Hallo liebe Forenmitglieder,
ich lese schon seit längerem hier mit und habe jetzt beschlossen, meinen "Fall" hier zu schildern, da ich selbst nicht mehr weiter weiß und die Situation wirklich nicht sehr schön ist.
Wir haben insgesamt vier Katzen, alle leben schon immer nur in Wohnungshaltung. In unserer Wohnung haben sie etwa 100qm zur Verfügung, auf drei Räume und einen großen Flur aufgeteilt. Mein Arbeitszimmer ist tabu, da liegen viele wichtige Unterlagen, und mein Thai-Mädchen dekoriert gerne die Wohnung mit Papierschnipsel.

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Meine Mutter ist beim Tierschutz tätig und betreut jedes Jahr viele Katzen, hat außerdem sechs eigene. So ist es klar, dass ich irgendwann auch eine Katze wollte.
Also war ich vor drei Jahren im Tierheim und habe eine wunderschöne graue Britisch-Kurzhaar-Dame entdeckt, die ich unbedingt haben wollte.
Sie, Shiva, ist jetzt auch mein Sorgenkind. Aber ich fange am Anfang an...Shiva lebte ihr bis dato zweijähriges Leben bei einer alten, bettlägrigen Dame ganz alleine, die dann auch verstorben ist. Daraufhin nahm ihre Tochter sie zu sich, wo sie aber von ihrer alteingesessenen Katze so drangsaliert wurde, dass sie vom Balkon sprang. Dann haben sie Shiva ins Tierheim gegeben. Das war vor drei Jahren.
Bei mir zuhause zeigte sie sich sehr zutraulich, kannte aber augenscheinlich keine Spielzeuge und nichts, sie wusste mit nichts von den diversen Mäuschen und Spielangeln, die ich hatte, etwas anzufangen. Auch kratzte und biss sie mich manchmal unmotiviert und benahm sich nicht so...kätzisch. Mit viel Zuwendung und Übung wurde das besser, sie lernte apportieren und spielte auch mehr. Allerdings war sie doch sehr einsam, auch weil ich oft lange arbeiten war.
Nach einem halben Jahr entschloss ich mich, noch eine zweite Katze dazuzunehmen - Siri, ein kleiner Thai-Wirbelwind. Siri war etwa sechs Monate alt, als ich sie bekam. Da sie ein sehr gut sozialisiertes Tierchen ist, nahm sie natürlich sofort Kontakt auf, was zuerst stressig war, aber bald verstanden sie sich einigermaßen. Die große Liebe war es zwar nicht, aber Shiva taute sichtlich auf und auch ihr Verhalten wurde immer mehr wie das, was man von einer Katze erwartet. Sie spielte, redete mit mir und auch die unmotivierte Beißerei wurde sehr viel besser. Shiva war glücklich, jetzt litt aber Siri, die sehr sozial und kuschelbedürftig mit ihren Artgenossen ist. Das ging aber leider gar nicht mit Shiva, die sich zwar ab und an von ihr ablecken ließ, aber kuscheln oder gar zusammen schlafen, das ging nicht.
Siri war also nicht ganz glücklich, weswegen mir meine Mama zu einem kater riet. Platz hatte ich ja genug, also zog der kleine Kasimir, ein Türkisch
Van-Mix, bei mir ein. Jetzt war alles bestens, denn Kasimir und Siri verstehen sich prächtig, sie haben geschmust, gebalgt und gerauft, und Kasi ist der sanftmütigste Zeitgenosse, den man sich vorstellen kann. Er hielt Abstand zu Shiva, und alle drei waren glücklich und zufrieden. Shiva suchte Kontakt, wann sie wollte, und die anderen beiden hatten sich.
Dann stand ein beruflich bedingter Umzug an, ich konnte mit meinem Mann zusammenziehen, der vorher noch anderswo gewohnt hatte. Er liebt die Katzen über alles und verbringt sehr viel Zeit mit ihnen beim Spielen und Leckerlies verstecken, erfindet neue Fummelbretter und so weiter.
Letztes Weihnachten waren wir bei meinen Eltern, und jetzt geht das Problem los: Sie hatte zwei kleine, flauschige, weiße Türkisch Angora-Kater da, zehn Wochen alte Brüder. Wunderschön und total verschmust.
Weil zu der Zeit gerade der weiße Lieblingskater meiner Mum gestorben war, wollte sie einen behalten, den anderen vermitteln. Einer der Kleinen war in der Entwicklung deutlich hinterher, er war viel zu klein und wollte nicht zunehmen. Den wollte sie behalten.
Nur gab es das Problem, dass der andere wahrscheinlich taub ist. in der Vergangenheit hatte sie schon einige
taube Katzen vermittelt, die dann aber entgegen ihrer Empfehlung rausgelassen wurden und unter einem Auto endeten. Deswegen machte sie sich Sorgen, dass ihm auch so etwas passiert.
Ich wollte eigentlich keine vierte Katze, aber mein Mann hat mit Engelszungen auf mich eingeredet, weswegen wir dem kleinen Babou eine Chance gaben. Es hat sich rausgestellt, dass er tatsächlich taub ist, wie es ja öfters bei weißen Katzen vorkommt.
