Hallo liebe/r sunshinekath,
vielen Dank für Deine Nachricht, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich hatte ja auch zunächst Skrupel, die beiden zu trennen (sie sind beide ca. 5 Jahre alt), aber die Tierhilfe hat immer wieder gesagt und geschrieben, dass die beiden quasi nicht mehr miteinander verbandelt sind und jeder sich einer eigenen Katzengruppe im Katzenhaus angeschlossen hätte.
Ich habe auch weitere Informationen von unerwarteter Seite erhalten. Gestern Abend hat mich auf Facebook die Vorbesitzerin der beiden angeschrieben, und es zeigt sich mal wieder, dass man immer beide Seiten hören sollte.
Es kam heraus, dass Casanova und Oceania nicht mit einer Flugpatenschaft nach Deutschland gekommen waren, sondern mit vielen anderen Katzen zusammen eine Horror-Fahrt im LKW hinter sich hatten. Darüber hinaus war Casanova sehr lange sehr krank, und Oceania kannte ihn daher zunächst nur als kränklichen, ständig schlafenden Kater. Oceania hat sich wahrscheinlich deshalb extrem an ihre neue Halterin angeschlossen und war richtiggehend fixiert auf sie.
Oceania war wohl auch von Anfang an unsauber. Als Casanova u.a. wegen FORL zum Tierarzt musste und dort dann schließlich fast alle Zähne gezogen bekam, war dies ein Wendepunkt in der Beziehung zwischen Oceania und Casanova. Als er aus der Praxis zurück kam, hat sie ihn nicht mehr akzeptiert. Dazu kam, dass es ihm schlagartig besser ging und ein ganz anderes Wesen an den Tag legte. Er war auf einmal aufgeweckt, interessiert und fordernd, und damit ist Oceania anscheinend überhaupt nicht zurecht gekommen. Die beiden verstanden sich gar nicht mehr und Oceanias Unsauberkeit nahm in einer Weise zu, dass es kaum noch zu handhaben war.
Der damalige behandelnde Tierarzt schlug zu diesem Zeitpunkt bereits vor, dass eine Trennung der beiden die Probleme möglicherweise bessern könnte. Es wäre vielleicht einen Versuch wert gewesen, aber dies lehnte die Katzenhilfe wohl kategorisch ab. Die neue Halterin sah sich statt dessen mit großen Vorwürfen durch die Katzenhilfe konfrontiert, und sie fühlte sich mit den Problemen sehr alleine gelassen. Eine Erfahrung, die ich übrigens mit dem Tierheim, aus welchem meine Katzen stammen, ebenfalls gemacht habe. Man bringt das Tier in höchster Sorge zum Arzt, und bekommt dann vom Tierheim Vorwürfe dafür, "dass man das Tier unnötigerweise sofort zum Arzt geschleppt habe"... Von den Kosten, welche die Vorbesitzerin gehabt haben muss, ganz zu schweigen.
Oceanias Unsauberkeit nahm dann solche Ausmaße an, dass die Halterin einfach nicht mehr konnte. Sie hätte Casanova gerne behalten, aber dass lehnte die Katzenhilfe ab. Es konnten nur beide zurückgegeben gegeben werden, oder keiner.
Die ehemalige Halterin denkt auf jeden Fall auch, dass Casanova keinerlei Probleme durch die Trennung haben wird, und Oceania erst recht nicht, da sie mit ihm gar nicht mehr zurecht kam. Es besteht die Möglichkeit, dass Oceania sogar als Einzelkatze glücklicher wird, wenn sie dadurch die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Menschen genießen kann. Möglicherweise kommt sie aber auch mit einer anderen Katze besser zurecht. Es wird auf jeden Fall sehr schwer sein, unter diesen Bedingungen ein gutes und vor allem dauerhaftes zu hause für Oceania zu finden. Vor allem, wenn man gegenüber den neuen Besitzern nicht mit offenen Karten spielt.
