Geliebte Filou ...
Schon als Kind habe ich Tiere über alles geliebt ... ich bekam Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Fische, sie alle lebten leider nicht so lange. Dann wünschte ich mir 3 Enten. Und sogar dieser Wunsch wurde mir erfüllt ... 7 Jahre lang kümmerte ich mich um meine Enten, bis eines Tages der Fuchs schon am frühen Abend kam und euch mitnahm, da war ich 17.
Jetzt hatte ich nur noch einen Tierwunsch. Ich wünschte mir nichts sehnlichster als ein Kätzchen. Mein strenger Papa war eigentlich dagegen und er meinte, dass - wenn überhaupt - nur eine Katze in Frage käme, die im Frühling geboren sei, denn diese seien (angeblich) die besseren Mäusefänger.
Also habe ich bis zum Frühling gewartet, über ein halbes Jahr verging, bis eines Tages mein Bruder von der Schule nach Hause kam und verkündete, dass die Katze seiner Mitschülerin Junge bekommen habe. Nach 6 Wochen wollten wir uns die Kätzchen einmal anschauen ... der Name stand für mich schon lange fest, das Kätzchen - ein Kater - sollte Filou heißen. Also fuhren wir (meine Mutter, mein Bruder, meine beste Freundin und ich) zum Bauernhof und da sahen wir dich und deine beiden Geschwister das erste Mal. Ich hatte mein Katzenbuch mit und wollte eure Geschlechter bestimmen ... komischerweise konnte ich zwischen dir und deinen Geschwistern keinen Unterschied feststellen. Ihr wart alles Weibchen.

Zwei Wochen später haben wir dich dann geholt ... du warst so klein und ich war so glücklich. Meine kleine Filou ... fortan war unser Leben viel schöner als jemals zuvor. Wir schenkten dir all unsere Liebe und du gabst sie uns 1000fach zurück ... wir konnten mit dir alles machen ... kuscheln, verstecken spielen. Als kleines Kätzchen brachtest du deine erste Maus - eine Mini-Spitzmaus und hast sie uns stolz vor die Füße gelegt. Später brachtest du uns fast täglich (oft lebende) Beute ins Haus ... Mäuse waren dir zu gewöhnlich, du hast sogar richtige Schlangen, Siebenschläfer und einmal sogar einen Buntspecht gefangen. Zum Glück konnten wir die meisten Tiere retten und wieder frei lassen.
Und so vergingen die Jahre ... ich beendete meine Ausbildung, begann meinen Job. Und auch wenn ich manchmal total unglücklich oder frustriert war, wenn ich dich sah, war alles vergessen. Du warst immer unser lieber weißer Sonnenschein. Am liebsten habe ich immer meine Nase in dein weiches Fell gesteckt und an deinen süßen Pfötchen geschnuppert, die so gut nach Wald und Wiese rochen.
Einmal kamst du mit einem tiefen Schnitt an der Vorderpfote nach Hause und du bekamst einen dicken Verband, wir hielten und streichelten dich die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag, und schon ging es dir besser. Sonst warst du zum Glück nie krank und hattest das schönste Katzenleben, das man sich vorstellen kann.
Im Laufe der Jahre wurdest du ein bisschen ruhiger, du bliebst näher am Haus, hast uns in den Garten wie ein kleiner Hund begleitet ... aber gespielt hast du noch immer gerne.
Als ich dann von zu Hause auszog, bliebst du bei meinen Eltern zurück. Es fiel mir nicht leicht, in eine Wohnung zu ziehen, ohne dich ... kein Nasenstups in der Früh, der mich weckte, kein Schnurren ... aber ich habe dich jeden Tag besucht und dich nie vergessen. Außerdem hat sich meine Mutter so sehr um dich gekümmert, wie um ein Kind.
Und wieder vergingen ein paar Jahre ... wir feierten deine Geburtstage ... auch dieses Jahr, da war dein 16. Geburtstag (im März). Da warst du schon ein bisschen dünn ... hattest im Vergleich zu früher ein bisschen weniger Appetit, aber sonst warst du die Alte. Wir waren zwischendurch mit dir natürlich beim Tierarzt, doch der sagte, dass du noch ziemlich fit für dein Alter seist.
Letzten Sonntag dann, rief mich gleich in der Früh meine Mutter an und sagte, dass du etwas wackelig auf den Hinterfüßchen standest, aber du hast brav gefressen und viel geschlafen. Am nächsten Tag beim Tierarzt, wurden leicht erhöhte Leberwerte und eine Entzündung festgestellt. Du bekamst Medikamente und Infusionen ... für einen Tag verbesserte sich dein Zustand leicht ... du gingst noch einmal raus in den Garten, an die Plätze, die du besonders mochtest, gefressen hast du nichts mehr. Ich wollte dich nicht so schnell aufgeben und habe dir das Futter ins Mäulchen gegeben und mir natürlich große Sorgen gemacht ... ich war die ganzen Tage bei dir. Am Mittwoch dann hat sich dein Zustand leider verschlechtert, ich war in der Arbeit, meine Mutter rief an und sagte, dass sie mit dir wieder zum Tierarzt fährt ... sie hat mich dann noch einmal angerufen und gesagt, dass man dich von deinem Leiden erlösen soll ... schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden, aber man sah es einfach deutlich, dass du sonst hättest leiden müssen.
Und nun bist du nicht mehr da ... wir können es kaum fassen ... du lagst im Körbchen, ganz friedlich, so als würdest du schlafen, aber du warst tot ... die ganze Familie kam zusammen und wir haben uns von dir verabschiedet ... dich im Garten begraben ... alles mussten weinen, bis heute und auch morgen noch und übermorgen ... es wird eine Zeit dauern, bis wir mit einem Lächeln auf den Lippen an dich denken können. Im Moment tut es uns einfach zu weh ... du warst die gute Seele des Hauses ... jetzt ist es leer. Wir sehen dich überall, aber es sind nur Schatten ...
Filou, danke für die schöne Zeit, für die schönen 16 Jahren mit dir ... du warst unsere Glückskatze ... so schön, so einfühlsam ... ohne dich ist alles anders, wir werden dich niemals vergessen. Ach, Filou ...