Sorry, wenn ich das so unverblümt sage, aber es war keine gute Idee, ihn am alten Zuhause zu füttern, denn dadurch sah er noch weniger Veranlassung, euch ins neue Heim zu folgen. Als Ex-Streuner wird es schwer für ihn sein, dem neuen Zuhause das gleiche Vertrauen entgegen zu bringen, wie dem alten.
Ich fürchte, dass du ihn nicht über einen längeren Zeitraum im Haus halten kannst, ohne dass er randaliert und womöglich alles vollpinkelt. Die ca. 2 km Entfernung liegen eigentlich noch gerade so im Aktionsradius eines erwachsenen (und hoffentlich kastrierten!) Katers. Es gäbe also eine Chance, dass du ihn mit einem Trick langsam an euer neues Zuhause bindest, ohne Zwang ausüben zu müssen.
An deiner Stelle würde ich folgendermaßen vorgehen:
Kater rauslassen und so 1-2 Tage abwarten, ob er zum Futtern freiwillig wieder auftaucht. Tut er das, kommt er dann regelmäßig, erübrigt sich der Rest.
Ist er auch nach 2 Tagen nicht zurück, dann zu Fuß! zum alten Haus gehen und ein paar Leckerlis (Dreamies, Kaustangerl etc.) mitnehmen. Wenn er sich dort - erwartungsgemäß - rum treibt, ihn locken, ruhig mit ihm reden, ihn kraulen und ihm ein paar Leckerchen geben. Und sich dann umdrehen und einfach gehen! Klingt brutal, ist aber notwendig. Auf dem Rückweg hier und da eines von den Leckerchen fallen lassen, ihn aber nicht mehr rufen oder locken und ihn einfach nicht beachten. Das ist ein Angebot für ihn, dass er eigentlich nicht ablehnen kann, weil es seine Neugier weckt und ihm zeigt, dass kein Druck auf ihn ausgeübt wird. Diese Prozedur würde ich auf jeden Fall einige Tage/Abende wiederholen, ihm allerdings in der Nähe des alten Hauses dann keine Leckerlis mehr geben. Die muss er sich auf dem Weg in das neue Zuhause holen.
Wenn er feststellt, dass er bei den neuen Mietern nicht willkommen ist und du kein richtiges Futter mehr bringst, ihm aber andererseits den Weg zum neuen Zuhause buchstäblich schmackhaft machst, dann kann es sein, dass er in kurzer Zeit begreift, wo sein neuer Platz nun ist. Und wo er natürlich mit Futter erwartet wird.
Es ist ein alter und bewährter Trick, der aber natürlich nur funktionieren kann, wenn zwischen dem alten und dem neuen Zuhause nur eine so kurze Distanz liegt, dass er sie leicht überwinden kann. Aber das ist in diesem Fall ja gegeben.
Mir ist völlig klar, dass das eine extrem schwierige Situation ist und dass mir einige hier Herzlosigkeit oder Kaltblütigkeit vorwerfen werden, wenn ich dieses Vorgehen als Möglichkeit in Betracht ziehe. Und ich weiß, dass man dafür starke Nerven braucht, damit einen das schlechte Gewissen nicht auffrisst. Wenn aber auf der anderen Seite nur dauerhaftes Einsperren mit all den nervenzerfetzenden Konsequenzen für Katz und Dosi bleibt, dann sollte das eine Überlegung wert sein.
Manchmal muss man eine Katze loslassen, um sie behalten zu können. So schmerzhaft das auf Anhieb auch sein mag. Und sollte der Trick bei ihm gar nicht funktionieren, dann bleibt erneutes Einfangen und Einsperren ja immer noch eine Option.
Es ist Sommer, da kann es etwas länger dauern mit dem heimwärts Trödeln. Aber wenn er erst begriffen hat, dass es am alten Haus für ihn nichts mehr gibt, dann ist jetzt die beste Zeit, ihn auf diese Art vom neuen Zuhause zu überzeugen.