Heinzi. Mein Heinzi.
Unvergleichlicher, fellnasiger Frechling, Erforscher und abenteuerlustiger Chaot.
König der Gärten
Gestern musste ich die Entscheidung treffen, die jeder Katzenmensch fürchtet. Gestern, am Pfingstsonntag, musste ich die Entscheidung treffen dich einschläfern zu lassen.
Ich wollte damals unbedingt einen „roten“ Kater. Am 15.05.2013 habe ich dich von der Pflegestelle abgeholt, du warst damals 2 Jahre alt und hattest dich in Rumänien auf der Straße irgendwie durchgeschlagen, bis du zur Katzenvermittlung kamst. Als ich dich das erste Mal sah, bist du mit einer Packung Papiertaschentücher im Mäulchen vor einem Pflegehund davon gesprungen. Ihr habt gespielt. Dann bist du auf den Küchentresen gesprungen und hast Milch aus der Tasse des Sohnes des Hauses getrunken. Und nicht zum ersten mal, wie das Geschimpfe mich wissen ließ. Mir war klar, ein starker Wille, ein mutiger Draufgänger, das warst du. Ich musste grinsen, denn genau DAS wollte ich.
Meine Tierärztin sagte bei der ersten Vorstellung, „Die Roten, die haben alle einen Knall. Mit DEM wirst du noch viel Spaß haben.“ Und so war es auch.
Daheim zeigtest du wenig Scheu, schon am nächsten Tag spaziertest du durch alle Räume und nahmst das Haus in Besitz. Gleich bei einem deiner ersten Freigänge kamst du mit einem Stück Chickennuggget heim. Ob die Beute vom Grill gestohlen, oder freiwillig gegeben wurde - ich weiß es nicht. Später brachtest du ein original verpacktes Katzenspielzeug mit, also hattest du wohl irgendwo einen Fan. Überhaupt, keine Baustelle ohne deine Inspektion, kein Haus in der Nachbarschaft, das du dir nicht irgendwann mal auch von innen angesehen hattest. du warst bekannt in der Nachbarschaft, wie ein bunter Hund. Keine Party ohne Heinzi; du warst immer mit dabei, gerne unerschrocken mittendrin.
Irgendwann auf einem Freigang wurdest du angeschossen. Du trugst seither ein Luftduckgeschoß mit dir herum. Unbegreiflich, dass Menschen so etwas tun. Die Operation um es heraus zu holen musste dir zum Glück nicht zugemutet werden, auch, weil du nach einer vorhergehenden, kleinen OP Schwierigkeiten mit dem Aufwachen hattest. Überhaupt, leider hattest du gesundheitlich so einige Baustellen. Es gab Anfälle, die aber mit Medikamenten recht gut in den Griff zu kriegen waren.
Im August 2016 bekamst du einen Kumpel. Flori. Er kam von Taskali und entwickelte sich von einem ängstlichen, schwarzen Katerchen zu einem Schmusekater, wie er im Buche steht. Heinzi, du hast ihm gezeigt, dass wir Menschen hier nicht so schlimm sind, dass man uns, der Familie vertrauen kann und Flori hat sich immer sehr an dir orientiert.
Du bist auch immer gerne und weit herumgestreift. Eine Nebenstraße weiter hattest du feste Einkehr. Um dein Herumgestreife besser kontrollieren zu können und deine Medikamenteneinnahme besser überwachen zu können, habe ich dir ein Trackinghalsband gegeben. Sonst bin ich kein Freund von Halsbändern, aber für dich war es leider notwendig. Wie oft bin ich nachts an deinen lokalisierten Orten herumgelaufen und habe dich dann mit dem Klimpern meines Schlüsselbundes anlocken können. Und du hast dich so gerne finden und aus dem Park abholen lassen. Wie ein Hund an meiner Seite bist du dann mit mir heim gelaufen. wir haben schon für reichlich interessierte Blicke gesorgt.
Vor kurzem hattest du dann Probleme beim Fressen. Die Diagnose Maulkarzinom.
Es gibt seltenst einen guten Ausgang bei solch einer Diagnose. Zunächst schien die Behandlung auch anzuschlagen, aber im Endeffekt hat sie uns nur Zeit verschafft; keine Heilung.
In der Nacht von Samstag zu Sonntag ging es dir so gut, dass du hinaus durftest. Die Nacht rief deinen Namen. So war es meistens. Die Nacht und die Dämmerung. Das war so deutlich deine bevorzugte Zeiten. Es schien dir relativ gut zu gehen und du hast den Freigang bekommen und ich vermute, dass du dich von deinen Plätzen verabschiedet hast. Am Sonntag ließ ich dich in der Früh hinein. Du hast sogar etwas gefressen. Frisches Hühnchenfleisch. wir waren schon an dem Punkt „lass fressen, was immer er mag“; denn du hattest in den vergangenen Tagen stark abgenommen. Leider hast du es dann alles wieder erbrochen; dein Magen konnte es wohl nicht mehr bei sich behalten. Später hast du gerufen, laut gemauzt, warst unruhig. Dann kam der Anfall. Ich sah, wusste: jetzt ist es Zeit. Unwiderruflich.
Wir fuhren mit dir am Pfingstsonntag zu einer Tierarztpraxis mit Sonderöffnungszeiten. Mein Sohn kam auch hin und wir haben dich begleitet, bis du frei warst, den Regenbogen zu betreten.
Heinzi, du warst nicht meine erste Katze. Ich habe sie alle geliebt. Und doch - mit deinem wirklich außergewöhnlichen Charakter und deinen Fähigkeiten, deinen „Macken“ stellst du sie beinahe in den Schatten.
Ich werde dich vermissen, schmerzlich. Ich sehe dich an deinen Lieblingsplätzen, ich habe noch dein Tellerchen mit deinem Namen. Du wirst nicht mehr kommen und mir deine leicht schmerzhaften und doch so innigen Liebesbisse geben. Du wirst mich nie mehr um 4.30 Uhr in der Frühe wecken, weil du UNBEDINGT JETZT raus musst. Du wirst mir nie wieder eine Pfote auf das Bein legen und mit auf mich gerichtetem Blick „MAUUU“ sagen, um direkt danach zur Terrassentür zu gehen. Man konnte diese Aufforderung gar nicht missverstehen.
Nie mehr.
Auf wiedersehen Heinzi, König der Gärten
Lauf über die immergrünen Wiesen und grüße meine anderen Sternchen.
Der König ist tot. Lang lebe der König.
Du bleibst in unseren Herzen.