Danke für die Rückmeldung, das freut mich sehr
Was das Buch Bob der Streuner angeht, mein Vater hat es mir gekauft, "weil es grade so gut passt", und ich hab es stilecht mit einer ehemals streunenden Katze neben mir auf dem Sofa verschlungen - es war soooooo süß! Und das mit dem Tierarzt, da sind wir natürlich auch draufgekommen... war nur leider nicht so einfach, wie wir das vermutet hatten
Und ja, es ist traurig, wie viele Streunerkatzen auch hier in unserer Stadt unterwegs sind - hab das durch die Sache mit dem Kleinen auch erst mitbekommen... und ich versteh es auch gar nicht, wie man ein Tier aussetzen kann oder es, wenn es vor der Wohnung sitzt und jämmerlich Miaunzt, sich nicht darum kümmern kann. Ich meine, das tut man doch nicht. So ein Tier kann einem ja gar nichts getan haben, was so eine Behandlung rechtfertigen würde - gar nichts *grummel* Und ja, zum Glück gibt es Leute, die sich kümmern, und nicht nur uns, mit unserer einen Katze da
Ich hab übrigens heute versucht, ein paar Fotos von dem Guten zu machen, allerdings hat das nicht so ganz geklappt. Vor allem eins von seinen hübschen Augen wollte ich, aber versucht mal, ein Foto von einer Katze zu machen, die in dem Moment, wo man in ihr Sichtfeld gerät, aufsteht, auf einen zuläuft und um einen herumscharwenzelt, damit es endlich Streicheleinheiten gibt! (er hält die Tatsache, dass ich eine Kamera in der Hand habe, auch für eine eklatante Verschlechterung gegenüber dem Urzustand, weil ich dann ja nur noch eine Hand hab, um ihn zu streicheln)
Und jetzt gehts weiter mit der Geschichte
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Weil: Natürlich saß er da in den Büschen. Und natürlich war er noch genauso abgemagert und verfilzt, und natürlich hat er geschrien, als ob wir ihm das Fell abziehen wollten, als da so viele fremde Leute über seine Terrasse getrampelt sind.
Gefüttert wurde er in der Zwischenzeit seit dem Auszug unserer Vormieter von den Nachbarn aus dem Obergeschoß (die sogar sein Schälchen von unserer Terrasse weggestellt hatten, weil sie sich Sorgen gemacht haben, dass wir das nicht mögen und ihn wegjagen würden, wie wir später erfahren haben), von denen er sich auch ein bisschen streicheln ließ, allerdings kam für den Armen dann gleich der nächste Schlag. Ein Teil der Büsche an der Einfahrt musste von den Vermietern aus weg, weil sie schon zu dicht waren, und natürlich war das sein gewohnter Schlafplatz, der da weichen musste, damit alles wieder schöner aussieht (und seien wir ehrlich, so ein Fliederbusch, der sich ausbreitet und blüht, ist auch hübscher als eine hässliche, stinkende Thuja. Zumindest aus Menschensicht...). Auf jeden Fall war er ziemlich unglücklich, und hat das auch sehr laut und sehr entschlossen kundgetan.
Die erste Anschaffung, nachdem wir angefangen haben, die Tapeten in der Wohnung abzureißen, war folglich auch ein Zehnerpack von diesen Katzenleckerlis. Ich meine, er war da, und wenn er auch fürchterliche Angst vor uns hatte, ein Leckerli geht eigentlich immer. Auch wenn man es nur fressen kann, wenn derjenige, der es da hingemacht hat, weit weg ist, und am besten auch gar nicht zuguckt, sondern sich hinter die Büsche verkrochen hat. Könnte ja wiederkommen und es einem wieder wegnehmen... und nachdem das Leckerli weg ist, krabbelt man am besten auch wieder in den dichtesten, fiesesten Busch, der da jetzt noch übrig ist, damit man ja nicht erwischt wird!
Die ersten paar Tage wurden wir also von sehr misstrauischen, gelben Augen verfolgt (und er hat wirklich sehr, sehr hübsche Augen!) und sind angeschrien worden. Sehr laut, halb böse und halb mitleiderregend. Und natürlich war er auch so gut wie immer da, an der Terrasse, und hat gemaunzt – manchmal der einzige Grund, warum man mitbekommen hat, dass er überhaupt da ist. Wenn nur mein Verlobter hier gearbeitet hat, hatte ich davon aber auch was – man hört das Tier auch ganz ausgezeichnet über Telefon maunzen. Ab und zu hat er sich gnädigerweise dazu herabgelassen, von uns ein Leckerli anzunehmen, wenn wir es in seine Nähe auf die Terrasse gelegt haben und dann verschwunden sind, man darf ja nicht beim Essen stören, aber das wars dann auch schon.
