Der langersehnte Spielkamerad zieht ein

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Susannchen88

Susannchen88

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Hallo liebe Katzenfreunde,

ich wollte an dieser Stelle auch einmal berichten, was sich bei mir in Sachen Neuankömmling so tut. Zur Vorgeschichte: vor ca. einem Jahr holte ich zwei Katzen (Kater Sammy, 5 Jahre, und Katze Paulinchen, 8 Jahre) aus dem Tierheim zu mir. Ich hatte mir dies sehr gründlich und lange überlegt, und extra zwei Katzen genommen, damit die beiden sich miteinander beschäftigen können, während ich tagsüber arbeite. Soweit so gut. Leider stellte sich vier Tage nach der Übernahme der beiden heraus, das Paulinchen schwer herzkrank und noch dazu stockblind ist :shock: Nach dem ersten Schock (ich bin totale Katzenanfängerin...) hat sich nun alles sehr gut eingespielt. Ich habe Paulinchen "behindertengerechte" Klettermöglichkeiten geschaffen und ihre Herzkrankheit wird mit Tabletten gut behandelt.

Ihr Kumpel Sammy (die beiden hängen sehr aneinander) hat sich jedoch in den letzten Monaten etwas verändert. Aus dem ängstlichen und nervösen Dauerschleicher ist ein selbstbewußter Kater geworden, der nun auch gerne raufen möchte. Da Pauline das leider überhaupt nicht kann, geht er sie immer öfter an, was sie sehr streßt. Also hatte ich mir überlegt, einen dritten Kater für Sammy zum Spielen und Raufen dazu zu holen, damit Paulinchen aus der Schusslinie ist und Sammy sich auspowern kann.

Nach ewig langer Suche im Internet und Kontakt zu verschiedenen Tierschutzorganisationen fiel meine Wahl schließlich auf den 5-jährigen Casanova, einen Siam-Mix aus einer Tötungsstation in Spanien. Er war mit seiner Schwester Oceania zusammen zusammen bereits in Deutschland vermittelt gewesen, kam aber wegen angeblicher Unsauberkeit wieder zurück in den Tierschutzverein in Deutschland. Er schien vom Charakter her einfach sehr gut zu Sammy zu passen, und das war das Einzige, was mich interessierte.

Nach monatelangem Vorkontakt mit dem Tierschutzverein inklusive Vorkontrolle habe ich Casanova gestern gemeinsam mit meinem Freund abgeholt. Ich hatte zuvor mehrfach ausdrücklich gefragt, ob es ein Problem sei, wenn man Casanova und Oceania trennt, dies wurde jedoch ausdrücklich verneint. Als wir dann gestern vor Ort waren, war man dann aber plötzlich nicht mehr davon überzeugt, das eine Trennung der beiden kein Problem sei, was mich sehr verunsichert hat... :oops: Ich habe Casanova dann trotzdem mitgenommen. Sollte es sich herausstellen, dass bei ihm oder Oceania Probleme durch die Trennung entstehen, muss ich halt überlegen, wie sich das lösen läßt... ganz ehrlich: am liebsten hätte ich Oceania gleich mit eingepackt...aber vier Katzen??? OH mann...

Jedenfalls habe ich Casanova gestern nach der Ankunft bei mir (15.00 Uhr) ins Schlafzimmer gesetzt, den Raum etwas abgedunkelt, Futter, Wasser und ein Klo aufgestellt und ihn dann ganz in Ruhe gelassen. Er hat sich erst mal unter dem Bett häuslich eingerichtet, denn dort liegen kuschelige Decken und er kann sich hinter der zusammengefalteten Balkonstuhlauflage verstecken, aber dennoch hinauslinsen. Die Tür blieb erst mal zu, so dass Sammy und Paulinchen erst mal mit dem Rest der Wohnung Vorlieb nehmen mussten.

