Unser 1-Zimmer-Appartement hat sich nun um die Küche erweitert, deren ca 12qm nun auch noch als Renn-, Lauf-, Spiel- und Erkundungsfläche zur Verfügung stehen. Anfangs musste ich die Küche geschlossen halten, da sie viel zu unsicher für Katzenbabys war, und das Küchenfenster nicht geschlossen werden konnte. In der Zwischenzeit hab ich die Küche umgestellt, als Unsichere weggeräumt und das Küchenfenster reparieren lassen. Auf diese Weise kann ich nun auch wieder ruhiger schlafen, denn der Albtraum, was passieren würde, wenn die Kätzchen den Türgriff nach unten drücken (es gibt kein Türschloß), ist nun behoben. Daß Katzen Türgriffe bedienen können, hab ich bereits mehrfach erlebt. Der kleine Sohn meiner verstorbenen Langhaarkatze ist Meister darin, aber auch unser, mitlerweile weggelaufener, grauer Kater konnte Türen öffnen. Die Wohnungstüre halte ich wohlweislich verschlossen. Das mache ich aber schon immer, um unangekündigte Besuche unserer Mitmieter auszuschließen, schließlich renne ich auch nicht einfach so bei den anderen Mietern in die gute Stube...
In der Küche gibt es viel zu entdecken. Da ist zum Beispiel die Spüle mit dem großen Abwaschbecken. Da kann man sich herrlich reinlegen. Ob das ein Katzenbett ist? 'Uiii ... da kommt ja Wasser von oben, ihgittt, was ist das denn?' Aber trinken kann man da, frisches Wasser, direkt aus der Leitung. Das schmeckt viel besser als das Wasser aus dem Napf.
Laufen kann man, als Mensch, nicht mehr in meiner kleinen Wohnung. Das liegt nicht daran, dass dort zu viel steht, sondern daran, dass das Katzenduo sich genau dort bewegt, wo Menschenfüsse gehen wollen würden. Die Menschenfüsse laufen schon barfuß, denn man hat ja so seine Erfahrungen, aber es kommt trotzdem zu dem einen oder anderen unsanften Zwischenfall. Bei uns begegnet man nur noch selten einem Felltierchen, meist bewegen sie sich im Duo. Sie hängen aneinander. Eine Katze mit 2 Köpfen, 2 Schwänzen und 8 Photen. Sollte die eine gerade alleine dastehen, so ist es eine Sache von Sekunden und schon purzeln zwei übereinander. Sie schlafen zusammen, ineinander gerollt, sie fressen zusammen, sie spielen miteinander und, da sie beide fast gleich aussehen, es gibt nur einen farblichen Unterschied, könnte man meinen, dass man doppelt sieht. Der Ausdruck der beiden Tiere ist völlig unterschiedlich.
Charaktermäßig gab es anfangs große Unterschiede, die sich aber immer mehr ausgleichen. In der Weise, in der beide Tiere zusammenwachsen, ändern sie ihren Charakter. War die sozialisierte junge Katze zunächst unglaublich träge und der nicht sozialisierte Kater unglaublich temperamentvoll und wild, zeigen nun beide ein gemäßigtes Temperament im Spielen, Kräftemessen, Turnen ect. Die kleine Katze spielt mit, geht auf Entdeckungsreise, macht altersentsprechenden Unfug und Katerchen hat gelernt seine Krallen einzuziehen und seine Zähne meist nicht mehr an Lebewesen zu schärfen.
Beide Felltierchen sind gewachsen, das Katerchen ist nun fast doppelt so lang wie am Anfang. Er ist noch immer ein kleiner liebenswerter Tollpatsch, mit einem ratlosen Gesichtsausdruck, wenn sein Sprung vom Bett im Wassernapf endet oder Frauchens Helmvisier zuklappt, wenn man im Helm spielt. Das Kätzchen ist zutraulicher geworden und liegt nun auch unter dem Bürostuhl. Zeitweise wird aus der Hand gefüttert, Frauchen hat zwei Hände und die kleinen Softsticks schmecken ja so lecker. Nach dem Genuß lecken sich die Kinderchen gegenseitig die Mäulchen ab und dann sitzen sie da, nebeneinander und gucken aufmerksam hoch: "kriegen wir mehr?" Aber ja doch .. Streicheleinheiten und Fellpflege ;-) Das war nicht das, was die Zwei wollten, nichts wie weg hier, denken beide und springen davon: "wir können uns selber putzen, auch gegenseitig".
Draussen ist es kalt geworden, die Herbststürme haben begonnen, die Blätter wehen von den Bäumen, es regnet viel, die pralle Sonnenhintze, der unser Appartement im Sommer ausgesetzt ist, gehört der Vergangenheit an. Es kann nun schon empfindlich kalt werden. Folglich brauchen wir wieder die Heizung und unser Duo fühlt sich auf der Fensterbank wohl. Die Milchglasscheiben verhindern leider nicht nur die Blicke der Nachbarn in die Wohnung sondern auch den Ausblick der Katzen nach draussen. Folglich bevorzugen die Beiden den Hochschläfer als Ausguck in die Welt. Katerchen hört so manches NEIN, wenn er Anstalten macht, um vom Hochschläfer aus gegen das Fenster springen zu wollen, um unsere zahmen Tauben und Krähen zu fangen. Die Vögel kommen nicht mehr in die Wohnung und unsere Felltierschen nicht heraus. Mit unserem Vermieter kann man leider nicht reden, was die Absicherung des Balkons anbelangt und die Milchglasscheiben dürfen nicht ersetzt werden. Eine andere Wohnung ist nicht in Sicht, gibt es doch viel zu viele Wohnungssuchenden. Jeder Antrag wird abgewiesen, mit dem Hinweis, dass ich warten müsse...
