Hatte Frau Dipl.-Biologin Sabrina Streif diesbezüglich angeschrieben und kann nun ihre Antwort dazu hier hinein kopieren. Frau Streifs Erlaubnis habe ich mir bestätigen lassen.
Zuerst kopiere ich meine e-Mail an Frau Streif, dann Ihre Antwort dazu:
Sehr geehrte Frau Streif,
viele Menschen sehen es als gegeben an, das eine Katze immer in einer Katzen-WG gehalten weden soll.
Mich interessiert nun auf was sich diese Erkenntnis beruft.
Alle Katzen die ich bisher hatte waren Einzeltiere, aber Freigänger. Jetzt ist die Situation so, das wir leider nur einen teilvernetzten Balkon anbieten können. Und uns ist es total wichtig, das wir eine Katze richtig halten. Artgerecht halten möchte ich hier nicht sagen, denn meiner Meinung nach beinhaltet das auch den Freigang. Ausnahme bildet hier natürlich z.B. eine
FIV-postitiv - Katze.
Dass alle Tierheime und Tierhilfen das schreiben ist für mich kein Beweis. Denn als meine Frau und ich im Tierheim waren und nach einer Einzelkatze fragten, wurden uns
FIV kranke Katzen gezeigt. Jede dieser kranken Katzen hätten wir als Einzelkatze bekommen.
(Wir wohnen in einer Etagenwohnung zur Miete und waren erst mal auf der Suche nach einer Wohnungskatze.)
Aber
FIV-positiv - Katze ist für uns eigentlich keine Option, da wir, wenn es möglich ist, der Katze den Freigang ermöglichen wollen.
Jetzt haben wir wieder eine Katze aus Spanien in Aussicht, die schon dort in einer Pflegestelle gehalten wird, da sie keine Artgenossen um sich herum mag.
Auszug aus dem Begleitschreiben: "Das ist Sisi, unsere wunderschöne Prinzessin. Die arme Mieze hat bisher in ihrem Leben leider schon viel mitgemacht. Zuerst lebte sie 4 Jahre in einem Haus, bevor man sich dazu entschied sie einfach auszusetzen. Auf der Straße kam die sensible Sisi leider garnicht zurecht und wurde von anderen Katzen angegriffen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie beschlossen hat, nicht mehr mit Artgenossen zusammenleben zu wollen."
Wenn es für eine Katze aber unbedingt notwendig ist einen Artgenossen zu haben, würden wir natürlich versuchen nach einer längeren Eingwöhnungszeit eine Zweitkatze hinzu zu holen. Denn wenn das artgerecht ist, ist es uns egal was im Mietvertrag steht.
Jedoch sind, meiner Meinung nach, wir Menschen sind schnell dabei Tiere zu vermenschlichen.
Wenn die Annahme das Katzen von Grund auf Tiere sind die Gemeinschaft mit anderen Katzen haben wollen, nur aus einem menschlichen Empfinden nach Zweisamkeit stammt, werde ich diesen Weg nicht gehen. Des Weiteren besteht für mich auch ein Unterschied ob die gesellige Katzenrunden im freien Gelände oder in der eigenen Höhle statt finden.
Denn wenn die Annahme einer Katzen gewollten Katzen-WG nicht stimmt, könnte es sein dass wir bei dieser Katze vielleicht viel Schaden anrichten. Auch wenn wir eine Katze wählen würden, die auch schüchtern ist.
Es gibt aber auch Katzen-WG's wo die Katzen ein Bild der Harmonie abgeben. Das ist etwas, das wir total Klasse finden und uns auch darüber immer wieder sehr freuen. Aber es gibt auch genug Katzen-WG's wo die Harmonie überhaupt nicht stimmt. Wo Katzen sich maximal tolerieren, aber mit Harmonie das ganze nichts mehr zu tun hat. Und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob diese Katzen eine Einzelhaltung vielleicht bevorzugen würden. (Aber das ist jetzt auch schon wieder menschliches Denken)
Jetzt lese ich derzeit das Bauch von Frau Mishelle Nagelschneider, "Tipps von einer Katzenflüsterin: Wie wir unsere Katze besser verstehen und sie dazu bringen, zu tun, was wir wollen". So weiß ich, das man auch Problemfälle wieder zusammen bringen kann.
