Danke an alle, die hier trösten und mitfühlen, das hilft wirklich.
Langsam versiegen die Tränen, wenn auch nicht immer und nicht ganz. Aber es wird besser. Was bleibt, ist die Leere und der verkrampfte Knoten irgendwo zwischen Brust und Magen. Es ist einfach alles so anders ohne mein Mädchen.
Bin ich seltsam, wenn ich abends vor dem Schlafengehen über die Urne streichele, so wie ich Mini vorm Schlafengehen über ihr kleines, pelziges Köpfchen gestreichelt habe? Mit den selben Gesten und Worten?
Ich fühle mich irgendwie schuldig, weil ich um Mini heftiger trauere als beim Tod meines Vaters, obwohl ich ihn natürlich auch geliebt habe.
Auf der Arbeit funktioniere ich wieder, irgendwie. Nehme zur Zeit noch einen leichten Tranquilizer in niedriger Dosierung, da ich Probleme habe, zur Ruhe zu kommen. Werde diesen aber ab nächster Woche schrittweise absetzen, ich will mich nicht davon abhängig machen. Momentan geht es mir besser mit den Tabletten.
Wir haben noch viel Futter, Spielzeug, Leckerlis und Medikamente. Am Samstag wollen wir das alles dem Tierheim in unserer Stadt spenden. So haben wenigstens die Tiere noch was davon, die kein so liebevolles Zuhause haben, wie Mini es hatte.
Noch kann und will ich nicht entscheiden, ob wir nochmal eine Katze adoptieren. Aber wenn, da sind wir uns sicher, wird es wieder eine Katze aus dem Tierheim oder einer Pflegestelle sein.
Mini hatten wir auch von einer privaten Pflegestelle einer sehr engagierten Dame. Diese hat einen unerwünschten Wurf Kätzchen von einem Bauern gerettet, der die Babys sonst getötet hätte (unverständlicherweise in ländlichen Gegenden immer noch häufiger zur "Bestandskontrolle" der Hofkatzen genutzt als simple Kastration...). Das für seine sechzehn Wochen furchtbar winzige (daher der Name Mini) Koboldmädchen ist frech und furchtlos durch die Gegend geflitzt und hat meinen damaligen Freund und mich sofort bezaubert.
Auch wenn die Kleine oftmals frech, stur, nervig und verfressen war (man musste immer alles Essbare, ja sogar den Müll, in Sicherheit bringen), so war sie doch gleichzeitig auch anhänglich, verschmust, lieb, lustig und - meistens - gehorsam. Interessant war, dass wir, nachdem sie ihr Gehör verloren hatte, eine neue Art zu kommunizieren finden mussten. Mini wurde einfach lauter. Ich habe Katzengesten gelernt und mit Augensignalen mit ihr "geredet". Ihre Signale für "komm her", "alles in Ordnung" oder "nein, lass das" hat sie verstanden, und das hat prima funktioniert. Einfach die tollste Katze, die ich je hatte.
Sie hat mich so oft zum Lachen gebracht. Oder sich ihr Pelzchen vollweinen lassen, wenn ich Kummer hatte. Sie hat beim Entspannen geholfen und immer einen beruhigenden Einfluss auf mich gehabt, wenn sie schnurrend auf meiner Brust lag.
Wenn es ein Katzenjenseits gibt, wünsche ich mir, dass Mini jetzt dort ganz vergnügt und wie in der Blüte Ihres Lebens durch Wiesen und Gärten hoppelt, Mäusen und Eidechsen hinterherjagt, sich jeden Tag das Bäuchlein mit Hühnchen und Katzenmilch vollschlägt, lauter beheizte Plätzchen und kuschelige Höhlen zum Schlafen hat und auf dem niedrigen Ast eines uralten Fliederbaums in der Sonne döst. Alles Leiden, alle Krankheit und Qual liegt hinter ihr.
Bleibst unvergessen, geliebtes Wesen.