Ich bin dann mit meinem Freund erst mal einige Stunden weggefahren, und als ich abends wiederkam und vorsichtig ins Schlafzimmer ging, erkundete Casanova bereits den Rundum-Catwalk an der Wand:

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Nachts habe ich mich dann ins Bett gelegt, die Tür blieb aber dennoch zu, was Sammy und Paulinchen, die normalerweise mit mir im Bett schlafen, nicht so gut gefiel. Sammy hat vor der Tür lautstark protestiert, und dabei ist ein kleiner Dialog mit Casanova entstanden. Sammy maunzte draußen vor der Tür, und Casanova maunzte zurück. Ich verstopfte mir die Ohren mit Oropax und schlief sogar recht gut. Hin und wieder wachte ich auf, und konnte beobachten, wie Casanova immer wieder über den Catwalk stapfte und mich von oben bestaunte. Irgendwann sprang er dann auf den Boden, frass den Napf leer, trank und benutzte das Katzenklo. Anschließend hopste er wieder in eines der Wandbettchen, putzte sich und schlief dann ein.

Heute morgen um 10.00 Uhr habe ich dann die Türe geöffnet. Paulinchen und Sammy hatten längst bemerkt, dass eine weitere Katze eingezogen war, aber sie verhielten sich sehr vorsichtig, und liefen witternd durch das Schlafzimmer. Paulinchen legte sich dann recht schnell zufrieden auf mein Bett und ließ sich kraulen, was sie mit lautem Schnurren quittierte. Sammy versuchte ein paar mal, sich Casanova zu nähern, der faucht und knurrt jedoch, wenn der Abstand der beiden sich unter zwei Meter verringert. Ich hatte Angst, dass Sammy auf ihn losgeht, aber er verhält sich sehr geschickt. Wenn er Casanova anguckt, und dieser dann sofort los faucht, dreht Sammy sich um, guckt woanders hin und ignoriert Casanova. Er versucht immer mal wieder, etwas näher an Casanova heranzukommen, aber sobald das Gefauche und Geknurre losgeht, klettert Sammy wieder runter und geht entweder ganz aus dem Zimmer oder legt sich aufs Bett und macht ein Nickerchen.

Casanova ist zwischenzeitlich auch schon mal durch die Wohnung geschlichen, vorsichtig verfolgt von Sammy. Aber sobald Casanova ihn anknurrt, weicht er aus und geht wieder. Es ist erstaunlich, aber sowohl Sammy als auch Paulinchen sind nicht wirklich beeindruckt von dem Neuzugang. Beide verhalten sich ganz wie immer, sind stets in meiner Nähe und lassen Casanova in Ruhe. Ich versuche, kein Aufhebens um ihn zu machen und betüddele Sammy und Paulinchen wie immer, damit sie sich nicht zurückgesetzt fühlen. Casanova wirkt recht entspannt. Er putzt sich ausgiebig und ist interessiert an allem.

Was meint Ihr? Das läuft doch eigentlich gar nicht so schlecht, oder?

Viele Grüße von Sammy, Paulichen & Casanova
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #2
Wow da hast du aber ein bildhübsches Kerlchen adoptiert. Die Zusammenführung scheint wirklich gut zu verlaufen. Deine beiden sind sehr gut sozialisiert. Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück bei der ZF :-D.
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #3
Hey absolut super! Schöner Kater, klingt recht entspannt von der Zusammenführunge her.
Wahrschienlich hätte ich Oceania auch gleich eingepackt :roll:

Mal eben noch eine OT Frage:
Wo gibts denn diese tolle Rolle die du im Catwalk verbastelt hast?
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #4
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #5
Herzlichen Glückwunsch zum Familiennachwuchs. :-D

Ich muss gestehen, dass mir ein bisschen schwer ums Herz wird, wenn ich daran denke, dass ein gut eingespieltes Katzenteam, dass schon einige Schicksalsschläge hinter sich hat und diese aber zusammen durchgestanden hat, nun getrennt wurde.:cry: Die beiden sind ja auch schon etwas älter, oder? Wie muss es den beiden jetzt wohl ergehen ohne den jeweils anderen?

LG
sunshinekath
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #6
Hallo liebe/r sunshinekath,

vielen Dank für Deine Nachricht, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich hatte ja auch zunächst Skrupel, die beiden zu trennen (sie sind beide ca. 5 Jahre alt), aber die Tierhilfe hat immer wieder gesagt und geschrieben, dass die beiden quasi nicht mehr miteinander verbandelt sind und jeder sich einer eigenen Katzengruppe im Katzenhaus angeschlossen hätte.

