Vor ein paar Tagen rief mich der befreundete Tierschutzverein an, der mir in letzter Zeit schon öfters mal unter die Arme gegriffen hatte bei meinen Katzenfamilien in Pflege. Es war ein Hilferuf, denn eine weibliche Katze sei zugelaufen wo sie nicht bleiben könne und es bestehe der Verdacht auf Trächtigkeit. Die Katze sah nicht gut aus. Sie war voller Parasiten und wollte unbedingt ins Haus der Familie, der sie zugelaufen war. Also hab ich mich ins Auto gesetzt, bin hingefahren, obwohl es nicht grad um die Ecke war und hab mir die Katze angeschaut und abgetastet. Ich konnte keine Trächtigkeit feststellen, da aber niemand wusste wohin mit ihr, hab ich sie eingepackt und mitgenommen. Wir sind dann erst mal zum Tierarzt um noch mal die Trächtigkeit überprüfen zu lassen und um zu schauen ob sie gekennzeichnet ist. Das war sie zu unser aller Überraschung! Also ging erst mal die Suche nach dem Besitzer los. Zwei Tage hing ich ständig am Telefon und sprach mit Tasso. Es hieß es immer nur: „Wir kümmern uns.“ Aber nichts passierte. Weder Tasso noch die Besitzerin rief bei mir an. Derweil kümmerte ich mich um Lucie’s Parasiten und sie hat eine leichte Erkältung. Nach 2 Tagen habe ich dann Druck gemacht und wollte die Kontaktdaten von der Besitzerin. Tasso gab sie mir und ich sowie der befreundete Verein versuchten sie zu erreichen aber ohne Erfolg. Letztendlich kam heraus, dass die Besitzerin Lucie letztes Jahr im Sommer aus dem nächstgelegenen Tierheim adoptiert hatte, aber mittlerweile ihren Namen, ihre Adresse und Telefonnummer geändert hatte. Ich hatte sie dann am Telefon und sie erklärte mir, dass sie Lucie vor ein paar Monaten auf einem Bauernhof „abgegeben“ hätte, weil sie gerade ein Haus baut, das noch nicht fertig ist und die Katze wollte auch auf den Bauernhof sein und der Bauer hat gesagt, sie könne dort bleiben bis das Haus fertig ist. Am Tag meines Anrufs war es 3 Wochen her, dass die Frau Lucie das letzte Mal gesehen hatte. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass die Katze abhanden gekommen war, das erfuhr sie erst durch mich. Ich erklärte ihr, dass es sich hier um ein Fundtier handelt, das normalerweise wenn der Besitzer ausfindig gemacht wurde, vom Besitzer abgeholt werden muss. „Nee, also das geht jetzt nicht.“ Sie wohne bei den Schwiegerneltern und da dürfen keine Katzen gehalten werden und das Haus sei ja auch noch nicht fertig und ein kleines Kind hat sie auch noch, um das sie sich kümmern müsse. Also sie könne die Katze jetzt nicht gebrauchen! An der Stelle war ich dann sprachlos. Ich war schockiert, wütend, frustriert und traurig zugleich. Ihr müsst wissen, Lucie ist eine ganz liebe und verschmuste Katze. Sie ist wahnsinnig hübsch und total ausgehungert nach Liebe und Zuneigung. Wenn man sie streichelt rollt sie sich wie ein kleines Baby ein und legt sich in den Arm von demjenigen, der sie streichelt und schnurrt wie ein Weltmeister. Lucie ist 13 Jahre alt. Ich schaue sie an und frage mich, wie man so einem Tier nur so etwas antun kann. Die Besitzerin hatte Glück, dass ich nicht vor ihr stand in dem Augenblick als sie erklärte, dass sie Lucie nicht mehr gebrauchen kann.
Hinzu kommt noch, dass der ehemalige Wohnort der Frau 20km vom Fundort weg war und der Bauernhof auf dem sie angeblich gewohnt hat, war 10km vom Fundort entfernt. Ich frage mich ernsthaft, wie die Katze diese Strecke hinter sich bringen konnte. Irgendwas stimmt an der Geschichte nicht.
Nun müssen erst mal die Zuständigkeiten geklärt werden, da Lucie ja über das Tierheim vermittelt wurde, ist dieses zuständig und ich agiere gerade ein bisschen als Pflegestelle des befreundeten Vereins, der Lucie aufgesammelt hatte. Lucie bleibt jetzt erst mal bei mir im Pflegezimmer bis sie wieder zu Kräften gekommen ist und dann hoffe ich, dass ich oder das Tierheim ein schönes Zuhause für sie finden, wo sie nicht wieder abgeschoben oder vor die Tür gesetzt wird.