Nachdem ich am Freitag meinen heißgeliebten Tiger (18) nach plötzlicher und schnellverlaufender Krankheit leider einschläfern lassen musste, waren wir alle sehr traurig. Loona (16), die kein Leben ohne Tiger kennt, hing oft nur da und starrte in die Leere, obwohl sie glücklicherweise normal gegessen hat. Und auch Lizzy (3) lief hier rum und suchte. Ich selbst weiß nicht, ob ich jemals in meinem Leben so viel geheult hab. Tiger war ein ganz besonderer Kater, unheimlich verschmust, für sein Alter erstaunlich verspielt und für meine beiden Mädchen genau das was sie brauchten - für Loona ein Partner zum Kuscheln und für Lizzy trotz hohen Altersunterschieds ein Spielgefährte.
Loona und Lizzy haben sich zwar sehr gern, aber Loona schmust nicht so innig und viel mit Lizzy wie mit Tiger, und Lizzy kann mit ihr nicht so balgen, weil Loona das nicht so mag.
Also überlegte ich, ob und vor allem was für eine Katze ich wieder dazu holen sollte. Ich hab dann am Sonntag eigentlich nur mal auf Ebay Kleinanzeigen gestöbert, aber wie das oft so ist, fiel mir dort ein Kater auf, 2 Jahre alt, in Wohnungshaltung mit Hund, der leider wegen der plötzlich auftretenden Allergie der Tochter der Familie weg musste. Dass er Tiger ziemlich ähnlich sah, war vielleicht auch ein Faktor, warum ich noch am selben Tag hin gefahren bin um ihn kennen zu lernen. Und hab ihn mitgenomen.
Am ersten Abend hat er sich wie zu erwarten erst mal verkrochen. Loona und Lizzy haben erst mal interessiert geguckt, aber dann ging das Gefauche los. Auch das war zu erwarten. Der Kater hat sich diverse Ecken gesucht - hinter der Heizung im Schlafzimmer, und Montags morgens fand ich ihn dann IM Katzenklo, ganz erstarrt vor Angst. Dort hab ich ihn dann auch rausgeholt, weil das ist ja wirklich kein angenehmer Ort zum Liegen. Er hat sich dann im Wohnzimmer in einer Ecke verkrochen. Jedes Mal wenn Loona oder Lizzy in die Nähe kamen, wurde erst mal gebrummt und gefaucht. Ich hab ihm dann mehrfach Fressen angeboten, aber noch nahm er nichts an.
Am frühen Abend saß er dann im Schlafzimmer auf einem etwas niedrigeren Schrank. Da hab ich ihm ein Schälchen mit Futter und Wasser hochgestellt, und tatsächlich nahm er davon was und kam dann runter. Innerhalb des Abends taute er etwas auf, wollte überall schauen, jede Tür wurde angeschabt und er miaute, damit ich ihn u.a. in die Abstellkammer lasse. Zu Loona und Lizzy immer noch gefauchte und von den beiden natürlich auch zurück.
Jetzt, gut 36 Stunden nach seiner Ankunft, kommt er auf mich zu und lässt sich streicheln. Er geht immer wieder auf insbesondere Lizzy zu und sie auf ihn, beide neugierig aber vorsichtig, und früher oder später wird dann wieder gebrummt und gefaucht. Aber mittlerweile geht es bis zu einem Abstand von 30 cm, bevor das kommt, und vorhin saßen sie mit knapp 1 m Abstand auf der Couch und haben nichts von sich gegeben.
Ich hab ihn dann mit einem Angelspielzeug animiert, was ihn kurz hat vergessen lassen, dass da überhaupt andere Katzen sind. Wieder ca. 1 m Abstand und zwischen ihm und Loona hin und her geschwenkt, so dass jeder es einmal fangen und beißen konnte.
Im großen und ganzen denke ich, bisher läuft es gut. Dass noch Vorsicht und Misstrauen herrscht ist ja nicht ungewöhnlich. Was meint ihr?
Sollte es übrigens gar nicht funktionieren, kann ich ihn zurückbringen. Das war mir wichtig, dass wir alle wollen, dass er eine möglichst ideale Umgebung bekommt und nicht nur eine, wo es grad so mit Ach und Krach funktioniert. Und meine Mädchen gehen mir dabei natürlich vor. Ich hab aber das Gefühl, für uns alle drei ist diese neue Situation eine Ablenkung von der Trauer um Tiger, auch wenn es jetzt wirklich sehr früh war.
Hier ist auch ein Foto von dem kleinen Kerl.
(ugh, ich weiß nicht, warum das Bild gedreht ist. Bei mir auf dem PC ist es richtig)