Heute ist es ein Jahr her seit Du, lieber Munki, uns verlassen hast. Gerade in den letzten Tagen habe ich wieder viel an Dich gedacht und mich auch immer wieder gefragt, ob es wirklich so weit kommen musste.
Im Sommer 2005 zogst Du bei uns ein. Dein Frauchen hatte Dich und Deine Schwester "Püppi" zu uns geholt, weil sie sich nicht für einen von Euch beiden entscheiden konnte. Somit wart Ihr zu dritt, denn Frauchens schon fast zwei Jahre alte Katze "Minka" war ja auch noch da. Doch das Zusammenleben von Euch drei klappte fast immer sehr gut.
Es dauerte eine Weile, bis Du uns ich uns aneinander gewöhnt hatten, denn ich hatte bis dahin nur wenig Erfahrung mit Katzen. Doch mit der Zeit wuchs die Freundschaft und das Vertrauen. Dies ging sogar soweit, dass ich Dir mit der Zeit sogar die Krallen schneiden und Tabletten verabreichen konnte, sofern dies nötig war. Leider konnte ich diese Freundschaft nie zu Deiner Schwester "Püppi" aufbauen, der auch leider kein sehr langes Leben gegönnt war (sie wurde nur 6 oder 7 Jahre alt, genau weiß es das nicht mehr).
Mit der Zeit war die Freundschaft dann so sehr gewachsen, dass wir gegenseitig merkten, wenn es dem anderen nicht gut ging. Und dann war der Eine für den Anderen da. So kam es, dass Du mit der Zeit häufig für mich da warst, denn oft ging es mir nicht gut. An manchen Tagen wäre ich am Liebsten nicht aufgestanden, doch ich wusste, Du wartest auf mich, also raffte ich mich an solchen Tagen auf. Und wenn ich dann manchmal traurig und kraftlos auf dem Bett lag, kamst Du, und legtest Dich zu mir. Dann streichelte ich oft Deine Brust und Du quittiertest Dies mit wohligem Schnurren und manchmal sogar Gurren. Dann ging es mir besser.
Wenn es Dir nicht gut ging, setzte oder legte ich mich zu Dir und Du hast Dich dann oft an mich gekuschelt und Dich kraueln lassen. So gingen die Jahre dahin. Die Tierärtztin sahst Du meist nur einmal im Jahr, zur Impfung, und dann veranstaltest Du, der sonst nur wenig ein mauen von sich gab das schönste Katzenkonzert, bis wir wieder zu Hause waren.
Dann kam dieser eine Tag, an dem wir glaubten, Dich zu verlieren. Du hattest Dich in Deine Höhle verkrochen und kamst auch nicht raus, als man Dich rief. Essen und trinken wolltest Du auch kaum. Als keine Besserung eintrat, fuhren wir zur Tierärztin. Diese stelle fest, das Du etwas krumm saßt und vermutete, dass Du Dir bei einem missglückten Sprung aufs Fensterbrett, von dem Du dann abgerutscht warst, eine Prellung zugezogen hattest. Du bekamst eine Schmerzspritze und tatsächlich - am nächsten Tag ging es Dir wieder deutlich besser. Doch irgendwie schien dieser Sturz Dich verunsichert zhu haben. Aufs Fensterbrett wolltest Du seither nicht mehr springen und auch der Sprung aufs Bett wollte seither nicht immer auf Anhieb gelingen. Eine kleine Tiertreppe schuf hier abhilfe ujnd wurde auch gleich von Dir angenommen und rege benutzt.
Im letzen Jahr aber merkte man Dir mehr und mehr Dein Alter an. Du warst nicht mehr so aktiv, lagst viel auf dem Bett und Deinem Lieblingsplatz. Doch dann merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Waage brachte es ans Licht - Du nahmst ab, obwohl Du noch gut fraßt. Als der langsame, aber stetige Gewichtsverlust auch nach mehreren Tagen nicht aufhielt, fuhren wir zur Tierärztin. Diese diagnostizierte eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Tabletten und ein besonderes Futter halfen Dir wieder auf die Beine.
Doch wenige Monate später merkten wir, etwas stimmt wieder nicht mit Dir. Und ich frage mich bis heute, ob wir nicht erste, kleine Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, übersehen hatten oder diese falsch deuteten. Du schienst immer mehr die Energie zu verlieren. Erst als ich Dich auf den Arm nahm, Du kurz auf dem Rücken lagst und danach längere Zeit keuchend nach Luft schnapptest wussten wir - es war ernst! Wir fuhren zur Tierärztin.
