Hallo liebe Katzenfreunde.
Ich habe mich hier im Forum angemeldet, weil mich eine Frage sehr quält:
Kann die Trauer über einen verlorenen Artgenossen auch erst ein paar Tage später kommen?
Zum Hintergrund:
Wie ihr in meinem Profil lesen könnt, hatten wir zwei Katzen (ich konnte es nicht übers Herz bringen, Momo nicht im Profil auftauchen zu lassen.). Den Kater Momo und seine Schwester Pu.
Ich werde es einfach mal ganz ausführlich erklären, vielleicht können mir dann die Erfahreneren einen Tipp geben, wie ich weitermachen soll.
Mein Freund und ich haben die Miezen von einem verlassenen Bauernhof "gerettet" (der Eigentümer kam ins Pflegeheim, die Angehörigen haben kein Interesse an Hof und Tieren). Bevor der Eigentümer ins Pflegeheim musste, bat er den Großcousin (D.) meines Freundes darum, die Bauernhofkatzen zu versorgen (3 Erwachsene, 2 Kinder). Durch Zufall erzählte mein Freund dem lieben Dieter, dass er für uns in naher Zukunft eine Katze sucht, weil wir in eine größere Wohnung umziehen werden - mit Garten, am Ende einer Sackgasse, die nur zwei Häuser hat und nebendran der Friedhof. Also der perfekte Ort für Katzenkinder.
Wir haben uns also Ende Oktober 2016 die kleine Katze angesehen und waren einfach nur hin und weg. Sie war zwar offensichtlich krank und sehr, sehr schüchtern, aber wir wussten, dass wir sie in ein schönes Zuhause bringen, wo es ihr an nichts fehlen sollte.
Wir fuhren da also ein paar Mal hin und eines Tages trafen wir auch ihren Bruder. Sein Auge war ganz geschwollen und eitrig. Also haben wir beschlossen, ihn auch zu "retten". Umso besser, dachten wir uns, dann sind sie zu zweit und können auch die paar Stunden überbrücken, wenn wir in der Arbeit sind.
Da wir aber mitten im Umzug steckten, vereinbarten wir mit D., dass wir die Katzen zum Tierarzt bringen und versorgen lassen und er sie dann in seinem Nebenhaus pflegt. Und genauso wurde es gemacht, sie wurden entwurmt. Die Kleine wurde aufgepäppelt (hatte Ende Dezember immer noch nicht mal 2 kg), ihr Fieber bekamen wir in den Griff und Momos Auge wurde entfernt.
D. hat sie wunderbar gepflegt und mit sehr viel Liebe überschüttet.
Kurz nach Silvester kamen sie dann zu uns, über die Wochen hinweg wurden beide noch kastriert (ging zunächst wegen Krankheit und Untergewicht nicht) und natürlich geimpft.
Die vergangenen Wochen waren die schönsten in unserem Leben. Wir hatten diese zwei perfekten Katzen, die so drollig miteinander spielten, sich gegenseitig putzten und miteinander kuschelten. Sie waren nicht aufeinander fixiert, aber es war immer schön, ihnen beim Zusammenleben zuzusehen. Auch wir haben von Momo (auch genannt Cäpt'n Schleckbart) sehr viel Liebe durch Abschlecken erfahren. Allgemein liebten die beiden uns und wir sie abgöttisch.
Mein Freund ist ein sehr sicherheitsbewusster Mensch, um nicht zu sagen, ängstlich. Es dauerte also doch einige Zeit, bis wir sie ohne Beobachtung rausließen, aber auch da immer nur ein paar Stunden, wenn wir zuhause waren und die Terrassentür offen war. Wir wollten ihnen einfach Zeit geben, um sich an den wiedererlangten Freigang zu gewöhnen.
In den letzten 3-4 Wochen hat es sich eingespielt, dass ich morgens aufstand, sie fütterte und streichelte und dann die Tür zum Garten öffnete, damit die beiden rumtollen können.
Mein Freund steht immer erst auf, wenn ich das Haus verlasse. Sobald er aufstand, kamen die Katzen sowieso immer rein und schauten nach dem Rechten. Das taten sie immer, wenn sie draußen waren: alle paar Minuten vorbeischauen.
