...er ist einfach gegangen, einfach so. Ohne jegliches Zeichen. Am Samstag saßen wir noch zusammen im Garten und ich holte meine Kamera um ein paar Fotos von ihm zu machen. Er mochte das noch nie. Immer hat er sich dann bewegt oder sich geputzt, oder ist gegangen, wenn man versuchte ihn bildlich festzuhalten. Ein paar gute Schnappschüsse waren mir gelungen. Und schon ging er wieder seinen Weg. Ein Rascheln im Gebüsch hatte ihn aufhorchen lassen. Ich lächelte ihm hinterher.
Am 19.06.2013 kamen er und sein Bruder zu mir. 8 Monate waren sie dort alt. Ich hatte Jacko im Tierheim gesehen und mich sofort in ihn verliebt. Doch ich wollte nicht das er alleine ist. Sein Bruder war kurz zuvor adoptiert worden, kam aber dann doch wieder zurück. Das Gespann war komplett. Wir lebten in der Stadt in einer 65qm Wohnung.
Kaum waren sie bei mir, wurden sie krank.

Kryptosporidien hieß die Diagnose. Ein halbes Jahr lang fuhr ich wöchentlich mit ihnen zum Tierarzt. Neben empfohlener Kost, kochte ich unter anderem auch oft Schonkost für sie, reinigte und kochte jeden Tag die Katzenklos aus, und wenn ich nachts hörte wie sie auf Klo gingen, sprang ich auf um ihnen den Hintern abzuputzen, damit sie von den Drecksviechern nicht wieder welche aufnahmen.
Sie sind meine ersten Katzen...und nach einem halben Jahr, waren sie endlich wieder Durchfallfrei und fit.
Richtige Kuschelbrüder waren die Zwei aber nie. Felix ist dominant, jagt gerne und war in der Wohnung nie auszupowern. Ich habe dafür wirklich alles getan. Jacko hingegen war der Ruhige, der Gemütliche. Er wurde auch mit der Zeit korpulenter. Mein Kuschelmops. Hatte immer ungefähr anderthalb Kilo mehr als sein Bruder auf den Rippen. Ich achtete darauf das es nicht mehr wurden und er auch wieder etwas abnahm.
Er mochte es auch nicht wenn sein Bruder mit ihm raufte. Mein kleiner die Ruhe liebender Jacko...
Im März 2016 zog ich dann mit den Beiden aufs Land. Mein Partner zog hinzu. Ein Traum wurde für Felix wahr und auch Jacko genoss den Rasen unter seinen Pfötchen. In der Stadt waren mir die Zwei schon aufs Dach der Lagerhalle vor meiner Küche entwischt (einmal beim Lüften nicht aufgepasst), und schon waren sie angefixt.
Hier hatten sie nun alles was man sich als Katze wünschen konnte. Eine zwar kleinere Wohnung in einem alten Bauernhaus, aber in einer ruhigen Sackgasse gelegen. Das vorletzte Haus auf der Straße und nach hinten nur Felder. So weit das Auge reichte.
Sie bezogen ihr Revier, Felix brachte die ersten Mäuse. Jacko hatte damit so seine Probleme und war stolz wie Bolle, als er nach über einem halben Jahr Freigang, seine erste Maus brachte. Und ich erst!
Innen spielen? Nicht mehr interessant genug. Und wenn nur für fünf Minuten. Dann saß man wieder auf dem Hocker vorm Fenster, weil man in den Garten wollte. Eine Katzenklingel gab Sicherheit. So wusste ich immer wann sie zurück waren um sie rein zu lassen.
Ein Jahr verging...und diesen Sonntag endete die Idylle abrupt.
Am Samstag waren mein Partner und ich uns noch ein Haus anschauen, indem wir alle eine Etage mehr gehabt hätten. Eine Etage wo die Zwei sich auch jederzeit in Ruhe hätten zurückziehen können, wenn sie keine Lust auf abendliche Gesellschaft hatten. Bisher gibt es nur das Schlafzimmer, und das Badezimmer liegt leider dahinter. Eine ganze Etage...
