochen alt war. Ich war 20 und hatte gerade meine erste Arbeitsstelle. Ein Kollege kam zu mir und fragte mich, ob ich keine Katze haben wollte. Sie hätten Junge und alle bis auf einen wären schon vergeben. Ich wollte damals eigentlich gar keine Katze haben, hatte gerade mit meinem Freund, die erste eigene Wohnung bezogen und Tierhaltung war dort nicht erlaubt.
Besagter Kollege meinte dann zu mir, na gut, dann wüßte er sich jetzt auch nicht mehr zu helfen, dann wird das "Vieh" hat ersoffen. Mir rutschte das Herz in die Hose und dachte nur bei mir, das geht ja mal gar nicht. Nimm die Katze und such dann ein Ruhe ein zu Hause für sie.

Also bin ich der in Mittagspause losgerannt und hab ein Katzenklo, Näpfe und Futter organisiert und pünktlich zum Feierabend hatte ich ein kleines, schwarzes etwas in der Hand. Ich taufte meine neue Katze Lisa.

Zu Hause angekommen, hat sich Lisa gleich bei mir gemütlich gemacht und ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Man konnte das Tierchen den ganzen Tag rumtragen und das war dann noch immer nicht genug. Wenn ich auf der Couch saß, war die Katze auf meinem Schoß, lag ich im Bett, lag sie auf meinem Kopfkissen. Ein paar Tage später gingen wir dann zum Tierarzt. Es stellte sich heraus, dass meine Katze ein Kater war. Als hieß er von dem Tag an Liso.

Er war eigentlich ein tolles Katzenbaby, er machte keine Möbel kaputt, kratze nicht an Wänden und spielte ganz brav ohne Krallen. Nach etwa 3-4 Wochen ging dann das Martyrium los, er erbrach sich, immer und immer wieder. Ich bin dann mit ihm zum Tierarzt, der gab ihm dann was gegen die Übelkeit und es wurde dann langsam besser. Einen Monat später das gleiche Spiel - wieder Tierarzt, wieder eine Spritze.

Zwischenzeitlich hatte dann auch unsere Vermieterin mitbekommen, dass wir eine Katze haben und hat uns das Leben ziemlich zur Hölle gemacht - also mussten wir uns eine neue Wohnung suchen. Wir fanden dann auch eine in dem gleichen Haus, in dem auch meine Oma wohnt. Das war sehr praktisch. Wenn ich morgens zur Arbeit ging, ließ ich Liso raus und Oma nahm ihn dann so gegen 10 mit zu sich. Aber Liso war verwöhnt, er lief keine Treppen und ließ sich immer von Oma hoch tragen. Die zwei haben dann zusammen gekocht und Liso bekam ein Schälchen Sheba. Danach wollte er schlafen und Oma hat ihn dann noch eine Etage höher in meine Wohnung geschleppt.

Wenn ich dann Abends von der Arbeit kam, haben wir zusammen Abendbrot gegessen. Liso hatte einen eigenen Stuhl am Tisch, da saß er immer, wenn ich aß und zugeschaut. Es fiel aber immer was für ihn ab. Geklaut hat er sich nie etwas :) Und gegen halb zehn, da wollte er immer schlafen gehen - hat sich ins Schlafzimmer gestellt und nach mir gerufen - dann sind wir ins Bett.

Alles hätte so schön sein können, wenn er nicht immer wieder diese Brechattakten gehabt hätte. Sie kamen immer öfters, teilweise so schlimm, dass man ihm Infussionen legen mußte. Ich war hier bei wirklich jedem Tierazt, keiner konnte sich ein Reim darauf machen. Einer wollte ihn sogar einschläfern, weil er vermutete dass Liso Krebs hätte, konnte die Diagnose aber nicht sichern. Ein anderer meinte, er sei einsam, er bräuchte eine zweite Katze.

