Hallo Katzenfreunde. Ich bin ganz neu hier. Leider bin ich hier aus einem traurigem Grund diesem Forum beigetreten. Ich kann, das was passiert ist, noch nicht ganz verarbeiten und hoffe auf Erfahrungen und Meinungen von Euch. Es wird sicher ein sehr langer Text. Allen, die auch lange Texte lesen, danke ich jetzt schon.
Es geht um einen Kater, den ich vor einer Woche zum Tierarzt gebracht habe, den der Tierarzt sofort einschläfern wollte. Damit habe ich nicht gerechnet und stand unter Schock. Er hat quasi darauf bestanden, da er meinte er habe ein bösartigen Tumor im Unterkiefer und müsse sofort erlöst werden, da der Unterkiefer schon zersetzt war.
Er war nicht mein Kater, sondern der Kater von Leuten mit denen ich auf einem Pferdehof wohne. Er ist vor ca. 2 Jahren auf den Hof gekommen, da er sein Herrchen verloren hatte und wurde somit hier aufgenommen.( was ich aber erst nach Monaten erfuhr).
Er sass eines Tages vor meinem Fenster und hat miaut. Ich wusste nicht woher er kommt oder wem er gehört. Von da an sass er jeden Tag da und hat durch mein Fenster geschaut und stets liebevoll miaut. Er war besonders. Irgendwann habe ich ihn reingelassen, später hatte er auch einen Schlafplatz und wir wurden Freunde. Er war gut ernährt (ein Dickerchen) und ich habe Ihn die ersten Monate auch nicht gefüttert, da er offensichtlich woanders gefüttert wurde. Das Futter war somit nicht der Grund seines täglichen Besuches. Nach ca. 3 Monaten fing ich dann an ihn ab und an zu füttern und er kam weiterhin zu Besuch, schlief bei mir im Körbchen (besser gesagt Bananenkarton, das mochte er am liebsten) und bekam regelmäßig Futter.
Ich denke, dass er die Jahre zuvor ein Stubenkater war, da er sehr artig war. Ich hatte kein Katzenklo. Er hat immer Bescheid gesagt, wenn er musste (auch mitten in der Nacht) und ich habe ihn dann rausgelassen. Er hat nie in die Wohnung gemacht und hatte auch schnell verstanden, dass er nicht auf das Sofa darf und ist immer in sein Karton gegangen. Er war viel draussen und kam immer für ein Nickerchen und natürlich auch für Leckerlies.
So ging es nun fast 2 Jahre. Er ist wohl schon sehr alt gewesen und sah oft traurig und erschöpft aus. Wenn er mich sah hat er sich immer gefreut, hat sich sehr wohl gefühlt bei mir, aber dennoch war diese Traurigkeit da. Ich denke, dass er sein Herrchen vermisst hatte. Vielleicht war er aber auch da schon krank. Vor Jahren lebte er wohl mit seinem Herrchen und vielen anderen Katzen im Wald. Mit den Katzen hier auf dem Hof hat er sich nicht verstanden.
Ich habe keine großen Erfahrungen mit Katzen bzw. Tierärzten und bin davon ausgegangen, dass die Besitzer sich um sein Wohl kümmern bzw. um Tierarztbesuche etc. da sie ja auch andere Katzen haben (die gehegt und gepflegt wurden und auch in deren Wohnung durften. Der Kater durfte wie ich erfuhr nicht rein. Die hatten sich immer "in den Haaren".)
Mir ist im Februar dieses Jahres schon eine Veränderung aufgefallen. Er hat sich nicht mehr so geputzt wie zuvor und hatte eine kleine Entzündung an der Tatze/Kralle. Ich hatte den Besitzer (Besitzer klingt nicht gut) Bescheid gegeben, dass was nicht mit ihm stimmt und angeboten, dass ich ihn zum Tierarzt bringe. Er meinte aber er kümmere sich drum. Der Kater wirkte schlapper und fing auch leicht an zu riechen, was zuvor nicht der Fall war. Auch unruhiger wurde er, wenn er im Karton sass/lag und wollte wieder raus. Dann wieder rein..
