Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung

Diskutiere Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung im Zucht und Genetik Forum im Bereich Katzenzucht und Nachwuchs; Hallo zusammen :) Ich bin neu hier im Forum und möchte gleich einmal eine Frage stellen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt. Ich selber habe...
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #1
Amaya.

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Hallo zusammen :)

Ich bin neu hier im Forum und möchte gleich einmal eine Frage stellen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt. Ich selber habe eine kleine BKH Zucht in der Schweiz (Amayas Cattery) und bin spezialisiert auf die Farbvarianten silver shaded und Colorpoint. Da ich mich besonders für Genetik und Vererbung aber auch für biologische Prozesse interessiere habe ich mich intensiver mit der Genetik des Point-Faktors und dessen Konsequenzen beschäftigt und bin nun auf einen Punkt gestossen, wo ich mich frage, ob diese Farbvariante ethisch vertretbar ist.

Die Informationen bezüglich Point, die mir bekannt sind, habe ich hier mal zusammengefasst:

Point oder Colorpoint ist die Bezeichnung für alle Katzen mit charakteristischer Maskenzeichnung und blauen Augen. Point ist eine bestimmte Form von Teilalbinismus, welche auf dem doppelt vorhandenen rezessiven Point-Faktor beruht. Dieser unterscheidet sich von Katzenrasse zu Katzenrasse. Bei der Britisch Kurzhaar Katze ist dies meist der cs (siam) - Faktor.

Was viele nicht wissen ist, dass die Farbe Colorpoint oder Point eine Folge von genetischem Teilalbinismus ist. Es bedeutet, dass ein gewisses Enzym (Tyrosinase), zuständig für die Pigmentierung (Melaninproduktion) stark eingeschränkt ist in wärmeren Körperbereichen, was die teilweise Entfärbung des Fells nach sich zieht. Nur in kälteren Bereichen kann die Tyronsinase für vollständige Pigmentierung sorgen, was zur allseits bekannten ,,Kälteschwärzung“ der Points führt (oder auch eine Hitze-entfärbung). Die wahre bzw. genetische Farbe zeigt sich folglich nur in den Haarspitzen und Haaren der Extremitäten sowie in der Farbe der Fussballen.

Soweit ok, jetzt kommt aber der Punkt, der mich besonders beschäftigt, nämlich die Rolle von Tyrosinase in anderen physiologischen Bereichen.
Dieser Defekt in der Melaninproduktion macht sich nämlich nicht nur in der Färbung des Fells bemerkbar, sondern auch in der Bildung und Pigmentierung der Regenbogenhaut der Augen. Die ursprünglich dunklere Färbung der Iris wird durch die eingeschränkte Aktivität der Tyrosinase massiv aufgehellt, was die charakteristische blaue Färbung der Regenbogenhaut hervorruft. Diese unnatürlich helle Pigmentierung ist um einiges licht-sensitiver als die deutlich dunkler pigmentierte Iris von solid farbenen Katzen.
Auch die Bildung des Sehnervs ist Melanin-abhängig. Nicht zuletzt deswegen trifft man bei Pointkatzen vermehrt auf Schielen oder den sogenannten Silberblick. Generell sind Point-Katzen visuell eingeschränkt und unter Umständen sogar behindert. Die gesundheitlichen Folgen für die Katze sind zwar nicht extrem gravierend, jedoch sind sie dennoch ein eindeutig negativer Nebeneffekt, weshalb ich mich frage, ob man dies ,,in Kauf" nehmen kann, oder eben nicht.

Persönlich kann ich bestätigen dass meine Katze (Arwen) in point deutlich schlechter auf visuelle Reize reagiert und das Ausmass der Pupillen-Dilatation sich deutlich von der meines Katers unterscheidet. Zudem leidet sie unter (beiderseits) schwachem Strabismus (divergent - also nach aussen) und einseitiger Hypertrophie (nach oben). Es ist fast nicht sichtbar, da es sich ein wenig verwachsen hat, jedoch immer noch vorhanden.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung

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  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #2
Danke für deinen Beitrag. Vom genetischen Hintergrund hab ich nicht die geringste Ahnung (und damit weiß ich auch nicht, inwieweit andere Gene mit dem cs-Faktor zusammenspielen, um diese Probleme zu erzeugen?), aber ich weiß jetzt endlich, wieso meine Landstraßenmix-Dauerpflegekatze in Seal Point nicht nur ihren "niedlichen" Silberblick hat, sondern wieso ich schon die ganze Zeit das Gefühl habe, dass sie nicht so prickelnd sieht. Nicht so schlecht wie unser eigener Kater, der nahezu blind ist, aber auch schlechter als der kleine Perser-Lookalike mit dem halben blauen Auge und den anderthalb gelben Augen, der davor bei uns gewohnt hat. Die Probleme merkt man vor allem, wenn sie etwas aus dem "Augenwinkel" finden soll, wenn sie aus dem Fenster sehen möchte, bei der Arbeit mit dem Targetstick beim Clickern und beim Spielen. Was nicht riecht oder Geräusche macht, ist relativ uninteressant. Und jetzt weiß ich auch, wieso :???:

