Hallo,
zunächst eine Triggerwarnung: Sicher nicht unüblich hier, speziell in diesem Unterforum, aber es wird u.a. der Sterbeprozess einer Katze beschrieben.
Am Montagmorgen ist unsere Kegi von uns gegangen. Eigentlich hatten wir schon einen Termin zum Einschläfern vereinbart, aber dann ging es innerhalb kürzester Zeit plötzlich ganz schnell und sie hat es einfach nicht mehr geschafft. Geplant war ein sanftes Einschläfern. Geschehen ist ein "natürlicher Tod", mit allen krassen Momenten, die hier sicher auch andere Tierbesitzer schon miterleben mussten. Zwar war es innerhalb von Minuten, Sekunden vorbei, aber es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, als sie krampfend vor uns lag und uns für immer verließ. Immer wieder wiederholen sich die letzten Sekunden in unseren Köpfen.
Neben der Trauer und Leere begleiten uns nun extreme Schuldgefühle, sie in den finalen Momenten im Stich gelassen zu haben. Der Kopf spielt pausenlos "Was wäre wenn..." und "Wir hätten doch müssen..." Szenarien ab.
Zu ihrer Geschichte. Im April 2023 im Alter von 15 Jahren haben wir Kegi aus einer "Isolationszelle" im Tierheim geholt. Es hatte sie doppelt getroffen - nachdem ihr ein bösartiger Tumor im Ohr (incl. komplettem Gehörgang) entfernt wurde, hatte sie sich bei anderen Katzen mit einem Schnupfen angesteckt, der dann als chronisch eingestuft wurde. Als wir sie dort alleine zum ersten mal liegen sahen, war es eigentlich schon um uns geschehen; eine sehr kleine Katze, komplett schwarz, bereits ergraut an einigen Stellen mit weißen Schnurrhaaren und riesigen gelb-grünen Augen. Meine Frau setzte sich zu ihr, sie krabbelte sofort auf ihren Schoß. Spätestens dann war alles klar. Wir nehmen sie mit.
Und dann war sie auch schon bei uns zu Hause. Sie lebte sich schnell ein. Bereits nach wenigen Wochen musste sie nicht mehr Niesen, ihre Nase lief nicht mehr, und es ging ihr auch sonst sichtlich gut bei uns. Zunächst war sie sehr wortkarg, bis dann doch mal die ersten Geräusche von ihr kamen. Es war weniger ein Miau, als viel mehr ein krächzendes "Keg, keg". Woraus sich dann auch ihr Name ableitete.
Sie begann ihre "5 Minuten" zu haben. Wie ein junges Kätzchen wurde sie spielerisch und peste durch die ganze Wohnung. Egal was wir ihr hinstellten, Kratzbaum, Betten, Decken, sie nahm fast alles dankbar an. Natürlich suchte sie sich immer auch ihre eigenen, teilweise obskuren, Lieblingsplätze. Besonders gerne war sie auf dem Balkon, wo sie sich wechselnd in die Sonne legt und dann im Schatten wieder abkühlte, immer gerne die Welt um sich herum beobachtete, ihre Nase in den Wind steckte um die verschiedenen Gerüche wahrzunehmen...
Aber am wichtigsten war es es ihr, abends mit uns auf der Couch zu liegen. Es war immer so schön, wie sie langsam einschlief, der Kopf immer schwerer wurde, sie im Schlaf dann leicht vor sich hinzuckte... bis man dann auch mal irgendwann wieder aufstehen musste, was sie natürlich gar nicht für gut befand und sich erstmal beschweren musste.
So ging es dann nicht ganz 2 Jahre lang. Zwischendrin waren wir wegen kleineren Sachen beim Tierarzt - Einmal hatte sie sich eine Blasenentzündung eingefangen, die konnte gut behandelt werden und war kein Problem mehr. Einmal hat das andere Ohr Probleme gemacht wg. einer Entzündung, aber auch das konnte gut behandelt werden.