Der Aufwand ist nicht gering, gelingt aber wie es aussieht in den meisten Fällen. Dennoch sind es eigentlich Tricks um dieses Ziel zu erreichen. Wenn Katzen jedoch dieses hohe Geselligkeitsempfinden haben, wieso müssen wir Menschen sie dann davon in vielen Fällen überzeugen?
Das es Katzenfreundschaften gibt will ich gar nicht absprechen. Da gibt es auch Freundschaften in viel ungewöhnlicheren
Konstellationen wie Katze-Delphin oder so. Aber diese Freundschaften sind eben nicht erzwungen worden.
Diese Katzen-WG - Frage habe ich in ein Katzenforum
https://www.katzen-forum.de/katzen/84106-katzen-wg.html gestellt.Eine Foren-Mitgliedin hat Ihren Namen erwähnt. Zwar finde ich auf diesem Link nicht meine Antwort, jedoch fand ich Ihre E-Mail
Adresse von Ihnen im Internet.
Da Sie sich mit dem Thema Katze beschäftigen, dazu eine Diplom Biologin sind und aus meiner Sicht diesbezüglich sagen, die Sie fürsich festgestellt haben, hat Ihre Antwort für mich einen hohen Wert.
Für mich geht es letztlich wirklich nur darum, ob eine Katzen - WG eine erzwungene Sache ist, wenn sie nicht aus einer Geschwisterbande entstand, aus 2 oder mehreren schon im Vorfeld befreundeten Katzen, z.B. aus einem Tierheim, oder ähnlichem?
Und wenn Katzen-WG's wirklich artgerecht sind - ist es auch im Fall dieser Katze ratsam eine andere Katze hinzu zu fügen?
Entschuldigen Sie bitte die "lange Poem" wie meine Frau das nennt, jedoch wollte ich nicht vielleicht etwas wichtiges weglassen.
Das Thema ist für mich sehr wichtig. Denn es geht mir nicht darum andere zu überzeugen, sondern meinen Standpunkt zu finden,für das artgerechte Halten einer oder mehreren Katzen.
Eine Frage noch zum Schluss, darf ich Ihre Antwort in Forum kopieren?
Mit freundlichen Grüßen
meiner einer
Sehr geehrter Herr
ihrer einer,
entschuldigen Sie bitte meine sehr verspätete Antwort. Aus Ihrem Schreiben lese ich, das Ihnen das Thema sehr wichtig ist, daher wollte ich Ihnen unbedingt auch umfassend antworten.
Natürlich muss ich zuallererst betonen, dass ich keine Hauskatzenexpertin bin. Es gibt bestimmt viele andere Menschen mit mehr Erfahrungen im Umgang mit Katzen bzw mit der Haltung von mehreren Katzen in einem Haushalt. Was ich Ihnen aber mitteilen kann, ist eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas, da ich mich durch meine Forschung mit Wildkatzen sowie dem kleinen Fernsehprojekt mit Hauskatzen mit einigen Studien zu dem Thema auseinandergesetzt habe.
Die Idee zu dem Hauskatzenfilm (er kommt bald in voller Länge, 45min, im Fernsehen, Sendetermin ist noch nicht bekannt), kam durch eine britische Reportage zum geheimen Leben von Hauskatzen.
Eine deutsche Fernsehproduktionsfirma kam auf uns zu, um zu fragen, ob wir Interesse hätten an einem ähnlichen Projekt fürs deutsche Fernsehen mitzuarbeiten bzw. unter der Begleitung der Filmkamera eine Hauskatzenstudie durchzuführen. Für uns war es von besonderem Interesse, die Wanderwege von Freigängerkatzen in einem Gebiet mit Wildkatzenvorkommen zu beobachten um festzustellen welche Lebensräume die beiden Katzenunterarten sich teilen oder sie sich sogar zu gleichen Zeit über den Weg laufen. Das war unsere Hauptfragestellung.
Für das Fernsehteam war es noch wichtig, diese Problematik "mehrere Katzen im Haushalt" darzustellen. Besonders geeignet war dann natürlich die Familie mit den beiden Katzen Freddy und Lilli, das Paradebeispiel einer nicht funktionierenden Katzen - WG. Es handelte sich um eine Mutter und Sohn Verbindung.