Nun gut, da es ja nun nicht sicher war, ob er einsam war oder nicht, wollte ich nicht dauerhaft eine zweite Katze haben und dachte mir, ich könnte es ja mit einer Pflegekatze versuchen. Gesagt getan. Die Pflegekatze erhielt ich damals über eine ganz tolle Tierärztin, die zwar weiter weg ihre Praxis hatte aber mit Leib und Seele Tierarzt war. Ich sprach dann auch mit ihr über Lisos Probleme. Sie untersuchte ihn und meinte, dass er nie im Leben Krebs hätte, sie aber auch nicht weiß, was er hat.
Nun gut, ihre Idee war es, ihn in eine Spezialklinik zu geben, die 100km von hier entfernt war. Was macht man nicht alles ? Also Kater in diese Klinik gefahren. Eine Woche später rund 1000DM ärmer wußten wir dann, dass Liso Geschwüre im Darm hat, die immer dann akut werden, wenn er sich aufregt. Also immer wenn etwas geschieht, was ihm nicht in den Kram paßt.
Diese Geschwüre ließen sich dann mittels Kortison recht gut behandeln. Allerdings gab es oft Dinge, die ihm nicht in den Kram gepaßt haben z.B. wenn Besuch kam, wenn Weihnachten war und ein Tannenbaum in der Wohnung stand, wenn Silverster war, oder einfache andere Dinge.

Mit der Pflegekatze verstand er sich so hervorragend, dass ich dann aus dem Tierheim doch eine eigene zweite Katze holte - Leo. Zwischen den zweien herrschte eine Haß-Liebe. Bis zum letzte Tag konnten sie weder miteinander noch ohneeinander.

Mit der Tierärtzin habe ich mich dann so geeinigt, dass ich eine grooooße Flasche Cortison und jede Menge Spritzen mit nach Hause bekomme, damit ich Liso selbst spritzen konnte. So kamen wir dann gut über die Runden.

Leider mußten wir auch dann aus dieser Wohnung wieder ausziehen, weil sich Liso immer in das Bett der Vermieterin gelegt hat und sie das gar nicht witzig fand.

Also haben wir uns eine große Wohnung auf dem Land gesucht. Liso fand das super. Unsere Tochter kam zur Welt und ich hatte schon die Panik, wegen der Aufregung - aber Liso machte das super. Hat sich gar nicht mal zu sehr aufgeregt und das schreiende Baby sogar akzeptiert und auch beschützt. Besonders vor uns :) Wenn sie geweint hat, kam er motzend an, als wollte er sagen "stell den Ton endlich ab"

Hier entwickelte Liso dann auch ungeahnte Fähigkeiten, er lernte Türe zu öffnen - damit er rein und raus konnte, wann er wollte. Und er machte Schubladen auf, räumte sie leer und legte sich rein. Im Bett hat er dann abends angefangen zu reden. Man konnte ihn etwas fragen und man bekam Gebrabbel zur Antwort. Das war so seine Hochphase. Er hatte um die 8kg und war etwa so groß wie ein Zwergpudel. Alle Leute, die ihn gesehen haben, haben immer nachgefragt "ist das wirklich eine Katze ?"

Nun ja, die Jahre gingen dahin. Wir kauften ein Haus auf dem Land und zogen wieder um. Liso wurde immer stabiler, brauchte nur noch an Weihnachten Cortison. Liso hatte Spaß daran Marder zu erlegen und sah dementsprechend manchmal gerupft aus. Mäuse oder Vögel fand er eklig. Nachbars Rottweiler hat er auch mal angeriffen, weil er dachte, der Rottweiler will unsere Tochter angreifen, dabei wollte sie nur Gassi gehen.

Als er dann ca. 15 Jahre alt war, ging es mit den Nieren los. Wir kaufen Spezialfutter, von dem 80g 1,50€ kosteten. Jeder kann sich ausrechnen, was ein 8kg Kater am Tag so verspeist. Außerdem bekam er noch Homöopathische Tropfen und Tabletten. Nach einem Jahr war wieder einmal Nierenkontrolle beim Tierarzt und die Nierenwerte waren wieder in Ordnung. Tja was hat Liso gemacht ? Als ob er es verstanden hätte, hat er sich ab diesem Zeitpunkt geweigert Nierenfutter zu fressen. Aber es ging ihm auch mit anderem Futter gut. Leider hat er schon von Geburt an kein rohes Fleisch vertragen, gekocht hat es ihm nicht geschmeckt, also blieb nur Dosenfutter oder Parmaschinken.