Bis zum März. Sie beginnt wieder vermehrt mit Husten / Niesen. Ins Besondere auf dem Balkon in der Sonne bemerken wir es: Ihre Atmung ist schneller, leicht angestrengt. Nicht in der prallen Sonne ist es besser, aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Also ab zum Tierarzt. Blutwerte machen. Alles in Ordnung. Atemfrequenz hoch, aber noch im Rahmen. Zur Überprüfung ein Röntgenbild. Dann die Diagnose, die bereits seit dem Tumor im Ohr eigentlich nur eine Frage der Zeit war: Der Tumor hatte sich weiter ausgebreitet, ins Besondere Richtung Brustkorb. Der Zeitpunkt zum Einschläfern war auch laut Tierarzt noch nicht gekommen; sie verwies auf Medikamente, die noch einige schöne Wochen ermöglichen können, aber es war klar, dass die Zeichen auf Abschied standen.
Wir nehmen sie wieder mit nach Hause. Der Plan: Die besten letzten Wochen ermöglichen, die eine Katze haben kann. Extra viel Kuschelzeit. Extra viel Balkonzeit. Jeden Tag leckere Snacks. Später kommen die Medikamente dazu, Cortison. Wir hatten nicht das Gefühl, dass es Wirkung zeigt.
Dann kurze Zeit später, es ist April, die Realisierung: Es ist besser, wenn wir sie gehen lassen. Alles ist anstrengend. Sie ist aktiv noch bei uns, reagiert auf uns, liegt auf ihren Lieblingsplätzen, brummt vor sich hin, verlangt nach ihren Snacks, aber man konnte ihr ansehen, dass nicht mehr viel Energie übrig ist. Tierarzt angerufen. "Termin zum Einschläfern bitte". In wenigen Tagen ist es soweit. Trauer.
Dann kam die Nacht von Sonntag auf Montag. Plötzlich ändert sich ihr Verhalten. Wir sind beide wach. Haben es im Voraus geplant, damit durchgängig, bis zum Einschläfern, jemand bei ihr ist. Es ist ca. 3:30. Sie wirkt nervös, zieht sich zurück. Was sollen wir machen? Tiernotdienst bestellen? Wir sind auf dem Land, hier fährt keiner hin, für eine eigene Fahrt dorthin, 35 Minuten im Auto - was, wenn sie das nicht mehr schafft wegen Stress und im der Transportbox im Auto stirbt? Außerdem, was kostet das dann. Ein Gedanke, für den ich mich hasse.
Es wird wieder besser. Sie frisst etwas. Brummt in unserer Anwesenheit. Kurze Hoffnung, sie schafft es. Der Tierarzt macht um 10 Uhr auf, ein paar Stunden noch. Bis 08:00. Sie ist erneut aufgeregt, kann nicht liegenbleiben, will weg von uns, gleichzeitig hin zu uns. Sie springt auf. Legt sich in den Flur. Es geht ganz schnell. Ein paar mal noch Zucken, die letzten Atemzüge, es ist vorbei. Ich sehe eine tote Katze auf dem Boden. Meine Frau, deren Herz zerbricht. Es war uns so wichtig, das sie nicht leiden muss. Sicher war es kein langer Leidensweg. Aber es war eben nicht so, wie wir uns es gewünscht hatten.
Wir haben uns so sehr vorgenommen, alles richtig zu machen. Bewertung vom Tierarzt. Genaue Beobachtung ihres Verhaltens. Rücksprache mit anderen langjährigen Katzenbesitzern. Online-Recherche. Und am Ende, in letzter Konsequenz, hat es alles nichts geholfen. Warum in der Nacht. Warum am Wochenende. Warum so schnell. Warum nicht einfach im Schlaf. So viele Fragen und keine Antworten.
Wir haben sie in ein schönes Grab im Garten gelegt. Bedeckt mit Moos. Abends machen wir eine Kerze an. Auch wenn wir von deinen 17 Lebensjahren nur 2 mit dir verbringen durften, so hast du unserer Leben bereichert.