Ich hätte mich viel früher drum kümmern müssen. Ich dachte immer, er ist einfach alt und sein Verhalten sei normal. Oder ich habe es mir eingeredet. Tief in mir drinnen wusste ich sicher, dass was ist. Er fing vor einigen Monaten leicht an zu sabbern. Also so ein Sabberfaden hing ab und zu aus dem Mund. Ich hatte recherchiert und stiess darauf, dass es bei älteren Katzen nicht ungewöhnlich ist.
Dann vor 3 bis 4 Wochen sah ich das erste mal Blut aus seinem Mund und mein erster Gedanke war, dass er was gefangen hatte. Als ich dann einige Tage später wieder Blut sah, fragte ich hier eine Pferdepflegerin, ob sie wisse was das ist. Sie meinte nur, der hat bestimmt gekämpft und ausserdem ist es nicht deine Katze. Irgendwie bekam ich das Gefühl, das ich mich nicht einmischen solle. Ich schäme mich dafür und bereue, dass ich nicht viel früher etwas unternommen habe. Denn er roch auch stärker als sonst und er sass meist draussen auf Erhöhungen. Aber er hat mich nachwievor begrüßt, wenn ich mit dem Auto kam und ausstieg und lief zu meiner Terassentür.
So vergingen Tage, zwischenzeitlich war ich unterwegs und mit dies und jenes beschäftigt, dass ich vieles quasi "weggedrückt" hatte und dem Kater ging es immer schlechter. Keiner unternahm was. Ich hab dann viel zu spät die Initiative ergriffen und ging zum Tierarzt. Der schaute ihm in den Mund und meinte "den kann man nur noch einschläfern". Das brach mir das Herz. Er hat doch noch gut gegessen, zwischen zwei bis drei Portionen am Tag und getrunken hat er auch viel. Er lief herum und schnurrte, miaute wie immer gerne viel. Besonders wenn er mich sah... und jetzt sollte er einfach eingeschläfert werden? Ich wollte das nicht. Der Tierarzt gab ihn eine Narkosespritze um sich den Mund genauer anzuschauen und meinte, dass es nur noch eine Qual sei und man muss ihn jetzt erlösen. Ich hatte den Besitzer angerufen und mitgeteilt, dass ich zum Tierarzt gefahren bin und er den Kater einschläfern will. Die Besitzer stimmten zu. Was sollte ich tun? Und so geschah es.
In einem Gespräch 2 Tage später gestand der Besitzer ein, dass der Kater ein Schlag vom Pferd auf die Schnute bekam und dieser dabei ein Zahn verlor. Und das war genau zu der Zeit, als der Kater das erste Mal blutete. Er wusste von dem Schlag, sah es auch, aber unternahm nichts.
Jetzt denke ich immer, war es vielleicht kein Tumor? Der Tierarzt konnte auch nicht sagen, welche Art von Tumor es sein soll. War es vielleicht eine Entzündung die sich ausgebreitet hatte. Ich hatte dem Tierarzt dann nochmal angerufen und von dem Schlag erzählt und ob er nicht eine Fehldiagnose gestellt hatte. Er meinte nur, dass es ganz offensichtlich ein Tumor war und der Schlag dies evtl. beschleunigt hat. Ausserdem hätte er auch das Recht gehabt, den Kater einzubehalten, wenn wir nicht zugestimmt hätten.
Es macht mich so traurig. Der Kater hatte wohl über Wochen unendlich große Schmerzen und auch ich habe zu spät gehandelt. Ich mach mir große Vorwürfe, da ich nicht mehr so für ihn da war wie zuvor und dass in einer Zeit, wo er mich brauchte. Ich war seine Bezugsperson und habe ihn in Stich gelassen. Ich weiß es nicht. Als wäre man im Nebel gewesen. Ich dachte immer, wird alles gut. Ich hätte die Schmerzen viel früher erkennen müssen. Anzeichen waren genug da.
Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich in den letzen Monaten irgendwie von dem Kater distanziert. Und das obwohl ich soviel Liebe für ihn empfinde. Bis zum Schluß kam er an mein Fenster bzw vor die Terassentür und hat mich gerufen. Futter und Wasser hat er bekommen, aber ich war kaum noch für ihn da, hab ihn kaum noch reingelassen. Warum? Diese Frage stelle ich mir seither und es quält mich.
Er hat auch einen Namen, fällt mir aber schwer ihn zu schreiben.
Ich vermisse ihn <3