Guten Morgen graf,
ich versuche mich mal ein bisschen auseinanderzusetzen mit dem, was bei Dir zu Hause da grade passiert :
Du hast ein Katzenbaby mit 4 Wochen zu Dir genommen. Du schreibst, es sei von einer Straßenkatze "genommen" worden. Hast Du das Katzenbaby von einem Tierschützer, oder hast Du es quasi selbst auf der Straße gefunden ?
Es ist so : Mit 4 Wochen ist es noch viel zu früh um ein Katzenjunges von seiner Mutter wegzunehmen.
In dieser Phase trinken sie noch sehr viel Muttermilch, erlangen Sicherheit durch ihrer gewohnte Umgebung und die Abläufe dort und sind grade am Anfang Ihrer Sozialisation, das heißt der Phase, in der sie katzentypisches Verhalten von der Mutter lernen. So z.B. eben auch das, was bei Dir zu Hause jetzt Chaos verursacht : Wie weit darf ich meine Krallen im Spiel einsetzen ? Diese Sozialisationsphase ist ungemein wichtig für das Jungtier um sich zu einer psychisch stabilen und selbstsicheren Katze zu entwickeln und sie ist erst mit 12-14 Wochen soweit abgeschlossen, dass man ein Katzenjunges bedenkenlos von seiner Mutter wegnehmen kann.
Das Katzenjunge ist mit 4 Wochen noch sehr sehr abhängig von seiner Mutter und Muttermilch, der Zuwendung, Wärme und Nähe.
Was Du nun zu Hause hast ist also ein Kätzchen, dass keine Verhaltensregeln mit auf den Weg bekommen hat und in der frühesten Prägephase seinen Bezug und Halt verloren hat.
Da keine anderen Katzen in seinem Umfeld sind, hat es keinen Artgenossen an dem es sich orientieren kann und so passiert genau das, was Du beschreibst. Es reagiert scheinbar wild auf Veränderungen, macht ins Bett, wenn man seine Kuschelburg umstellt und attakiert Besucher. Er will seinen Spieltrieb ausleben, faucht, hüpft rum und führt sich für den Aussenstehenden auf, als sei er verrückt geworden.
Wäre da jetzt ein zweites Jungtier dabei könntest Du sehen, dass die beiden genau das miteinander machen.. Sie würden spielen, sich jagen, sich verkloppen und so nach und nach lernen, wie weit man gehen kann. Vor allem aber würde die Katze sich nicht mehr vor lauter Langeweile an Dir austoben.
Dir ist das in dem Moment dann zu viel und Du sperrst die Katze in den Flur damit sie sich beruhigen kann.
Leider hat das genau den Gegenteiligen Effekt :
Die Katze fühlt sich bestraft und kriegt Verlustängste, denn in ihren Augen wollte sie ja nur spielen.
Stattdessen sitzt sie plötzlich allein im Flur.
Also kommt sie nachher zu dir, schmust und sagt Dir damit :
"Kuck mal, ich bin wieder lieb, bitte bitte sei mir nicht mehr böse."
Aber der Spieltrieb kommt wieder - ganz klar. Es ist nun mal ein Katzenkind. Und wieder folgt die Bestrafung.. die Katze versteht das nicht, denn für sie ist spielen und toben ein Bedürfnis, dem sie nachgehen muss um sich wohl zu fühlen.
Nachts sitzt sie vor Deiner Tür und schreit und kratzt.
Klar, sie ist ja wieder alleine. Katzen sind nachts ziemlich aktiv und genau dann sitzt sie alleine rum, hat keine zweite Katze um zu spielen, zum Schmusen oder einfach nur um nicht allein zu sein.
Das einzige was sie hat bist Du. Und Du zeigst ihr : Nein, zu mir darfst Du nicht.
Zack, wieder ist die Katze verunsichert und ängstlich und schreit nach Deiner Aufmerksamkeit.
Ein Kratzbaum, der sicherlich sowieso ins Haus kommen muss und ein paar gescheite Spielzeuge wie Spielmäuse, Spielangeln und Klingelbällchen sind vielleicht nett gemeint, aber sie werden das Problem kaum lösen.
Um dem Tier "normales" Katzenverhalten beizubringen ist es - meiner Ansicht nach - unerlässlich, eine zweite, fertig sozialisierte Katze im Alter von max. 1 Jahr dazu zu nehmen.
Ansonsten wird sich die Situation höchstens noch verschlimmern, aber wohl nicht wirklich bessern.
Wenn Du Fragen hast, meld Dich einfach.
Gruß,
Anne