Tag 12 nach der Diagnose

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Samika

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Dieser verregnete und graue Morgen spiegelt meine Verfassung wider...

Gestern war ein grauenhafter Tag! Und wenn ich mir vorstelle, wie die nächsten Tage aussehen werden, wird mir kotzübel.

Nach all den Eindrücken und Informationen aus dem Internet, meinem Umfeld und dem Katzen-Forum hier, war ich gestern noch einmal persönlich bei unserer Haustierärztin.
Bereits morgens hatte ich ja schon so ein unglaublich mulmiges Bauchgefühl...
Ich bin zur Tierärztin gefahren, weil ich in erster Linie ein Schmerzmittel für Mika und natürlich einen Rat für mich selbst haben wollte.

Die Unterhaltung hat mich viel Kraft gekostet und mich irgendwie "auf den Boden der Tatsachen" geholt.

Einer der entscheidenden Sätze war: "Für eine Katze zählt die Qualität des Lebens - nicht die Quantität. Eine Katze lebt nur im Hier und Jetzt."

Ich habe der Tierärztin beschrieben, wie sich Mika verhält, dass er so gut wie nichts frisst und ich den Eindruck habe, dass es wirklich täglich schlimmer wird.
Sie erklärt es sich so, dass der Tumor und auch die Verwachsungen im Halsbereich ziemlich schnell wuchern und Mika Schwierigkeiten machen, zu schlucken.
Laut Ihrer Meinung macht unter diesen Voraussetzungen keine Therapie mehr wirklich Sinn, denn selbst wenn man jetzt noch den Status Quo beibehalten würde, wäre Mika nicht geholfen, da er ja jetzt bereits so gut wie nichts mehr essen mag/kann.
Auch sein Verhalten (ständiges Verkriechen im Schrank) zeige ziemlich deutlich, dass es ihm offensichtlich schlecht geht - aber das ist ja selbst mir mittlerweile klar.
Auf meine Fragen bezüglich Schmerzen erwiderte sie, dass da das Cortison-Depot und die Prednisolon Tabletten, welche ich Mika ja ab Montag geben soll, Wirkung zeigen sollten.
Es sind vermutlich nicht unbedingt oder "nur" Schmerzen, die Mika am Fressen hindern, sondern wohl eher die Tatsache, dass er aufgrund der Verwachsungen und geschwollenen Schleimhäute nicht schlucken kann!
Mein armer kleiner Schatz! Warum muss er am Ende seines viel zu kurzen Lebens auch noch derart durch die Hölle gehen!?!

Mika war gestern nur kurz im Garten. Er liegt nun fast ständig, sofern die Sonne scheint, neben einem hohen Buchsbaum. Von dort kann er auch den Nachbargarten beobachten, in dem sich hin und wieder einer der drei Nachbarskater zeigt.
Als am frühen Nachmittag mein Lebensgefährte anfing, den Rasen zu mähen, ist Mika durch das offene Fenster wieder in die Wohnung gehüpft und hat sich wieder einmal in den Kleiderschrank verkrümelt.
Als er abends dann aus dem Schrank hinaus kam, habe ich gleich versucht, ihm das Schmerzmittel mit ReConvales vermischt ins Mäulchen zu geben.
Ich kann nicht mal genau sagen, ob es tatsächlich funktioniert hat... Manchmal tropft die Flüssignahrung gleich wieder aus dem Mäulchen und es scheint, als wolle oder könnte Mika nicht schlucken!
Gefressen hat er gestern nichts mehr - nicht mal das Futter, welches ich ihm mit der Hand angeboten habe...
Da ich dachte, er wolle abends vielleicht noch etwas auf die Terrasse, öffnete ich die Türe zum Garten. Doch Mika blieb in der Küche vor der geöffneten Türe sitzen und hatte offensichtlich kein Interesse daran hinaus zu gehen.
Ich hab' ihm leise zugeredet, ihn gestreichelt - doch er schien meine Fürsorge nicht so anzunehmen wie früher.
Sein Blick war trüb und traurig. Der Glanz seiner wunderschönen, grünen Augen ist so gut wie erloschen...
Mein Empfinden kann ich immer schlechter beschreiben. In manchen Momenten kommt es mir fast vor, als fühle ich schon gar nichts mehr.
Die Situation spitzt sich zu und wird immer unerträglicher - nicht nur für meinen kleinen Mika, sondern auch für mich!

