Hallo ihr,
ich brauche mal einen Rat.
Ich: Sehr tiererfahren, ich hatte im Prinzip schon alles. Katzen kenn ich aber nur aus meiner Kindheit - oder als Stallkatzen.
Meine bisherigen Tiere waren nicht immer einfach. Ich habe mich mit allem arrangieren können. Meine Tiere haben eine Stimme, die auch gehört wird.
Ich arbeite im Homeoffice. Ich bin täglich ca 2-3h außer Haus, die Katze ist dann alleine.
Wohnsituation: Gute 75qm Wohnung mit Balkon und Dachterrasse. Ich wohne hier alleine, beziehungsweise mit DER Katze. Die Katze darf überall hin. Wohnsituation ruhig, aber nicht reizlos (catwalks, Kratzbäume, Fummelbretter, Spielzeuge...)
Die Katze: Heute 15 Jahre alt, kastrierte Katze. Lebenslang Einzelkatze. Seit knapp 2 Jahren bei mir. Bei einem (entfernten) Todesfall in der Familie "übriggeblieben". Als ich zufällig gehört hab, dass die Katze eingeschläfert werden soll, hab ich mich bereit erklärt sie zu übernehmen. Früher war sie Freigängerin auf dem Dorf, eine ausgewachsene Kratzbürste, die ständig mit Kampfspuren verletzt nach Hause kam. Als sie bei mir einzog war sie aber schon eine (selbstgewählte) Wohnungskatze, die ihre Freiheit nur selten genutzt hat. Ich kannte die Katze eigentlich nur flüchtig und weiß nicht wirklich viel über ihre Vergangenheit.
Aktuelle Situation: Wir haben lange gebraucht, um uns miteinander zu arrangieren - so ca 1 Jahr. Dann ging es rapide aufwärts - hier wird mittlerweile viel gekuschelt, viel gespielt. Meine Tiere sind immer gut tierärztlich betreut. Katze ist aktuell (Mitte August) routinemäßig durchgecheckt, Blutbild, Dentalröntgen, Allgemeinzustand. Alles altersentsprechend gut. Keine auffälligen Verhaltensänderungen in den letzten Monaten. Katze wirkt mit der Wohnsituation zufrieden und versucht niemals, die Wohnung zu verlassen, obwohl sie immer mal die Option dazu hätte.
Ich hab einmal versucht, die Katze zu vergesellschaften. Älterer Kater (etwas jünger als die Katze), kräftig, erfahren, friedlich. Die Katze hat den Kater wiederholt fast getötet (ernsthaft). So etwas werde ich nie wieder versuchen.
Problem: 90% der Zeit kommen wir gut miteinander klar. Und dann gibt es diese anderen 10%. Dann hab ich vollkommen unerwartet Zähne und Krallen in meinen Körper (meistens Arm, aber auch schon Gesicht, Bauch, Beine). Tief, blutig, arztreif. Und ich bin nicht gerne beim Arzt.
Situation zum Beispiel heute: Alltag, ich sitze am Schreibtisch vorm PC und telefoniere. Die Katze wähne ich auf der Dachterrasse, da war sie - schnurrend, in der Sonne liegend - beim letzten Kontrollblick. Ich telefoniere also (Headset), und plötzlich hab ich Katze in meinem Unterarm hängen. Dick aufgepumpt, voller Aggressionen, wie eine Furie. Krallen und Zähne. Ergebnis: mehrere ordentlich blutende Wunden. Und ich hab Katze noch nicht mal ins Zimmer reinkommen gehört... Sowas passiert nicht oft, aber regelmäßig. Während ich auf der Couch sitze, während ich arbeite, während ich schlafe. Im Alltagsleben funktioniert "du darfst deine Meinung äußern, aber ohne Krallen/ Zähne" mittlerweile recht zuverlässig gut. Aber nicht in diesen Ausnahmesituationen. Leider weiß ich nicht, wann diese Ausnahmesituationen sind, und durch was sie entstehen.
Was bisher versucht wurde:
Vergesellschaftung (gescheitert, keine Option mehr)
Feliway (Katze wurde ruhiger, aber nicht weniger aggressiv)
Zylkene (Katze wurde eher angriffslustiger, aber die Angriffe waren nicht mehr so ernsthaft)
Schmerzmitteln kurweise (keine Veränderung)
Mehr Konsequenz in meinem Verhalten, damit ich berechenbarer bin (keine Veränderung)
Bachblüten (haben mich nicht überzeugt und wurden auch nicht unkompliziert genommen)
Ich hab keine Ahnung mehr, was ich noch tun soll. Offensichtlich sind wir kein funktionierendes Team. Aber was soll ich mit einer Ü15 jährigen Katze machen? Abgegeben scheint mir keine gute Option, aber was anderes weiß ich eigentlich auch nicht mehr.
Grüße
Kelele