Schöne Fortsetzungsgeschichten gibt es hier.
Nun kommt aber meine Fortsetzung bis zum Schluß.
Oft kommen neue Katzen zu uns wenn einige „ins bessere Leben“ gingen. Manche von uns sind nur kurze Zeit da. Die, die eine andere Fellfärbung haben. Und die jungen. Wir älteren, obwohl wir auch noch nicht alt sind, die schwarzen und die Tiger, wir sind länger hier.
Weil es so friedlich ist und die Zweibeiner nett sind, lassen wir uns auch auf sie ein. Die tägliche Spielzeit macht Spaß und wir genießen auch unsere Streicheleinheiten.
Neuzugänge werden erst kritisch gemustert, in ihre Schranken gewiesen und dann in die Gruppe aufgenommen. Sie lernen durch uns „Alte“, dass Katz durchaus mit den Menschen leben kann.
Eines Tages aber kam ein schwarzer Kater, der nicht mehr nach Kater roch. War das ein arroganter, aufgeblasener Typ. Der Zweibeiner bracht ihn mit den Worten: „Seid lieb zu ihm, er ist ein Rückläufer“. Damit konnten wir nichts anfangen.
Der überhebliche Schnösel führte sich auf, als ob er der Herr der Welt sei. Das haben wir gleich mal aus ihm rausgeprügelt. Als wir fertig mit ihm waren, lag er kleinlaut in einer Kratzbaumhöhle.
Später fing er eine Erzählung an.
Mohrle wurde hier im Raum von einer wilden Katze geboren und wuchs hier unbeschwert mit seinen Geschwistern und anderen Katzenkindern auf. Den ersten Sommer seines Lebens verbrachte er in diesem Raum. Er kennt unsere Gefühle und Ängste vor dem „besseren Leben“. Auch für ihn hieß es eines Tages, es geht in ein „besseres Leben“.
Er wurde in die Box gesetzt und lange mußte er in dem lauten Ungeheuer mit dem Zweibeiner ausharren. Irgendwann schwieg das Ungeheuer und es lag ein schaukelnder Weg vor ihm. Lauter fremde Geräusche und Gerüche irritierten ihn. Am liebsten hätte er seine Angst laut heraus geheult. Aber er traute sich nicht
Wir erschauderten, während wir ihm gebannt lauschten. Das soll ein „besseres Leben“ sein?
Mohrle fuhr in seinen Schilderungen fort.
Irgendwann wurde eine Türe geöffnet und eine fremde Stimme, die sehr aufgeregt klang, ertönte. Endlich stand auch die Box am Boden und das Gitter wurde geöffnet. Mohrle durfte raus und sich bewegen. Als erstes roch er ein Kisterl für die Geschäfte. Ganz vorsichtig erkundete er die neue Umgebung, denn es war alles so fremd für ihn. Er konnte auch eine unbekannte Katze wittern. Der gewohnte Zweibeiner war mit dem fremden Zweibeiner in einem anderen Raum. Die vertraute Stimme gab Mohrle Sicherheit. Es gab einige Türen, die alle offen standen. Mohrle hatte viel zu entdecken und nahm es kaum wahr, dass der gewohnte Zweibeiner irgendwann ging.
Der fremde Zweibeiner war ganz freundlich zu ihm, bot ihm lecker Futter an und redete mit ihm. Mohrle war aber nicht nach fressen zumute, es war alles viel zu aufregend und interessant. Später lernte er einen zweiten fremden Zweibeiner kennen, der sein Leben jetzt auch mit Mohrle teilte. Er war, nachdem er alles erkundet hatte, glücklich. Zwei Menschen, die sich um ihn und die Mitkatze kümmerten, immer gutes Fresschen, Kratzmöglichkeiten, Kuschelplätze, einen kätzischen Kumpel – Katzenherz was willst du mehr?
Während er sprach, bekam er ganz leuchtende Augen. Aber wir wollten wissen, warum er dieses Leben aufgegeben hat und hierher zurück kehrte.
Da wurden seine Augen sehr dunkel und der Blick traurig.
Eines Tages wurde der eine Zweibeiner von fremden Menschen abgeholt und kam nicht wieder. Der andere Zweibeiner kehrte abends immer sehr viel später als gewohnt zurück und hatte kaum Zeit. Futter und Kisterl, das war wie gewohnt, aber Spiel- und Kuschelzeit gab es nicht mehr. Wir Katzen merkten, dass etwas nicht stimmt. Wir rauften viel und machten auch einige Dinge kaputt. Eines Tages kam der verbliebene Zweibeiner ungewöhnlich früh heim. Es war eine sehr düstere Stimmung und bei ihm liefen dauernd Tränen. Ich wollte ihm helfen, aber er stieß mich zur Seite. Da wurde ich sehr traurig und wollte nichts mehr essen. Ich wußte, dass der andere Zweibeiner nie wieder kommen würde. Damit ich noch einmal die Möglichkeit auf ein „besseres Leben“ bekommen kann, bin ich wieder hier.
Wir alle schwiegen beroffen. Wir wissen, dass wir irgendwann den Weg über die Regenbogenbrücke gehen müssen. Aber wir wußten nicht, dass auch die Zweibeiner diesen Weg gehen.
Mohrles Schilderungen eines „besseren Lebens“ nimmt uns aber etwas die Angst. Hier ist es schön für uns und wir fühlen uns wohl. Aber jetzt wissen wir, dass es noch schöner sein kann. Solange einer von uns „Alten“ einen Neuzugang begrüßen kann, wird Mohrles Geschichte weiter gegeben. Damit keiner von uns mehr Angst vor dem unbekannten „besseren Leben“ haben muß.