Nach tränenreichen Tagen und Nächten möchte ich Dir, meinem großen Kämpfer König Ludwig Löwenherz, eine letzte Ehre erweisen.
Als Dein Bruder Wilhelm vor anderthalb Jahren von uns gegangen ist, haben wir beide unendlich getrauert. Aber wir haben uns gegenseitig Trost gespendet und sind in dieser Zeit so innig zusammen gewachsen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Du bist mir wie ein Hund auf Schritt und Tritt hinterher gelaufen, hast in meinen Armen geschlafen, kamst immer sofort angetrabt, wenn wir Dich gerufen haben. Du hast Dich pünktlich kurz vor 20.00h zur Tagesschau in Dein Fernsehkörbchen neben mein Sofa gekuschelt, um dann nach kurzer Zeit zu mir zu kommen und Dir stundenlang Dein Lockenbäuchlein kraulen zu lassen. Pünktlich um 22.30h liefst Du dann in die Küche, um von mir Deine Blutdrucktablette im Leckerli zu genießen.
Du warst schon länger an
CNI erkrankt, dann kam der Bluthochdruck und die Schilddrüsenüberfunktion hinzu. All die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim
Tierarzt hast Du mit der Zeit immer gelassener über Dich ergehen lassen, weil Du wußtest, daß wir Dir nur helfen wollten, trotz Deiner Krankheiten ein möglichst beschwerdefreies, schönes Leben zu führen. Bis zum letzten Sommer ging es Dir noch relativ gut. Dann hast Du relativ schnell an Gewicht verloren. Trotz bestem Futter, Nahrungsergänzungsmittel, subkutanen Infusionen, konnten wir diesen Prozess nicht mehr aufhalten. Dein Fell wurde zunehmend fettiger und struppiger, um Dein Schnäuzchen und um die Augen herum bildeten sich ständig Krusten. Ich versuchte, so gut es ging, Dir bei der täglichen Fellpflege zu helfen. Immer, wenn ich mit den Bürsten klapperte, kamst Du sofort angelaufen und hast es genossen, gekämmt zu werden. Selbst mit einem Waschlappen mit warmem Wasser durfte ich Dich immer abschließend abreiben. Aber je dünner Du wurdest, desto berührungsempfindlicher wurdest Du auch. Bis Du letzten Sonntag gar nicht mehr gekämmt werden mochtest...
In den letzten Wochen mußten wir Dich immer öfter und länger rufen, damit Du Dich zu uns legtest. Das hast Du dann zwar gemacht, aber immer nur von kurzer Dauer. Du hast immer mehr versucht, Dich unsichtbar zu machen. Es war ein schleichender Prozess. Nichts, was von heute auf morgen sichtbar war. Zuerst legtest Du Dich auf Plätze, die Du immer gemieden hast. Wilhelms alte Stammplätze. Vielleicht, weil Du dachtest, daß wir dort nicht nach Dir suchen würden, und Du dort Deine Ruhe haben würdest. Letzte Woche hast Du mich von einem dieser Plätze lange angesehen. Ich glaube, Du wolltest mir damit sagen, daß Du Dich langsam auf die Reise machst und Wilhelm folgen würdest. Dieser Moment war ein Stich in mein Herz und mir wurde bewußt, was ich schon länger befürchtet hatte. Die Zeit des Abschieds rückte näher.
Ein letzter Besuch der TÄ letzten Dienstag, war schließlich die Initialzündung, daß es nun wirklich ernst wurde. Sie sagte mir, daß Deine Augen inzwischen stark eingesunken seien und der Körper nun auf allerletzte Fettreserven zurückgreifen würde. Es wäre noch eine Zeit von wenigen Tagen bis max 2 Wochen, bis es zu neurologischen Ausfällen mit Krämpfen und Schmerzen kommen könne. Auch wenn ich es eigentlich schon wußte, wollte ich es nicht wahrhaben. Dich gehen zu lassen, diese unumkehrbare Entscheidung, brach mir mein Herz. Aber es war die einzig richtige Entscheidung, Dich von Deinem Leid zu erlösen und Dich nicht qualvoll verenden zu lassen.
Am 12.12.2019 um 16.45h durftest Du friedlich zuhause einschlafen.
Ich hatte mich den ganzen Nachmittag in Deine Nähe gesetzt. Ich sprach leise mit meinem Mann, damit Du das Gefühl haben konntest, nicht alleine zu sein aber trotzdem Deine Ruhe haben zu können. Eine viertel Stund bevor die TÄ kam, bist Du zu mir gekommen und ich durfte Dich noch ein letztes Mal auf meinen Schoß nehmen und kraulen. Du hast ganz leise geschnurrt. Dann trug ich Dich ins Bad, da ich merkte, daß Du unruhig wurdest, als Du die TÄ bemerktest. Wir legten Dich sanft auf Dein Lieblingskissen. Du bist ganz ruhig geblieben. Erst als die TÄ die Spritze mit dem Morphium und dem Narkosemittel in den Deinen Beinmuskel spritzte, bist Du nochmal erschrocken aufgeschreckt und in die Badewanne gesprungen. Dort bist Du dann ganz schnell und sanft eingeschlafen. Wir haben Dich die ganze Zeit gestreichelt. Die TÄ sagte, daß die Morphiumspritze Dich von rosaroten Mäusen träumen lassen würde. Dann legten wir Dich wieder auf Dein Kissen und Du bekamst ein weiteres Narkosemittel in den Bauch gespritzt. Nach wenigen Minuten hörte Dein Herzchen für immer auf zu schlagen.
Am 13.12. um 12.01h haben wir Dich einäschern lassen. Deine Urne steht nun wieder zuhause und Du bist wieder mit Wilhelm vereint.
Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe verschwimmen meine Tasten vor meinen Augen. Es zerreist mich.
Wenn ich auf all die leeren Körbchen, Kuscheldecken, Kratzbäume, Futternäpfe, Wassernäpfe, den Trinkbrunnen und die ganzen Spielsachen sehe, fühle ich einen unbeschreiblichen Schmerz. Aber trotzdem weiß ich, daß diese Entscheidung die Richtige war. Das läßt mich den Schmerz etwas leichter ertragen.
Ich werde Dich und Wilhelm nie vergessen. Ihr werdet immer in meinem Herzen bleiben!
Run free, mein großer Katermann, König Ludwig Löwenherz!

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