Am Freitag war aber alles anders. Ich weckte meinen Freund und verabschiedete mich für den Tag. Er blieb noch ein bisschen (ca. 10 Minuten) im Bett liegen, als es plötzlich an der Haustür klingelte.
Eine Frau stand davor und fragte ihn: "Habt ihr zwei kleine schwarze Katzen?", mein Freund bestätigte das. Und sie meinte: "Dann habt ihr jetzt nur noch eine."
Mein Freund konnte es natürlich nicht glauben und war auch sehr perplex durch diese gemeine Aussage. Er ließ sich von ihr dann zeigen, was sie meinte.
Sie hatte meinen kleinen Momo getötet, indem sie in mit ihrem Auto am Kopf getroffen hat. Er war vermutlich auf der Stelle tot.
Ich glaube, die Frau kann wirklich nichts dafür. Momo hatte immer die Angewohnheit im Spieltrieb wie ein Verrückter loszusprinten - und scheinbar hat er das auch am Freitag morgen gemacht, aus der Hecke auf die Straße.
Mein Freund hat dann sein Duschtuch genommen (damit es nach ihm riecht), den kleinen Momo eingewickelt und nach Hause gebracht. Er hat das Handtuchpaket dann vor die Kleine gelegt, damit sie sich noch verabschieden kann, aber er brachte es einfach nicht übers Herz das Handtuch von Momo abzunehmen (und das kann ich ihm auch nicht verübeln).
Die Kleine zeigte sich ziemlich uninteressiert und ist wieder auf die Couch gewandert.
Mein Freund hat es nicht übers Herz gebracht und mir davon erzählt, bis ich ihn nachmittags im Büro besucht habe. Er hat nur ständig drauf bestanden, dass ich erst noch bei ihm vorbeifahre, bevor ich nach Hause fahre.
Als ich hingekommen bin, stand er vor der Tür und ging plötzlich rein, bevor ich reingekommen bin. Unter Tränen hat er mir erzählt, was passiert ist.
Ich konnte es erst gar nicht fassen und sagte nur, ich muss schauen, wie es der Kleinen geht.
Bin dann gleich nach Hause, aber sie ließ sich überhaupt nichts anmerken, sie hatte gerade auf der Couch geschlafen und begrüßte mich gähnend wie immer.
Seit Freitag Nachmittag sitzen wir zuhause und weinen fast durchgehend. Immer wieder erinnert uns irgendetwas an ihn und das Geheule geht wieder los.
Wir haben heute die gesamte Wohnung geputzt, weil mein Freund es nicht aushält, überall seine Fuß- und Schleckabdrücke zu sehen. Selbst wenn er das KaKlo ausräumt, bricht er in den Tränen aus, weil nur noch die Hälfte drinnen ist.
Nun zu meiner eigentlichen Frage: die Kleine zeigt sich vollkommen unbeeindruckt von der ganzen Geschichte. Sie merkt, dass es uns schlecht geht, also kommt sie immer wieder zu uns und will gestreichelt werden. Und dann schnurrt sie so laut wie sie es immer macht und ihr Schwänzchen zittert (vor Freude?) wie immer. Sie isst vollkommen normal, geht ganz normal auf KaKlo und spielt und fängt Fliegen wie eh und je.
Sie sucht ihn nicht. Wir haben alle Türen offen, damit sie nachsehen könnte, aber es scheint sie einfach nicht zu interessieren.
Das einzige, was anders ist: sie hat heute plötzlich begonnen, uns abzuschlecken. Das hat sie vorher nie gemacht, das machte immer nur Momo. Natürlich ist das reine Vermenschlichung, aber es fühlt sich an, als wollte sie sagen: "Seid nicht traurig, ich kann auch so sein wie Momo".
Kann es also tatsächlich sein, dass unsere Kleine nicht trauert? Oder müssen wir uns darauf einstellen, dass das erst ab morgen oder noch später kommt, wenn wir beide wieder in die Arbeit müssen und sie dann ganz allein in der Wohnung ist?
Ich habe so ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil ich ihn rausgelassen habe, weil ich ihn nicht beschützen konnte, aber v.a. weil ich die Kleine in Zukunft alleine lassen muss.
Also bitte sagt mir: ist jemand unter euch, dessen Katze auch nicht getrauert hat, obwohl die beiden sich zu Lebzeiten verstanden haben?
Danke für die Geduld mit dem langen Text,
eure todtraurige Johanna mit Pu