Guten Morgen.
Heute mal ein paar ernste Gedanken, weil ich eigentlich nicht recht weiß, wo ich das hinpacken soll. Es würde in so viele Threads hier momentan passen.
Und ja, ich weiß auch, dass es eh die Falschen hier lesen, aber irgendwie muss ich das mal loswerden.
Ich finde, dieses Forum hier spricht eine sehr deutliche Sprache, was das Vermehrertum an sich und auch das Unterstützen selbiger in Form von Mitleidsaufnahmen angeht. Und trotzdem habe ich den Eindruck, gegen Wände zu reden. Nicht nur ich. Wohl jeder hier, der tagtäglich versucht Menschen klar zu machen, welche Folgen ihr Handeln hat.
Und immer wieder kommen die gleichen Argumente: "Wenn nicht ich sie nehme, wer dann...", "hier ist es aber ganz anders...", "Die kleinen sind so süß...", "Es liegt in der Natur der Katze...", "Ich habe schon Abnehmer..." usw. Ich könnte endlos so weitermachen.
Aber mein absolutes Highlight ist die Frage nach dem eigenen Mitleidsempfinden.
"Sind euch die Tiere egal?"
Ich habe lange über diese Frage nachgedacht. Mein erster Impuls war ein "Nein, natürlich nicht!". Und das stimmt auch. Mir ist kein Lebewesen egal. Aber ich bin trotzdem nicht in der Lage mein Hirn deswegen auszuschalten.
Was jetzt kommt, ist wahrscheinlich recht hart, aber an sich eine einfache Rechnung. Wenn Niemand die Tiere eines Vermehrers kauft, kann es sein, dass z. B. 5 Tiere sterben, ausgesetzt werden usw.
Schlimm. Keine Frage.
Wenn aber jemand diese 5 Tiere nimmt, folglich sich der Vermehrer in seinem Tun bestätigt fühlt, wird es so sein, dass 50 Tiere kein schönes Leben haben, im schlimmsten Fall sogar sterben. Nicht direkt durch Aussetzen evtl. Aber vielleicht an Krankheiten durch Inzest, durch Verhaltensstörungen, eingeschläfert wegen Unsauberkeit oder Kratzen an Türen und Wänden.
Nun bin ich soweit, dass ich tatsächlich Leben gegen Leben aufrechne. Etwas, was an sich nicht möglich ist, aber im Tierschutz wohl einfach Realität ist. 5 Leben gegen 50. 50 Leben gegen 500. 500 Leben gegen 5000.
Alle Geschöpfe sind wertvoll und ich würde jedem Katzerl, was ungeliebt zur Welt kommt eine Zukunft wünschen. Wenn ich mir jedoch überlege, dass dieses eine Katzerl seine Zukunft auf der Zukunft von 1000 anderen Katzerln aufbaut, komm ich zu dem Schluss, dass es tatsächlich sinnvoller ist diesem einen Katzerl vielleicht die Zukunft zu nehmen um die 1000 anderen Katzerl zu retten.
Auch habe ich die Frage gelesen, ob denn erst eine Katze Schlimmes erleben muss, bevor sie es "wert ist" Hilfe zu erfahren. Nein. Natürlich nicht.
Aber auch hier greift die Rechnung von oben. So lange die Vermehrer Abnehmer finden, gibt es kein Bewusstsein für das Katzenelend. Die 5 vermittelten Kitten verhindern also, dass die Menschen das wirkliche Ausmaß der Kittenschwemme erkennen.
Dementsprechend ist es tatsächlich so, dass Tierschutz nur als solcher wahrgenommen werden kann, wenn die süßen Kitten vom Vermehrer realistisch betrachtet werden. Nämlich nicht als Ausnahme, wo "eh alles anders ist", sondern als weiterer Tropfen im großen Faß des Tierelends.
Hier sind auch einfach Statistiken Gold wert. Nur wenn die Zahlen des Katzenelends in Deutschland bewusst werden, die Menschen sich klar machen, was sie durch die Aufnahme eines Vermehrerkittens tun, sind die Wege geebnet für gesetzliche Möglichkeiten zur Eindämmung des Elends.
Denn so lang doch alles in Ordnung ist und Niemand sieht, wie 5 Vermehrerkitten Auslöser für das Elend sein können, wird sich auch nichts ändern.
Ist das ein Appell? Ja, vielleicht. Im Zweifelsfall dafür sich nicht ganz so wichtig zu nehmen. Es ist sicherlich für das eigene Ego mehr als erfreulich zu behaupten, man hätte immerhin zwei Kitten aufgenommen und damit zwei Fellnasen gerettet, die doch eh schlecht vermittelt worden wären.
