Lieber Ginger,
diese Zeilen widme ich dir, mein Bärli, für 17 wundervolle gemeinsame Jahre.
Damals, ich war 9 Jahre alt, bekamen wir einen Anruf vom Bauernhof unseres Stiefvaters "Wir haben noch ein Katzerl übrig, das niemand will, weil es so hässlich ist.". Du lagst da in dem Korb mit deiner Mama, rosa wie eine kleine Ratte, weil dein weißes Fell einfach noch nicht gewachsen war.
Als wir dich zu uns holten, warst du der süßeste Plüschball auf Erden und hast uns sofort verzaubert.
Du kamst mit deiner stoischen Ruhe gut mit unserer Zicke Jacky klar und wurdest der beste Freund und großer Bruder von Tabsi.
In deiner Jugend warst du ein Tausendsasser. Immer draußen unterwegs, ein hervorragender Jäger, der Tiere mit nach Hause brachte, die ich gar nicht kannte. Du hast dich mit deinem Charme sogar in die Herzen der Nachbarn geschlichen.
Du warst zu cool für ein reinweißes Fell- dir gefiel es dich ausgiebig im Rindenmulch zu wälzen und täglich allerlei Blattwerk ins Haus zu bringen. Wie oft wir dir Kletten und anderes Zeug aus dem Fell scheren mussten, kann ich nicht zählen.
Du warst in jeder Hinsicht besonders. Auf die Küchenplatte legen, auf Tischen tanzen, die Vorhänge runterbaumeln lassen? Hast du nie gemacht, nicht ein Mal. Wenn du etwas wolltest, hast du dich ruhig vor unsere Füße gelegt und uns so lange angestarrt, bis wir dich beachtet haben. Du warst nie hysterisch- wenn du etwas nicht wolltest, hast du deine Krallen in unsere Hände geschlagen und uns fest in die Augen geschaut. Wir haben verstanden.
Du hast jahrelang zu meinen Füßen geschlafen und warst an meiner Seite, als ich die schlimmsten Tränen meiner Jugend vergossen habe.
Du warst schon chronisch krank, als ich das erste Mal mit meinem eigenen Fellknäuel Holly antanzte. Sie hat dich vergöttert, dich verfolgt und dir alles nachgemacht. Du hast nicht einmal gefaucht oder geknurrt, sondern sie unter deine Fittiche genommen und ihr die Welt da draußen gezeigt.
Du warst immer der Herr des Reviers, unerschütterlich stark, ruhig und mutig.
Nun konntest du nicht mehr, dein Wille war stark, aber dein Körper zu schwach. Du durftest in Ruhe in den Armen meiner Mama einschlafen und ich habe dir dabei still gedankt. Für jedes Lächeln, dass du uns auf die Lippen gezaubert hast, für jede Träne, die wir in dein Fell weinen durften. Für die schöne Zeit, für alles.
Schlaf gut, mein Schatz, wir werden dich nie vergessen. ❤