Ich habe auch weitere Informationen von unerwarteter Seite erhalten. Gestern Abend hat mich auf Facebook die Vorbesitzerin der beiden angeschrieben, und es zeigt sich mal wieder, dass man immer beide Seiten hören sollte.

Es kam heraus, dass Casanova und Oceania nicht mit einer Flugpatenschaft nach Deutschland gekommen waren, sondern mit vielen anderen Katzen zusammen eine Horror-Fahrt im LKW hinter sich hatten. Darüber hinaus war Casanova sehr lange sehr krank, und Oceania kannte ihn daher zunächst nur als kränklichen, ständig schlafenden Kater. Oceania hat sich wahrscheinlich deshalb extrem an ihre neue Halterin angeschlossen und war richtiggehend fixiert auf sie.

Oceania war wohl auch von Anfang an unsauber. Als Casanova u.a. wegen FORL zum Tierarzt musste und dort dann schließlich fast alle Zähne gezogen bekam, war dies ein Wendepunkt in der Beziehung zwischen Oceania und Casanova. Als er aus der Praxis zurück kam, hat sie ihn nicht mehr akzeptiert. Dazu kam, dass es ihm schlagartig besser ging und ein ganz anderes Wesen an den Tag legte. Er war auf einmal aufgeweckt, interessiert und fordernd, und damit ist Oceania anscheinend überhaupt nicht zurecht gekommen. Die beiden verstanden sich gar nicht mehr und Oceanias Unsauberkeit nahm in einer Weise zu, dass es kaum noch zu handhaben war.

Der damalige behandelnde Tierarzt schlug zu diesem Zeitpunkt bereits vor, dass eine Trennung der beiden die Probleme möglicherweise bessern könnte. Es wäre vielleicht einen Versuch wert gewesen, aber dies lehnte die Katzenhilfe wohl kategorisch ab. Die neue Halterin sah sich statt dessen mit großen Vorwürfen durch die Katzenhilfe konfrontiert, und sie fühlte sich mit den Problemen sehr alleine gelassen. Eine Erfahrung, die ich übrigens mit dem Tierheim, aus welchem meine Katzen stammen, ebenfalls gemacht habe. Man bringt das Tier in höchster Sorge zum Arzt, und bekommt dann vom Tierheim Vorwürfe dafür, "dass man das Tier unnötigerweise sofort zum Arzt geschleppt habe"... Von den Kosten, welche die Vorbesitzerin gehabt haben muss, ganz zu schweigen.

Oceanias Unsauberkeit nahm dann solche Ausmaße an, dass die Halterin einfach nicht mehr konnte. Sie hätte Casanova gerne behalten, aber dass lehnte die Katzenhilfe ab. Es konnten nur beide zurückgegeben gegeben werden, oder keiner.

Die ehemalige Halterin denkt auf jeden Fall auch, dass Casanova keinerlei Probleme durch die Trennung haben wird, und Oceania erst recht nicht, da sie mit ihm gar nicht mehr zurecht kam. Es besteht die Möglichkeit, dass Oceania sogar als Einzelkatze glücklicher wird, wenn sie dadurch die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Menschen genießen kann. Möglicherweise kommt sie aber auch mit einer anderen Katze besser zurecht. Es wird auf jeden Fall sehr schwer sein, unter diesen Bedingungen ein gutes und vor allem dauerhaftes zu hause für Oceania zu finden. Vor allem, wenn man gegenüber den neuen Besitzern nicht mit offenen Karten spielt.

Ich möchte hier bitte nicht falsch verstanden werden: ich habe absolute Hochachtung für das, was die Tierschützer jeden Tag überall auf der Welt leisten und dabei bis an ihre eigenen persönlichen, mentalen und finanziellen Grenzen gehen. Wo andere nur drumherum reden und aus Bequemlichkeit wegschauen, handeln sie und retten dabei unzählige Leben. Es gibt kaum eine Tätigkeit, der ich mehr Respekt entgegen bringe. Die menschlichen Abgründe, mit denen sich Tierschützer tagtäglich konfrontiert sehen, müssen grauenhaft sein. So ist es kein Wunder, dass man sicherlich bei Problemen zunächst die Schuld immer beim Menschen sucht. In 99 % aller Fälle wird dies sicherlich auch korrekt sein.

