Geliebter Rufus,
Am 13.3.2021 haben wir deine kleine Freundin Sissy und dich aus dem Tierheim zu uns geholt.
Den großen, liebevollen und zutraulichen Katerkerl und die kleine zierliche Sissy, verschreckt und verängstigt.
Ihr gehört zusammen, das war von Anfang an klar. Sie hat immer Deinen Schutz und Deine Nähe gesucht, und zweimal hast Du ihr sogar das Leben gerettet.
Ihr beide habt uns gemeinsam im Sturm erobert, Du, indem Du uns schlicht in Besitz genommen hast und Sissy, indem sie in Deinem Windschatten Vertrauen und Selbstbewusstsein tanken konnte.
Am Ende waren wir rasend schnell eine glückliche, kleine Familie.
Im Tierheim sagten sie uns, du bist 2014 geboren, kein Alter für einen Hauskater. Zwar hattest Du immer wieder gesundheitliche Probleme, vor allem mit der Verdauung... Doch das haben wir hingekriegt.
Und dann, Anfang 2025, habe ich mich gewundert - wieso Du so schlecht gefuttert hast, wo Du doch immer ein richtiger Futter Terrorist warst.
Ab zum Tierarzt, klar. Wahrscheinlich wieder mal Verstopfung, das dachte ich.
Der junge, neue Tierarzt war ein bisschen komisch, als er uns das Röntgenbild erklärt hat. Ja, da sei eine Menge Kot. Aber auch etwas, das da nicht hingehört.
Außerdem, so stellte er die Vermutung in den Raum, würde er Dich auf mindestens 15 Jahre schätzen.
Während wir sprachen saßt Du schnurrend und schmusend auf dem Behandlungstisch.
Am nächsten Tag, so meinte der Doc, wolle er einen Ultraschall machen. Leider konnte ich nicht dabei sein, aber Uli, mein Mann, Dein bester Freund, war dabei.
Und rief mich dann weinend an. "Rufus hat Krebs. Er muss operiert werden", war alles, was ich verstand.
Lieber Rufus, ich bin nicht sicher, bis heute nicht, ob diese OP richtig war. Du solltest alle Chancen haben, natürlich. Deine Tierärzte rieten dazu.
Noch während der OP kam der Doc raus, und überbrachte die furchtbare Nachricht. Ein golfball großer Tumor, mitten im Darmgeflecht. Er war mit Dir so verwachsen, dass er nicht entfernt werden konnte. Es riss uns den Boden unter den Füßen weg.
Ob er Dich gleich erlösen soll, fragte der Doc. Und ich war ganz klar. Nein, solange Du Lebensqualität hast, so lange sollst Du bei uns bleiben.
Nun warst Du also palliativ. Ach Rufus, ich bin zwar Krankenschwester im Hospiz, ich begleite zwar täglich Menschen auf dem letzten Lebensweg und der Tod ist mir nicht fremd.
Doch ausgerechnet meinen besten Freund, meinen geliebten, der immer für mich da war, so verlieren zu sollen, das verlangte mir alles ab.
Wir haben so viel Katzenfutter gekauft für Dich, unglaublich. Alles, wirklich alles, solltest Du haben. Alles was Dir schmeckt. Was Du sonst nicht durftest. Katzen Junkfood...
Geliebter Rufus, Du hast gekämpft. Hast bis zuletzt unsere Nähe gesucht. Warst bei uns. Ganz viel Kuscheln, streicheln... Und doch haben wir gefühlt, Du machst Dich auf den Weg in Dein nächstes Abenteuer.
Der letzte Tag. Du hast Dein Köpfchen vom Futter weg gedreht. Du wolltest nicht mehr, hattest keine Kraft mehr.
Ich hätte Dich so gerne hier zuhause gehen lassen, Liebster. Leider war das nicht möglich. Aber wir haben Dich in unseren Armen gehalten, als Dein Leben auf Erden zu Ende ging. Und selbst Dein Arzt hat mit uns geweint.
Eine alte, weise Seele hat sich auf die weitere Reise gemacht.
Dein leeres Haus, Deinen Körper, haben wir noch mal mit nach Hause genommen. Sissy sollte verstehen, dass ihr großer Freund nicht mehr lebt. Und wir könnten in Ruhe von Dir Abschied nehmen.
Wir sind so dankbar, dass wir Dir die letzten Jahre Deines Lebens ein Zuhause geben durften. Und wir versprechen Dir hoch und heilig, wir passen auf Deine Freundin auf.
Eines Tages werden wir uns wieder sehen, geliebter Rufus. Und das nimmt dem Tod jeden Schrecken.
Bis dahin geben wir einem weiteren Tigerkater ein Zuhause - und hoffen so sehr, dass Deine kleine Sissy ihn hier akzeptieren wird.
In Liebe Deine kleine restliche Familie