Weißt Du warum die beiden so ängstlich sind? Konnte Dir das Tierheim etwas zum Vorleben der beiden sagen?
Ich denke, es dauert länger bei Euch, weil Ihr keine anderen, zutraulichen Katzen habt. Angenommen, da wäre noch eine Katze, die Euch auf den Schoß springt, sich streicheln lässt und dabei schnurrt. Das würden die beiden Angsthasen beobachten und sehen, dass die zutrauliche Katze das nicht nur überlebt, sondern auch noch klasse findet. So ein Vorbild haben die beiden nicht. Im Gegenteil, sie können sich mit ihrer Angst gegenseitig aufschaukeln. Das nur zur Erklärung, warum es bei Euch länger dauert. Es spielt sicher auch noch eine Rolle, dass sie viel draußen unterwegs sind, denn so bekommen sie weniger von Euch mit. Aber das gibt sich sicher in nächster Zeit ganz von selbst, wenn es draußen kalt wird und die beiden wieder mehr im Haus sind.
Ich finde aber, Ihr seid auf einem guten Weg. Es hört sich so an, als machen die Tiere Fortschritte und das Allerwichtigste: sie zeigen Interesse an ihren Menschen. Was Ihr noch tun könnt? Benutzt Katzensprache: zwinkert ihnen zu, wenn sie Euch ansehen. So sagt Ihr ihnen, dass Ihr ihnen wohlgesonnen seid. Und wie WinstonvonWensin schon sagte, mit Leckerlies bestechen ist eine gute Strategie. Versucht, mit ihnen zu spielen, auch das sorgt auch für Vertrautheit.
Und Ihr könnt Zylkene ausprobieren. Das ist ein Nahrungsergänzungsmittel auf Eiweißbasis und wirkt beruhigend und angstlösend, jedoch nicht bei allen Katzen. Ich selbst habe zwei Katzen aufgenommen, vermutlich Schwestern, die ihre ersten drei Lebensjahre ohne Menschenkontakt verbracht haben. Auch sie hatten kein Vorbild in Form einer zutraulichen Katze bei mir, sondern mussten ihre Angst selbst überwinden. Sie haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Eine hat auf Zylkene und die oben beschriebenen Maßnahmen sehr gut angesprochen. Nach etwa einen halben Jahr ließ sie sich streicheln und schnurrte dabei. Heute unterscheidet sie sich nicht mehr von einer in Menschenobhut aufgewachsenen Katze.
Die zweite ist ein Hasenherz und leider hat ihr Zylkene so gar nicht geholfen. Aber auch sie macht Fortschritte. Ich bin mir sicher, sie wird sich irgendwann streicheln lassen. Sie sieht bei ihrem Schwesterchen, dass das schön ist, und man kann ihr förmlich ansehen, dass sie das eigentlich auch will. Aber auch nach anderthalb Jahren bei uns reicht ihr Mut dazu noch nicht. Aber immerhin kann sie nun entspannt mit Menschen zusammenleben.
Lasst den Mut nicht sinken. Manche Katzen lassen sich erst nach Jahren anfassen. Bei manchen dauert es Monate, aber dann sind sie mit einem Mal so zutraulich, als hätte jemand bei ihnen einen Schalter umgelegt. Dass Katzen sich nie anfassen lassen, habe ich auch schon gehört, aber nur sehr selten und es waren Katzen, die viele Jahre völlig ohne Menschen gelebt haben. Ich glaube nicht, dass das bei Euren Tieren passieren wird, denn sie sind interessiert an Euch und machen Fortschritte. Das wird noch.