Aus dem unbedingten Willen heraus, dem Tier helfen zu wollen, werden dann vielleicht Informationen nicht weiter gegeben, die für den neuen Halter von großem Interesse sein könnten. Ganz sicher steckt bei den Tierschützern keine böse Absicht dahinter, denn oft genug werden sicherlich Probleme durch die neuen Halter einfach nur vorgeschoben, wenn das neue Tier dann doch nicht den eigenen Vorstellungen entspricht und man es schnell wieder loswerden möchte. Das muss unglaublich ernüchternd und traurig sein.

Vor diesem Hintergrund finde ich es nur zu verständlich, dass man "nur" die Seite des Tieres einnimmt, nicht jedoch die des Menschen.

Aus meiner eigenen (leider nicht guten) Erfahrung mit Tierheimkatzen würde ich mir einfach nur wünschen, dass beide Seiten im Sinne des Tieres fair und vor allem ehrlich miteinander umgehen. Ich sage dies, weil es nun bereits das zweite Mal ist, dass mir die Vorgeschichte eines Tieres nicht mitgeteilt wurde, obwohl diese bekannt gewesen sein muss. Darüber hinaus wurde auch die Vorbesitzerin öffentlich in keinem guten Licht dargestellt, was ich unfair finde. Immerhin hat sie Casanova durch seine gesamte, sehr lange Krankengeschichte hindurch begleitet und sicherlich sehr gut für beide Katzen gesorgt. Wenn ihr die Katzen egal gewesen wären, hätte sie sicherlich gar nicht erst so viel Geld und Zeit investiert. Es muss ihr sehr weh getan haben, sich wieder von den beiden zu trennen. Sie hat diese Geschichte mit Sicherheit auch nicht erfunden, denn sie gab mir bereitwillig die Adresse ihres Tierarztes, so dass meine Tierärztin nun sämtliche Befunde und Informationen von dort anfordern kann, damit eine optimale Versorgung für Casanova gewährleistet ist. Casanova hat unter anderem Gelenkprobleme, es wurde Asthma vermutet (was sich aber wohl nicht bewahrheitet hat), ferner hat er kaum noch Zähne aufgrund von FORL.

In meinem Fall macht dies alles keinen Unterschied, denn ebenso wie bei Paulinchen, deren schlimme Herzkrankheit und Blindheit dem Tierheim angeblich nicht bewußt waren, werde ich auch für Casanova alles tun, was in meiner Macht steht, damit er ein schönes, katzengerechtes Leben bei mir führen kann.

Andere Menschen hingegen, die vielleicht eine ähnliche Erfahrung machen, werden nie wieder ein Tier aus dem Tierschutz übernehmen. Und nicht nur das. Diese Leute werden ihre schlechte Erfahrung mit Freunden und Verwandten teilen. Und diese werden eine solche Geschichte wiederum an andere weitergeben. Und am Ende heißt es dann: "Um Gottes willen, nimm bloß kein Tier aus dem Tierheim, die sind alle krank und haben Macken!"

Und am Ende müssen es dann die Tiere ausbaden.

In diesem Sinne,

viele Grüße von Susanne, Sammy, Paulinchen & Casanova

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Zuletzt bearbeitet:
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #7
Ich habe auch weitere Informationen von unerwarteter Seite erhalten. Gestern Abend hat mich auf Facebook die Vorbesitzerin der beiden angeschrieben, und es zeigt sich mal wieder, dass man immer beide Seiten hören sollte.

Das stimmt, man sollte sich immer beide Seiten anhören, denn es gibt ja auch immer zwei Seiten :-D Ein Mensch ist nie einfach nur schlecht oder blöd usw. Da werden dann andere Dinge einfach ausgeblendet. Das finde ich auch immer sehr schade.