Doch was sagt das Ego dazu, dass man damit vielleicht 20 Kitten ein kurzes, schmerzhaftes Leben beschert hat?
Dazu, dass man nun selbst einer derjenigen ist, der solche Threads, wie wir sie hier momentan in Mengen lesen, provoziert?
Nein? Natürlich nicht. Ich bin mir _sicher_, dass im konkreten Fall alles anders war.
Ich habe hier wohl so einen Fall sitzen, wo es leider nicht "anders war", sondern ganz typisch. Ich bin mir _sicher_, dass es tolle Abnehmer für Jorinde, Joringel und Jolli gab. Und ganz _sicher_, waren die Gründe, dass es nicht geklappt hat mehr als logisch und nachvollziehbar.
Klar, es kann ja immer was anders kommen.
Und genauso _sicher_ weiß ich, dass es dann eben kam, wie es wohl kommen muss. Der süße Wurf war im Weg, sind ja nur Katzen.
Nun, eine davon sitzt noch immer bei mir. Jolli hat nen Dachschaden.
Weil sie wohl einfach zu viel erlebt hat in ihrem kurzen Leben.
Sie ist nun eine von den 5000 Katzen, die ihr Leben nicht genießen können, weil ein anderer Mensch eine von den 5 Katzen genommen hat, die ein Vermehrer produziert hat.
Hab ich wohl Pech gehabt.
Macht nix. Mein Ego kommt damit klar, dass ich nicht ein süßes Fellknäuel genommen habe, wo die Mutter zufällig entwischt ist und sich natürlich liebevoll um den Nachwuchs gekümmert wurde.
Mein Ego hätte eher ein Problem damit, dass ich auf Kosten der 5000 eines der 5 genommen hätte.
Als ich meine Signatur gewählt habe damals, hatte ich sicher nicht das Katzenelend im Kopf. Der Spruch in meiner Signatur ist für ein Wegweiser.
Allerdings passt er ver****t gut zum Thema Katzenelend, wie ich finde.
"Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
Ich denke, fast jeder hier wünscht sich eine Veränderung für die (Katzen-)welt. Und eigentlich jeder hier hat keinerlei Probleme damit dies auch kundzutun und einem Threadersteller zu erklären, wie schlecht doch sein Handeln ist.
Aber es sind (manchmal!!!) auch genau die Leute, die eine der 5 Katzen genommen haben oder nehmen werden. Und damit sind wir beim ersten Teil des Satzes: "Sei du selbst die Veränderung".
Geschehenes lässt sich nicht rückgängig machen und es ist jedem Menschen zugestanden Fehler zu machen und falsch zu handeln - so lange er es nicht besser weiß.
Wenn jedoch das Wissen über die Konsequenzen des Handelns vorhanden ist, der Mensch also weiß, was er tut und tun wird, dann hört (zumindest bei mir) das Verständnis auf.
Wenn ich lese, dass die Person weiß, dass sie das Elend durch den Kauf unterstützt und dass die Person weiß, wie die Situation in Deutschland in Bezug auf Tierschutz ausschaut, dann ist ihr Tun kein Fehler mehr, sondern Ausdruck der eigenen Inkonsequenz und des eigenen Egoismuses.
Nicht umsonst sagt man, dass Wahrheit jedem Menschen zuzumuten ist. Zumindest gilt das oft für andere Menschen. Doch was ist mit der eigenen Person?
Ich denke, dass wenn ich jemandem Wahrheit zumuten darf, dann in erster Linie mir selbst. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist das Mindestmaß an Würde, das sich ein Mensch selbst zugestehen kann.
Und sei es nur die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, dass man eben nicht Ausnahme von der Regel ist. Dass auch im konkreten Fall der Vermehrer nur ein Vermehrer ist und nicht Gottes helfende Hand und man selbst diesen Vermehrer eben nur unterstützt und nicht 5 arme Kitten aus den grausamen Händen rettet.
Tut man doch? Ja, tut man. Und wer nimmt die anderen 5000, die nicht das große "Glück" hatten auf x oder y zu stoßen?
Genug dazu. Ich weiß eigentlich nicht recht, warum ich das alles geschrieben habe. Aber hier geht meine Rechnung vielleicht in die andere Richtung auf.
Lieben Gruß und ich hoffe wirklich, dass ich nicht den falschen Leuten auf den Fuß gestiegen bin...
Carina