Nach sehr vielen Jahren melde ich mich wieder. Und wieder, um von einem schweren Verlust zu berichten.
Gestern nachmittag habe ich meinen geliebten Moby über die Regenbogenbrücke geschickt.
Du bist knapp über 5J geworden, mein kleiner, großer Schatz. Du hast mich während eines Urlaubs in Ägypten angeflirtet und ab dem ersten Augenkontakt war es um mich geschehen, ich wußte, wir gehören zusammen. Die Monate der Quaratene zogen sich wie Kaugummi, aber die Vorfreude war riesig! Dann, am 28.01.21 bist du endlich angekommen! Es hat nur ein paar Tage gedauert, aber du hast dich so schnell eingelebt! Und von Anfang an war unsere Beziehung etwas besonderes. Als du zum ersten Mal Schnee gesehen hast, werde ich nie vergessen! Wie verzückt du warst! Und all die raschelden Blätter draußen, und die Tannenzapfen, und die Äste! Ich hatte jeden Tag einen halben Wald in der Wohnung, weil dich das alles so begeistert hat.
Jeder Tag mit dir war was besonderes, weil du was ganz Besonderes war! Wir hatten so wundervolle 4 Jahre miteinander, so eine tiefe Bindung hatte ich noch nie gespührt! Du warst dieses Jahr im Januar an meiner Seite, als mein Großer mit fast 19J gegangen ist, für mich und für seinen Kumpel, der 18 Jahre mit ihm verbrachte. Dann entdeckte ich Anfang März eine kleine Zyste an deinem Rücken, die viel zu schnell gewachsen ist, schon da hatte ich eine Vorahnung. Zum Glück mussten wir nicht sehr lange auf den Termin bei der Tierarzt warten. Sie hat die Stelle gesehen und dich sofort da gelassen! Es hieß gleich, es sieht nicht gut aus. Nachmittags habe ich dich wieder abgeholt. Sie hat großflächig rausgeschnitten. Ein paar Tage später der Anruf, die Laborergebnisse sind da, Fibrosarkom! Sehr agressiv! Ab dem Punkt an habe ich gezittert, obwohl du dich sehr schnell von der OP erholt hast und schon am nächsten Tag wieder draußen warst. Keine 2 Monate später entdeckte ich beim Kuscheln an der selben Stelle einen kleinen Knoten und noch einige weitere in der Umgebung. Bei der 2-ten OP wurden 8 Stück entfernt! Dieselbe Diagnose! Die TÄ war schonungslos erlich (dafür bin ich dankbar), wenn es streut, dann sehr schnell und sehr großflächig. In der Zeit ist im April, während ich im Urlaub war, ist mein Jacky mit 18J eingeschlafen. Auch da warst du an meiner Seite und hast mich getröstet.
Du hast auch diese OP super überstanden, mein kleiner, tapferer Kämpfer! So sehr liebtest du das Leben!
Wieder ein paar Monate später: viele kleine Knötchen am Bauch und eine größere, die immer dunkler wurde und zum Schluß zeigte, dass sie auch mit Blut gefüllt war. 3-te OP, ich wollte es nicht mehr ins Labor einschicken lassen, weil ich es schon wusste. Bei dieser OP wurden auch Röntgen und Ultraschall durchgeführt. Alles unauffällig. Ich atmete auf und kam etwas zu Ruhe.
Aber trotzdem blieb die Angst, ich wusste es. Wir haben nicht viel Zeit zusammen. Nicht mit dieser Diagnose. Nicht nach so schnellen Rezidiven. Und dann natürlich immer wieder dieser Gedanke: was mache ich, wenn es noch mal passiert? Operieren? Lassen? Nicht quellen?
Nun ja, die Entscheidung hast du mir abgenommen.
2-3 Tage vor Weihnachten ist mir aufgefallen, dass du weniger gegessen hast und nicht mehr so lange draußen unterwegs warst, ich schob das alles auf die Kälte, ich dachte mir, Komm, es war ein anstrengendes Jahr für ihn. 2 Kumpels verloren, der Umzug in die neue Wohnung, 3 OP´s. Er braucht nur etwas Ruhe. Und dann am Heiligabend kam ich von meinen Eltern und habe etwas gespürt. Du saßt auf dem Sofa und bist nicht, wie üblich, aufgesprung und zu Tür gelaufen. Ich habe dich gerufen und wir sind zu unserem üblichen abendlichen Gang zu den Mülltonnen gelaufen. Du wolltest aber schnell wieder rein, kein Rundgang ums Haus, hast nur eine Kleinigkeit gegessen und auf`s Sofa zu mir. Und es war etwas in deinem Blick, das mir sagte, es passiert was schlimmes. Die beiden Feiertage habe ich nur geheult.
Am Samstag hatte zum Glück deine TÄ Dienst, ich bin vormittags hin und hatte Nachmittags die schlimme Nachricht. Der Krebst hab in den Bauchraum gestreut, Magen, Darm, alles voller Knoten und Metastasen! Man kann nichts mehr machen! Also bin ich hin und habe dich noch einmal umarmen und küssen können. Du hast mich gespürt, du hast deine Augen entspannt und deine Öhrchen haben sich bewegt.
Ich ließ dich gehen. Es war nicht die schwerste Entscheidung meines Lebens. Ich wollte dir das Leben, was du hättest nicht antun! Aber ohne dich nach Hause zu kommen, das war das Schwerste. Die Gewissheit, jetzt ohne dich zu leben. Nicht mehr von dir angeknabbert werden! Nicht von dir begrüßt.
Ich habe Angst davor, morgen die Routine wieder aufzunehmen. Arbeiten, nach Hause. Und dann die Leere. Und ich weiß, dass dieser Schmerz lange bleibt, und es gibt keine Möglichkeit, es weniger werden oder schneller vorbei gehen zu lassen. Ich muss da durch.
Und das wird die Hölle sein.