Bin schon gespannt, was die Leute mit mehr Erfahrung beim Thema Genetik dazu zu sagen haben!
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #3
Ich bin zwar Laie, lehne aber ALLE Züchtungen, die vordergründig optische Erscheinungen bevorzugen ab. Es ist doch allgemein so, dass total viele Rassenzüchtungen in irgendeiner Art negativ für die Katze sind und man sie trotzdem weiter züchtet. Ich spreche dabei nicht nur von den armen Geschöpfen, die auf Grund eines Gendefekts fast keine Haare haben (Nacktkatzen), sondern auch von extrem engen Becken, von zu kurzen Nasen, dem Hang zum Erblinden. Im leichtesten Fall muss die Katze halt „nur“ jeden Tag gebürstet werden, weil ihr Fell unnatürlich lang ist und sie so ohne menschliche Betreuung gar nicht existieren könnte.

Ich fände ausgewogene Verpaarungen kreuz und quer durch die Population, inklusive Promenadenmischungen viel sinnvoller.

WENN man schon eine extreme Erscheinungsform bevorzugt, sollte man höllisch drauf achten, das Ganze nicht zu sehr auf die Spitze zu treiben. Etwas weniger Rassenkonform und dafür gesünder wäre wünschenswert. Aber so lange Rasseliebhaber auf Schauen gehen und dabei die Tiere wie lebende Pozellanpuppen betrachten, wird das leider nix werden.

Ich selber habe eine weiße Katze, der Optik nach EKH, und dachte lange, das wäre halt eben eine Katze, die zufällig weiß ist. Ich war sehr erschrocken, als ich feststellen musste, dass die Aussage meiner Nachbarn, sie hätten schließlich mal viel Geld für sie gezahlt evtl stimmt. Im Leben würde ich die Zucht weißer Katzen nicht befürworten, seit ich die damit verbundenen Probleme kenne!!
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #4
Ich fände ausgewogene Verpaarungen kreuz und quer durch die Population, inklusive Promenadenmischungen viel sinnvoller.
Da ist dann aber das Problem, dass alle Erbkrankheiten auftreten können, da ja gar kein Ausmerzen von Erbfehlern erfolgen kann.

Meine Lieblingsrassen Abessinier und Somali hatten z. B. früher den von dir genannten "Hang zum Erblinden" aufgrund der Erbkrankheit PRA.



Da aber heute jeder verantwortungsvolle Züchter dieser Rassen seine Zuchttiere vor dem Zuchteinsatz darauf genetisch testen lässt, wird diese Krankheit wohl bald ausgerottet sein.

P.S Zu den blauäugigen Katzen kann ich leider nichts beitragen, da müssen die Liebhaber dieser Tiere ran.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #5
Naja, ich bin wie gesagt kein Züchter oder so. Aber ist es denn nicht so, dass die von dir erwähnte Krankheit erst durch Zucht entstanden ist?

Klar kann man jetzt kontern, dass es überhaupt nur Rassen jenseits der natürlich vorkommenden gibt, weil jemand mal angefangen hat zu züchten. Aber ich sehe den gesamten Vorgang halt eben kritisch. Ich finde auch nicht, dass die Haustier-Rassen mit besonders riesigen Eutern oder auf jeder Seite ner Rippe mehr oder so dicken Oberschenkeln oder Brustmuskulatur, dass sie nicht mehr laufen (geschweige denn fliegen) können, ne gute Idee sind.

Ich denke, dass alle extremen Abweichungen von der Naturform Risiken bergen. Und wenns nur zum Wohle des Menschen ist, finde ich es eben verwerflich.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #6
Nein, diese Krankheit gibt es überall, sie wurde erst durch Zucht bekannt. Ebenso HCM.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #7
Hm. Aber wenn ich – wie sagt man das – rasselose Katzen züchten würde. Also weißt du, was ich meine? Katzen vermehren, aber mit all dem Wissen, welches ein verantwortungsvoller Züchter hat, nur dass man eben keinerlei Wert auf die Ausprägung eines bestimmten Merkmals legt, sondern NUR dass die Katzen gesund wären – wäre das nicht viel besser?

Immerhin bedeutet die Ausprägung bestimmter Merkmale eben zwangsläufig, dass ich den Genpool enger schnalle, oder nicht?
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #8
Natürlich ist es ein engerer genpool als in der freien Wildbahn.

