Das Problem ist, dass Hedda ständig völlig unvermittelt attackiert. Manchmal liegt sie auf dem Schoß meiner Kollegin und ohne dass irgendetwas passiert, fährt sie die Krallen aus, kratzt, und beißt ihr ins Bein. Es reicht schon, dass sie vor ihr hergeht, weil sie ihr die Tür aufmachen möchte, und Hedda kratzt ihr von hinten in die Wade. Wenn sie um die Beine meiner Kollegin streicht, ist es völlig egal, ob sie sich hinunterbeugt, um sie zu streicheln, oder nicht - es wird gekratzt. Ganz nach dem Motto: "Komm mir nicht zu nahe!" Wir könnten es nachvollziehen, wenn sie diese Nähe nicht möchte, und meine Kollegin würde sie natürlich ganz in Ruhe lassen - aber gleichzeitig sucht Hedda offensichtlich Nähe. Gleichzeitig muss, wie gesagt, manchmal gar nichts passieren, um eine Attacke bei ihr auszulösen. Ich verstehe es nicht, da ist keinerlei Muster zu erkennen, kein Auslöser, nichts.
Hierauf möchte ich mal eingehen:
Menschen sind allgemein der Annahme, dass eine Katze es LIEBT gestreichelt zu werden und tun es deshalb, sobald die Katze ankommt bzw. aus Sicht der Menschen sie zeigt, dass sie es möchte. Aber in Wirklichkeit gilt unter Katzen Distanz als Höflichkeit. Da ist also eine große Diskrepanz zwischen dem, was im Katzenverhalten natürlich ist und dem, was Mensch erwartet und einfordert. Viele Katzen schlucken diesen Umstand einfach weg und nehmen die Menschen so hin. Problematisch wird es bei Fehlgeprägten Katzen, die das nicht kompensieren können. Wenn Katz lernt, dass sie vom Menschen und seinem good will abhängig ist, dass sie nur Futter, ein warmes Plätzchen und Zuwendung bekommt, wenn sie kuschlig ist. Dann lernt die Katze nicht "kuscheln ist schön", sondern "ich muß kuscheln, auch wenn ich nicht will, denn sonst verliere ich meine Ressourcen". Und diese Diskrepanz zwischen "ich will nicht, aber ich muß" führt dann dazu, dass Katz offensiv auf die Menschen zugeht, sie anbiedert bis zum abwinken, den Menschen regelrecht belagert und zeitgleich immer wieder als Übersprunghandlung aggressiv wird.
Daneben gibt es noch Katzen, die aggressiv reagieren, weil sie vom Menschen schlecht behandelt wurden und jetzt in die Gegenrichtung gehen a la "Angriff ist die beste Verteidigung" bzw. "Wenn ich der Boss bin und den Menschen dominiere, dann tut er mir nix und ich sichere mir so meine Ressourcen".
Dazwischen gibt es noch einige Mitteldinge, aber grundsätzlich ist allen Varianten gemein, dass die Katze sich massiv beim Menschen anbiedert, aber eigentlich die Zuwendung nicht genießt, sondern darin allein ein Mittel zum Zweck sieht.
Deshalb heißt das absolute Zauberwort bei aggressiven Katzen: Ignorieren! Der Mensch muß sämtliche Zuwendungen der Katze ignorieren, ihr aber ansonsten alles zur Verfügung stellen, sie aber ansonsten ignorieren, bei Kuschelwünschen passiv bleiben, die Katze nicht beachten, bis eben die Entkopplung stattfindet und die Zuwendung von Seiten der Katze kommt, weil sie es selbst will und nicht, weil sie denkt es tun zu müßen.