"Etwa ein Viertel aller Gewaltverbrecher sind in ihrer Kindheit oder Jugend
durch schwere Tierquälereien aufgefallen. Experten sagen, dass die Zahl bei
den reinen Sexualstraftätern sogar noch höher ist. Besteht also zwischen
Tierquälerei und anschließender Delinquenz ein Zusammenhang?"
Ronny Rieken und Rolf Diesterweg - fast jeder kennt ihre Namen. Sie sind
Sexualstraftäter, haben in den neunziger Jahren Mädchen vergewaltigt und
anschließend getötet. Beide sitzen in Haft. Und beide haben etwas gemeinsam:
In ihrer Jugend haben sie Tiere gequält.
Dr. Alexandra Stupperich, forensische Wissenschaftlerin am Klinikum
Regensburg: "Wer in seiner Jugend Tiere quält, hat ein stark erhöhtes
Risiko, später diese Art von Gewalt auch an Menschen auszuüben." Werden also
alle Tierquäler später zu Gewaltverbrechern? Klare Antwort: Nein!
Nicht jedes Kind, das dem Familienhund am Schwanz zieht oder die Katze
ärgert, wird später kriminell. Dieses kindliche Ausprobieren ist sogar ein
Stück weit normal, denn im frühen Alter wissen die Kinder oft noch nicht,
dass Tiere Schmerzen empfinden können. Die Kinder müssen erst lernen,
Empathie für andere Lebewesen aufzubringen. Wichtig ist daher, dass Eltern
ihre Kinder immer wieder darauf hinweisen, dass die Tiere genauso Schmerz
empfinden wie sie selbst auch.
Manche Kinder üben auch Gewalt an Tieren aus, weil sie selbst von den
eigenen Eltern geschlagen werden. Sie leiten diese Gewalt von sich auf
andere, schwächere Lebewesen weiter.
Gefährlich wird es aber immer dann, wenn beim Kind eine schwere psychische
Störung vorliegt und es dann beginnt, Tiere zu quälen. Diese Kinder wollen
in der Regel Macht und Kontrolle auf das Tier ausüben, empfinden kein
Mitgefühl. Später kann dazu kommen, dass sie diese Quälereien auch mit ihrer
eigenen Sexualität in Verbindung bringen. Diese Menschen sind besonders
gefährdet, später auch Sexualdelikte an Kindern und Frauen zu begehen. Dabei
steht nicht unbedingt nur die sexuelle Befriedigung im Vordergrund, sondern
die Ausübung von Macht!
Diese Kinder und Jugendlichen müssten eigentlich dringend therapiert werden.
Fällt diese Neigung erst im Erwachsenenalter auf, dann ist es in vielen
Fällen schon zu spät.
Wie geht das Ausland mit Tierquälerei um?
In den USA führt man diese Studien schon seit längerer Zeit durch. In
einigen Bundesstaaten wird daher mit Tierquälern auch besonders konsequent
umgegangen. Fallen Kinder dort durch schwere Tierquälereien auf, dann werden
sie sofort therapiert.
Dr. Alexandra Stupperich, forensische Wissenschaftlerin am Klinikum
Regensburg: "In den USA sind die Behörden schon sehr gut vernetzt und sie
arbeiten eng zusammen, Hand in Hand. Dort ist alles auch schon genau
gesetzlich festgeschrieben. Das würde ich mir für Deutschland auch dringend
wünschen!"
Die Realität in Deutschland (und auch in Österreich):
In Deutschland steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen.
Gesetzlich geregelt ist in dieser Beziehung nur sehr wenig. Wer Tiere quält
und dabei erwischt wird, bekommt evt. eine Strafe nach dem Tierschutzgesetz.
Das sieht eine Geldstrafe oder Gefängnis bis zur Höchststrafe von drei
Jahren vor. In der Regel bleibt es bei der Geldstrafe - wenn überhaupt.
Psychiatrisches Gutachten der Tierquäler? In der Regel wird das nicht
gemacht. Doch gerade bei Jugendlichen könnte hier noch viel abgewendet
werden.
