jetzt bist du schon seit über 30 Tagen nicht mehr bei uns und immer noch weine ich jeden Tag um dich.
Gerade gestern habe ich deine Fotos angeschaut, aber es geht nicht, es tut zu weh.
Auch jetzt zu schreiben ist sehr schwer, aber du hast diesen Nachruf verdient, ein paar allerletzte liebe Worte zum Abschied.
Als im Oktober 2018 unser geliebter Findus mit 14 Jahren auf grausame Weise starb, wollten wir nie wieder so einen Schmerz erleben. Keine eigenen Tiere mehr.
Ein paar Monate später fing ich stattdessen an, mich ab und zu im Tierheim um die Süßen dort zu kümmern und freute mich jedes Mal, wenn wieder eines der Tiere ein neues Zuhause fand.
Und dann saßt du da.
Allein in einem Katzenzimmer auf dem Boden auf einer alten Badematte, dazu noch ein Katzenklo und ein Stuhl.
Eine Tierheim-Mitarbeiterin hatte dich eines abends aufgegabelt, du humpeltest auf einer einsamen Landstraße direkt vor ihrem Auto über die Straße. Deine verletzte Schulter (eine Bisswunde) wurde behandelt, aber dein linkes Vorderbein konntest du seitdem nie wieder richtig strecken. So liefst du eben auf drei Beinen. Das linke Vorderbein war noch sehr nützlich zum Spielen oder Betteln - wie wir später feststellten.
Du warst vermutlich schon alt, hattest einen chronischen Katzenschnupfen,
Spondylose und Arthrose und wurdest
FIV positiv getestet. So suchte das Tierheim dringend ein Sofa für deine letzten Tage.
Als ich mich zu dir auf den Boden setzte, kamst du sofort auf meinen Schoß gekrabbelt und kuscheltest dich in meinen Arm.
So bist du dann wenig später, im November 2019, bei uns eingezogen.
Aus den "letzten Tagen" wurden dann immerhin noch 3 wunderbare Jahre.
Da du nicht mehr raus durftest, habe ich dir in mehreren Zimmern gemütliche Fensterplätze eingerichtet. Alle über Treppchen oder Kistchen zu erreichen, springen konntest du ja nicht mehr.
Später gab es einen Senioren-Kratzbaum und ich baute Rahmen mit Katzennetz, so konntest du fast das ganze Jahr im offenen Fenster liegen, was du auch oft genutzt hast.
Ich hätte dir so gewünscht, dass du in diesem Frühjahr noch einmal die Sonne hättest genießen können. Es hätte dir sicher gut getan, du warst so dünn und schwach geworden...
Du kamst immer freudig auf den Schoß, hast oft schon kerzengerade auf dem Sofa gesessen und auf uns gewartet, aber Schmusen war nicht so dein Ding. Lieber mal auf dem Teppich richtig durchflauschen lassen....
Am Anfang hast du noch gespielt, das ließ bald nach; dann wolltest du lieber ruhen - und fressen. Wir mussten aufpassen, dass du nicht zu schwer wurdest.
Das Gehen auf drei Beinen fiel dir zunehmend schwerer, am Ende mochtest du auch die Treppe nicht mehr laufen. Ich habe dich manchmal durchs Haus getragen, dann hast du geschnurrt.
Als das mit dem Fressen immer schwieriger wurde, mussten wir immer öfter mit dir zum Tierarzt fahren. Blutbilder, Infusionen, Medikamente wurden häufiger.
Aber irgendwann gab es nur noch einmal eine kleine Besserung, dann mochtest du fast gar nichts mehr fressen. Ich war verzweifelt, dich so zu sehen.
In der Nacht vor dem Tag, an dem du eigentlich noch einen Ultraschall kriegen solltest, ein allerletzter Versuch, hast du es plötzlich nicht mehr zum Katzenklo geschafft.
An dem Morgen wachte ich komischerweise 2 Stunden früher auf, als sonst - und fand dich auf deinem klatschnassen Kissen liegend.
Ich sagte meinem Mann, dass er sich von dir verabschieden soll und holte deinen Transportkorb.
Beim Tierarzt, ich trug dich im Korb gerade ins Behandlungszimmer hast du plötzlich zwei Mal gerufen - ich glaube, das hast du noch nie getan; du konntest ja nicht mal wie andere Katzen miauen. Deshalb dachte ich erst, es wäre eine andere Katze, die da ruft.
Ob es Schmerzen waren?
Die Tierärztin hat dich noch kurz untersucht. Sie hat dich erlöst und ich war bei dir.
Dabei hattest du am Tag davor gerade noch neue Medikamente bekommen und vom Erlösen wollte die Tierärztin da noch nichts hören.
Nun ging es doch so schnell - ZU schnell für uns; für dich hoffentlich noch rechtzeitig, so dass du nicht lange leiden musstest.
Ich habe dich viel beobachtet und du schienst mir noch immer zufrieden zu sein auf unserem Schoß und auf deinem Fensterplatz über der Heizung.
Du warst eine ganz besondere, liebe, wirklich "reizende kleine Omi" mit einem ganz besonderen Gesichtsausdruck. Immer nett, nie böse, ich durfte fast alles mit dir machen.... "Nur nicht die Füße anfassen, NICHT DIE FÜßE!"
Du hast mit uns auf dem Sofa ferngesehen und mit im Bett geschlafen. Wir waren glücklich zu dritt.
Nun sind wir nur noch zwei und weinen um dich.
Machs gut, meine kleine Maus. Wir lieben dich sehr. Ich glaube, du hast uns auch geliebt. ❤