Und diese hatte eine schlechte Nachricht für uns: Du hattest Wasser in der Lunge! Sie stellte uns vor die Wahl, Dich sofort einzuschläfern, doch wir wollten Dich nicht aufgeben. Also versuchte sie es mit einer Spritze und gab uns Medikamente mit, die Ihr Dir auch nach Anweisung verabreichte. Doch es half alles nichts, Du wurdest in den Tagen danach immer schwächer. Verzweifelt suchten wir nach Anzeichen, dass Du wieder auf die Beine kämst, feierten jeden Bissen Futter, den Du fraßt, als Erfolg - doch wussten wir, Das du meist viel zu wenig zu Dir nahmst. Langsam, aber stetig wuchs in mir der Gedanke, dass Du nicht mehr lange bei uns bleiben würdest.
Als Du dann große Mühe hattest, die kleine Treppe aufs Bett hinaufzukommen war klar, dass wars. Ein letztes Mal lagen wir noch beieinander, Du legtest Deine Pfote auf meinen Arm und sogar ein zartes Schnurren war kurz zu hören. Ich, der es nicht wahrhaben wollte, deutete dies in meiner Verzweiflung als Zeichen, dass vielleicht doch noch nicht alle Hoffnung verloren war, denn Du hattest schon seit einigen Tagen nicht mehr geschnurrt.
Am nächsten Tag fuhren wir wieder zur Tierärztin. Das letzte Lied im Radio, bevor wir losfuhren, war "Der letzte Tanz" von Bosse und da ahnte ich, dies ist Dein letzter Tanz. Die Tierärztin legte uns nachdrücklich nahe, Dich einschläfern zu lassen. Ich brachte kein Wort heraus, obwohl ich wusste, was das beste war und áuch Dein Frauchen stand kreidebleich und wie angewurzelt im Behandlungsraum. Gerade als ich dann doch "dann lass es uns tun" zu Deinem Frauchen sagen wollte, sagte die Tierärtzin, dass die es noch mal mit einer letzten Spritze versuchen könnte, Dich wieder auf die Beine zu bekommen aber gleichzeitig sagte sie auch, dass sie nur wenig Hoffnung habe und wenn in 1-2 Tagen nicht wenigstens eine kleine Besserung eintreten würde, wir den letzten Schritt gehen müssen. Stumm nickend stimmten wir zu, doch schon auf der Fahrt nach Hause spürte ich, dies war ein Fehler.
Ich versuchte, so gut es ging, mich mit Arbeit abzulenken, schaute aber immer wieder nach Dir. Dann, nach ungefähr drei Stunden, rief mich Dein Frauchen zu Dir. Sie sagte, Du würdest auf einmal so seltsam atmen. Ich stürmte ins Zimmer, in dem Du lagst, Dein Frauchen bei Dir. Es waren Deine letzten Atemzüge. Es dauerte gefühlt eine halbe Ewigkeit bis wir begriffen, das Du wirklich tot warst und der angebliche Herzschlag, den wir hörten, wenn wir unsere Ohren auf Deinen Brustkorb legten nur unser eigener Puls war. Ich schloss Dir die Augen. Nach arbeiten war mir natürlich nicht mehr zumute.
Am nächsten Tag grub ich bei Nieselregen eigenhändig Dein Grab im Garten. Kurz vor Schluss verließ mich die Kraft und ich musste jemanden um Hilfe bitten. In der Zwischenzeit hatten wir Dich scho in einen Karton gelegt, auf Deinem Lieblingskissen gebettet und mit einer kleinen Decke zugedeckt. Ein letzter Blick, ein letztes Streicheln, dann setzten wir dich bei.
Mittlerweile ist auch "Minka" tot und zwei junge Katzen leben jetzt bei uns, noch nicht einmal 8 Monate alt. Und auch, wenn sie uns viel Freude machen, die Gedanken sind noch oft bei Dir, gerade in den letzten Tagen. Und noch immer frage ich mich, hätten wir, hätte ich nicht früher etwas merken müssen? Hätte es dann noch eine Rettung gegeben? War es richtig, sich an jeden Strohhalm zu klammern oder war es egoistisch und wir hätten Dich schon früher gehen lassen sollen? Musstest Du leiden, weil wir es nicht fertigbrachten, die Beste Entscheidung für Dich zu treffen?
Munki, Du warst einfach ein ganz besonderer Kater, wie es wohl so schnell keinen zweiten geben wird. 17 Jahre warst Du bei uns, es hätten gerne noch mehr sein dürfen. Ich kann nicht in Worte fassen, was Du für mich bedeutest hast, einfach weil Du da warst. Vielleicht hätte ich die schweren Tage, die ich immer wieder hatte, nicht ohne Dich überstanden, ich bin mir sogar sicher, dass es so ist. Danke! Du wirst immer einen ganz besondern Platz in unserem und vor allem in meinem Herzen haben!