Nun gut. Als ich den Thread entdeckt habe von dir, habe ich ein bisschen im Netz recherchiert und bin über die Geschichte der beiden gestolpert, dort wird sie nämlich anders dargestellt. Ich habe auch auf Facebook von der negativen Haltung gegenüber der ehemaligen Besitzerin gelesen. Das ist natürlich nicht so die feine Art. Zufällig habe ich vor einigen Wochen auch noch jemanden persönlich aus diesem Verein bei einem Tierschutz-Lehrgang kennengelernt, deswegen hat das ganze mein Interesse geweckt, weil ich eigentlich so einen sehr positiven Eindruck hatte.

Was soll ich dir nun sagen? Ja, du hast Recht, mit allem was du schreibst. Das ist nicht ok, aber leider die Realität und wird von 99% der Tierheime und Tierschutzvereine so gehandhabt. Das ist einer der Gründe warum ich aus den Vereinen raus bin und nun mein eigenes Ding mache. Und dabei lautet eine Grundregel bei mir, dass die neuen Besitzer einmal ein Infoblatt über die Katze mitbekommen und dann ein Krankenblatt für den Tierarzt, so dass dieser weiss, was wann an dem Tier gemacht wurde während es in meiner Obhut war. Wenn ich sie von der Strasse aufnehme, weiss ich natürlich nichts über die Tiere. Aber für mich und meine Arbeit gehört es dazu, diese Infos weiterzugeben. Als ich noch Vereinspflegestelle war, wurde ich teils regelrecht gezwungen, den neuen Besitzer zu verschweigen, wenn die Katzen bei mir krank waren, denn dies sei ja unwichtig, weil sie zum Zeitpunkt der Übergabe ja gesund waren, was vorher war ist doch egal. Dieses Vertuschungsverhalten rührt aus einer Angst heraus, dass Interessenten sich möglicherweise zurückziehen könnten, wenn sie hören, dass das Tier Schnupfen o.ä. hatte und die Tierschützer dann auf ihren Tieren sitzen bleiben. Ich vermute, dass sowohl Tierheime und TSVe schon mehrfach diese Erfahrungen gemacht haben und dann als Konsequenz daraus eben solche Infos nicht mehr rausgeben. Kann man auch verstehen. Ich bin nur eine kleine Pflegestelle, die maximal 10-15 Tiere im Jahr vermittelt. Bei Vereinen oder Tierheimen sind wir da ja schon im dreistelligen Bereich. Das ist eine ganz andere Hausnummer. Je mehr es wird, desto mehr leidet die Qualität. Ich muss dir aber sagen, ich spiele immer mit offenen Karten den Adoptanten gegenüber, verheimliche keine Krankheiten o.ä. und hatte auch schon Interessenten, die abgesprungen sind deswegen. Das kann passieren, vor allem weil der Durchschnitts-Tierbesitzer nur hört "krank" oder ein anderes Stichwort und dann geht direkt der Alarm an, dabei sind manche Dinge wirklich jetzt gar nicht so massiv, sondern gut händelbar und nicht aufwendig oder überteuert. Mit dieser Reaktion muss man aber rechnen, wenn man immer offen und ehrlich ist. Prozentual gesehen, ist mir das zum Glück noch nicht so oft passiert, aber ich vermittele auch selten gesundheitliche Problemtiere.

Es gibt leider nicht viele Menschen von deiner Sorte, die sagen würden: ist kein Problem! Das Tier ist dann nicht weniger wert für mich! Du hast aber Recht, im Prinzip würden wahrscheinlich mehr Menschen, Verständnis zeigen, wenn man sich die Zeit nimmt und in Ruhe mit ihnen spricht. Ich versuche es immer wieder und habe bis jetzt auch eher positive Erfahrungen gemacht bzw. viel Dankbarkeit erlebt, weil die neuen Besitzer dann eben auch keine bösen Überraschungen haben, nachdem sie das Tier adoptiert haben. Diese Qualität können aber Organisationen nicht leisten aufgrund des Personals- und Ressourcenmangel, also zeitliche vor allem. Ich denke manchmal ist es der zeitmangel und manchmal eine strategische Entscheidung.

Mir tut nun auch die ehemalige Besitzerin von den beiden Katzen leid, denn es klang alles so, als hätten sie es die 1,5 Jahre dort nicht gut gehabt bei ihr. Aber bei dem was du jetzt so beschrieben hast ist das natürlich einfach sehr schade alles.

