Eines vorneweg: meine Katzen sind mein Ein und Alles:razz:. Ich habe sie mir sehr gewünscht und ... würde nie mehr auf Katzen verzichten wollen ... so weit so gut.
Wofür ich aber absolut kein Verständnis habe ist, wenn sie mit armen frischgefangenen Mäusen oder sogar Vögeln ankommen und diese wonnevoll auf unserer Terasse zur Strecke bringen wollen. Insbesondere Kimi ist beim Mäusefangen ganz geschickt, Frederik hat den Bogen nicht ganz so gut 'raus, da er als Wohnungskatze geboren wurde. Fängt er jedoch etwas, ist es leider, so weit ich das beurteilen kann, ein Vogel.
Mittwoch Abend konnte ich von der Küche aus Kimi dabei beobachten, wie sie etwas kleines Dunkles auf der Terasse hin und her schob. Wir standen in der Küche, freuten uns auf selbstgemachte Pizza und Wein und hatten Hunger. Mein Sohn: "Sie hat einen Vogel!" Na toll! Wir haben sie hereingelockt und die Tür schnell wieder zugemacht. Ich habe mir draußen die Bescherung angesehen: ein winzig kleines Vögelchen, kaum Federn am Körper und nur wenige Stoppeln an den Flügeln. Es zitterte vor Angst und Kälte und konnte nicht einmal auf seinen Beinchen stehen. Es gehörte einfach noch in ein warmes Nest. Das tat uns sooo Leid. Kurz darauf erschien Frederik auf der Bildfläche. Er entdeckte den Vogel sofort - grenzenlose Begeisterung bei ihm. Er kam angeschossen und lief mir direkt in die Arme. Mit seinem eigenen Schwung habe ich ihn direkt ins Wohnzimmer weitergeleitet. Und nun?
Anfassen wollte ich den Vogel erstmal nicht. Die anschließende Suche nach einem Nest war leider nicht erfolgreich. Ich konnte auch keine aufgeregten Vogeleltern entdecken.
Also habe ich den kleinen Kerl doch angefasst und mit 'reingenommen. Katzen wieder 'raus. Zack!
Das Vögelchen wollte wohl eine Meise werden, so viel war zu erkennen. Ich beschloss, es mit Füttern zu versuchen, um geradezubiegen, was meine Katze verbockt hatte. Draußen stellte ich mir verzweifelte Vogeleltern und Vogelgeschwister in einem wärmenden Nest vor. Das tat mir für alle unendlich Leid. Ich hoffe sehr, dass Kimi nicht das ganze Nest geräubert hatte.
Mein Mann hat schnell gegoogelt, was junge Meisen brauchen und war insgesamt sehr skeptisch, ob das Sinn macht. Die Experten waren sehr unterschiedlicher Meinung. Bloß keine Regenwürmer! Alles mögliche an Insekten, einfach tot schlagen, mit Ei, ohne Ei...Rotlicht zum Wärmen, kein Rotlicht, trocknet die Haut aus - einfache Glühbirne:shock:.
Dann fiel mir irgendwann ein, dass eine Kollegin schon vor langer Zeit erzählt hatte, in Dortmund gebe es eine Expertin für Wildvögel, die sich hobbymäßig damit beschäftige. Zu der habe sie mal eine Meise gebracht, nachdem ihr Kater bei dieser die Pfote angelegt hatte. Ich habe sie angerufen und sie hat mir erklärt, wie ich dort hinfinde. Sie meinte, wenn ich den Vogel dort abgeben würde, bräuchte ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Selbst Großziehen funktioniere eh' nicht, wenn man keine Ahnung habe. Und die Frau sei ausgesprochen freundlich, sie werde sich sicher gerne kümmern.
Mit Vögelchen in einem provisorischen Nest ins Auto und von Mann zur Expertin kutschieren lassen.
Völlig abgelegen, mitten in der Pampa fanden wir das Haus. Und leider hatte die Expertin auch einen Mann, der mir nun die Tür öffnete. Er war völlig mißtrauisch und üüüberhaupt nicht begeistert, als er hörte, was passiert war: "Sie dürfen doch in dieser Zeit keine Katzen 'rauslassen. Das sind alles Mörder. Die morden nur so 'rum." Er schüttelte verständnislos den Kopf. "Ich kann doch Freigänger nicht einfach ein viertel Jahr wegsperren." - "Doch das müssen Sie!" Der hatte Nerven. Gott sei Dank tauchte die Expertin auf und wies ihren Mann an, das Vögelchen in den Händen zu wärmen (das haben wir z. B. nicht gewusst, ich hatte gedacht, ihm was Gutes mit dem Nest zu tun). Aber das hatte dieser sowieso sofort gemacht. Er hatte es aus dem Nest genommen und wärmte es mit seinen Händen.
Die Beiden boten mir an, den Vogel aufzunehmen, ihn aufzuwärmen, zu füttern und zu den "Anderen" zu setzen, schließlich hätten sie alles was Vogel so braucht. Würde ich es versuchen, mache das schließlich keinen Sinn. Ich war dafür mehr als dankbar. Zum Schluss erkundigte ich mich, ob ich denn mal anrufen dürfe, um zu fragen, wie es dem Kleinen gehe und sie hat mir sofort ihre Telefonnummer gegeben.
Im Geiste hatte ich mich (Donnerstag war ja Gott sei Dank ein Feiertag) Freitag schon im Büro mit einem Haufen toter Insekten und einem, sorgsam zwischen Akten versteckten Minivogel, der alle 30 Minuten gefüttert werden muss, sitzen sehen.
Freitag habe ich die Expertin angerufen und was soll ich sagen? Sie hat auf meine Frage, wie es dem Kleinen denn gehe, ganz fröhlich geantwortet: "Gut geht's dem!" Dann hat sie mir noch erzählt, dass es wohl eine Schwanzmeise ist und dass die in Höhlen oder in luftigen Höhen brüten.
Was für eine Erleichterung machte sich bei mir breit!
Ich freue mich sehr darüber ud hoffe, wenn ich das nächste Mal anrufe, ebenfalls zu hören, dass es ihm gut geht.
Wie geht es Euch nach solchen Ereignissen? Steckt ihr das weg?
P.S.: Pizza und Wein gab es Mittwoch erst um 23.00 Uhr.