Danach waren ein paar Tage Umzugspause, bevor mein Vater zu Besuch kam und die richtige Renovierung angefangen hat (mittlerweile waren wir schon bei der zweiten Packung Katzenleckerlis angekommen). Katze war natürlich immer daneben und hat zugesehen (und selbstverständlich von allen Anwesenden immer wieder ein Leckerli zugesteckt bekommen. Das ging so weit, dass mein Vater, mein Verlobter und ich uns absprechen mussten, wer denn jetzt schon hat und was und wann er wieder was bekommen darf). Und irgendwann, in einer „Die Katze muss was zu naschen bekommen!“-Pause, hab ich mir gedacht, ich probier mal, ob er vielleicht schon verstanden hat, dass das Futter von uns kommt, und hab ihm mal ein Stängelchen hingehalten und motivierende Geräusche gemacht. Und siehe da... er hat mir aus der Hand gefressen! (also, eigentlich hab ich das eine Ende des Stängelchens festgehalten, er hat sich das andere gepackt, und nachdem ich nicht fest genug gehalten hab, hat er dran gezogen, es mitgenommen und ein Stück weiter weg verspeist...) Ich war richtig stolz, trotzdem!
Am nächsten Tag ist mein Vater dann noch einen Schritt weitergegangen und hat aus dem abgeschnittenen Boden einer PET-Flasche ein Katzenschälchen improvisiert (ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo meine Plastikdöschen gerade waren in dem ganzen Umzugschaos). Da gab es dann ein wenig Milch, vermischt mit viel Wasser, hinein, und er hat sie ganz gierig aufgeschlabbert – und auch pures Wasser, das wir ihm dann hingestellt hatten. Der arme Kerl hatte richtig, richtig Durst und ein Schälchen nach dem anderen ausgetrunken – was nicht ganz unproblematisch war, weil er sie beim Trinken einmal über die ganze Terrasse gejagt hat. Finde mal den durchsichtigen Unterteil einer PET-Flasche wieder, auf einer Terrasse, die nicht nur bewachsen ist, sondern auch voll mit anderem Krams vom Umzug steht! Seine Spezialität war dann auch, das Schälchen hinter die Müllsäcke zu jagen...
Ungefähr das war auch der Punkt, wo wir beschlossen haben, dass es mit dem armen Kerl nicht so weitergehen kann. Der Filz auf seinem Rücken war richtig groß und sah richtig fies aus, und obwohl er keine Schmerzen daran zu haben schien (er hat sich auch draufgelegt, ohne zu zucken oder zu jammern), da musste jemand drübersehen. Außerdem war das Fell nicht wirklich schön, die Krallen waren an allen Pfoten sichtbar, und er sah nicht nur dünn aus, sondern auch richtig schwach. Wenn man ihm zu nahe gekommen ist, hat er dann doch ziemliche Energien entwickelt und ist schnell weggelaufen, aber seine Bewegungen sahen allgemein mehr nach „Fühlt sich jetzt nicht so toll an, das“ aus als nach „Juchu, juchu, ich kann springen, ich kann toben, juchu!“ Außerdem sah man mit bloßem Auge schon Zecken an den möglichsten und unmöglichsten Stellen, beispielsweise am Ohr oder an der Backe, und neben seinem großen, verfilzten Stück hatte er auch allerlei anderes Grünzeug im Fell hängen.
Also musste ein Tierarzt her. Aber woher? Nicht nur, dass ich keine Ahnung hatte, wo man hier in der Gegend einen kompetenten Tierarzt auftreiben kann, wir sind auch gerade umgezogen, in eine Wohnung, die dreimal so groß ist, wie unsere alte, und die wir renovieren mussten... und das kostet Geld. Einen Haufen Geld sogar, und bei einer Studentin und einem im Moment arbeitslosen Einzelhandelskaufmann wächst das nicht an den Bäumen. Deswegen hatte der ursprüngliche Plan auch „erst umziehen, dann sparen, dann Katze“ gelautet und nicht anders, aber da hatte uns ja jemand jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht.