• Wenn dein Tier krank ist oder erscheint, suche bitte immer erst den Tierarzt auf, bevor du hier Rat und Hilfe suchst. Wir alle hier sind Laien, können und dürfen keinen Tierarzt ersetzen oder gar Ferndiagnosen stellen, das wäre unverantwortlich. Erst wenn du die Diagnose eines Tierarztes hast, kannst du hier nach Erfahrungen oder Tipps fragen, die du eventuell für deinen Tierarzt mitnehmen kannst. Bei der Suche nach einem Tierarzt, vor allem Notärzten in der Nacht oder am Wochenende, könnten wir aber behilflich sein.

FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit

Diskutiere FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit im Immunerkrankungen und Infektionen Forum im Bereich Katzenkrankheiten; Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle gern einen Info-Beitrag rund um FIP (feline infektiöse Peritonitis = infektiöse...
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #1
K

Knuddelmiez

Gast
Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle gern einen Info-Beitrag rund um FIP (feline infektiöse Peritonitis = infektiöse Bauchfellentzündung) verfassen. Es frustriert mich immer wieder immens, wenn User hier verschiedene Symptome schildern und dann wird das Tier urplötzlich wegen FIP eingeschläfert, obwohl noch nicht einmal ansatzweise zielführende Untersuchungen angestellt wurden.

Fakt ist, die wenigsten Tiere, die wegen FIP eingeschläfert wurden, hatten auch FIP. FIP ist leider die Diagnose, die fällt, sobald ein Tierarzt sich aus den Symptomen keinen Reim machen kann und auch nicht auf die Idee kommt, an Kollegen oder Spezialisten zu verweisen. Fakt ist ebenfalls, FIP kann nur am toten Tier zweifelsfrei diagnostiziert werden. Es gibt keinen FIP-Test!!! FIP –Viren entstehen durch Mutation eigentlich harmloser Corona-Viren. Ein Test kann nur Antikörper nachweisen, wobei er NICHT zwischen Corona-und FIP-Antikörpern unterscheiden kann, da diese nahezu identisch sind. Bei jedem Tier, das bereits mit Corona infiziert ist (und das sind je nach Quelle 70-90% aller Katzen!) fällt der irrtümlich als solcher bezeichnete FIP-Test positiv aus! Das durchschnittliche Mutationsrisiko beträgt schätzungsweise 2%. Es ist u.a. bei kranken oder gestressten Katzen (dies gilt auch in Gemeinschaften mit hoher Katzenpopulation auf engem Raum) höher, das heißt, gesunde Katzen ohne Stress haben ein entsprechend geringeres Risiko. Corona-Viren finden sich quasi überall in unserer Umwelt, nicht nur unsere Katzen haben mit ihnen zu tun, auch wir. Und wir können sie jederzeit an unsere Katzen herantragen. Demzufolge macht es auch keinen Sinn, die Adoption eines Kätzchens abzulehnen, nur weil es positiv getestet wurde. Man bedenke, die hohe Durchseuchungsrate und das alltägliche Risiko einer Infektion für die bereits im Hause lebenden Tiere. Nebenher: selbst wenn bei einem Tier FIP ausgebrochen sein sollte, so können sich andere Katzen auch von ihm nur mit Corona infizieren (sofern sie nicht ohnehin bereits infiziert waren), nicht mit FIP! Zwar ist die Flüssigkeit eines eventuellen Ergusses hochinfektiös, aber die befindet sich im Inneren des Tiers und man müsste das erkrankte Tier schon aufschneiden und die gesunden Tiere damit in Kontakt geraten lassen, damit überhaupt eine Gefahr bestehen könnte.