Der Bruder meines Partners war an diesem Wochenende ebenfalls da. Keiner merkte etwas. Jacko fraß normal, meckerte einen wie immer normal an und kam abends zurück.
Am Sonntag, als wir aufstanden, sah ich kurz unters am Regal gespannte Bettlaken. Jacko lag in dem darunter platzierten Wäschekorb und sah mich an. Ich zog das Bettlaken wieder zu um ihn weiterschlafen zu lassen. Nachdem das Fenster im Schlafzimmer aber geöffnet wurde, war er weg. Über den Nachmittag war ich mit meinem Partner bei meinen Eltern um ihnen von der Hausbesichtigung zu erzählen. Wir sind sogar kurz dahin gefahren. Denn hinter dem Haus waren auch Felder. Uns kamen auch dort schon die ersten Katzen entgegen. Wieder super gelegen für meine Jungs.
Dann fuhren wir nach Hause und brachten kurz darauf den Bruder meines Partners zum Bahnhof. Wieder zuhause angekommen aßen wir zu Abend...kein Jacko...hatte er schon gefressen als wir nicht da waren? Das Fenster stand den ganzen Tag gesichert offen, sodass sie jederzeit raus und rein konnten. Von Felix sind wir es gewohnt das er lange ohne Stippvisiten weg bleibt...aber Jacko? Sonst guckte er immer wieder vorbei...
Ich bin ein Mensch der sich immer übertrieben viele Sorgen macht. Und trotz dieser Sorgen war nie was passiert. Immer kamen sie, trotz meiner Sorgen, beide wieder. An diesem Tag ging ich meiner übertriebenen Sorge nicht nach. Ausgerechnet dieses Mal nicht...
Ich telefonierte mit meiner Mutter. Ich stand im Schlafzimmer auf meinem Bett und sah dabei raus. Hinter unserem Schlafzimmer ist ein Verschlag mit einem ausgelagerten Heizkessel, abgedeckt mit einer schwarzen Plane und Decken. In diesem Verschlag suchten meine Jungs oft Unterschlupf wenn es regnete. Oder Jacko Schutz suchte wenn sein Bruder ihn wieder zu sehr mit Fangen spielen nervte. Vom Fenster aus kann man aber nicht nach innen in den Verschlag schauen. Dafür ist das Dach zu niedrig, und die Folien am Fenster im weg, die die untere Hälfte zieren. Ein Sichtschutz. Denn der Vermieter (80 Jahre, Rentner) ist regelmäßig bei uns im Garten. Auch diesen Abend wieder als ich im Schlafzimmer stand und mit meiner Mutter telefonierte. Davor den Tag hatte er die drei kleinen Buchsbäume am Miniteich bei uns gespritzt. Nicht giftig, sagte er. Benutzt er schon seit Jahrzehnten. Da er bisher immer Tierbesitzer, insbesondere Katzenbesitzer im Haus wohnhaft hatte, zweifel ich nicht daran. Er selbst hatte in seinem bisherigen Leben genügend Tiere. Nie ist einem was passiert. Und auch in seinem eigenen Garten am Teich nutzt er das Mittel. Die Büsche selbst interessierten meine Jungs nie. Nur Katzengras und lange Grashalme zum knabbern. Er war sehr bestürzt als ich ihm vom Tod meines Jacko erzählte...
Ich stellte mich am Abend ans Fenster und pfiff nach Jacko und Felix. Keine Antwort. Vielleicht waren sie zu weit weg.
Erst als sein Bruder zweimal am Abend auftauchte und Jacko immer noch nicht, konnte ich nicht mehr still sitzen bleiben...ich ging raus. Und ging, aufgrund eines Gefühls, zum Lieblingsversteck der Jungs. Der Verschlag hinter den Schlafzimmerfenstern. Ich ging drum herum, und streckte meinen Kopf unters Dach. Ich sah Jacko sofort vorne an auf der Plane liegen. Ich passe so gerade hinter den kleinen Weg um mich dann duckend unter das Dach stellen zu können. Freudig sprach ich ihn an...doch er reagierte nicht. Ich bekam Panik, stupste seine Pfote an. Nichts. In meiner Panik rief ich nach meinem Freund, holte Jacko von da runter und rannte nach vorne zum Auto. Seine Augen waren auf, seine Nase blass, seine Zunge guckte ein Stück raus und war bläulich. Keine Atmung, keine Bewegung, er war steif...
