Ich kann dich so gut verstehen. Ich erzähle dir mal, wie es bei mir war, denn mir erging es ähnlich.
Mein Kater Lycidas musste Ende September letzten Jahres eingeschläfert werden wegen eines Tumors im Rückgrat. Das war so unglaublich schlimm für mich - ich bin selbst depressiv und leide an einer schwachen Form der Borderlinestörung, meine beiden Katzen haben mir immer enormen Halt gegeben. Vor allem Lycidas war immer wie ein richtiges Kind für mich, er hat immer bei mir geschlafen, so viel geplappert und dann ... dann war die Wohnung plötzlich so still, Isis und ich alleine.
Ich werde auch nie nie nie diesen folgenden beiden Momente vergessen: 1. Den Moment, als er sein Köpfchen in meine Hand schmiegte als glaubte er, jetzt wo Mama da ist, wird alles wieder gut und 2. Der Moment als seine Augen plötzlich leer wurden. Es kann ein Trauma sein, ein sehr heftiges sogar. Es ist als hätte uns jemand einen Teil von uns herausgerissen, eine Niere zB und man muss sich erst langsam daran gewöhnen, nur noch mit einer Niere weiterzuleben. Dein Kater war 11 Jahre lang dein Weggefährte. Das ist eine verdammt lange Zeit, elf Jahre.
Ich dachte also, ich tue meiner Isis etwas Gutes, wenn ich ihr so schnell wie möglich neue Spielgefährten hole. Ich setzte also in ein anderes Katzenforum ein Gesuch und mir wurden ein paar vorgeschlagen. Ich blieb also auf zwei Süßen hängen, die eigentlich viel zu jung waren für meine nicht mehr ganz so junge Dame - jemand aus dem Forum versicherte mir, der Altersunterschied würde ja gar nichts ausmachen und ich war so dumm darauf zu hören.
Das Ende vom Lied war, dass Isis ständig gefaucht hat, wenn die beiden auch nur in ihre Nähe gekommen sind; Besonders der Kater, der sehr sensibel war, hat darauf mit stressmarkieren angefangen, was natürlich wiederum mich gestresst hat und dann saß mir dieser unsympathische Menschen gegenüber recht gefühlskalte Katzenschutzverein noch im Nacken, der jeden meiner Schritte überwacht hat.
Ich habe es auch gemerkt. In der ersten Zeit, wo die Katzen da waren, wo der Kater zum schmusen auf meinen Schoß kam, das war unerträglich für mich ujnd ich hab mich deshalb noch mieserabler gefühlt, weil ich den Katzen doch die Liebe entgegenbringen wollte, die sie verdienen.
Und auch während der nächsten drei Monate baute sich einfach keine Bindung zu den beiden neuen Katzen auf, im Gegenteil, mir kam die Wohnung plötzlich zu voll und zu drückend vor, ich wurde depressiver, die Borderline kam auch stärker durch in diesen Monaten. Ich fühlte mich nicht mehr wohl. Das Ende vom Lied war, dass die beiden von dem verein wieder abgeholt wurden, und sobald die beiden weg waren, konnte ich aufatmen. Das klingt jetzt vielleicht irgendwie gefühllos, aber so ist es nicht gemeint. Die beiden war so unglaublich süß und liebenswürdig (vor allem der Kater), aber ich konnte mich nicht auf sie einlassen. Wir haben nicht zusammengepasst.
Es war einfach zu früh. Ich selbst hatte nichtmal ansatzweise Lycidas Tod verarbeitet (hab ich jetzt noch nicht ganz), Isis genausowenig.
Was ich damit sagen will ist, tut mir leid, aber dein Freund ist ein A*****. Nicht genug, dass du unter der jetzigen Situation leidest, er weiß ganz genau, dass du Depressionen hast und bringt diesen "Stell dich nicht so an" Spruch. Das ist da rücksichtsloseste was man jemandem, der krank ist und leidet sagen kann. Ich würde mal ein ernstes Wort mit dem reden, sowas geht einfach gar nicht. Wenn du unter der Situation leidest, habt ihr doch alle kein glückliches und harmonisches Miteinander.
Ich wünsche dir viel Kraft, diese Kriese zu meistern.
Um nochmal das Therapiethema kurz aufzugreifen: Ich glaube, da herrscht ein kleines Missverständnis. Hier ist ständig von Therapeuten ohne Zulassung die Rede. Ein Therapeut, der keine Zulassung hat, darf gar keine Patienten behandeln. Der korrekte Begriff ist "Nicht-Vertragstherapeut", heißt, er ist privat und rechnet selbst ab und vertraglich nicht an die Krankenkasse gebunden. Und da reicht es, wenn man etwa 10 Absagen von Kassentherapeuten nachweisen kann und der private Therapeut, bei dem man anfangen möchte muss dann diesen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Ist leider unsere deutsche Bürokratie.
Einweisen lassen ist auch nicht so einfach, denn auf einen Klinikplatz wartet man auch in manchen Fällen gut ein dreiviertel bis ganzes Jahr. Tagesklinik, ambulant, muss man schauen, ob das was für einen ist, meistens wird man da nur mit Medikamenten vollgestopft und wieder heimgeschickt und erhält auch keine Therapie, die einem langfristig was bringt...