Gerade gestern, nachdem die Tierärztin mir geraten hat, das Wochenende zu nutzen, um von Mika Abschied zu nehmen und ihn bald erlösen zu lassen, zeigte Mika plötzlich wieder Verhaltensweisen, die er seit Tagen oder Wochen nicht mehr gezeigt hat.
Ich hatte mich abends dazu durchgerungen endlich doch noch etwas zu essen und nahm mir ein kleines Schnitzel vom Vortag mit ins Wohnzimmer.
Plötzlich kam Mika zu mir hinein, sprang auf die Couch neben mich und schnüffelte in Richtung meines Essens!
Ich hielt ihm ein kleines Stückchen Fleisch vor die Nase - doch er nahm es nicht.
Er blickte dann kurz auf den Fernseher und ging wieder in den Flur.
Völlig verwirrt ging ich kurz darauf nachsehen, wo er ist und ob er vielleicht doch an seinen Futternapf geht, doch er lag auf einem Stuhl in der Küche.
Dort lag er schon ewig nicht mehr!

Wieder redete ich ihm zu, streichelte ihn und weinte.
Irgendwann verzog er sich wieder in den Kleiderschrank in dem er - soweit ich das sagen kann - die ganze Nacht verbrachte.

Als ich heute morgen aufgestanden bin, war auch Mika schon auf den Beinen und wollte hinaus.
Er kam kurz darauf durch's Fenster wieder hinein, schnupperte kurz am bereitgestellten frischen Futter - nahm aber nichts.
Ich habe wieder versucht, ihm etwas ReConvales einzuflössen - das gestaltet sich immer schwieriger und lässt mich schier verzweifeln!
Mika wollte dann noch mal in den Garten und sprang wieder durch das Fenster hinaus.
Da es nieselt habe ich nach einer Weile nach ihm geschaut und war der Annahme, dass er vielleicht auf der überdachten Terrasse liegt - doch dort war er nicht zu sehen.
Ich ging also hinaus und sah ihn neben der Gartenhütte sitzen... Das sah so traurig aus!Mir gab es einen Stich ins Herz!
Mika war sonst sehr ungern und gar nicht bis kaum draußen, wenn es regnete.
Wieder redete ich mit ihm; sagte ihm, dass er doch bei kaltem Nieselregen nicht draußen sein muss und wieder mit mir wieder hineingehen soll...
Zögerlich kam er dann wieder mit hinein in die Wohnung und zog sich ins Schlafzimmer zurück - in den Schrank.

Vorhin, während ich hier saß und schrieb, kam Mika zu mir ins Zimmer und fing an zu fressen!
Doch so froh ich darüber bin, dass er doch noch etwas Appetit zu haben scheint, bedrückt mich die Tatsache, dass es wieder lediglich ein paar Bissen waren, die er zu sich genommen hat!
Er frisst einfach viel zu wenig!
Laut Tierärztin benötigt er mind. 150 Gramm hochwertiges Nassfutter täglich - alles andere bedeutet, dass er langsam verhungert, bzw. verdurstet!
Es ist alles der reinste Alptraum!

Fast 10 Uhr... es herrscht eine unangenehme Stille und draußen nieselt es vor sich hin.
Ich bin heute morgen alleine mit den Tieren.
Unsere Hündin schläft in ihrem Korb im Wohnzimmer, Mika im Schrank und ich sitze hier und komme mir gerade vor wie in einem schlechten Film...
Manchmal kommt mir alles so dermaßen abgedreht vor, dass es kaum wahr zu sein scheint. Dann wieder überkommen mich Trauer und Verzweiflung so stark, dass die Situation fast räumlich zu greifen zu sein scheint!
Emotionen kommen und gehen, Gedanken kreisen permanent.