Wir rasten zur Tierklinik, doch dort konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Weinend brach ich zusammen und wusste nicht weiter. Wieso war das Geschehen? Was hatte ich übersehen? Was war passiert? Es ging uns doch allen am Wochenende noch gut!
Vergiftung? Kein Schaum vorm Mund, kein Erbrochenes. Unfall? Alle Pfoten und Krallen intakt, keine äußeren Verletzungen erkennbar.
Er hatte dort gelegen, entspannt, als hätte er geschlafen. Die eine Pfote unter seinem Kopf, die andere daneben. Das eine Hinterbein lang gestreckt, das andere angewinkelt.
Der Verdacht: Im Schlaf gestorben. Von plötzlichen Herztod, über Schlaganfall bis zur
Thrombose, alles möglich. Eine Obduktion könnte Aufschluss geben, aber ich wollte ihn wieder mitnehmen. Ich wollte ihn nicht fortgeben.
Wir fuhren wieder nach Hause, legten ihn auf seinen Lieblingsplatz auf dem Sofa und warteten auf Felix.
Als er heimkam beschnupperte er ihn zweimal im Verlauf des Abends und lief über ihn. Das hatte er so auch schon öfters getan. Vielleicht wollte er schauen ob er auch diesmal wieder aufsprang?...
Am nächsten Tag mussten wir uns um seine Beerdigung kümmern. Ich stand noch immer unter Schock. Ich wusste gar nicht wo ich anfangen sollte. Ich holte einen Karton, er liebte Kartons, ein Handtuch und sein Baldrian-Spielkissen. Er tretelte immer so wunderbar dagegen wenn er damit spielte. Da standen wir nun. Jacko im Wäschekorb vor uns. Mein Partner rechts von ihm, ich links. Dann kam Felix. Er stellte sich zwischen uns, setzte die Pfoten auf die Kante des Sofas, sah zu Jacko und sah mich an. Als wüsste er was los ist... . Dann ging er. Und wir auch. In Omas Garten fand er seinen Platz...
Mit Felix ging ich noch zu meiner Tierärztin...sie untersuchte ihn und hörte auch sein Herz intensiv ab. Nichts. Rein gar nichts...auch bei Jacko war nie etwas zu hören gewesen. Sie wurden beim impfen immer gründlich kontrolliert...nichts...dieses Jahr sollten sie nur ihre erste Zahnreinigung bekommen...
Ich erzählte ihr was die in der Tierklinik sagten und wie ich ihn gefunden habe...für sie klingt es auch nach einem plötzlichen Herztod...
Der Bruder meines Partners war ebenfalls entsetzt. Denn ungefähr eine halbe Stunde nachdem wir an diesem Sonntag zu meinen Eltern gefahren waren, hatte er ihn noch gesehen. Er kam rein, sagte kurz Hallo, und ging wieder. Nichts auffälliges war zu erkennen. Er benahm sich normal.
Und nun sitze ich hier und frage mich was ich übersehen habe. Was ich falsch gemacht habe. Gebe mir die Schuld daran das ich nicht früher nach ihm gesucht habe. Jeder sagt das ich auch früher nichts mehr hätte machen können. Das er vermutlich schon Tod war als wir nach Hause kamen. Denn sonst wäre er doch gekommen. Hatte er Schmerzen? Hat er gelitten? Ging es schnell? War es wirklich im Schlaf geschehen? Mein armer Jacko...er war ganz allein...
Ich bin so wütend, so wütend auf mich das ich einmal nicht die Überfürsorgliche gespielt habe! Und ich Zweifel an mir...
Wäre Jacko, ohne seinen dominanten Bruder, glücklicher gewesen?