Ich denke oft ist es einfach auch der Zeitmangel, der im Tierschutz den Tieren dann bei gewissen Entscheidungen nachteilig wird. Gerade wenn die katzen sich in grösseren Gruppen aufhalten wie in Katzenhäusern oder Tierheimen, kennt man die Tiere im einzelnen nciht so gut und kann sie nicht gut einschätzen, als wenn sie vielleicht auf einer privaten Pflegestelle wären, wo alles überschaubar ist und man sich auch intensiver mit den Tieren auseinander setzen. Das finde ich persönlich immer schade, weil man möchte ja als Tierhalter schon gerne so gut wie möglich über das Tier Bescheid wissen. Aber wie sollte man es anders händeln? Es gibt nciht genug Freiwillige, die sich unentgeltlich kümmern würden. Es gibt nicht genug offene Vorstände, die es überhaupt zulassen würden, dass sich Menschen intensiv kümmern und dann mit über das Schicksal der Tiere entscheiden. Das war mein Hauptproblem, dass Entscheidungen über Tiere getroffen werden, die fehl am Platze sind. SIcherlich sind wir alle nicht perfekt und jeder macht mal Fehler. Ist mir auch schon passiert, dass ich eine Pflegekatze falsch eingeschätzt habe und direkt ein paar Stunden später dafür die Konsequenzen tragen musste. Sowas passiert, sollte aber nicht die Regel sein. Du musst auch bedenken, dass nicht jeder, der im Tierschutz aktiv mitarbeitet professionell geschult ist. Oft lebt der Tierschutz mit seinen Helfern von der Hand in den Mund. Für die Frage nach der Qualität ist da einfach kein Platz, denn an erster und oberster Stelle steht nun mal die Tierrettung und alle die aktiv sind, spielen in erster Linie jeden Tag Feuerwehr. Der Rest ist "nice-to-have", fällt aber meistens aus Ressourcenmangel hinten runter. :cry:

Ein Ansatz zu mehr Qualität wäre vielleicht die Reduzierung der Gruppen, in denen die Tiere sind und die Verteilung auf Pflegestellen, d.h. Privathaushalte, in denen sie besser beobachtet und mit ihnen gearbeitet werden kann. Aber finde mal Leute, die das freiwillig machen.:cry: Das ist gar nicht so einfach. Das sind ja auch alles ungeschulte Privatpersonen. Es ist ein Fass ohne Boden, der Tierschutz! Aber ich kann dich sehr gut verstehen und auch die ehemalige Besitzerin von Casanova. :???:

LG
sunshinekath
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #8
Hallo sunshinekath,

vielen Dank für Deine lange und vor allem ehrliche Antwort. Wie gesagt, ich habe ganz sicher jedes Verständnis der Welt für die Tierschutzvereine, und logisch muss man bei der meist ehrenamtlichen Tätigkeit oft mit weniger qualifizierten Personen vorlieb nehmen. Dennoch tun sie alles ihr Bestes, jeder auf seine Weise, und das ist es letztlich, was zählt.

Es war mir einfach wichtig, das negative Bild über die bisherige Besitzerin gerade zu rücken. Sie hatte berechtigte Kritik gegenüber dem Verein geäußert und wird dafür in aller Öffentlichkeit gedissed. Das kann es nicht sein. Doch trotz aller negativen Erfahrungen hat sie weiter notleidenden Katzen aus Spanien ein neues zuhause gegeben, was ich toll finde. Sie arbeitet jetzt mit einem anderen Verein zusammen, der ebenfalls Katzen aus Spanien nach Deutschland vermittelt, und dort klappt es wohl sehr gut mit der Kommunikation. Das sind doch immerhin gute Nachrichten, denn es wird weiter den Tieren geholfen.

