Hallo!
Ich habe sehr betroffen und mitfühlend eure Beiträge hier gelesen, und nicht allein zu sein mit diesem Schmerz, gibt ein kleines bisschen Trost, auch wenn das Gefühl, dass man nicht mehr richtig atmen kann, einfach nicht aufhören will.
Wir haben unseren kleinen Kater Flauschi in der Nacht auf Sonntag mit nur 6 Monaten verloren, ganz plötzlich und tragisch. Die Bilder sind ständig in meinem Kopf, auf unerträgliche Weise. Ich möchte gerne seine Geschichte aufschreiben, auch wenn es etwas länger werden könnte.
Nachdem meine Katze Fibi mit stolzen 17 Jahren erst zu Weihnachten nach langer Krankheit erlöst wurde, blieb eine unglaubliche Leere zurück. Sie wurde einst verlassen in einer Scheune gefunden, als sie ungefähr 2 Tage alt war. Ihr wurde nicht viel Überlebenschance gegeben, doch ich habe sie an mich genommen und mit dem Fläschchen groß gezogen. Vom ersten Tag an, hat sie sich schnurrend in meine Halsbeuge eingekuschelt und dort hat sie die nächsten Jahre verbracht. Immer möglichst nah bei mir oder auf mir. Und sie war zäh, 16 Jahre lang war sie nie krank. Bis sie im letzten Jahr an einer Schilddrüsenüberfunktion und weiteren Stoffwechselproblemen erkrankte. Häufig entgleiste die Situation und wir verbrachten viel Zeit beim Tierarzt und in der Tierklinik. Diese Zeit war emotional sehr erschöpfend. Dann kam der Tag, der Tag vor Weihnachten, an dem wir sie gehen lassen mussten, und für mich brach eine Welt zusammen. Ich hatte meine Begleiterin im Leben verloren.
Niemals wollte ich wieder eine Katze haben, der Verlust und die Erschöpfung waren zu groß. Nur langsam konnte ich mich damit trösten, dass sie sehr alt geworden ist und ein erfülltes Leben hatte. Doch dieses schreckliche Gefühl der Leere wollte einfach nicht vergehen. Noch Wochen später war ich sehr bedrückt und musste bei jeder einschießenden Erinnerung losheulen. Ich ertappte mich irgendwann bei dem Gedanken, wie es wäre, wieder ein kleines lustiges Kätzchen im Haus zu haben. Und es begann, sich richtig anzufühlen.
So zog der kleine Flauschi vor 8 Wochen bei uns ein. Ein rot getigerter flauschiger Kater mit dickem Bäuchlein und riesen Pfötchen. Ein kleiner fröhlicher Entdecker, mit dem lautesten vorstellbaren Schnurrmotor. Und den musste er häufig benutzen, da wir ihn bei jeder Gelegenheit kuscheln mussten. Er hat unser Herz so schnell gewonnen, wie ich es mir nie vorstellen konnte. Gemeinsam mit unserem Labrador konnte man sich den Vergleich zu Garfield und Odi oft nicht verkneifen. Dieses kleine Knäuel hatte es tatsächlich geschafft, dass sich mein Schmerz zu einer wehmütigen Erinnerung wandelte. Flauschi und ich, wir entwickelten eine sehr enge Bindung, er war immer da wo ich bin, wich nicht von meiner Seite. Ich fühlte mich so glücklich mit ihm, der Tag begann schon gut, wenn er in der Früh schnurrend zu uns ins Bett sprang, voller Freude und Tatendrang. Wir malten uns aus, wie groß er wohl werden wird, weil er so große Pfoten hatte und freuten uns auf die Zukunft mit ihm. Er entwickelte sich prächtig, fraß viel und gerne, und schien immer zu lächeln. Innerlich dachte ich mir, der Himmel muss ihn mir geschickt haben.
Doch dann sollte etwas ganz Schreckliches passieren, etwas Unbeschreibliches. Am Freitag fiel mir auf, dass er relativ viel schlief, beruhigte mich aber, da er ganz normal fraß, auf die Katzentoilette ging und sonst alles unauffällig war. Was sollte schon sein, am Abend, wenn die ganze Familie wieder da ist, drehte er üblicherweise erst so richtig auf. Doch an diesem Abend blieb er in seiner Höhle liegen und ließ sich auch nicht zum Spielen animieren. Er fühlte sich auf einmal ganz warm an und atmete schwerer. Ich schnappte ihn sofort und fuhr spätabends in den Notdienst der Tierklinik. Zuerst dachte ich noch, dass das vielleicht übertrieben sein könnte, und ich morgen ganz normal zu unserer Tierärztin gehen sollte. Auch der Tierarzt in der Klinik dachte im ersten Moment nicht, dass es sich hier um einen Notfall handelte, große wache Augen schauten ihn vom Korb aus an. Doch dann maß er bei Flauschi 41,5° Fieber und konnte ein Atemgeräusch hören. Oh Gott, was blieb mir das Herz stehen. Außerdem hatte er ganz entzündetes Zahnfleisch und geschwollene Halslymphknoten. Es wurde ihm sofort ein Zugang gelegt, er hatte solche Panik, schrie wie ein Baby, ich musste rausgehen, alles lief wie in einem Film vor mir ab. Meinen kleinen behüteten Kater plötzlich in dieser Umgebung zu sehen brach mir das Herz, ich hatte noch Angst, dass er ein Trauma davontragen könnte. Es wurde weitere Diagnostik eingeleitet. Es zog sich über Stunden, sie wollten ihn gleich