Ich möchte hier bitte nicht falsch verstanden werden: ich habe absolute Hochachtung für das, was die Tierschützer jeden Tag überall auf der Welt leisten und dabei bis an ihre eigenen persönlichen, mentalen und finanziellen Grenzen gehen. Wo andere nur drumherum reden und aus Bequemlichkeit wegschauen, handeln sie und retten dabei unzählige Leben. Es gibt kaum eine Tätigkeit, der ich mehr Respekt entgegen bringe. Die menschlichen Abgründe, mit denen sich Tierschützer tagtäglich konfrontiert sehen, müssen grauenhaft sein. So ist es kein Wunder, dass man sicherlich bei Problemen zunächst die Schuld immer beim Menschen sucht. In 99 % aller Fälle wird dies sicherlich auch korrekt sein.
Aus dem unbedingten Willen heraus, dem Tier helfen zu wollen, werden dann vielleicht Informationen nicht weiter gegeben, die für den neuen Halter von großem Interesse sein könnten. Ganz sicher steckt bei den Tierschützern keine böse Absicht dahinter, denn oft genug werden sicherlich Probleme durch die neuen Halter einfach nur vorgeschoben, wenn das neue Tier dann doch nicht den eigenen Vorstellungen entspricht und man es schnell wieder loswerden möchte. Das muss unglaublich ernüchternd und traurig sein.
Vor diesem Hintergrund finde ich es nur zu verständlich, dass man "nur" die Seite des Tieres einnimmt, nicht jedoch die des Menschen.
Aus meiner eigenen (leider nicht guten) Erfahrung mit Tierheimkatzen würde ich mir einfach nur wünschen, dass beide Seiten im Sinne des Tieres fair und vor allem ehrlich miteinander umgehen. Ich sage dies, weil es nun bereits das zweite Mal ist, dass mir die Vorgeschichte eines Tieres nicht mitgeteilt wurde, obwohl diese bekannt gewesen sein muss. Darüber hinaus wurde auch die Vorbesitzerin öffentlich in keinem guten Licht dargestellt, was ich unfair finde. Immerhin hat sie Casanova durch seine gesamte, sehr lange Krankengeschichte hindurch begleitet und sicherlich sehr gut für beide Katzen gesorgt. Wenn ihr die Katzen egal gewesen wären, hätte sie sicherlich gar nicht erst so viel Geld und Zeit investiert. Es muss ihr sehr weh getan haben, sich wieder von den beiden zu trennen. Sie hat diese Geschichte mit Sicherheit auch nicht erfunden, denn sie gab mir bereitwillig die Adresse ihres Tierarztes, so dass meine Tierärztin nun sämtliche Befunde und Informationen von dort anfordern kann, damit eine optimale Versorgung für Casanova gewährleistet ist. Casanova hat unter anderem Gelenkprobleme, es wurde
Asthma vermutet (was sich aber wohl nicht bewahrheitet hat), ferner hat er kaum noch Zähne aufgrund von FORL.
In meinem Fall macht dies alles keinen Unterschied, denn ebenso wie bei Paulinchen, deren schlimme Herzkrankheit und Blindheit dem Tierheim angeblich nicht bewußt waren, werde ich auch für Casanova alles tun, was in meiner Macht steht, damit er ein schönes, katzengerechtes Leben bei mir führen kann.
Andere Menschen hingegen, die vielleicht eine ähnliche Erfahrung machen, werden nie wieder ein Tier aus dem Tierschutz übernehmen. Und nicht nur das. Diese Leute werden ihre schlechte Erfahrung mit Freunden und Verwandten teilen. Und diese werden eine solche Geschichte wiederum an andere weitergeben. Und am Ende heißt es dann: "Um Gottes willen, nimm bloß kein Tier aus dem Tierheim, die sind alle krank und haben Macken!"
Und am Ende müssen es dann die Tiere ausbaden.
In diesem Sinne,
viele Grüße von Susanne, Sammy, Paulinchen & Casanova