Hallo,
Mein Name ist Dominik und ich habe mich kürzlich erst hier angemeldet. Allerdings leider nicht aus einem erfreulichen Grund, sondern in der Hoffnung, hier meine Trauer zu verarbeiten und etwas Trost zu finden, indem ich all meine Gedanken, die mich aktuell beschäftigen, hier aufschreibe.
Alles beginnt mit meiner ersten Erinnerung im Alter von 2 Jahren: An einem sonnigen Tag im Sommer 1999 sitze ich mit meinen Eltern und meinen beiden Schwestern im Auto. Ich schaue aus dem Fenster, als wir gerade in die Einfahrt eines Bauernhofs einbiegen, welcher von starkem Sonnenlicht und von Wärme erfüllt wird...
Das war es auch schon, an mehr kann ich mich aus eigener Kraft gar nicht erinnern, doch durch die Erzählungen meiner Familie weiß ich, dass dies wohl einer der bisher wichtigsten Tage in meinem Leben war und wohl bis zum Ende sein wird. Denn es war der Tag, an dem die kleine Katze Minka und ihr Bruder Speedy in unser Leben traten.
Obwohl ich nicht behaupten kann, eine der beiden Katzen mehr geliebt zu haben, so kann ich nicht bestreiten, dass zwischen Minka und mir immer eine besondere Verbindung bestand, die ich so mit Speedy nicht teilte, trotzdem habe ich mich immer um beide gleichermaßen gesorgt (genauso wie die gesamte Familie).
Jeden Tag, an dem ich von der Schule nachhause kam, wartete Minka meistens schon mit starrem Blick mich fokussierend und mittels lautstarken Wortmeldungen auf ihr Mittagessen wartend. Den Großteil ihres Lebens war sie wohlgenährt und hatte wohl eher ein paar Gramm zu viel auf den Rippen als zu wenig. Allerdings nie so viel, dass ihr Alltag oder ihre Gesundheit davon beeinträchtigt gewesen wären. Sie hatte zwar einen ziemlich großen Garten mit vielfältiger Vegetation (Schwimmteich mit Fröschen + Libellen als lebende Beute inklusive) und eine anliegende Wiese, etwas kleiner als ein Fußballfeld, zur Verfügung, doch sie bevorzugte lieber ein langes Bad in der Sonne und ausgiebige Streicheleinheiten anstatt Mäusejagden und mehrfachen Hausumrundungen, wie ihr Bruder es immer tat. Beide blieben allerdings immer gerne in der Nähe bekannter Gesichter und entfernten sich nie allzu weit von unserem Grundstück, obwohl die Möglichkeit dafür grundsätzlich gegeben ist. Vielleicht war das auch von Vorteil, denn vor den beiden waren schon 3 Katzen (nacheinander) bei uns eingezogen, doch leider fielen diese nach viel zu kurzer Lebensdauer der Hauptstraße neben unserem Haus zum Opfer bzw. verschwanden spurlos. Ironie des Schicksals, dass ich ohne diese schrecklichen Unfälle Minka und Speedy wohl nie kennengelernt hätte...
Und so lief das Leben und meine Kindheit selbstverständlich vor sich hin, egal ob es gute oder schlechte Tage waren und egal auf wen ich mal wütend war oder wer mir in meinen Augen gerade Unrecht getan hatte, ich konnte mich darauf verlassen, dass ich mich auf das Sofa legte und Minka mir mit ihrem außergewöhnlich lautem Schnurren und dem weichen, weißen Fell mit braun-schwarzen Mustern auf Kopf und Rücken Trost spendete. Viele schöne Momente und Erinnerungen und natürlich auch einige Fotos und sogar Videos sammelten sich im Laufe der Jahre. Obwohl ich im Alter von 10-11 Jahre einige schwierige Wochen und Monate lang an starker Niedergeschlagenheit und Traurigkeit litt, ohne einen wirklichen Grund dafür zu kennen, so kann ich meine Kindheit trotzdem als überwiegend schön und glückserfüllt beschreiben, weil ich eine tolle, liebevolle Familie und natürlich 2 wundervolle Katzen hinter mir stehen hatte, die mir durch alle Phasen meines bisherigen Lebens geholfen haben, egal wie schwer sie auch gewesen sein mögen. Ich hoffe sehr stark, dass das auch in Zukunft so sein wird. An manchen Situationen hätte ich wohl viel stärker zu knabbern gehabt oder wäre vielleicht sogar daran zerbrochen, wenn ich diese alleine durchstehen hätte müssen. Das Gleiche gilt auch für meine jetzige Situation.