Die Antworten auf "Warum?", "Warum mein Mika?" und "Warum jetzt?" werde ich wohl niemals erfahren.
Und obwohl es heißt, dass auch alles Schlechte irgendwo sein Gutes hat, erkenne ich nicht den kleinsten Sinn und Zweck hinter der momentanen Situation!
Es ist eine unglaubliche Belastungsprobe für mich!
Da ich selbst ja auch gesundheitlich angeschlagen bin, ist das alles in manchen Augenblicken kaum auszuhalten und bereitet mir physische und psychische Schmerzen.

Auf der Suche nach einer Entscheidungshilfe bin ich gestern im Internet auf eine Bewertungsskala gestoßen, mit der man bemessen kann, ob und inwieweit bei einem kranken oder alten Haustier noch Lebensqualität besteht (Lebensqualitätskala von Villalobos 2011).

In dieser Skala sind sieben Oberbegriffe zu bewerten, die da wären:
Schmerz, Hunger, Flüssigkeitszufuhr, Hygiene, Freude, Beweglichkeit und "mehr gute Tage als schlechte Tage".

Diese o. g. Bereiche sollte jemand einschätzen, der das Tier gut kennt.
Es können Punkte von 0 (sehr schlecht) bis 10 (ideal) für jeden einzelnen Begriff vergeben werden. Erreicht man dann ein Ergebnis von insgesamt mind. 35 Punkten besteht noch genügend Lebensqualität - bei einem niedrigeren Ergebnis sollte man entweder die schlecht bewerteten Bereiche - sofern möglich - verbessern, oder aber, nach Absprache mit dem Tierarzt, eine Euthanasie ins Auge fassen...

Obwohl Mika sich offensichtlich noch putzt (hier habe ich 9 Punkte vergeben) und auch in seiner Beweglichkeit "nur" durch die fortschreitende Schwäche leicht beeinträchtigt zu sein scheint (hier habe ich auch 9 Punkte vergeben), sind doch die übrigen Bewertungen für Schmerz, Hunger, Flüssigkeitszufuhr, Freude und mehr gute als schlechte Tage niedrig ausgefallen - somit erzielten meine Angaben ein Ergebnis von nur 28 Punkten. Wobei ich seine "Freude" entgegen meines Eindrucks noch mit großzügigen 2 Punkten bewertet habe.

Ein niederschmetterndes Ergebnis!

Welches mir aber auch irgendwie geholfen hat, mir genauer aufzuzeigen, woraus Lebensqualität einer Katze (eines Haustieres) überhaupt besteht.
Mir wurde klar, wie für eine Katze ein glückliches Leben aussieht und was ihr dafür wirklich wichtig ist.

Es ist deutlich geworden, dass Mika so gut wie keine Freude mehr empfindet - denn er spielt nicht mehr, er tobt nicht mehr, er jagt nicht mehr, er "spricht" nicht mehr mit mir...
Seine Reviergänge durch den Garten haben aufgehört; Rituale, die er mit mir hatte, sind verschwunden, seine Teilnahme am Leben ist praktisch nicht mehr vorhanden.

Diese nun deutlich gewordenen Fakten durch die Bewertungsübersicht, das Gespräch mit der Haustierärztin und meine persönliche Wahrnehmung/Einschätzung von Mikas Zustand führten letztendlich dazu, dass ich - zusammen mit meinem Lebensgefährten - beschlossen habe, Mika in den nächsten Tagen über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen.
Mein kleines Bärchen soll nicht länger unnötig leiden...lieber erleide ich die Trauer und den Schmerz über seinen Verlust - das ist womöglich das letzte, was ich noch für meinen geliebten Schlumpf tun kann...
 
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