Ich kenne eine andere Dame, die lange Jahre im Tierschutz tätig war. Sie war in dem Tierheim angestellt, aus dem ich meine beiden ersten Katzen habe, und sie war die einzige, die mir nach Paulinchens Diagnose ehrlich mit Rat und Tat zur Seite stand. Sie teilte mir dann völlig unerwartet mit, dass sie nach 15 Jahren ihren Traumjob beim Tierschutz aufgeben wird, da sie einfach nicht mehr konnte. Ich hatte zuerst gedacht, sie sei der Belastung durch das ganze Tierleid nicht mehr gewachsen. Der Grund war jedoch ein völlig anderer: Sie wurde von ihren eigenen Kollegen im Tierschutz gemobbt und hat es nicht mehr ausgehalten! Meine Vermutung war schon damals, dass sie Ärger bekam, weil sie mit offenen Karten spielen wollte und dies dann nicht durfte.

Man muss sich wohl einfach frei machen von der romantischen Vorstellung, dass Tierfreunde immer auch Menschenfreunde sein müssen und dass sich im Tierschutz alle ganz doll lieb haben. Das Gegenteil scheint oft der Fall zu sein.

Zurück zu Casanova und seiner Wiedereingliederung in die Katzengesellschaft:

Eben konnte ich ihn mit der Federangel locken, und er spielt völlig begeistert damit :smile:. Er rollte hin und her über den Boden und hat dann vor lauter Spielen sogar vergessen, Sammy zu befauchen, der nur 30 cm neben ihm saß und ihn verdattert anstarrte. Urplötzlich ist Sammy dann auf ihn zu und die beiden haben sich total überrascht kurz beschnüffelt. Kein Gefauche, kein Pfotenschlagen, nichts. Das werte ich jetzt mal als Erfolg :)

Oh mann, ich hoffe, das läuft weiter so gut ;-)

Viele Grüße

Susanne
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #9
ach das hört sich doch toll an! ;-) Na klar, wird das klappen!

Man muss sich wohl einfach frei machen von der romantischen Vorstellung, dass Tierfreunde immer auch Menschenfreunde sein müssen und dass sich im Tierschutz alle ganz doll lieb haben. Das Gegenteil scheint oft der Fall zu sein.

Entschuldige, ich musste gerade ein wenig Lachen als ich das gelesen habe. Der Tierschutz ist ein Haifischbecken, jeder gegen jeden, Neid, Ungunst, Profilierungssüchtigkeit und Mobbing stehen auf der Tagesordnung und hochgradig komplizierte Menscheleien, wo man sich manchmal im Tierschutz fragt, was das noch mit Tierschutz zu tun hat. Das ist das, was mich am meisten stört, denn letztendlich müssen die Tiere den ganzen Kram ausbaden. :roll:
Hattest du wirklich diese Vorstellung vom Tierschutz? Die ist schon weit von der Realität entfernt, kann ich leider nur aus eigenen Erfahrungen berichten. Das Gegenteil ist eher der Fall. Dadurch, dass Tierschützer immer wieder mit der Abartigkeit der Menschen konfrontiert werden, durch die Grausamkeiten, die sie den Tieren antun, bekommen viele einen Hass auf den Menschen, das liest man immer wieder. Ist ja auch irgendwo verständlich. :roll:
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #10
Hallo sunshinekath,

kann ich mir denken, dass Du da lachen musstest ;-) ... ich hatte halt irgendwie geglaubt, dass alle für das Wohl der Tiere an einem Strang ziehen, das eigene Ego zurückstellen und sich dabei schlussendlich immer wieder zusammenraufen.

Zu meiner Verteidigung muss ich aber dieses sagen: Wenn man wie ich und die meisten meiner Freunde noch nie wirklichen Kontakt zum Tierschutz hatte, sieht man das tatsächlich so. Wenn Menschen ihr Leben der Tierrettung widmen, können die doch so schlecht nicht sein...denkt man halt. Man würde echt nie auf die Idee kommen, dass man da in ein Haifischbecken gerät... tja, leben und lernen :oops: Inzwischen habe ich aber viele Menschen getroffen, die von diversen Tierschutzorganisationen extrem enttäuscht waren.