Unsere Ausflüge im Katzenwagen sind Seltenheit geworden, da Frauchen wasserscheu und noch immer keine Perfektion im Fliegen erreicht hat, eine Kunst, der man hier an der Küste mit Rad und Moped stark ausgesetzt ist. Wir beschränken uns derzeit auf die Besuche beim Tierarzt mit dem Wandelwagen.
So vergeht die Zeit mit träumen, schlafen, fressen, putzen und spielen, und wir wachsen zusammen als kleine Familie auf 10 Beinen.
17.9.2010
Unser Kater ist gewachsen, er ist fast doppelt so groß wie vor einem Monat. Er hat ein wunderschönes, samtweiches, glänzendes Fell. Er ist nach wie vor der kleine Wirbelwind bei uns im Haus, fröhlich, verspielt. Man kann ihn aufnehmen, in den Arm nehmen, stundenlang kraulen und streicheln. Der Kater ist so lieb und so fröhlich, dass sogar ich langsam wieder fröhlich werde. Ich taue langsam wieder auf. Die Katze ist interessierter, aufmerksamer, fröhlicher geworden. Sie spielt nun auch manchmal von selbst mit dem kleinen Kater, greift ihn auch mal an, wehrt mittlerweile auch mal ab. Die Spiel- und Schlafzeiten der beiden sehen nun ein bisschen anders aus, 3 Stunden spielen, drei Stunden schlafen. Wenn Frau'chen schläft, schlafen sie auch. Schade, dass die Beiden nicht mit ins Bett wollen. Die Katzenburgen sind nur zum spielen interessant. Am Tag schläft unsere Katze in ihrem Lieblingskarton, bei nacht auf dem Boden. Der Kater schläft am liebsten auf dem Boden, möglichst unter meiner Leiter oder meinem Rollstuhl.
Das Schlaf- und Ruhebedürfnis unserer Katze ist sehr viel höher als das des Katers. Mit dem Frauchen vom Kätzchen hab ich noch immer Kontakt, letzte Woche war sie da und hat sich den Impfpass abgeholt. Ich begreife nicht, wie man seine Tiere verwechseln kann. Auch als ich mehrere Tiere hatte, wußte ich, welches Tier geimpft war und welches nicht. Die kleine Katze ist noch immer nicht geimpft. Der Tierarzt wollte es nicht machen, da sie nicht ganz fit war. Ich hab einen neuen Termin bekommen.
19.9.2010
Nächste Woche schaue ich mir mal die Tiere der Leute an, die nach England umziehen wollen. Bis jetzt weiß ich nichts von ihnen. Sie verlangen eine Schutzgebühr für ihre Tiere, es sollte wohl kein Problem sein, langhaarige Rasse(Mix)katzen weiter zu vermitteln. Aber warum läßt man Katze und Kater unkastriert zuhause rumlaufen, setzt Jungtiere in die Welt, wenn man weiß, dass man nach England umzieht? Beim Supermarkt wird eine trächtige Katze angeboten... Irgendwie haben die Leute alle eine Meise. In den Zeitungen wimmelt es nur so von Gratiskatzen. Brauche ich noch ein Katzentier? Kann ich überhaupt noch ein Katzentier gebrauchen? Freunde und Familie raten ab, aber die haben mir auch schon bei der zweiten Katze erklärt, warum ich mir keine 2 Tiere halten soll. Sie haben alle selbst nur eine Katze und wollen keine zweite Katze dazu haben. Angeblich sind Katzen menschengebunden und brauchen keine zweibeinigen Spielgefährden... Seltsamerweise machen ihre Tiere wesentlich mehr kaputt und zeigen ein ganz anderes verhalten als meine Beiden. Das erkennt man aber erst, wenn man selbst junge Tiere in Einzelhaltung hatte und es dann mal mit zweien ausprobiert. Meine erste Katze, die ich seinerzeit halb verhungert mitten im Winter zu mir nahm, war ungefähr so groß, wie meine beiden Tiere es nun sind. Es war eine wirklich harte Zeit, diese kleine Katze menschen- und wohnungsfreundlich zu machen. Sie hat alles zerfetzt, einschließlich meiner Haut. Meine beiden Tiere zerfetzen Taschentücher und toben durch die Wohnung. Die Gardinen haben sie bis jetzt verschont, die Tapeten interessieren sie nicht. Meine Möbel werden ab und an zum kratzen verwendet, trotz Kratzbäumen. Schade, aber wenn man Katzen hält, muss man damit rechnen.
20.9.2010
Wie ich die Sache sehe, werde ich auf keinen Fall bis zum 6. Monat mit der Kastration meiner Beiden warten, dann hab ich das nächste Nest hier. Die junge Katze wird immer wieder rollig und der junge Kater wird langsam männlich. Ich hab die beiden Tiere gerade eben bei einem nahezu erwachsenen Verhalten gestört und mir den nächsten Schrecken eingehandelt. Was nun, wenn der Kater ebenfalls frühreif ist? Er markiert nicht, noch nicht, aber wie lange geht das noch gut? 4 Monate alt und rollig, nicht zu glauben. Es scheint es aber öfters zu geben.