Als er 16 war, fand ich auf der Treppe Bluttropfen, erst dachte ich, unsere Tochter hat sich verletzt. Doch sie hatte nichts. Dann habe ich die Katzen untersucht, auch hier war keiner verletzt. Also dachte ich mir nichts weiter dabei.

Ein paar Wochen später fand ich Blut am Futterplatz der Katzen. Da Leo draußen war, konnte es nur Liso sein. Also Beweisfoto gemacht, Kater geschnappt und zum Tierarzt gefahren. Sie konnte nichts feststellen, tippte auf eine Schleimhautentzündung im Mund oder Nase und gab ihm Antibiotikum.
Es wurde dann zwar kurzzeitig besser aber kam immer öfters. Er bekam immer wieder Antibiotikum und Cortison aber es halt alles nur sehr kurz. Er konnte zum Schluß nicht mehr Schnurren, weil er daran beinahe erstickt wäre. Er hustet und hustete. Und dann letztes Jahr als ich von der Arbeit kam, hatte er im Oberkopf eine dicke Beule. Da wußte ich dann, das wars.

Wir haben die Tierärztin angerufen und durften dann nach Praxisschluss hinfahren.
Die Praxis ist nicht weit von uns zu Hause entfernt, also durfte Liso seinen letzten Weg ohne Katzenbox antreten. Mein fuhr, meine Tochter saß vorne und ich hinten mit Liso. Er schaute dann auch noch ganz interessiert aus dem Fenster, als wenn nichts wäre.
In der Praxis angekommen, kamen in einen extra Raum. Die Tierärztin hat ihn dann nochmal untersucht und gemeint, da hätte man nicht mehr viel machen können, selbst wenn ich 1000de von Euros investiert hätte.

Sie merkte auch, dass ich mit meiner Entscheidung unsicher war und versicherte mir, dass sie niemals ein Tier enschläfern würde, wenn sie nicht selbst davon 100% überzeugt wäre, dass nicht noch einen anderen Weg geben würde.

Liso lag auf meinem Schoß und sie setzte ihm dann die Spritze. Ich fragte noch, wie lange es dauert und sie meinte so 15 Minuten. Und dann kam das schlimmste, er kämpfte dagegen an. Das Herz schlug und schlug. Nach 30 Minuten war er zwar bewußtlos aber noch immer nicht tot. Und so saß ich da mit meinem Kater auf dem Schoß und wartete darauf, dass es vorbei war. Irgendwann später, hörte dann endlich das Herz zu schlagen auf. Ich packte ihn ein eine Decke und wir fuhren mit meinem Toten Kater nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie lange ich noch mit ihm so in der Küche saß und heulte.
Irgendwann meinte, dann mein Mann, dass ich doch schlafen gehen sollte. Aber es fiel mir so schwer ihn loszulassen. Ich legte ihn in sein Körbchen und ging das selbst ins Bett. Am nächsten Tag haben wir ihn im Garten beerdigt.

Und dann gingen bei mir die Alpträume los. Ich träume davon, dass Nachbarn bei mir klingeln und Liso im Arm haben. Sie fragen mich, wieso ich meinen Kater weggeschickt habe. Ich träume, dass ich ihn auf der Straße laufen sehe und wenn ich ihn rufe, rennt er vor mir weg. Das ganze ist jetzt 8 Monate her und die Träume hören nicht auf. Mein Verstand weiß, dass es keinen anderen Ausweg gegeben hat, aber mein Unterbewußtsein spielt mir Streiche.

Das Positive ist, wir haben nochmal seit Juni zwei kleine Katerchen. Eines davon hat den selben Charakter wie Liso, das tröstet mich etwas auch wenn ich weiß, dass er ihn nie wird ersetzen können.

