Wir haben seit etwas über drei Jahren unsere kleine Katzendame Lizzy. Wir haben sie mit vier Monaten aus privater Hand bekommen und sie lebte bis dahin dort mit ihren Eltern und drei Geschwistern (plus zwei Menschen

) in einer Wohnung. Auch bei uns lebt sie ausschließlich in der Wohnung (80qm Grundfläche aber mit wirklich viel vertikalem Raum zusätzlich), da wir im vierten Stock in einem Großstadtapartment leben. Sie war nie eine besonders kuschelige Katze, mag Streicheleinheiten nur bedingt und hasst es, hochgenommen oder sonstwie festgehalten zu werden, hängt aber ganz offensichtlich trotzdem sehr sowohl an mir als auch an meinem Mann. Sie begrüßt mich beim Nachhausekommen immer mit einem kurzen Köpfchenrubbel, hält sich grundsätzlich im selben Raum auf, in dem wir auch sind und schläft immer bei uns im Bett (in der Regel auf meinen Beinen, aber wenn sie dort Platz findet auch gerne mal unter der Decke). Sie spielt und tobt mit großer Energie und machte im Großen und Ganzen immer einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck. Einzig, was sie überhaupt nicht vertragen mag, ist es, wenn wir beide mal für mehr als 24 Stunden weg sind. Mein Vater kümmert sich zwar zweimal am Tag um das Nötige wie Futter, Toilette und auch Spielen, wenn sie denn möchte, aber statt ihrer Familie eine semifremde Person für nur 1-2 Stunden am Tag zur Verfügung zu haben gefällt ihr gar nicht und sie pinkelt dann aus Protest auf die Couch. Nun wollten wir doch vielleicht in den nächsten Jahren auch mal irgendwann wieder in den Urlaub fahren, und haben uns daher nach langem Überlegen entschlossen eine zweite Katze anzuschaffen. Seit etwas über drei Wochen lebt dann jetzt also auch noch der 7 Monate alte Nissan bei uns, eine Tierheim-Katze aus einer Rettungsaktion auf Lanzarote. Er ist natürlich wie auch Lizzy selbst kastriert und anders als wir befürchtet hatten kein bisschen traumatisiert. Er ist super zutraulich, verschmust und verspielt und hat sich an uns Menschen in kürzester Zeit voll gewöhnt. Wir sind die üblichen Schritte der Zusammenführung durchgegangen und hatten zunächst auch den Eindruck, dass alles fantastisch läuft. In der ersten Woche war er ausschließlich im Badezimmer bei vollständig geschlossener Tür und ich habe nur zweimal am Tag einen Fellpflegehandschuh ausgiebig an Nissan benutzt und Lizzy zur Begutachtung in den Flur gelegt. Die ersten zwei- oder dreimal hat sie ihn angeknurrt, aber dann hat sie ihn eigentlich nur noch interessiert beschnuppert und sogar Leckerchen, die ich drauf gelegt habe gefressen. Auch Leckerchen die ich direkt vor der geschlossenen Badezimmertür platziert habe, hat sie vorsichtig aber letztlich doch anstands- und ausnahmslos gefuttert. Nissan auf der anderen Seite frisst sowieso alles, was halbwegs essbar erscheint, egal wo es liegt oder wie es riecht. So weit so gut. In der zweiten Woche haben wir die Badezimmertür dann immer einen Spalt breit offen gelassen, so dass ziemlich genau eine Katzenpfote durchpasst, aber kein Kopf. Da fing es an schwieriger zu werden. Nissan wurde neugierig auf die Außenwelt und mochte nicht mehr alleine im Badezimmer sitzen, was er uns zum Teil auch recht lautstark hat wissen lassen. Und Lizzy machte von da an einen großen Bogen um die Tür und fraß auch die davor ausgelegten Leckerlis nicht mehr. Ich hab‘ mit einer ganzen Leckerlispur ausgemacht, dass sie nicht näher als etwa zwei Meter an die Tür herankommt. Das hat sich im Laufe dieser zweiten Woche auch nicht geändert. Davon ab lebte sie aber ganz normal ihr Leben weiter. In der dritten Woche haben wir dann angefangen, Nissan in den Rest der Wohnung zu lassen. Zunächst nur hin und wieder mal eine Stunde im Carrier, dann an der Leine (die er sich völlig gutmütig gefallen lässt, der Süße) und schließlich jetzt seit drei Tagen für mehrere Stunden ganz frei. Lizzys Reaktion ist immer exakt die gleiche. Sie sieht ihn, bleibt mindestens zwei Meter entfernt kurz stehen und faucht ein bisschen und rennt dann weg und versteckt sich irgendwo. Wenn ich in ihre Nähe komme (hängt vom Versteck ab), biete ich ihr beruhigende Worte und Leckerchen an, aber meistens ist sie zu nervös, um zu fressen. Sie beobachtet ihn sehr angespannt und wenn er näher als diese zwei Meter an ihr Versteck kommt (meistens völlig unbewusst während er spielt), faucht und knurrt sie solange bis er wieder weggeht. Nissan selbst macht überhaupt nichts. Wenn sie faucht, hält er kurz inne und guckt sie verdutzt an, aber dann wendet er sich ohne jede Hast wieder seinem Spiel oder der Entdeckungsreisen zu. Zweimal hat er versucht hinter ihr her zu laufen, aber beide Male hat sie dann so angsterfüllt geschrien, dass wir ihm jetzt immer NEIN sagen oder ihn ablenken, damit er sie in Ruhe lässt. Was er auch brav tut. Er beachtet sie eigentlich gar nicht mehr, aber das überzeugt sie nicht im Geringsten von seiner Ungefährlichkeit. Solange er sich frei in der Wohnung bewegt, bleibt sie über viele Stunden konsequent an einem von drei Orten, an denen sie sich halbwegs sicher fühlt. Wir müssen ihn jetzt immer noch über Nacht im Badezimmer einschließen (was er natürlich echt sch*** findet), damit sie überhaupt frisst, auf die Toilette geht und in Ruhe schläft. Wir hatten während der gesamten Zeit zwei Feliway-Stecker eingesteckt. Beide Katzen fressen und trinken normale Mengen und noch hat es kein Markieren oder Protest-Pinkeln gegeben. Sobald Nissan weggesperrt ist, kommt Lizzy aus ihrem Versteck, schleicht ungefähr 5 Minuten mit Bauch auf dem Boden durch die ganze Wohnung, um sich zu überzeugen, dass es jetzt sicher ist, aber dann benimmt sie sich wieder völlig normal, spielt mit ihrem Spielzeug und schläft auch immer noch bei uns im Bett.
Nach dieser langen, langen Einführung nun die Frage an alle, die Erfahrung mit so einer Situation haben: Was können wir nur tun, damit sich Lizzy endlich mal ein bisschen entspannt? Er tut ihr doch gar nichts, also warum hat sie so eine panische Angst vor ihm?