Hallo Lilo,
Ich möchte dir die Geschichte meiner Katze erzählen, weil sie das gleiche oder etwas Ähnliches hatte. Zuerst fiel ein erbsengroßer Knubbel an der Innenseite der Unterlippe auf. Dieser wurde entfernt, die Wunde verheilte problemlos, die Katze erholte sich rasch. Der Knubbel saß gestielt am Kieferknochen. Histologischer Befund war Spiralzellen, Fibrosarkom. Prognose: stark rezidivierend, selten Metastasen.
Tierarzt sagte, beobachten, wenn was nachwächst, wegschneiden. Stelle blöd, weil man nicht großzügig ausräumen kann.
Was jetzt kommt, mag arg klingen, war es aber nicht. Der Tierarzt sagte, wir schneiden so lange weg wie es geht. Die erste Op war Ende Mai. Die zweite Mitte September, die dritte Anfang November, die vierte im darauffolgenden Jänner. Dann war Ruhe bis September.
Die Katze hat sich nach jeder Op sofort erholt. Gleich beim Heimkommen wollte sie fressen und in den Garten. Die Wunden verheilten im Nu, sie hatte keine Schmerzen und war guter Dinge.
Wäre das nicht von Anfang an so gewesen, wir hätten ihr die vielen Ops nicht angetan!
Es waren sehr schwierige Operationen, weil der Tumor wanderte. Der Tierarzt musste sorgfältig präparieren, um die Iugularis Vene, die Speicheldrüsen, Luft- und Speiseröhre nicht zu beschädigen.
Das hat er alles hinbekommen und ganz richtig gesagt, mit all diesen Maßnahmen haben wir der Katze gut 10 % ihres Lebens geschenkt und das ist ganz schön viel.
Obwohl wir im Jänner nach der vierten Op gemeinsam beschlossen, es jetzt gut sein zu lassen, wir können nicht alle 8 Wochen operieren, machte er es nach der langen Zeit, immerhin 8 Monate beschwerdefrei, noch einmal. Wieder erholte sich die Katze innerhalb weniger Tage.
Leider wuchs der Tumor diesmal innerhalb von 3 Wochen explosionsartig nach. Nach ein paar Tagen hatte sie das erste Mal Probleme mit dem Fressen, trank auch nicht mehr und ich wollte keinesfalls zuschauen, wie sie dehydriert und immer weniger wird.
Der Tumor war nur mehr Tumor, nicht mehr im Gewebe eingebettet und die letzte Möglichkeit wäre gewesen den halben Kiefer zu entfernen, auf die Gefahr hin, dass es halswärts weiterwächst, also ließen wir sie in Ruhe gehen.
Uns wurden eineinhalb Jahre geschenkt, in denen wir beide Freude hatten, die Katze und ich.
Dass es nicht ewig so weitergehen kann, war schon lange klar. Ich konnte mich an den Gedanken gewöhnen und langsam Abschied nehmen. Es war alles gut so. Wir haben den richtigen Zeitpunkt erwischt und deshalb tut es auch nicht so verzweifelt weh, obwohl die Trauer natürlich groß ist.
Vielleicht ist es bei euch ja auch möglich, ein wenig Zeit zu gewinnen. Sprich drüber, frag nach Spitzenchirurgen, macht, was möglich, aber noch tiergerecht ist.
Alles Gute!