Beim gemeinsamen Essen gab es immer Spannungen. Sie guckten sich immer wieder an. Und wenn ich Jacko einen ruhigeren Platz zum Essen gab, kam sein Bruder erst einmal hinterher um zu schauen was es dort gab. Jacko knusperte am liebsten das wenige Trockenfutter das zur Verfügung stand. Nassfutter gab es genug. Ich probierte von Beginn an immer wieder verschiedene Sorten und setzte mich mit den Inhaltsstoffen auseinander. Von guter Mittelklasse bis absolut hochwertig, bis zu natürlicher Rohkost (Frischfleisch

).
Die Zwei sind extrem mäkelig und schwer zufrieden zu stellen. Besonders in letzter Zeit, Beide. Wenn Jacko das Fleisch, ich vermute wegen seinem Bruder, nicht direkt fressen wollte, fütterte ich ihn per Hand. Das schien ihm immer zu Gefallen. Und ich genoss es auch. Wenn sein Bruder dabei anwesend war, bekam er auch Fleisch aus der Hand. Aber es kam jeweils aus dem Napf aus dem sie gerade am Fressen waren. Nie aus dem des anderen. Doch am liebsten wollte Jacko immer das Zeug zum knuspern...das gab es aber immer nur in Maßen, nicht in Massen...
Wenn ich über Tag zuhause war, kam er meist kuscheln und schlief bei mir unter der Decke.
Er liebte Deckenhöhlen. Nachts schlief er im Wohnzimmer, was ich traurig fand. Als mein Partner noch nicht da war, lag er öfters mit seinem Bruder bei mir im Bett. Nun lag nur noch Felix dort. Hatten sie ihr Revier neu aufgeteilt? Fühlte er sich zurückgestellt? War er traurig deswegen? Alles Dinge die mir jetzt im Nachhinein durch den Kopf gehen. Wenn wir nicht da waren, fand man die Zwei aber auch oft zusammen in unserem Bett liegend vor. Wenn man sie so erwischte, schauten sie einen immer ertappt an.

Und Jacko liebte, liebte getragene Kleidung. Insbesondere die meines Partners, besonders seine Kochjacken.

Genauso wie er auch seine Ruhe liebte...
Mein Partner kam, kommt, super mit meinen Jungs/Jungen aus. Er liebt Katzen genau so sehr wie ich. Sie haben ihn auch schnell akzeptiert. Nachts verbrachte er die meiste Zeit mit Jacko im Wohnzimmer. Wir haben sehr verschiedene Arbeitszeiten, weshalb mein Partner nachts noch auf ist. Sie schauten dann oft noch gemeinsam Filme, Jacko wurde zwischendurch gekuschelt wenn er Lust hatte, und wenn es zu spät wurde, sagte Jacko meinen Partner immer das er jetzt ins Bett gehen soll.

Jeden Morgen ging ich zu ihm ins Wohnzimmer, begrüßte ihn und streichelte ihn. Dann stand er meist mit auf und trottete hinter mir her in die Küche. Wenn ihn sein Futter nicht passte, meckerte er immer wie eine kleine Diva. Oh wie ich dieses meckern vermisse...wie ich es vermisse das er mich anmeckert, wenn ich nach Hause komme, er sich auf den Boden wirft und mir den Bauch entgegenstreckt um sich streicheln zu lassen. Hätte ich was bemerken müssen? Daran wie er frisst, daran das er vor kurzem mal seine Leckerchen verweigerte? Vielleicht war er auch nur satt gewesen...?

Irgendwas??? War da irgendwas was ich übersehen habe??? Er verhielt sich wie immer, so wie ich ihn kannte. Nichts war neu an seinem Verhalten...nichts...
War sein ruhiges Gemüt ein Zeichen für ein Herzproblem???...
Ich verstehe es einfach nicht...ich suche nach Antworten und finde keine. Ich fühle mich so hilflos... Immer wieder frage ich mich ob ich etwas übersehen habe, aber ich finde nichts...mein Kuschelmops...er wäre im August fünf geworden...es tut mir so Leid...ich liebe dich...
Das erste Foto ist von Samstag...einen Tag vor seinem Tod...