hierbehalten, doch ich konnte ihn nicht alleine lassen. So hielt ich ihn im Arm, während wir auf die Ergebnisse der verschiedenen Tests und Untersuchungen warteten und die Infusion langsam durchlief. Es ging ihm nicht gut, er bekam Schüttelfrost und wurde immer müder. Das Blutbild ergab erhöhte Entzündungswerte, aber sonst keine Auffälligkeiten, das Bauchröntgen war ok, nur ein winziges bisschen Flüssigkeit an den Spitzen der Lunge meinte der Arzt entdeckt zu haben, beruhigte mich aber, dass diese ganz dezent seinen und auch von einer einfachen Erkältung stammen können. Ein Schnelltest auf FIV/Leukose war negativ, mir wurde schon ganz übel. Er bekam ein Antibiotikum. Mittlerweile war es 2 Uhr nachts, als ich schweren Herzens beschloss, das kleine Bündel doch über Nacht hier zu lassen. Ich begann die ganze Nacht über Katzenkrankheiten und ihre Symptome zu recherchieren und die blanke Panik überkam mich. Ich konnte keine Sekunde schlafen. In der Früh erfuhr ich, dass das Fieber nicht runtergegangen sei, er aber frisst, nun soll er Novalgin bekommen. Zu Mittag war das Fieber dann etwas gesunken und wir durften ihn besuchen. Wir konnten eine Stunde mit ihm in einem der Räume verbringen, er hat uns sofort erkannt und sich so gefreut. Er war so schwach, es war schrecklich. Doch ich hatte Hoffnung, dass alles wieder gut wird, er war doch noch jung und kräftig. Ich versprach ihm, ihn morgen abzuholen, da es ihm dann bestimmt besser gehen würde. Ein Bauch US hatte zudem keine Flüssigkeit im Bauchraum ergeben. Bestimmt nur ein Infekt, bestimmt wird das Antibiotikum bis morgen wirken. Ich bereitete zuhause schon alles vor für ihn, machte ihm schöne Plätze zum Ausruhen, kurze Wege zur Toilette und zum Futternapf, ich freute mich schon, ihn wieder zuhause zu haben, auch wenn ich wusste, dass uns vielleicht eine schwere Zeit bevorstehen könnte. Dann am Abend der schlimmste Anruf in meinem Leben, es sei gerade ein Notfall eingetreten, das Fieber sei hochgeschossen, Flauschi krampft und hat zu atmen aufgehört. Die Stimme hallt noch immer in meinem Ohr, alles drehte sich in meinem Kopf. Da sein Herz aber kräftig und regelmäßig schlug, wurde er intubiert und künstlich beatmet. Ich brach völllig zusammen. Obwohl uns die Ärztin davon abriet, rasten wir in die Klinik und wollten unbedingt zu ihm. Da lag er, im Koma, dieses Bild möchte ich nicht beschreiben, es quält mich wie ein schrecklicher Albtraum aus dem man hofft, plötzlich erleichtert zu erwachen. Die Tierärzte waren sehr betroffen und von dem dramatischen Verlauf ebenso überrumpelt. Sie wollten ihm noch ein paar Stunden geben und abwarten, ob er vielleicht doch wieder selbst zu atmen beginnt, sein Herz schlug noch so kräftig, sie meinten wir haben nichts mehr zu verlieren. Wir verabschiedeten uns von Flauschi, seine Augen waren weit aufgerissen und leer, ich fühlte, dass er schon gegangen war. Um Mitternacht kam der Anruf, dass nun auch sein Herz schwächer wird. Wir ließen ihn gehen. Um mich herum wurde alles schwarz. Und es blieb schwarz.
Ein junger munterer Kater ist innerhalb von 24 Stunden auf dramatische Weise verstorben. Wie kann man auf so etwas vorbereitet sein, wie kann man so etwas verarbeiten? Was ist nur passiert?
Die Ärzte vermuten eine schwere Infektion, und dass sich eine Meningitis entwickelt habe, natürlich steht auch das Schreckgespenst FIP im Raum. Wir haben uns gegen eine Obduktion entschieden und wollten seinen kleinen Körper ruhen lassen. Wir haben ihn von einem Tierarzt bekommen, geimpft, entwurmt und kastriert, und wie ich dachte kerngesund. Doch irgendwie glaube ich, dass er schon etwas in sich trug und keine Chance hatte.
Ich bin so unglaublich verzweifelt, ich vermisse ihn so unendlich, als ob er jeden Moment schnurrend um die Ecke kommt. Er wurde nur 6 Monate alt, er hatte noch so viel vor. Er war so ein herzliches kleines Wesen, das hat er nicht verdient. Ich sehe ihn noch am Freitag vor mir, nur ein paar Stunden bevor es losging, wie er unser Essen vom Tisch klauen wollte. Ich begreife das alles nicht. Das kann nicht wieder gut werden, mein Herz ist herausgerissen worden.
Es tut mir leid, dass die Geschichte so lang geworden ist, ich habe sonst niemanden zum Reden, der diese Trauer verstehen kann oder auf diese Weise verarbeitet wie ich. Ich wünsche euch auch allen mein tiefstes Beileid für euren Verlust.
Kleiner Flauschi, ich kann noch dein wuscheliges Fell spüren, dein Schnurren hören, deine raue Zunge fühlen. Ich sehe dich noch auf deinen Lieblingsplätzen und schmatzend dein Futter verschlingen. Alles ging so schnell. Wir haben dich so lieb.
LG
Carin