Allen Leser, die bis hierher durchgehalten haben, sage ich Danke :)

Liebe Grüße
Kunichen

liebes kuninchen,

ich hatte nach dem tode unseres katers (2001) auch immer diese träume. ich träumte damals, nachts vor der türe miauen zu hören. mein mann stand dann auf und öffnete die wohnunstür. es war unser verstorbener kater vincent! mein mann rief: "Er ist wieder da! vincent ist wieder da!!!" ich sagte:"das kann doch nicht sein, vincent ist doch tot."...vincent lief laut miauend in unsere wohnung und wir freuten uns wie "bolle", daß er wieder da war! - dann wurde ich wach und im ersten moment, dachte ich, das wäre wirklichkeit....dann war mir klar, dass ich nur geträumt hatte....ein schöner traum, zu schön um wahr zu sein. natürlich habe ich erst einmal wieder geweint.........diese träume hatte ich gut ein halbes jahr lang, dann wurde es besser. - ich habe in diesem traum ein solche freude empfunden, dass vincent wieder da war, das kann ich gar nicht beschreiben! nur, als mir klar wurde, es war nur ein traum.....das war fürchterlich. - aber träume vergehen, was bleibt, ist die erinnerung an eine schöne, liebevolle zeit mit vincent, der leider zu früh gehen musste....

gaaaaaaaaaaaanz liebe grüße

Martina
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #10
Guten Morgen Kunichen

bitte lass dir Zeit mit der Trauer, egal wie lange es dauert und vorallem was andere dir sagen. Meinen Yorki habe ich nach 20 Jahren auch gehen lassen müssen. Es waren einige Jahre bis ich das verarbeitet habe. Und erst vor 1 Jahr musste unsere Katze Lisa eingeschläfert werden, für mich war es ganz schrecklich, ich holte sie mit 10 jahren aus dem Tierheim und wollte ihr noch ein schönes Leben bieten, dann als sie nach ca. 2 Jahren endlich mal zutraulicher wurde, bekam sie eine Zahnfleischentzündung, mit anschließendem Tumor im Kopf. Als sie dann nach einen weiteren halben Jahr mit behandlungen es nicht mehr schaffte brach für mich eine Welt zusammen. Nicht nur weil ich sie verloren hatte, sondern weil es mir so leid tat, das sie zu allem leid wie man sie vorher behandelte nun noch so krank wurde und ich es nicht aufhalten konnte.
Ich denke mal du hast in deinem Unterbewußtsein alles noch nicht richtig verarbeitet und das entlädt sich in deinen Träumen. Mach dir doch ein kleines Tagebuch und notiere dir deine Träume bis auch dein Herz damit abgeschossen hat. Es braucht nicht nur zeit sich an ein Tier zu gewöhnen um es zu lieben sonder auch um Abschied zu nehmen.

Alles liebe für dich
 
  • Diese Träume machen mich fertig :-( Beitrag #11
Hallo Kunichen,

wie Du an den bisherigen Antworten ja schon sehen kannst, bist Du nicht allein, viele haben schon Ähnliches erlebt. So auch ich.

Aber: Hast Du mal erwogen, dass Dein Liso Dir im Traum erscheint, um Dich zu beruhigen und Dir zu sagen: Schau mal, mir geht es gut, Du brauchst Dich nicht um mich zu sorgen?
So wie Du es beschreibst, läuft er in Deinen Träumen doch ganz normal herum, sieht gesund aus etc., oder?

Ob Du es glaubst oder nicht, mir wurde eine ähnliche Situation mit Menschen erzählt: Es war jemand gestorben und ein Familienmitglied hatte danach immer so ähnliche Träume wie Du. Irgendwann dachte die Betroffene dann, vielleicht will die Verstorbene mir nur mitteilen, dass es ihr gut geht. Dann hat sie im nächsten Traum geträumt, dass sie zu der Verstorbenen sagt: Ich habe jetzt endlich verstanden, Du musst Ich nicht mehr so anstrengen, es mir zu zeigen. Und da hat die Verstorbene im Traum fröhlich gewinkt. Danach hörten die Träume auf.

Alles Liebe
Seidenschnabel
 
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Diese Träume machen mich fertig :-(

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