Lange nicht mehr hier gewesen, sorry.
Gestern hatten wir ein Erlebnis das zeigt, dass das Leben als Katzenliebhaber manchmal ganz schön anstrengend sein kann.
Urlaub, ein paar freie Tage, und für die Ostfriesin keinen Kaffee mehr im Haus. Was liegt da also näher als ein Ausflug ins Land der unbegrenzten Kaffeeträume? Also wurde morgens der dicke Schwede mit reichlich Einkaufskörben gepackt, und um 09:00 Uhr ging es los in niederländische Winterswijk, knapp 200 km von zuhause entfernt. Nachdem fröhlichen Kaffeeshopping machten wir noch einen Abstecher zu meinen Eltern ins westfälische Lüdinghausen, ist von Winterswijk nicht ganz so weit wie von Ostfriesland. Um 16:45 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in Richtung Heimat. Abgesehen von einer Vollsperrung auf der Autobahn 31 bei Heek lief alles normal, bis die Ostfriesin und ich ein menschliches Bedürfnis verspürten. Irgendwie ging ab diesem Zeitpunkt die ganze Sache für uns mächtig schief, und für eine kleine Katze war es wohl das große Glück:
Am Rasthof Ems-Vechte wollten wir dann unsere kleine Pause einlegen, als uns dort am Rasthaus eine kleine Katze auffiel: Sie bettelte alles und jeden um Futter und ein wenig Aufmerksamkeit an. Wir gingen ins Rasthaus und informierten die Belegschaft hinterm Tresen. Die wussten zwar von der Katze und hatten angeblich schon den Tierschutz informiert, doch könne man nix machen weil man ja zum einfangen keine Lebendfalle im Rasthaus hätte. Uns war jedoch klar, dass eine Katze keinesfalls auf einen Rasthof direkt neben der Autobahn gehört, zumal die arme Kleine schon auf der Fahrspur des Rastplatzes nach Aufmerksamkeit suchte. Ein Blick, und der Ostfriesin und mir war klar, wir müssen etwas tun. Schnell wurde ein Einkaufskorb geleert und umgepackt, und komischerweise konnten wir die Katze ganz ohne Probleme einfangen. Rufen, hochnehmen, in den Korb setzen - fertig. Da brauchte man nicht einmal das Abitur für.
Katze im Korb, Korb in den Volvo - und jetzt? Nun telefonierten wir nach einer Lösung für das Tier, doch die nahegelegenen Tierheime gingen nicht einmal ans Telefon. War ja auch schon nach 19 Uhr und saukalt. Also riefen wir bei der Polizei an, und dort wurde uns schnell geholfen. Nach 15 Minuten bekamen wir einen Rückruf vom Tierhof im emsländischen Wilsum. Obwohl man eigentlich schon voll wäre erklärte man sich bereit, die Katze aufzunehmen. Nur abholen am Rasthof könne man die Katze nicht. Kein Problem dachten wir, kann ja nicht soweit vom Rasthof entfernt sein, also ab ins Auto, Motor an, und los. Zur Unterstützung wurde dann Sören (Navi) aktiviert, und dann der Schock: 40 Kilometer entfernt, völlig aus unserer Route gelegen im tiefsten Emsland. Also fuhren wir. 40 Kilometer durch das dunkle und sterbenslangweilige Emsland. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass das Emsland nur aus Potemkinschen Dörfern ohne Einwohner besteht. Nach einer Dreiviertelstunde fahrt durch eine entvölkerte Landschaft erreichten wir den Tierhof und gaben unser Fundtier, zusammen mit einer Geldspende, in die Obhut des Vereins. Wir baten die Chefin darum, uns über den Verlauf der Geschichte auf dem Laufenden zu halten, immerhin ist sie uns im Auto ein wenig ans Herz gewachsen.
Dann ging es also an die Rückfahrt nach Hause, und nach Schneeschauern, Graupelschauern, Strassenglätte, und Nebel, kamen wir dann endlich gegen 23 Uhr zuhause an.
Unsere Katzen hatten naturgemäß wenig Verständnis für die Verspätung und zogen die "wir-sind-eigentlich-schon-verhungert-und-nur-unser-Überlebenswille-hält-uns-auf-den-Pfoten"-Nummer gnadenlos durch. Während der Fütterung, und heute schon den ganzen Morgen, erzähle ich unseren Katzen immer wieder, wie gut sie es eigentlich bei uns haben.
Ihr Interesse an meinen Anmerkungen hält sich aber in sehr überschaubaren Grenzen...