Auch die Ermittlungsbehörden sind mit Anzeigen wegen Tierquälerei nicht
selten überfordert. "Bei uns beschweren sich immer wieder Menschen, die mir
erzählen, dass sie eine Tierquälerei bei der Polizei anzeigen wollten, und
die Polizei nur abwinkt, nichts unternehmen will oder die Anzeigenden so
lange nach Beweisen fragen, bis diese resigniert die Anzeige zurücknehmen",
beklagt Gerhard Käfer vom Tierschutzbund Baden-Württemberg. "Ich finde das
sehr bedenklich, gerade wenn man weiß, was aus Tierquälern unter Umständen
später einmal werden kann". Er fordert, dass die Polizei Tierquälerei
konsequenter verfolgt, denn viele Täter wüssten genau, dass ihnen eigentlich
nichts passiert und würden damit zu Wiederholungstätern.
Besonders genau hinschauen muss man, wenn große Tiere gequält werden. Die
Tierquäler machen eine Steigerung durch. Sie beginnen mit kleinen Tieren wie
Fröschen oder Hasen. Am Ende der Leiter steht meist das Pferd. Findet man
ein schwer verstümmeltes Pferd, dann ist das nicht selten ein Hinweis
darauf, dass der Täter schon eine lange Karriere als Tierquäler hinter sich
hat.
Vernetzung ist wichtig!
Wird das Problem in Deutschland nicht ernst genug genommen? Ein Fall aus
Passau zeigt, wie nötig es ist, dass die Justiz und die Behörden genau
hinschauen. Dort wurde ein 29-jähriger Paketbote festgenommen, der
beschuldigt wurde, eine Katze schwer gequält und anschließend angezündet zu
haben. Während des Ermittlungsverfahrens gab er zu, bereits zehn weitere
Katzen auf ähnliche Art maltraktiert zu haben. Der Staatsanwalt Hanns Gerd
Ennser hätte es sich einfach machen und die Anklage wegen Tierquälerei
schreiben können. Das Geständnis hatte er ja. Doch er ließ ein
psychiatrisches Gutachten anfertigen. Heraus kam: Der Mann hatte eine
schwere psychische Störung, von ihm ging erhebliche Gefahr aus, er würde in
Zukunft mit Sicherheit auch Frauen und Kinder gefährden.
Ergebnis: Der Täter bekam die Höchststrafe und macht jetzt eine Therapie.
Staatsanwalt Ennser: "Ich lasse noch ein weiteres Gutachten machen, weil ich
möchte, dass der Mann auch nach Ablauf der drei Jahren Haft nicht frei
kommt, sondern in psychiatrischer Behandlung bleibt. Er soll erst dann
wieder auf freien Fuß kommen, wenn er ganz sicher geheilt ist und keine
Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellt."
Und: Durch das Gutachten sind jetzt auch tschechische Profiler auf den
Katzenquäler aus Passau aufmerksam geworden. Weil der Paketbote viel mit dem
Auto unterwegs war, nahmen sie seine Fahrten noch einmal genau untern die
Lupe. Und es stellte sich heraus: Sowohl seine psychische Struktur, als auch
die Fahrten, die er mit dem Auto unternommen hat, lassen ihn als Mörder von
drei tschechischen Prostituierten in Frage kommen. Zur Zeit werden die am
Tatort gefundenen DNA-Spuren mit seiner DNA verglichen.
Der Fall zeigt, wie wichtig VERNETZUNG ZWISCHEN BEHÖRDEN ist. Wie wichtig es
ist, Tierquälerei nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wie wichtig es
ist, hinzuschauen. Denn schnell kann aus einem einfachen Fall von
Tierquälerei ein Mordfall werden."
Quelle:
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/specials/101451/index.html
Tier, Natur und Mensch leben auf EINER Erde.
Mit dem gemeinsamen Grundrecht auf Leben, Gesundheit und Respekt.
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Nachdenkliche Gruesse - Mausi

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