Hast du dich mal mit der ekh auseinandergesetzt? Also nicht mit unseren hauskatzen, das sind EHK. Sondern mit der europäischen Kurzhaarkatze.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #10
@virra:

Da das im Grund gar nichts mit dem Thema zu tun hat, bin ich mal ausgewichen:

Insgesamt interessanter Thread, genauso wie der:

Ja, guter Gedanke. Dankeschön.

Um noch die Frage von oben zu beantworten: Nee, hab ich nicht. Auch dachte ich bislang das EKH und EHK das Selbe wären, bzw ist mir noch nie der Unterschid in der Schreibweise bewusst aufgefallen. Aber ich bin interessiert am Thema und werde mich da mal belesen.

Dann wandere ich mal rüber und lasse den Thread hier in Frieden.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #12
Hm. Aber wenn ich – wie sagt man das – rasselose Katzen züchten würde. Also weißt du, was ich meine? Katzen vermehren, aber mit all dem Wissen, welches ein verantwortungsvoller Züchter hat, nur dass man eben keinerlei Wert auf die Ausprägung eines bestimmten Merkmals legt, sondern NUR dass die Katzen gesund wären – wäre das nicht viel besser?

Immerhin bedeutet die Ausprägung bestimmter Merkmale eben zwangsläufig, dass ich den Genpool enger schnalle, oder nicht?

Ich finde es etwas seltsam, dass irgendwie der Eindruck entsteht, dass bei Katzenzucht die Gesundheit keine wichtige Rolle spielt. Für jeden seriösen Züchter ist die Gesundheit und ein guter Charakter von Katzen die wichtigste Grundlage, ehe man sich überhaupt um andere Eigenschaften einen Kopf macht. Viele Zuchtkatzen sind auf erbliche Erkrankungen untersucht, von denen Liebhaber nicht einmal wissen, dass es sie gibt.

Wie oft lese ich, dass eine Hauskatze von einem Moment zum anderen verstorben ist. Kaum ein Liebhaber würde seine Katze obduzieren lassen, um die Ursache herauszufinden. Für Züchter ist so etwas selbstverständlich. Deshalb werden bei Rassekatzen Krankheiten aufgedeckt und entsprechende Konsequenzen daraus gezogen. Dadurch entsteht aber auch der falsche Eindruck, dass bei Rassekatzen viel mehr Krankheiten vorkommen als bei Mixen und Hauskatzen.

Auch ich lasse meine Zuchtkatzen auf ganz verschiedene Erkrankungen untersuchen. Das mache ich aber nicht, weil meine Katzen mit allen möglichen Krankheiten belastet wären, sondern um zu verhindern, dass sich Katzen mit Anlagen zu erblichen Krankheiten fortpflanzen.

Bei Zucht weiß man immerhin, wie stark die Inzucht zwischen zwei bestimmten Katzen ist, weil man deren Vorfahren kennt. Bei Katzen ubekannter Abstammung hofft man nur, dass sie nicht verwandt sind. Und bei vielen Streunerkätzchen oder Kätzchen vom Bauernhof ist die Inzucht oft enorm.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #13
Ich wollte ja eigentlich den Thread hier nicht weiter strapazieren, aber dazu muss ich noch was sagen: du hast mich da falsch verstanden. Ich meine nicht, Katzen vermehren ohne Plan. Man kann doch sehr wohl bewusst verschiedene Rassen zu - ich nenne das mal geplanten Mischlingen, verkreuzen. Von denen kennt man dann selbstverständlich auch die Ahnen und weiß Bescheid.

Ich lese mir gerade ne fundiertere Meinung an und wenn ich mir die gebildet habe, werde ich im oben empfohlenen Thread gerne weiter diskutieren. Ich finde die Thematik interessant.
 
  • Die Farbe Colorpoint und deren Auswirkung Beitrag #14
Es gibt doch einige Rassen, die so entstanden sind bzw. aktuell entstehen. Auch bei meiner Rasse werden langhaarige Hauskatzen eingekreuzt, weil unser Genpool sonst viel zu klein wäre. Allerdings sind da viele Auflagen zu erfüllen und das läuft natürlich auch über die Vereine, die die Katzen dann erst einmal im Experimentalstammbuch registrieren.
Allerdings macht es keinen Sinn, ständig neue Mischlinge zu produzieren, weil man dadurch sehr schwer abschätzen kann, was die Zuchttiere vererben. Arbeiten die Züchter dagegen schon einige Katzengenerationen lang zusammen, kann man relativ sicher sagen, was in den Katzen drin steckt. Dadurch sinkt dann das Risiko für, dass plötzlich gesundheitliche Probleme auftreten.
 
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