Ich schreibe heute nicht wegen meinem eigenen Schützling, sondern wegen dem Kater meines Freundes. Wegen dem Kater, der mir meinen Schlaf geraubt hat, weil er um 3:00 Uhr morgens raus wollte und mich deswegen so lange wach geleckt und genervt hat bis ich aufgestanden bin. Wegen dem Kater, der mich Nerven gekostet hat, wenn er wieder mit Mäusen oder einem Vogel (zuletzt einer
Taube) ankam, die noch lebten. Wegen dem Kater, der der stoisch ruhigste und zugleich penetranteste der Welt war.
Lucky, deine Gelassenheit, dein in-dir-Ruhen, dein gemütliches Schlendern, dein wundervolles Wesen werden wir niemals vergessen, mein Schatz. Du warst Vorbild für uns was Entspanntheit angeht. Und jetzt ist der Ruhepol weg
Ich muss meine Gefühle und Gedanken loswerden....
Vor zwei Wochen wurde bei der Katze meines Freundes (er hat eine Katze und bis gestern auch einen Kater, Lucky) Knochenkrebs diagnostiziert. Er wächst auch recht schnell. Wir haben uns also mit dem Gedanken befasst, dass die kleine Maus nicht mehr lange da sein wird. Und, wie wir uns im Nachhinein gegenseitig erzählt haben, beide gehofft, dass dem roten Charmeur doch bitte nichts passiert. Warum? Keiner weiß es.
Gestern kam Lucky nicht zum Frühstück nach Hause, was eher selten der Fall war. Und mein Freund hatte gleich blöde Gefühle, aber mir nichts gesagt. Abends als wir dann bei ihm drüben waren, hat er mir erzählt, dass der kleine Mann nicht gekommen ist. Und wir haben es noch abgetan mit dem schönen Wetter und dass er sicher irgendwo rumscharwenzelt. Und wollten dann zum Essen fahren. Wir sind aus der Einfahrt raus auf die Straße und nach 5 Metern haben wir auf dem Grünstreifen links von der Fahrbahn etwas cremerotes liegen sehen und es war wie wenn ein Blitz einschlägt. Lucky



In der nächsten Einfahrt angehalten, hab ich gesagt er soll bitte sitzen bleiben und bin hingelaufen. Was ich da sehen musste war kein Spaß und die Bilder wollen nicht mehr aus meinem Kopf. Wir sind also einmal rum um den Block und wieder zurück in die eigene Einfahrt. Erstmal eine rauchen, weinen, Fassungslosigkeit.
Ich wollte meinem Freund nicht zumuten, das zu sehen, hab ihm gesagt er soll bitte warten und nicht hingehen. Ich hab Lucky geholt, ich habe lange gebraucht, wusste nicht wie machen, bin verzweifelt hin und her, wollte nicht noch mehr sehen als ich schon gesehen hab. Mit der Schaufel ging es nicht, das Gras hat es verhindert. Also nach unendlich langem Zögern Handtuch drüber und unter den Achseln genommen und rübergezogen auf eine Decke. Eingewickelt und nach Hause getragen. Ich weiß nicht wie lange ich gebraucht habe, aber in der Zwischenzeit hat mein Freund die Nachbarn um Hilfe gebeten weil ich nicht zurück kam, es war wohl sehr lange.
Den Autofahrer trifft keine Schuld, das Gras war nicht gemäht, nur der letzte Meter direkt an der Fahrbahn, da wo er lag. Da bleibt keine Zeit zu reagieren. Er wurde dort abgelegt, DANKE an denjenigen, der ihn von der Straße geholt und abgelegt hat. Von alleine kam er dort ganz bestimmt nicht mehr hin, er lag seitlich, ganz gerade wie umgefallen. Es muss ihn einer dort hingelegt haben.
Was ich gesehen hab möchte ich nicht beschreiben, aber die Bilder verfolgen mich. Er war doch auch ein bisschen mein Kater, seit eineinhalb Jahren. War mein großer heimlicher Liebling. Auch wenn er mich viel Schlaf gekostet hat. Keiner kann so hell gurren wie er. Keiner so elegant über den Zaun fliegen.
Lucky es tut mir sehr leid, ich wünschte ich könnte dir nochmal sagen dass ich dich lieb hab. Auch dein alter Herr ist unendlich traurig und verzweifelt. Wir vermissen dich sehr!!!
Mich tröstet, dass er ganz sicher nicht leiden musste, auch, dass ihn jemand auf die Seite gelegt hat und dass er bis zuletzt ein wundervolles Leben führen durfte. Aber ich komme mit dem was ich gesehen habe nicht zurecht, es verfolgt mich, ich kann nichts mehr essen. Ich weiß nicht wie ich das verarbeiten soll.
Lucky, wir lieben dich, komm gut zu deinem Charly und grüß auch bitte meinen Pupi, wir sehen uns hoffentlich wieder und dann üben wir weiter Köpfchen, okay? Und bitte achte ein bisschen von drüben auf die Kleine, vielleicht darf sie noch ein bisschen länger bleiben, sonst weiß ich nicht wie wir mit dem ganzen Schmerz umgehen sollen.