Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma?

Diskutiere Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? im Zucht und Genetik Forum im Bereich Katzenzucht und Nachwuchs; Immer wieder beeindruckend finde ich in dem Zusammenhang den Erbgang der Bluterkrankheit. Hätten sie doch damals schon ein paar Bürgerliche...
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #301
Immer wieder beeindruckend finde ich in dem Zusammenhang den Erbgang der Bluterkrankheit.
Hätten sie doch damals schon ein paar Bürgerliche geheiratet!


1920px-Erbgang_Bluterkrankheit.svg.png
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma?

Anzeige

  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #302
Ich möchte noch einmal auf deinen Beitrag zurückkommen, ob ich ihn richtig verstehe.
Und Achtung, es kommen wieder Zahlen aus der Hundewelt, und dann auch noch aus England.

Es "....wird für die Einschätzung des zuchtrelevanten Umfangs eines Genpools die effektive Populationsgröße berechnet, kurz EPS (engl. effective population size). Dieser Wert hat über die Geschichte der modernen Hundezucht in vielen Rassen dramatisch geringe Werte erreicht, trotz oft gleichbleibender oder steigender Tierzahlen. So ermittelten Forschende aus Großbritannien, dem Mutterland der Hundezucht, aus rund 45 000 Boxern einen EPS-Wert von 45, also vereinfacht interpretiert den Wert einer genetischen Ausstattung von nur 45 Tieren in einer tausendfach größeren Population. ... Etwa 31 000 Golden Retriever verfügten insgesamt über die genetische Diversität von nur 67 Hunden, was einem Faktor von etwa 500 : 1 entspricht.....Etwa ein Viertel der Rassen zeigte Werte unter fünfzig, was einem hohen Risiko für schwere Inzuchtfolgen mit erhöhtem Risiko des Aussterbens entspricht."
(Achim Gruber: Geschundene Gefährten, S.123/124)

Das heißt, dass man für die Erweiterung des Genpools weiter weg suchen muss, was einige Hundezüchter wohl auch schon machen, indem sie im Ausland nach Tieren suchen, die noch so sind wie vor Jahrzehnten.
Das hast du so verstanden, wie ich es gemeint habe. Das mit den Hunden aus dem Ausland ist gut und schön, aber wenn es sich um einen Rüden handelt, rennen wieder alle wie die Lemminge zum Decken dorthin. In Extremfällen sind dann bis zu 80% eines Geburtsjahrganges - oder auch mehrerer - Halbgeschwister.
Mich stört es überhaupt nicht, wenn du über Hunde schreibst. Schließlich komme ich ja aus der Hundeszene. Außerdem glaube ich, dass über Hundezucht einfach mehr bekannt ist als über Katzenzucht. Somit ist Hundezucht als Beispiel sicher nicht verkehrt.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #303
Beim EPS-Wert macht es keinen Unterschied, ob Hund, Katze oder Maus.

Bei Wildtieren gilt eine Zahl von ca. 4000 Individuen als kritische Grenze, darunter sieht es schlecht aus für die Erhaltung der Art.
Bei unseren Haus- und Nutztierrassen ist die genetische Verarmung bei vielen Rassen so weit fortgeschritten, dass selbst ein paar Zehntausend Individuen genetisch zu nah miteinander verwandt sind.

Da bringt eine rollige Rassekatze, die entwischt und sich mit einem hergelaufenen rasselosen Straßenkater paart, mehr für die Mischerbigkeit und (genetische) Gesundheit der Nachkommen.
Alles völlig korrekt.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #304
Das hast du so verstanden, wie ich es gemeint habe. Das mit den Hunden aus dem Ausland ist gut und schön, aber wenn es sich um einen Rüden handelt, rennen wieder alle wie die Lemminge zum Decken dorthin. In Extremfällen sind dann bis zu 80% eines Geburtsjahrganges - oder auch mehrerer - Halbgeschwister.
Mich stört es überhaupt nicht, wenn du über Hunde schreibst. Schließlich komme ich ja aus der Hundeszene. Außerdem glaube ich, dass über Hundezucht einfach mehr bekannt ist als über Katzenzucht. Somit ist Hundezucht als Beispiel sicher nicht verkehrt.

Klar, wenn es dann wieder auf ein paar wenige ""Popular Sires" hinausläuft, hat man leider nichts gekonnt.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #305
,Klar, wenn es dann wieder auf ein paar wenige ""Popular Sires" hinausläuft, hat man leider nichts gekonnt.
Positiv ist, dass es in Deutschland - und zum Teil auch im Ausland - nicht mehr erlaubt ist, dass Rüden unbegrenzt oft decken. Leider ist wiederum zu befürchten, dass dann auch Importe ausbleiben. Allzu oft geht es darum, die Deckrüden möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Wieder die übliche menschliche Gier. Da kommt dann erst die Kasse, dann die Rasse.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #306
Da bringt eine rollige Rassekatze, die entwischt und sich mit einem hergelaufenen rasselosen Straßenkater paart, mehr für die Mischerbigkeit und (genetische) Gesundheit der Nachkommen.

