Ihr Lieben, nachdem ich gestern im Tierheim war, um Futter- und Streuspenden abzugeben, bin ich sehr nachdenklich, und würde gerne eure Meinungen hören.
Was brauchen Tierschützer?
Ich frage ganz gezielt nicht: "Was braucht der Tierschutz?", weil die Antwort für mich relativ einfach ist, und dazu zählen für mich Dinge wie Geld und engagierte Tierschützer, etc., sondern: was brauchen eben diese engagierten Tierschützer (=wir), um nicht zu misanthropen Leuten zu werden, und letztendlich denen zu schaden, denen wir helfen wollen?
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Hintergrund für die, die einen kleinen, frustrierten Roman zum Thema Tierschutz lesen wollen:
Hingefahren bin ich trotz Hitze mit drei fröhlichen Kindern, die sich gefreut haben, die Tierheimtiere unterstützen zu können, und einem guten Gefühl, heimgefahren mit traurigen Kindern und einem Eiswürfel im Magen.
Ich erwarte für Spenden weder einen Handkuß noch ein "Danke", ich mache das ja für die Tiere (auch wenn es für uns derzeit finanziell etwas Großes ist, einen Schwung Katzenfutter zukaufen, aber dafür haben wir eine Spardose); aber das meine Kinder angeranzt werden, wenn sie das Futter in die Spendenbox geben fand ich schon schade. Wir sind dann trotzdem noch reingegangen, weil meine Tochter sich als Gassigeh-Patin anbieten wollte. Daß sie dafür wahrscheinlich noch zu jung ist hatte ich ihr vorher schon gesagt, aber daß ihre Anfrage so unfreundlich abgeschmettert wurde habe ich nicht erwartet.
Überhaupt war die gesamte Atmosphäre wie immer super kühl (und es ist für die Kinder schon schwierig, die Masse inhaftierter Tiere zu sehen, besonders wenn sie Langzeitinsassen sehen), und ich mache mir viele Gedanken seither.
Daß es schwierig ist, Menschen gegenüber freundlich und aufgeschlossen zu sein, wenn man sich tagtäglich Eimerweise Bullsh*t anhören muß, ist mir klar. Jeder, der schonmal im Tierheim gearbeitet / geholfen hat, kennt sie alle, die "zugelaufenen" Katzen, die "plötzlich auftretenden Allergien", der "ganz überraschend kommende Umzug",... die 10 km gegen den Wind stinken, weil sie so erstunken und erlogen sind. (Und ich meine damit nicht die Fälle, in denen das tatsächlich eintritt. Und in dubio pro reo. Ich meine die Fälle, die so offensichtlich sind, wie Kinder mit verschmierten Gesichtern und vollgekleckerten Klamotten, die "Ich war das nicht!" sagen. "Da kam ein Dieb und hat den Kuchen gegessen...!")
Weil Leute nicht ehrlich sind und sagen "Ja, es war eine übereilte, unüberlegte, schlecht informierte Anschaffung, und es tut mir leid für das Tier, aber ich kann / will mich nicht mehr drum kümmern."
Aber daß gerade die dann vergrätzt werden, die wirklich helfen wollen, das ist mir ein Rätsel. Ich habe inzwischen mit mehreren Leuten gesprochen, die in diesem Tierheim waren, um ein Tier zu adoptieren, und dann letztendlich doch bei Vermehrern in den Kleinanzeigen gekauft haben, weil sie die Athmosphäre und unfreundliche Behandlung nicht ertragen wollten / konnten.
Und, Hand auf's Herz: Ich kann auch diese Entscheidung nachvollziehen. Als ich während meines Studiums als Hundetrainerin gerabeitet habe, habe ich einen Nachmittag in der Woche damit verbracht, unentgeldlich Hundetraining für Tierheimadoptanten zu leisten, und an den Wochenenden mit Tierheimhunden zu trainieren, um ihre Vermittlungschancen zu steigern (natürlich auch ohne Bezahlung). Dann mußte ich aus privaten Gründen das Studium aufgeben und zurück in die Krankenpflege. Und bei einem 7-Tage Job in drei Schichten ging meine Freizeit dann in meine eigenen Hunde. Nach ein paar Wochen war ich im Tierheim zum Spenden, da kannte mich plötzlich keiner mehr, und ich bekam die gleiche kalte Schulter wie alle Besucher. Okay. Habe ich so hingenommen, und trotzdem den nächsten Hund wieder dort adoptiert, weil ich mir meine Eitelkeit dort hinstecken kann, wo die Sonne nie scheint, wenn es um Tiere geht.
Aber daß das nicht jeder mitmacht finde ich auch verständlich. Unter Generalverdacht gestellt zu werden ist für niemanden angenehm.
Und super schlecht für die Tiere dort.
Und, wie in meinem Fall, für die nächste Generation. Meine Kleinen sagten auf der Heimfahrt, daß sie beim nächsten Mal lieber im Auto warten wollen, und die Große will mir helfen, die Spenden hinzubringen, aber mit keinem dort mehr reden.
Ich habe deswegen eben einen Brief an das Tierheim geschrieben, in dem das alles drinsteht. Wie sehr ich sie verstehen kann, und wie sehr mir die Tiere selbst am Herzen liegen, aber was ihr Verhalten eben mit denen macht, die helfen wollen, und daß es eben wieder genau denen schadet, denen sie ja helfen möchten. Vielleicht berührt es etwas, regt eine Diskussion an.
Vielleicht kann man ja Leute einstellen, bzw Freiwillige rekrutieren, die sich um Interessenten, Spender, Helfer kümmern. Wenn meine Kinder älter sind würde ich das auch machen.
Aber vorerst werden wir nach einer lokalen, kleineren Tierschutzorganisation suchen, die wir dann mit unseren Spenden und gerne auch aktiv unterstützen können. Und wo meine Kinder sehen, was Tierschutzarbeit wirklich heißt. Und daß wir Tierschützer zusammenstehen könne / sollten / müssen.
Was denkt ihr was nötig ist, damit unser Herz nicht kalt wird angesichts des Elendes?