@Taskali: Vielen Dank für deinen offenen, ehrlichen Beitrag. Ich kann das alles, was Du sagst absolut nachvollziehen.
Und dann kommt man an diesen Punkt, wo man merkt, wie man die Menschen in anderen Licht betrachtet, wo man anfängt zu mißtrauen, den Worten nicht mehr glauben mag, wo man hinter allem einen Haken sieht und alles immer im negativen Licht sieht - und deshalb die Menschen entsprechend abweisend behandelt um sich zu schützen. Und ich merkte, wie ich zu dem wurde, was ich immer kritisiert habe.
Genau das! Genau das ist mir auch aufgefallen. Deswegen war meine Frage: ist das überhaupt möglich? In diesem Bereich tätig zu sein, ohne die Schnauze gestrichen voll von Menschen zu haben?
Ich würde ehrlich gesagt nie auf die Idee kommen, uneingeladen bei irgendjemandem daheim auf der Matte zu stehen, geschweige denn Einlaß zu fordern. Als wir nach dem Tod unsere alten Katze soviel Futter übrig hatten, hatte ich der Katzennothilfe eine Mail geschrieben, und gefragt ob Interesse besteht. Als die Antwort kam habe ich gefragt, wohin ich es wann bringen darf, da habe ich das Futter dann nach Absprache direkt zu einer der Pflegestellen gebracht, am Gartenzaun überreicht und einen schönen Tag gewünscht.
Daß jemand sich in deinem Haus umschauen will ist schon fast frech, zumindest super gedankenlos.
Zur Klarstellung: Die Spenderbox steht vor dem Tierheim auf dem Parkplatz; um etwas abzugeben muß man nicht bei den Tieren vorbei, und man muß auch mit niemandem sprechen oder bei der Arbeit stören. Die Mitarbeiterin, die meinen Sohn angeschnauzt hat, kam aus dem Tierheim heraus, und er hatte sie nicht gesehen, weswegen er ihr im Weg stand, als er die Dosen eingeräumt hat. Und wir hätten das Tierheim selbst auch gar nicht betreten, wenn meine Tochter nicht selbst hätte fragen wollen, ob es irgendetwas gibt, was sie tun kann. (Das Tierheim sucht ausdrücklich nach engagierten Ehrenamtlichen in verschiedenen Bereichen, und nur bei den Gassigehern steht explizit, daß sie volljährig sein müssen.)
Daß ein Tierheim kein Zoo ist (was gut ist, denn Zoos betreten wir prinzipiell nicht) wissen auch meine Kinder, und sie wollen die Tiere auch gar nicht sehen, weil sie das zu traurig stimmt.
Für die Mitarbeiter hatten wir eine Packung Eislollis mit einer 'Danke für eure Arbeit!' Karte dabei. Das ist kommentarlos so angenommen worden.
Ich habe eine Menge Verständnis für die Arbeit, ebenso für die Haltung, ich habe, wie erwähnt, 2003- 2004 selber dort ehrenamtlich gearbeitet. Trotzdem heiße ich das Benehmen einiger Mitarbeiter (incl. Leitung) nicht gut.
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@abvz:
Wenn ich Jemandem gegenüber stehe der wegen Tierschutz teilweise auf den Zahnfleisch rumkriecht, dann denke ich ist Kritik das letzte was er gebrauchen kann. Hier heißt es runterschlucken und trotzdem weiter machen, die eigene Würde und deren Befindlichkeiten hinten anstellen.
Wie ich eingangs geschrieben habe fällt mir das persönlich nicht schwer (vermutlich weil ich das warum aus eigener Erfahrung verstehe).
Aber ich bin dennoch der Meinung, daß man genau das nicht von anderen Menschen, die hellfen wollen, Hilfe anbieten, sich einbringen und aus moralisch guter Quelle adoptieren wollen, erwarten kann und darf.
Es gibt so viele Berufe, in denen Menschen ihrer Arbeit wegen auf dem Zahnfleisch kriechen, und trotzdem ein professionelles Verhalten verlangt (und meistens auch geleistet) wird. Ein Polizist oder Rettungsassistent erlebt auch Schreckliches, und muß trotzdem offen und korrekt sein, wenn er mit dem nächsten Menschen zu tun hat.
Und ich denke: wir müßten das auch können. (Ich weiß aber aus Erfahrung, daß das eben manchmal nicht so ist. Ich hatte auch manchmal ganz hässliche Gedanken, wenn Leute mit adoptierten, vorbelasteten Hunden bei meinem Training alles besser wußten, meine Anleitungen nicht mal versuchen wollten, und dann einige Monate später den Hund wieder losgeworden sind, weil er sich "nicht gut verhalten" hat. Ich wollte die dann auch gerne am Kragen packen und schütteln und schreien "Ich habe dir doch gesagt daß das so nicht geht! Du wolltest nicht hören, und der Leidtragende ist jetzt Fifi, Du Ar***!")
Deswegen die Frage: geht es nicht? Können wir nicht im Tierschutz sein und aufrichtig offen und unvoreingenommen mit Menschen?
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@ Motzkatze: So schön!