Also erst einmal würde kein Züchter, dem das passiert, diese Nachkommen zur Zucht einsetzen.

Dann weiß man nichts über den IZQ des Straßenkaters - denn auch bei Streunern kann der ja hoch sein. Über alle anderen Krankheiten, die ein Streuner mitbringt braucht man gar nicht zu reden.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #307
Offensichtlich bin ich doch schon zu lange raus - was ist eine "Merle-Katze"? :unsure:

Ich habe davon bei Hunden gehört, auch, dass es gesundheitliche Probleme gibt, aber bei Katzen? Das ist mir neu - kann mir da jemand was an die Hand geben, um mich einzulesen?
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #308
Offensichtlich bin ich doch schon zu lange raus - was ist eine "Merle-Katze"? :unsure:

Ich habe davon bei Hunden gehört, auch, dass es gesundheitliche Probleme gibt, aber bei Katzen? Das ist mir neu - kann mir da jemand was an die Hand geben, um mich einzulesen?
Ich habe es so verstanden, dass es die nicht gibt.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #311

[...] Jetzt habe ich noch nicht von Merle-Katzen gehört, aber grundsätzlich müsste ja das grundlegende genetische Prinzip (wir haben irgendeinen besonderen Farbschlag, im Hintergrund läuft aber fröhlich ein Puzzle mit potentiellen Gendefekten ab, die wir unter Umständen gar nicht überblicken können) bei beiden Spezies gelten. [...]

Hier steht doch, dass es die geben müsste, weil ja Hunde, Katzen, Vögel und was auch immer gleich sind (wie ja hier schon mehrfach geschrieben wurde).

Daher meine Frage: Wie kommt man darauf und wo kann ich das ggf. nachlesen? Ich würde da wirklich gerne dazulernen, ich bin mitunter wohl wissenstechnisch doch schon weit weg.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #312
....Oder dass z. B. bestimmte Farbvariationen Probleme mit sich bringen können, weil sie im Grunde ein Gendefekt sind, der aber eben nicht nur eine optische Veränderung der Fellfarbe mit sich bringt. Jetzt habe ich noch nicht von Merle-Katzen gehört, aber grundsätzlich müsste ja das grundlegende genetische Prinzip (wir haben irgendeinen besonderen Farbschlag, im Hintergrund läuft aber fröhlich ein Puzzle mit potentiellen Gendefekten ab, die wir unter Umständen gar nicht überblicken können) bei beiden Spezies gelten. Bzw. gilt es, wie man an der (zum Glück verbotenen) Weißzucht sieht.
....
Das hatte @Vitellia geschrieben, also eine Analogie zum Merle-Faktor wurde angesprochen.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #313
Offensichtlich bin ich doch schon zu lange raus - was ist eine "Merle-Katze"? :unsure:

Ich habe davon bei Hunden gehört, auch, dass es gesundheitliche Probleme gibt, aber bei Katzen? Das ist mir neu - kann mir da jemand was an die Hand geben, um mich einzulesen?
Ich sagte doch, dass ich davon noch nicht gehört habe. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass es sie nicht gibt. 🙃
Das ist auch meine Infoo, das wird ja aber angezweifelt.

Genau, von wem? Von mir zumindest nicht.

Es ging mir allgemein um die Problematik, dass besondere Farbschläge eben nicht nur eine besondere Färbung verursachen, sondern mitunter eben auch mit einer Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten/Handicaps verbunden sind.
Und dass das höchstwahrscheinlich nicht nur auf Hunde beschränkt ist. Weil ja die grundlegenden genetischen Mechanismen sich nicht groß unterscheiden dürften.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #314
[...] Und dass das höchstwahrscheinlich nicht nur auf Hunde beschränkt ist. Weil ja die grundlegenden genetischen Mechanismen sich nicht groß unterscheiden dürften.

Die Verdünnung (black/seal-blue) hat aber damit nchts zu tun, ich schreibe doch nicht umsonst, dass man Katzen- und Hundezucht nicht einfach so nebeneinandersetzen kann. Sie sind eben nicht gleich. Auch genetisch nicht.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #315
Schaut mal so weit sind wir doch gar nicht von einander entfernt:
Zucht sollte - wenn - seriiös und sinnvoll ablaufen - da bin ich ganz bei den Kritikern des Systems. Ich bin definitiv nicht dafür, das einfach "laufen zu lassen", indem man einerseitz Zucht verbietet, andrerseits aber propagiert, "die Natur macht"s"- denn Verpaarungen wird es weiterhin geben und die haben dann noch viel weniger mit Gesundheit zu tun...