--- Ergänzung 29.03.2011 betr. Ursachen ---

Die Ursachen, welche einer Mutation von Corona hin zu FIP zugrunde liegen, sind noch immer nicht erforscht, die Forschung hierzu befindet sich in den Kinderschuhen. In der Tat gibt es aber Studien, die vermuten lassen, dass - neben Stress - genetische Ursachen durchaus (mit) zugrunde liegen. Es war schon länger bekannt, dass in manchen Katzenfamilien in gerader Verwandtschaftslinie zum einen FIP-Fälle vermehrt auftraten und zum anderen häufiger dieselben Virenstämme identifiziert wurden. Dies führte anfangs zu der Fehlannahme, FIP sei übertragbar, inzwischen wandelte sich dies aber hin zu der Vermutung (wie gesagt, durch Studien getrieben), dass Genetik eine Rolle spielt. Die direkte Übertragung des FIP-Virus hingegen gilt inzwischen als ausgeschlossen, wenn gesunde Katzen nicht mit der hochinfektiösen Flüssigkeit des Bauchergusses in Berührung kommen. Dass FIP selbst nicht übertragbar ist, wird damit begründet, dass bei zwei Katzen, die im selben Haushalt (oder Tierheim) an FIP erkrankten und die nicht miteinander verwandt waren, nicht dieselben FIP-Virenstämme gefunden wurden. Das abgesehen davon, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für das zeitnahe tatsächliche wiederholte Auftreten einer FIP-Erkrankung im selben Haushalt verschwindend gering ist.

---

Eine so (und ebenfalls fälschlicherweise) genannte FIP-Impfung gibt es zwar, aber sie ist nicht anzuraten. Erstens, hat sie überhaupt nur dann ansatzweise einen Sinn, solange das Tier noch NIE mit Corona in Berührung kam. DAS allerdings kann NIE zweifelsfrei bewiesen werden. Ein negativer Titer besagt dies nicht, denn das könnte auch heißen, dass noch so wenig Antikörper vorhanden sind, dass diese alle an die vorhandenen Viren gebunden und also nicht frei verfügbar sind. Sobald eine Infektion mit Corona besteht, hat die Impfung keinerlei (positive) Wirkung mehr, denn sie verhindert eben nicht den Ausbruch von FIP sondern bietet lediglich einen 40%igen (!!!) Schutz gegen eine Corona-Infektion! Also ist es eine wenig wirksame Corona-Impfung, keine FIP-Impfung! Es gibt im übrigen die Vermutung, dass Katzen, die bereits mit Corona infiziert waren und dennoch die Impfung erhielten, ein erhöhtes Risiko haben, dass FIP ausbricht.

Nun zur Erkrankung selbst: eine FIP-kranke Katze hat schwere und vielfältige, sich stetig und oftmals sehr schnell verschlimmernde Krankheitssymptome! Sie ist sichtbar schwer krank, spielt nicht mehr, frisst nicht mehr, hat Fieber oder Untertemperatur (beides möglich), nimmt rapide ab (Rippen stehen hervor, selbst wenn sich ein Baucherguss gebildet haben sollte – was nicht immer vorkommt), hat nicht selten Durchfall oder Verstopfung, Erbrechen, liegt nur noch kraftlos und teilnahmslos herum, nässt und kotet möglicherweise unter sich oder irgendwo in der Wohnung… Hinzu kommen, je nachdem, ein sichtbarer Erguss im Brust/Bauchraum (nicht immer) oder auch Anfälle und sonstiges. Im Verlaufe der Krankheit versagen zunehmend die Organe, das man dann später am Blutbild erkennt, Leber- und Nierenwerte sind bald erhöht. Auch die Blutplättchen weichen von den Referenzbereichen ab (im später angegebenen Link ggf. genauer dargelegt).

Und dennoch, selbst wenn all diese Symptome zutreffen, gibt es noch immer genügend andere Krankheiten abzuklären, weil nichts von alledem oder in seiner Gesamtheit alleinig typisch für FIP ist. Solange es der Zustand des Tieres zulässt, solange es nur vereinzelte Symptome gibt, die mit entsprechender Behandlung in den Griff bekommen werden können und also Zeit für Untersuchungen bleibt, sollte eine Differentialdiagnose (Ausschlussverfahren) durchgeführt werden. Sehr häufig werden andere Krankheiten gefunden wie eine Leberentzündung, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Herzerkrankung, Parasitosen, Pilzinfektionen etc pp, durchaus auch andere Virus-Infektionen, die aber mit Behandlung dem Tier durchaus noch beschwerdefreie Jahre schenken können (ja, sogar FIV und FeLV!). Allein in unserem Forum gibt es viele User mit Tieren, denen bereits vor Jahren FIP nachgesagt wurde und die immer noch leben und sogar wieder ganz gesund geworden sind.