Es waren bei den "Versuchsteilnehmern" auch andere Katzen-WGs dabei, die kein so abneigendes Verhalten zeigten. Aus der Sicht der wilden Artgenossen kann man folgendes festhalten. Felidae (Katzenartige) sind solitäre Tiere, die zum größten Teil ihres Lebens allein unterwegs sind. Auch hier gibt es Ausnahmen: Löwinnen, die in Rudel leben, Bruderschaften bei Geparden oder jungen Löwen.
Während der Paarungszeit leben Männchen und Weibchen teilweise mehrere Tage, manchmal nur Stunden zusammen. Den Rest des Jahres bleiben sie allerdings allein in ihrem Revier. Das bedeutet aber nicht dass sie die ganze Zeit keinen Kontakt zu ihren Artgenossen haben, es kann immer zu Begegnungen kommen, teils sind das aggressive Auseinandersetzungen (Revierkämpfe) oder einfach die Anerkennung eines anderen Individuum.
Bei Wildkatzen gibt es Anzeichen, dass sich die weiblichen Nachkommen gerne in die benachbarten Reviere des Mutterreviers niederlassen, die männlichen Nachkommen eher weiter wandern um ein geeignetes Revier zu finden. Aus der Sicht der Evolution hat das natürlich sehr gute Gründe, nämlich die Vermeidung der Paarung mit den eigenen Verwandten.
Der Gegensatz zu dieser Lebensweise bilden die Caniden (Hundeartige wie Wolf, Fuchs oder Hund). Stellt man sich das typische Wolfsrudel mit Rüde, Fähe, Welpen und Jährlinge vor, ist es leichter zu verstehen, warum ein Hund so ein soziales Haustier ist.
Seit einigen Jahren weiß man allerdings durch zahlreiche Studien hauptsächlich aus den USA und Groß-Britannien, dass auch Katzen in einem sozialen Verbund existieren können, sogar Rangordnungen entstehen können. So ein sozialer Verbund entsteht durch ein komplexes Wirkungsgefüge der vorhandenen Ressourcen in Großstädten mit großen Population von verwilderten Hauskatzen ("feral cats / stray cats"): Die zwei wichtigsten Faktoren dieses Wirkungsgefüge sind "kein Platz" und "hohe Nahrungsverfügbarkeit (Müll, etc.). Mal ganz einfach ausgedrückt, wenn ein Tier genügend zu Fressen hat und genügend Paarungspartner findet (Grundbedürfnisse sind gestillt), muss es kein eigenes Revier mehr beschützen oder aufrechterhalten (in der Biologie als Territorialität bekannt), sondern duldet unter anderem auch die Anwesenheit von Artgenossen.
Tatsächlich spielt in der heutige Tierökologie auch die "Persönlichkeit" von Tieren eine Rolle. Es ist auch bei vielen Wildtieren bekannt, dass es dominante, schüchterne und mutige Tiere gibt. Alle Katzen- und Hundehalter kennen das natürlich auch von ihren eigenen Tieren. Die Erfahrungen von Katzenhalter besagen, dass gerade diese Persönlichkeit entscheidend ist, ob eine Katzen - Wg funktioniert. Allerdings hat eine Studie (Ramos et al 2013) mithilfe der Analyse von Stresshormonen im Katzenkot untersucht, ob Katzen in Katzen-WGs "gestresster" sind als wenn sie alleine leben. Das Ergebnis war, dass es keinen Unterschied gab zwischen den alleinlebenden Katzen und Katzen aus WGs. Ein Teilergebnis war, das grundsätzlich junge Katzen weniger gestresst waren als erwachsenen Katzen.
Ich persönlich, teile Ihre Ansicht, dass wir Menschen oft dazu neigen, Tiere zu vermenschlichen. Für uns Menschen ist es schlichtweg nicht nachvollziehbar, ein Leben "allein" zu fristen. Meine persönliche Meinung ist, dass Katzen in irgendeiner Form Zugang zu Artgenossen haben sollten (z.B. Nachbarskatzen). Allerdings sollte die Katze immer selbst entscheiden können, wann sie einen Artgenossen treffen möchte und wann nicht, sie sollte immer einen Rückzugsraum für sich ganz allein besitzen, den sie mit keiner anderem Katzen teilen muss.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit irgendwie weiterhelfen und hoffe, Sie haben viel Freude mit Ihrer neuen Katze.
Mit freundlichen Grüßen,
Sabrina Streif