Wir haben ihn also mitgenommen, und er war ein echter Traum. Total anhänglich,lieb und verschmust,das war schon fast anstrengend

Shiva war sehr skeptisch, aber durchaus offen und neugierig, die anderen zwei haben ihn quasi sofort akzeptiert, Siri hat die Mutterrolle übernommen und auch wie wild mit ihm gebalgt (sie ist beim Spielen eher wie ein Kater und rauft gerne), mit dem Kasimir rennt er wie ein Pony durch die Wohnung. Die sind halt einfach ein Traum in der Hinsicht.
Der Kleine wuchs schön und entwickelte sich super, er orientiert sich wegen seiner Taubheit halt an den anderen, das ist aber weiter kein Problem.
Die Erziehung ist recht schwierig, da er ja auf ein "Nein" nicht reagiert. Die anderen wissen genau, dass sie mit dem, was sie tun, aufhören müssen, wenn ich nein sage, bei ihm ist das schon schwierig, wenn ich ihn von was wegsetze, nimmt er es als Spiel und rennt grade erst recht wieder hin. Zum Glück orientiert er sich auch bei verbotenen Sachen an den anderen.
Er wurde mit sechs Monaten kastriert. Vom Charakter her ist Babou altersgerecht verdammt wild und tobt und rennt wie verrückt durch die Wohnung, was aber Siri und Kasimir nix ausmacht. Wenn er sie zu sehr drangsaliert, kriegt er eins drauf und gut ist.
Nur, jetzt kommt das große Problem: Shiva hasst ihn inzwischen, da er natürlich auch sie jagt. Das ist sie nicht gewohnt und sie hat furchtbare Angst vor ihm. Sie schreit Zeter und Mordio, was er aber natürlich nicht hört. Ihre Körpersprache kann oder will er nicht lesen und geht jedes Mal, wenn er auch nur ihre Schwanzspitze sieht, auf sie los und jagt sie wie verrückt. Sie schreit dann das ganze Haus zusammen, fauxht wie verrückt, brummt und springt irgendwo hoch. Er hört das natürlich nicht und rennt munter weiter hinterher, da er ja, da bin ich mir sicher, nur spielen will. Ich bin mir sicher, dass er ihr nix Böses wollte.
Mittlerweile ist es aber leider so, dass er sie wirklich jedes Mal jagt, wenn er sie sieht, und er legt sich auch ganz gezielt neben den Sessel, in den sie sich verkriecht. Das tut sie leider seit zwei Wochen quasi den ganzen Tag, sie liegt nur noch unter dem Sessel und kommt, wenn überhaupt, nur ganz zögerlich raus, schaut sich ängstlich um und schleicht durchs Zimmer. Wir haben ihr einen Futternapf und eine Toilette in die Nähe gestellt, damit sie wenigstens das tun kann.
Ich bin deswegen extremst verzweifelt, da nichts die aktuelle Situation verbessert. Ich gebe ihr jeden Tag Zylkene, ich versuche, ihr besonders viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, rede mit ihr und sitze neben dem Sessel. Dann kommt sie meistens auch raus, aber nur, wenn ich direkt danebensitze. Und wenn sie ihn sieht, dreht sie sofort um.
Den Kleinen nehme ich sofort weg, wenn er Anstalten macht, sie zu jagen. Ich habs mit wegnehmen versucht, mit Ablenkung durch Spielen, mit zeitweisem Aussperren aus dem Zimmer, mit erhobenem Zeigefinger, ich hab mich zwischen den Beiden positioniert...alles bringt rein gar nichts, sobald er wieder die Möglichkeit hat, geht er zu diesem Sessel, unter dem die Shiva liegt. Zuerst dachte ich, das legt sich wieder, wenn er kapiert, dass sie das nicht will. Er hat ja die anderen beiden zum Spielen, und ihn powere ich auch jeden Tag so gut es geht aus.
Am Anfang ist er ihr auch nur nachgelaufen, wenn sie weggerannt ist, ich vermute, weil er spielen wollte, inzwischen springt er aber auch, wenn sie auf einem Kratzbaum oder so liegt, hoch.
Shiva traut sich aber inzwischen gar nix mehr, und zu allem Überfluss nehmen die anderen zwei jetzt seit einigen Tagen auch noch Position vor dem Sessel ein und laufen ihr nach, wenn sie mal rauskommt und wegrennt. Wenn ich da schimpfe, hören sie aber wenigstens wieder damit auf.
Für mich sieht das alles inzwischen nach Mobbing aus, und ich weiß nicht, was ich noch tun soll.
Einmal haben wir sie nachts alleine mit ins Schlafzimmer genommen, da war sie wie früher. Es liegt also definitiv am Kleinen.
Hat jemand einen Tipp für mich, was ich noch tun kann? Es ist ja eine extrem stressige Situation für meine Shiva...und ehrlich gesagt, inzwischen auch für mich.
Macht es Sinn, sie längerfristig zu separieren? Bachblüten? Verhaltenstherapeuten aufsuchen?
Vielen Dank für's Lesen!
Ich bin für jeden Tipp dankbar!
Verzweifelte Grüße,
Kassiopeia