Wenn aufgrund eines komplexen und schweren Krankheitsbildes Verdacht auf FIP bestehen sollte, dann darf man nicht überreagieren. Kühlen Kopf bewahren, ist die Devise. Ein Antikörpertest alleine besagt GAR NICHTS und den könnt ihr beruhigt unter „Geld rausgeworfen“ abheften, wenn es der Miez ansonsten gut geht (wie gesagt, FIP-erkrankte Tiere sind sichtbar schwer krank!). Erst das sogenannte FIP-Screening, die Serum-Elektrophorese, liefert schon ein wenig mehr Aufschluss (immer noch nicht genügend!). Je nach Symptomatik gibt es noch weitere Tests (wie die Rivalta-Probe der Bauch-Flüssigkeit). Unter diesem Link könnt und solltet ihr euch darüber informieren: **

Dies ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung und ich hoffe, die prägnanten Infos sind alle enthalten. Das Thema FIP ist sehr komplex und leider bestehen so viele Mythen und Vorurteile darum, denen bereits unzählige Katzen zum Opfer gefallen sind, die ansonsten mit adäquater Untersuchung und Behandlung noch ein schönes Leben hätten führen können. Worum ich im Wesentlichen bitte: geht’s eurem Tier nicht gut, aber ist es in einem Zustand, der mit Medikamenten stabil gehalten werden kann, dann lasst euch nicht mit FIP abspeisen sondern lasst es gründlich untersuchen! Steckt keinesfalls den Kopf in den Sand, nur weil ein Tierarzt sofort FIP sagt und zur Einschläferung rät! Bedenkt, dass, wie eingangs erwähnt, FIP die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit ist und es selbst beim Zusammentreffen aller Symptome noch immer andere mögliche Ursachen geben kann!
 
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  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #2
Das hast Du gut geschrieben und erklärt..

Grade Wasseransammlungen sind bei Herzerkrankungen ect ja auch an der Tagesordnung..starke Abmagerung und schlechter Allgemeinzustand bei jeder schwerwiegenden Erkrankung zu erwarten...Vor allen Dingen sollte mann nicht wegen den anderen im Haushalt lebenden Tieren in Panik verfallen..
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #3
...Vor allen Dingen sollte mann nicht wegen den anderen im Haushalt lebenden Tieren in Panik verfallen..

So ist es.
Ich habe leider vor 3 Jahren meinen Moritz mit nur 9 Monaten wegen ausgebrochener FIP gehen lassen müssen.:sad:
Ich hatte mich zwar noch an den letzten Strohhalm geklammert und eine Cortison-/ Interferon-Behandlung versucht, aber es hat leider nichts genützt. Moritz wurde jeden Tag apathischer, hat fast nur noch geschlafen, hatte dunkelgelbe Schleimhäute, der Urin war fanta-orange und Appetit hatte er gar nicht mehr. Noch nicht mal die Päppelpaste vom Tierarzt mochte er. Das Bäuchlein wurde auch immer dicker.
Das alles zusammen mit dem hohen Titer, ergab für mich leider auch die Diagnose FIP.:???:

Na ja, eines Tages kam er auf mich zu und schaute mich mit einem "letzten Blick" an. Jeder der das schonmal gesehen hat, weiss wovon ich rede...Dieser Blick ist so durchdringend und flehentlich. Da wusste ich, es ist Zeit für den letzten Gang...

Aber ich war natürlich auch in grösster Sorge wegen meiner restlichen Meute.
Allerdings hat mir meine TÄ strikt von einer FIP-Impfung für die anderen abgeraten.
Sie meinte, die nützt sowieso nichts und die Nebenwirkungen wie verätzte Schleimhäute können furchtbar sein. Diese Impfung erfolgt ja durch die Nase...
Sie hatte mir nur geraten, alles gründlich zu putzen, eventuell die Klos auszutauschen und mit neuen Katzen mindestens 6-8 Wochen zu warten.

So hatte ich es dann gemacht und weder bei meinen alteingesessenen Katzen, noch bei späteren Neuzugängen ist bisher jemals FIP ausgebrochen.
 
