Meine Gedanken/Feststellungen dazu sind, daß potente Tiere schlicht aggressiver sind - also nicht dominanter in Sinne von "ich bin der Chef", sondern aggressiver beim durchsetzen ihrer Bedürfnisse, da sie eben hormonell gesteuert sind. Das hört auf, wenn sie kastriert sind. Dadurch können sie in einer Gruppe natürlich in der Rangfolge sinken, wenn andere aggressive/potente noch da sind. Aber wie schon gesagt wurde ist das sicher auch oft eine Platzsache und eben auch Charaktersache. Ein charakterlich dominantes Tier wird auch nach der Kastra dominant bleiben und somit seine bisherige Position in der Gruppe weiterhin verteidigen - auch gegen unkastrierte (s. z.B. das, was Verena über Miss Holly sagt). Ein charakterlich aber eher ruhigeres Tier hat nach der Kastra keine Notwendigkeit mehr so vehement zu sein und kann somit innerhalb der Gruppe an Position verlieren - kann es aufgrund von Platzproblemen den Aggressoren nicht aus dem Weg gehen, dann gibt es natürlich Probleme. An der Futterstelle kann es aber ausweichen, gibt dann halt nur seinen Rang an den Aggressor ab.
Deshalb denke ich, daß es bei Katzen keine zwingende ultimative Rangfolge gibt, sondern das je nach Situation und Gruppendynamik sehr stark variiert. In der einen Gruppe gibt es seit je her eine "Oberchef/in", der die Gruppe vielleicht sogar gegründet und die Mitglieder von klein auf entsprechend erzogen hat und in anderen Gruppen gibt es eine Riege von gleichwertigen sich in der Rangfolge untereinander auswechselnde Mitglieder, die als ganzes nach außen agieren ohne innerlich eine bestimmte Führungskatze zu haben. Und wieder andere sind eher ein loser Verband aus Einzelgängertieren, die sich gegenseitig respektieren und aus dem Weg gehen. Und dann gibt's dazwischen noch diverse Graustufen - halt je nach beteiligten Charakteren und äußeren Gegebenheiten.
Der Mensch will immer gern pauschalisieren, katalogisieren, den Dingen eine feste Struktur geben und versucht dies auch auf die Tiere zu übertragen. Aber meine Feststellung je mehr ich mit den Tieren arbeite ist, daß es individuelle Wesen sind, die genauso wie wir Menschen auch in ihrem Verhalten sich stark unterscheiden. Und somit auch ihr Sozialverhalten untereinander stark variieren kann und zwar sogar so stark, daß in Gruppen eigene "Sprachen" sich ausbilden, die von anderen Gruppen dann nicht mehr verstanden werden.
Würde der Mensch mal aufhören alles auf einen Nenner runterbrechen zu wollen, dann könnte er viel sehen und finden - und wäre sicher sehr überrascht ;-)
Zurück zum Thema Frühkastra: ich sehe auch das sehr individuell. Habe ich nen Winzling vor mir, unterernährt, minderwüchsig oder kränklich, dann ist wohl erstmal das Gesundwerden vordringlich, sonst kippt das Kleine während der Narkose nachher weg. Habe ich nen kräftiges kerngesundes Tier, dann spricht nix dagegen. Da sehe ich persönlich die Gefahr bei frühen Frühkastras bei den Streunerkitten - das die halt oft nen gutes Paket an Problemen erstmal mitbringen, wenn man sie reinholt und somit lieber erstmal gewartet werden sollte, bis sie wirklich fit sind. Denn oft holt man die Kleinen rein und erst ein paar Tage später zeigt sich, was da alles an Baustellen lauert. Diese Zeit sollte daher aus meiner Sicht auf jeden Fall abgewartet werden bei den Kleinen. Oft ergibt sich dann dadurch dynamisch von selbst der Kastrazeitpunkt - bei dem einem früher, bei dem anderen eben später.