Miezi, Selbstmord ist so unbegreiflich. Was muß ein Mensch erlebt haben, damit er sich zu diesem Schritt entschließt und sich derart Gewalt antut. Die Zurückbleibenden stehen vor der unfassbaren Tatsache, einen Menschen plötzlich und unwiederbringlich verloren zu haben. Und es braucht lange, um so einen Schock zu verarbeiten.
Bei meiner Freundin war es absehbar, sie war todkrank. Und trotzdem kann man sich innerlich irgendwie nicht drauf vorbereiten. Der Trost ist, daß es ihr nun besser geht und wir uns irgendwann wieder treffen.
Ich finde die Zeit von der Nachricht bis zur Beerdigung fühlt sich an wie ein Vakuum. Man kann es irgendwie noch nicht richtig begreifen, alles ist in der Schwebe. Bei der Beerdigung wird einem bewußt, was passiert ist und auch die Endgültigkeit - zumindest für dieses Leben, jetzt und hier.
Drüben werden wir von unseren geliebten Seelen erwartet. Sie geleiten uns. Wir sind nicht alleine. Ich bekam vor Kurzem ein Buch zu diesem Thema ausgeliehen und habe alles darin wiedergefunden und noch viel mehr, was ich irgendwie schon wußte und selbst erfahren habe. Und einige Zeit später, als sich eine Kundin in meinen Armen auf den Weg gemacht hat, ist genau das passiert. Sie wurde abgeholt. Ich stand fassungslos da, als ich kapiert habe, was da gerade passiert ist.
Und so bin ich überzeugt, daß meine Freundin abgeholt wurde und nun froh und glücklich ist. Und wenn wir hier weinen, dann weil wir sie nicht mehr bei uns haben, ihre Gegenwart genießen und zusammen erzählen können. Aber wir werden uns wieder treffen. Irgendwann, irgendwo.