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  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #4
Danke für deinen Beitrag Knuddelmiez - sehr hilfreich!
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #5
Ohje das tut mir leid,der Arme.

Ja dein Beitrag ist recht hilfreich auch für mich den hast du toll geschrieben,
Danke dir nochmal ich bin jetzt auch wieder ruhiger.
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #6
Uff, gehört zwar nur indirekt hier rein, aber weiß jemand, was mit der "Catgirly-Seite" passiert ist?
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #7
Ach Du Sch... :shock: alles weg! Das ist Mist, die Seiten waren wertvoll :-(
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #8
Noch nichtmal mehr über den Cache krieg ich was angezeigt :sad:
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #9
Ja, ich habs auch versucht.. Mist, verdammter... die Seiten waren ja nicht nur wegen FIP wertvoll, die boten generell sehr viele Infos rund um die Blutwerte... vieles habe ich zwar noch im Kopf, aber das verblasst ja auch, wenns ne Zeitlang nicht abgerufen wird...
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #10
Ein rundum gelungener Beitrag! Sehr gut hast Du die Informationenen zu einem leicht verständlichen, gut lesbarem Beitrag verfasst. Ich danke Dir dafür!
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #12
@Knuddelmiez
Danke, dass gibt mir Hoffnung!
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #13
Bei meiner Katze wurde gestern im Notdienst FIP diagnostiziert. Der Arzt hat Ihm Blut abgenommen und morgen sollen die Ergebnisse kommen. Sein Magen ist ziemlich aufgebläht und er liegt meist rum. Aber er frisst und schnurrt und hat auch keinen Durchfall. Wir haben jetzt für Morgen einen Termin bei einem anderen Tierarzt ausgemacht. Was würdet Ihr machen, wenn die jetzt auch sagt daß es FIP ist? Angeblich hätte er auch schmerzen hat der Tierarzt vom Notdienst gesagt aber wieso läuft er dann rum, frisst und schnurrt?
Bitte helft mir.

Danke
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #14
Hall,
das tut mir leid mit deiner Mietz.
Zweite Meinung einholen ist erstmal gut!
Was sagt denn der FIP-Titer?
Auf was hast du alles testen lassen? Mach mal einen Threat auf und sag mir Bescheid wie er heisst.
Wurde ein Ultraschall gemacht?
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #15
Ausgerechnet in diesem Thread den Begriff 'FIP-Titer' zu lesen, macht mich sehr traurig :cry:. Vielleicht sollte er geschlossen werden, bevor alle Infos endgültig untergehen...
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #16
Ich weiß das er nicht Aussagekräftig ist, dennoch empfehlenswert ihn nach 1-2 Wochen zu vergleichen.
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #17
Ich weiß das er nicht Aussagekräftig ist, dennoch empfehlenswert ihn nach 1-2 Wochen zu vergleichen.

Er kann auch nicht aussagekräftig sein, es gibt keinen 'FIP-Titer', wie der Eingangspost deutlich darlegt.
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #18
Hallo an alle =)
Bin neu hier und hab mich durch diverse EInträge gelesen, da ich gestern von meinem Tierarzt erfahren habe, dass mein Kater Turbo positiv auf die Corona Viren getestet wurde. Und erstmal war ich völlig schockiert, aber dank des Beitrages hier hat sich das ein wenig gelegt. Ich versuche nun seit geraumer Zeit seinen Durchfall in den Griff zu kriegen, was aber unmöglich erscheint, da einfach nichts hilft. Ich werde mich aber weiter hier im Forum durchlesen. Und schonmal vielen Dank für den informativen Beitrag.
LG
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #19
Hallo
Kann mir vieleich jemand sagen wie lange es dauert bis man sieht das eine katze fip hat.
Ich frage deshalb weil ich bei meiner katze angst habe . kann man sagen vonbeginn der mutation bis man sieht das eine katze erkrankt vergeht so viel zeit.
Grusse
 
  • FIP - die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit Beitrag #20
Das kann man leider nicht sagen.
Es kann sich über mehrere Wochen ziehen bis zu dem ersten Symptom ein zweites kommt.
In den meisten Fällen dauert es 3-5 Wochen.
 
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