Es muss mehr Kontrolle geben - ja.

Es muss mehr Menschen mit Wissen geben - ja.

Es sollten nur Menschen Tiere verpaaren dürfen, die beides akzeptieren und nachweisen können.

Es grundsätzlich zu verbieten, finde ich falsch - aus den vielen genannten Gründen.

Ansonsten, denke ich, drehen wir uns im Kreis und ich wünsche euch einen schönen Jahreswechsel.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #316
Die Verdünnung (black/seal-blue) hat aber damit nchts zu tun, ich schreibe doch nicht umsonst, dass man Katzen- und Hundezucht nicht einfach so nebeneinandersetzen kann. Sie sind eben nicht gleich. Auch genetisch nicht.
Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Im Podcast hieß es, dass der Dilute-Faktor, der "Silver, Cinnamon" etc. hervorruft, eben auch mit Hautkrankheiten verbunden sein kann.

Das ist dann also bei Katzen definitiv nicht so? Da ist das Gen, was die Verdünnung hervorruft, vollkommen harmlos?

Aber nichtsdestotrotz gibt es ja andere Farbvarianten, die problembehaftet sind, Stichwort weiße Katzen. Ja, ich weiß, die Weizucht ist in DE verboten, aber es geht mir wirklich um das zugrundeliegende genetische Prinzip - dass eine Genmutation, die erstmal etwas (für uns Menschen) Positives bewirkt, auch immer die Gefahr birgt, dass sich da was Unerwünschtes mit einschleicht. Muss ja nicht nur auf Farben bezogen sein.

Und da mag ich immer noch nicht so recht glauben, dass das bei Katzen so anders sein soll als bei anderen Tieren.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #317
Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Im Podcast hieß es, dass der Dilute-Faktor, der "Silver, Cinnamon" etc. hervorruft, eben auch mit Hautkrankheiten verbunden sein kann.

Das ist dann also bei Katzen definitiv nicht so? Da ist das Gen, was die Verdünnung hervorruft, vollkommen harmlos?

Aber nichtsdestotrotz gibt es ja andere Farbvarianten, die problembehaftet sind, Stichwort weiße Katzen. Ja, ich weiß, die Weizucht ist in DE verboten, aber es geht mir wirklich um das zugrundeliegende genetische Prinzip - dass eine Genmutation auch immer die Gefahr birgt, dass sich da was Unerwünschtes mit einschleicht. Muss ja nicht nur auf Farben bezogen sein.

Und da mag ich immer noch nicht so recht glauben, dass das bei Katzen so anders sein soll als bei anderen Tieren.
Ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, dass diese Verdünnungsfaktoren bei Hunden zu vermehrten Hautkrankheiten führen. Vielleicht eine neue Erkenntnis? Wobei die Verdünnungsfaktoren wirklich nicht neu sind. Deinem restlichen Beitrag kann ich wiederum nur zustimmen.
Dieses immer wieder Betonen, dass Katzen und Hunde nicht vergleichbar seien, erinnert mich daran, dass, dort wie hier, immer zugestimmt wird, dass es durchaus Auswüchse und Probleme gäbe - nur nicht bei der selbst favorisierten Rasse. Dort nicht, niemals nicht. Probleme haben immer nur die anderen.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #318
Ich sagte doch, dass ich davon noch nicht gehört habe. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass es sie nicht gibt. 🙃



Genau, von wem? Von mir zumindest nicht.

Es ging mir allgemein um die Problematik, dass besondere Farbschläge eben nicht nur eine besondere Färbung verursachen, sondern mitunter eben auch mit einer Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten/Handicaps verbunden sind.
Und dass das höchstwahrscheinlich nicht nur auf Hunde beschränkt ist. Weil ja die grundlegenden genetischen Mechanismen sich nicht groß unterscheiden dürften.
Ich finde, dass es wirklich leicht zu verstehen war, was du gemeint hast. Fast alle haben es ja auch verstanden.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #319
Und wieder scheine ich tatsächlich nicht mehr auf dem aktuellen Stand zu sein. Seit wann ist es in Deutschland grundsätzlich verboten, weiße Katzen zu züchten?
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #320
Es gibt eine "Empfehlung zum Zuchtverbot von rein weißen Katzen". Ein Verbot wird/würde dann entspr. von den Bundeländern ausgesprochen werden, wie z. B. Hessen es bereits getan hat.

Anmerkung: Eine Quelle (Gerichtsurteil) suche ich noch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Thema:

Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma?

Oben Unten