Nachdem ich dieses Tief überwunden hatte und älter wurde, schien es so, als würde das Leben für immer so unbeschwerlich und leicht voranschreiten wie in den folgenden Jahren. Da ich jemand bin, der sich eher nur schwer mit gravierenden Veränderungen arrangieren kann, schätzte ich es sehr, dass in der Schule und zuhause alles in so geregelten Bahnen ablief und genau das ist auch der Grund, warum es aktuell so schwer für mich ist, Freude an den Dingen zu finden, die mir bis vor wenigen Tagen noch Spaß gemacht haben...
Vor ca. 2 Jahren machte sich Minkas fortgeschrittenes Alter doch allmählich bemerkbar. Ihre Bewegungen wurden langsamer, ihre Verspieltheit seltener und ihr Gewicht weniger. Zuerst natürlich besorgniserregende Zustände für einen fürsorglichen "Katzenpapa" wie ich es war und noch immer bin. Doch ist natürlich hinlänglich bekannt, dass dies ganz normale "Symptome" bei Katzen mit deutlich über 10 Jahren Lebenserfahrung sind. Ihrem Bruder hingegen fiel es weiterhin sehr leicht, Gewicht für den bevorstehenden Winter zuzulegen und dieses im Frühling mit Umtriebigkeit und Bewegungsfreude wieder abzubauen. Trotzdem war mir klar, dass jede Katze individuell auf das Alter reagierte und so machte ich mir keine allzu großen Sorgen über diesen Umstand.
So sahen wir Minkas Zustand als normal an und alle versuchten weiterhin, ihr das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Sie tat das gleiche ja auch für uns und besonders für mich. Logischerweise kam mir in diesen Tagen schon hin und wieder der kurze Gedanke, wie viel Zeit mir mit meiner Katze wohl noch bleiben möge, doch bevor ich lange darüber nachdenken konnte, rempelte sie mich mit ihrem Kopf sanft an meinem Arm und wies mich darauf hin, dass ihr tägliches Verwöhnprogramm noch ausstand. Also erfreute ich mich in diesen Momenten daran, dass sie gerade neben mir lag, ich sie streicheln und ihr weiches Fell spüren konnte und der Tag ihres Ablebens anscheinend noch in ferner Zukunft lag. Und so vergingen die Tage weiter und bei allen Facetten des Lebens war Minka eine Konstante in eben meinem, auf die ich mich verlassen konnte, man war sogar geneigt dazu, ihre Anwesenheit mit Wohlwollen als selbstverständlich anzunehmen, schließlich war sie Bestandteil meines Lebens, seit ich denken kann...
Dann, im November letzten Jahres, fiel uns plötzlich auf, dass sie komische Laute und Geräusche während des Atmens von sich gab und noch am selben Abend verschlechterte sich ihr Zustand deutlich. Da sich an diesem Freitagabend nicht einmal unter der Notrufnummer des Tierarztes jemand meldete, versuchten meine Schwester und ich, Ruhe zu bewahren und unser Möglichstes zu tun. Und glücklicherweise schien es zu funktionieren. Nach 2 Tagen ohne Fressen und mit regelmäßiger Flüssigkeitsaufnahme per Spritze in den Mund schien sie langsam auf den Weg der Besserung zu kommen. Tatsächlich fing sie kurz darauf wieder an, selbstständig zu fressen und zu trinken. Sie hatte während dieser wenigen Tage verhältnismäßig viel Gewicht verloren, doch bevor die ersten sehr kalten Tage Einzug hielten, erholte sich Minka und ihr Verhalten ließ darauf schließen, dass sie sich wieder wohl und gesund fühlte.
Unsere Hoffnungen, Minka könnte die nächsten Wochen und Monate überstehen und noch einen oder sogar zwei schöne Sommer erleben, schienen den Umständen entsprechend berechtigt zu sein. Mit mulmigem Gefühl beäugte ich zwar fortan ihre Bewegungen und ihre Atmung, ließ mich aber durch ihre Frohnatur und bloße Anwesenheit mit positiven Gefühlen anstecken, denn trotz aller Vorkommnisse der vorrangegangenen Wochen fühlte es sich so selbstverständlich an, sie täglich zu füttern, zu streicheln oder sie einfach nur um mich zu haben.
Diese Hoffnungen hielten an, bis zum Donnerstag letzter Woche, dem 7. April 2016. Diesen Tag werde ich niemals vergessen, so einprägsam und tief sitzt der Schmerz, den ich fühle...
Bereits am Vorabend schien es Minka wieder schlechter zu gehen, das Atmen fiel ihr merklich schwer und sie lag schon seit Stunden auf dem Sofa in unserer Garage ohne sich nur einen Millimeter zu rühren. Diese Garage war bzw. ist seit jeher ein Rückzugsort für unsere Katzen, denn sie bietet ausreichend Platz für viele weich ausgefüllte Schlafplätze und eine kleine, ständig mit Trockenfutter und Wasser versorgte Futterstelle. Ein Fenster mit einer Gitterverkleidung davor steht immer offen, sodass sie zu jeglicher Tages- und Nachtzeit von der Garage nach draußen gelangen können und umgekehrt, wenn sie sich gerade nicht im Haus aufhalten. Doch Minka wollte (oder konnte) nicht nach draußen, sie blieb lieber auf ihrem Sofa liegen und versuchte, etwas Ruhe und Schlaf zu finden. Da für mich nächsten Tag eine Prüfung auf dem Plan stand, musste ich mich spät am Abend schweren Herzens von ihr trennen. Meine Schwester beruhigte mich und versicherte mir, regelmäßig nach Minka zu sehen und sie zu versorgen, bis ich nächsten Tag wieder nachhause kommen würde, was sie auch erfolgreich tat. Als ich am Donnerstag nachhause kam, war Minka noch am Leben, doch ich erschrak als ich sah, dass sie immernoch in der gleichen Position auf dem Sofa lag. Das war wohl der Moment, in dem ich unterbewusst begriff, dass es schlimm um sie stand. Da es ja immer heißt, Katzen geben von alleine zu verstehen, wann sie die Nähe des Menschen begehren und wann nicht, war ich verunsichert und wusste nicht recht was ich tun sollte. Ich beschloss, ihr abwechselnd Gesellschaft zu leisten indem ich sie streichelte und ihr gut zuredete, um ihr dann für einige Zeit wieder Ruhe zu verschaffen und den Raum zu verlassen, auch wenn es mir schwer fiel. Bevor ich das erste Mal aus dem Raum ging, öffnete ich noch das große Garagentor, um ihren Liegeplatz mit deutlich mehr Tageslicht auszufüllen. Vielleicht lag es nur an dem lauten Krach, den man dabei immer verursacht, aber zum ersten Mal seit ~24 Stunden starrte sie nicht erschöpft auf die Lehne des Sofas, sondern sah mich mit großen Augen an. Ich ging noch einmal kurz zu ihr hin bevor ich den Raum verließ und aus irgendeinem Grund schien es so, als konnte ich in ihren Augen die Dankbarkeit, für das was ich gerade tat, ablesen.
Als ich nach kurzer Zeit wieder herunterkam, um nach ihr zu sehen, war das Sofa leer. Minka war auch in keiner Ecke in der Garage zu finden. Für kurze Zeit keimte die Hoffnung in mir, dass sie sich wieder besser fühlte und nach draußen ging, um selbstständig zu trinken. Doch ich lag falsch, denn kurz darauf fand ich sie draußen, auf den Schottersteinen, die den Teich von den ringsherum blühenden Pflanzen abgrenzen, direkt neben dem Wasser liegend. Sie atmete noch, doch ihre Augen waren noch weiter aufgerissen und Luft zu bekommen fiel ihr sichtlich schwer. So wie sie da lag, war mir klar, dass sie den Tag wohl nicht überleben würde, also kniete ich mich unter Tränen neben sie hin und versuchte sie zu beruhigen. Ich flüsterte ihr, dass sie ein schönes Leben hatte und nicht mehr kämpfen müsse, falls die Zeit jetzt tatsächlich gekommen sei. Diese Worte auszusprechen war unsagbar schwer für mich, doch im Nachhinein bin ich froh, es getan zu haben. Kurz darauf kam auch meine Schwester in den Garten und wir konnten unsere Minki bei ihrem letzten schweren Gang begleiten und in ihren letzten Augenblicken bei ihr sein.
Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass sie uns diese Möglichkeit durch ihren beherzten Kampf in den Stunden davor ermöglicht hat und wir sie am späten Nachmittag, hoffentlich ihrer würdig, auf die andere Seite geleiten konnten. Es wäre für uns alle wohl viel schlimmer gewesen, sie plötzlich irgendwo tot liegend aufzufinden. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass sie ohne zu viel zu leiden zuhause unter freiem Himmel sterben konnte und nicht durch eine Spritze in einer trostlosen Arztpraxis. Trotzdem gehen mir die Bilder dieses Tages nicht mehr aus dem Kopf. Als sie von uns ging, war es vielleicht gerade einmal 18 Uhr, doch statt eines sonnigen Frühlingsabends war die Atmosphäre düster und der Himmel stark bewölkt.
Es mitanzusehen, wie sie dort lag und die Momente zu ertragen, als mit sanften Zuckungen in ihrem Gesicht und ihrer Pfoten das letzte Quäntchen Leben aus ihrem Körper wich, all das fühlte sich an wie ein Alptraum und tut es auch jetzt noch. Ihre Atemzüge wurden schwächer und langsamer, bis ihr Bauch sich auf einmal nicht mehr bewegte und vollkommen still stand... In diesem kurzen Moment weinte ich nicht. Ich saß einfach neben ihr und streichelte sie. Die Zeit schien still zu stehen. Das einzige Geräusch, dass ich noch wahrnahm, war das laute zwitschern der Vögel.
Ich wünschte, ich hätte an diesem Abend ewig neben Minka sitzen und ihr Fell ein letztes Mal spüren können, doch ich saß gerade einmal ~15 Minuten seit ihrem letzten Atemzug am Boden, da beschlossen meine Schwester und ich bereits, einen schönen Ort für ihr Grab zu finden, um Minka noch am selben Abend beisetzen zu können, da es aufgrund des bewölkten Himmels verhältnismäßig früh dämmerte. Obwohl ich das Gefühl hatte, noch mehr Zeit zu benötigen, war ich damit einverstanden. Zwischen dem Schwimmteich und dem Bach, der an unserem Garten vorbeiführt, stehen am Übergang von Rasen zu Strauchwerk und feuchter Erde zwei junge Bäume mit noch relativ dünnen Stämmen nur ca. einen Meter auseinander. Dazwischen gruben wir ein kleines Loch, gerade einmal so tief und breit, dass Minka genug Platz darin fand und um eine dünne Schicht Erde darüber verteilen zu können. Dann legten wir sie vorsichtig hinein. Wir betrachteten sie noch ein paar Minuten, unsere Körper jeweils mit Schaufeln in den Händen stützend. Auch jetzt noch zwitscherten die Vögel. Dazu erschuf das Rauschen des wenige Meter entfernten Baches eine sowohl unglaublich tragische, aber gleichzeitig auch schöne Atmosphäre. Wenn ich in diesen Tagen eines dieser Geräusche höre, muss ich immer an diesen Tag sowie an die Momente der Beerdigung denken. Einerseits treibt es mir sofort die Tränen in die Augen und der Schmerz, der dann jedes Mal aufs neue in mir aufsteigt, ist so unendlich groß. Andererseits wünsche ich seltsamerweise, dass dieses Gefühl ewig in mir bleibt, denn Minka hat immerhin in den letzten Jahren (gottseidank) so viel dazu beigetragen, dass meine Trauer um sie jetzt so stark und gegenwärtig ist.
Mit der Schaufel in der Hand fühlte ich mich wie gelähmt und wusste nicht ob oder was ich in diesen Augenblicken sagen sollte. Ich dachte nur daran, dass sobald ich dieses Loch wieder mit Erde bedecke, wir Minka nie wieder sehen würden... Aber ich wusste auch, dass es mir jede weitere Sekunde noch schwerer machen würde, zu tun was nötig war.
Ich fragte laut, ob noch jemand etwas sagen möchte und meine Schwester entgegnete nach kurzer Stille unter Tränen: "Einfach Danke Minka". Treffender hätte ich es nie formulieren können...
Da ich es anders nicht übers Herz gebracht hätte, versuchte ich meine Gedanken weitgehend auszublenden während wir die kleine Grube Schaufel für Schaufel wieder langsam zuschütteten. Jetzt, in den Augenblicken da ich diese Zeilen schreibe, aber auch schon die ganzen letzten Tage habe ich das Gefühl, dass es ein Fehler war und mache mir den Vorwurf, dass ich uns allen mehr Zeit zur Trauer an ihrem offenen Grab hätte geben müssen...
Als kontinuierlich immer weniger von Minka unter den aufgeschütteten kleinen Haufen zu sehen war, war mein sehnlichster Wunsch, die ganze Erde mit bloßen Händen wieder wegzuwischen und Minka wieder herauszuheben, um sie noch ein letztes Mal in den Arm nehmen zu können. Doch diese Gedanken spielten sich nur in meinem Kopf ab, während wir ohne Unterbrechung weitermachten. Das kleine Loch war schnell gefüllt und es dauerte keine Minute, bis nur noch Erde und Äste zu sehen waren und der Boden wieder wie alles andere um ihn herum aussah. Keine Spur von dem niedlichen Gesicht, den kleinen Pfötchen oder dem weißen Fell mit schwarz-braunem Muster auf dem Rücken und am Kopf. Für einen kurzen Augenblick schien es, als hätte Minka nie existiert. Der drückende Schmerz in meinem Brustkorb und die Gedankengänge in meinem Kopf in diesen Sekunden waren für mich unbeschreiblich furchtbar und werden es für immer bleiben.
Keine Ahnung, wie ich diesen Text nun zu einem befriedigenden Ende bringen könnte. Ich bin einfach so unendlich dankbar, dass Minka mich so lange Zeit - in Wahrheit mein ganzes bisheriges Leben - begleitet und mir in schwierigen Zeiten Kraft gegeben hat. Meine Schwestern sagten mir, dass Minka mich schon in meiner Kindheit gewissermaßen immer beschützte und sich so sehr angestrengt hatte, mit dem Tag des Abschieds so lange zu warten, bis ich erwachsen und in der Lage dazu wäre, ab sofort alleine auf mich Acht zu geben und die Trauer zu verarbeiten. Und jetzt sitze ich hier, mit dem Wissen in einem Monat meinen 19. Geburtstag zu "feiern" und Abitur zu schreiben. Der Zeitpunkt also, von dem immer gesagt wird, ab dann würde das richtige Leben erst beginnen. Doch ich habe Zweifel. Zweifel, ob ich stark genug bin, den Verlust von Minka und die Trauer verkraften zu können. Zweifel, ob ich genau jetzt bereit dazu bin, den Schulalltag hinter mir zu lassen und erwachsen zu werden. Zweifel, ob ich die Kraft dazu habe, all das zu tun was Minka mir mit ihrem Verlassen dieser Welt zutraut und ob ich es schaffen werde, mein Leben zu meistern, ohne diese große Stütze, welche jetzt auf einmal nicht mehr da ist... Ich weiß es einfach nicht...
Ich bin froh darüber, dass es Menschen gibt, mit denen ich meine Trauer teilen kann. Denn auch wenn ich aktuell sehr oft weine, zaubern mir diese Menschen ein Lächeln ins Gesicht, indem sie mich an all die lustigen und schönen Momente erinnern, die wir mit unserer Katze in 17 Jahren haben durften. Ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich weiterhin die Verantwortung für ihren gleichaltrigen Bruder Speedy, der ebenfalls trauert, und für unseren dritten Kater namens Carlo, der uns vor 7 Jahren als kleines Kätzchen zugelaufen ist, trage und ihnen ihre restliche Zeit genauso angenehm und schön gestalten sollte, wie ich es für Minka immer getan habe. Meine Hoffnung ist, dass ich all die Jahre so für Minka gesorgt habe, wie sie es sich verdient und gewünscht hat, und, dass ich ihr zumindest einen Teil der Liebe und Geborgenheit entgegen bringen konnte, wie sie es in großem Maße immer für mich tat. Fortan werde ich jeden Tag, an dem es mir nur irgend möglich ist, etwas Zeit an Minkas Grab verbringen und an den Tagen, an denen es mir nicht möglich ist, trotzdem an sie denken.
Dieser Text ist während mehrerer Tage nach Minkas Tod entstanden. Heute werde ich wohl langsam zum Ende kommen. Begonnen habe ich am Sonntag und nun ist der Tag, vor dem ich mich insgeheim immer gefürchtet hatte, genau eine Woche her. Der Schmerz ist immer noch genauso präsent wie letzten Donnerstag, doch das Leben und der Alltag lassen sich nicht anhalten, im Gegenteil, alles scheint noch gnadenloser als je zuvor ohne Pause an mir vorbei zu laufen...
(Aufgrund zu vieler Zeichen steht der Schluss meines Textes etwas weiter hier drunter)