Das die meisten Tierschützer Abscheu gegen Menschen entwickeln, ist für mich dagegen völlig nachvollziehbar. Ich würde wahrscheinlich nachts mit der Kettensäge durch die Nachbarschaft ziehen, wenn ich das alles mit ansehen müsste...:x

Sei es wie es sei, solange Tiere dabei ein zuhause finden, kommt doch was Gutes dabei rum ;-)
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #11
kann ich mir denken, dass Du da lachen musstest ;-) ... ich hatte halt irgendwie geglaubt, dass alle für das Wohl der Tiere an einem Strang ziehen, das eigene Ego zurückstellen und sich dabei schlussendlich immer wieder zusammenraufen.

Ja, das wäre schön. :-D

Das die meisten Tierschützer Abscheu gegen Menschen entwickeln, ist für mich dagegen völlig nachvollziehbar. Ich würde wahrscheinlich nachts mit der Kettensäge durch die Nachbarschaft ziehen, wenn ich das alles mit ansehen müsste...:x

Jetzt musste ich schon wieder lachen :mrgreen: Du bist ja echt total knuffig :-D:-D

Alles Liebe dir und den Katzen und gutes Gelingen weiterhin bei der Zusammenführung.

Gruss
sunshinekath
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #12
Vielen lieben Dank, ich werde weiter berichten, wie es läuft :)
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #13
Hallo Leute,

kurzer Zwischenbericht: alles ist weiterhin sehr entspannt, Casanova macht sich toll, und Sammy und Paulinchen verhalten sich vorbildlich. Es gibt kein Gerenne oder Gezanke, und alles sind völlig relaxt. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet...

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Casanova erkundet sehr interessiert die ganze Wohnung und alles was es so an Versteck- und Sitzmöglichkeiten gibt:

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Er folgt mir auch schon neugierig, wenn ich irgendwo rumkrame:

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Und nach dem Essen wird hemmungslos relaxt:

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Ich bin mal gespannt, ob das so entspannt bleibt, so richtig traue ich dem Frieden noch nicht :roll:

Susanne und die Katzen-WG
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #14
Das sieht doch aber suuuuper aus. Ich freue mich für die Mietzen und für Dich!
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #15
Hier ein kurzes Update:

alles läuft weiterhin toll, es gibt keinerlei Probleme, und der neue Spielkamerad für Sammy (noch heißt er Casanova) lebt sich super ein. Er und Sammy scheinen sich tatsächlich zu mögen, jeder schaut immer, wo der andere gerade ist:

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und die beiden fangen sogar schon an, miteinander zu spielen. Die beiden toben dann wie wild durch die Bude :)

Wenn die Sonne scheint, genießt man auch mal gerne zu dritt die Sonne:

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Casanovas bisheriger Lieblingsplatz ist das Liegekissen am Fenster in der Sonne:

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In diesem Sinne,

viele Grüße von Susanne und dem Katzen-Trio
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #16
Hallo liebe Katzenfreunde,

ich wollte doch mal kurz berichten, wie es bei uns dreien so aussieht. Nachdem die Zusammenführung schon traumhaft einfach war, ist immer noch alles im grünen Bereich. Sammy hat sich mittlerweile sehr an seinen neuen Spielkameraden gewöhnt und die beiden spielen und kuscheln ganz toll miteinander. Das Experiment ist also voll aufgegangen, Sammy und Casanova (jetzt Frodo) verstehen sich richtig klasse, und Paulinchen kann wieder in Frieden und ohne Sammys Spielattacken leben.

Heute haben Sammy und Frodo meinen Liegestuhl auf dem Balkon belegt, erst wurde gebalgt und dann gekuschelt:

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Die beiden sind fast immer zusammen:

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und Paulinchen kann endlich wieder in Ruhe ihre geliebten Nickerchen auf meinem Bett machen:

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Ich bin echt total froh, dass ich das trotz aller Zweifel durchgezogen habe, denn das Verhältnis zwischen Sammy und Pauline ist wieder entspannt und liebevoll, seit Sammy sich mit Frodo auspowern kann und Pauline nicht mehr dauernd angegriffen wird.

Die Aktion war also tatsächlich ein voller Erfolg.

In diesem Sinne,

viele Grüße von Susanne, Sammy, Paulinchen & Frodo
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #17
Cool, das freut mich sehr! :-D
 
  • Der langersehnte Spielkamerad zieht ein Beitrag #18
Das sind ja schöne Bilder. Jackpot :-D
 
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