Farben...

Diskutiere Farben... im Zucht und Genetik Forum im Bereich Katzenzucht und Nachwuchs; ich hab da mal ne (doofe?) frage. wenn man wilde katzen anschaut, haben die meisten ja ein tarnendes fellmuster. auch bei hauskatzen gibt es ja...
  • Farben... Beitrag #1
El Knopfo

El Knopfo

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ich hab da mal ne (doofe?) frage. wenn man wilde katzen anschaut, haben die meisten ja ein tarnendes fellmuster.
auch bei hauskatzen gibt es ja verschiedenste tigerausführungen. kann mir vorstellen, das dass, aus naheliegendem grund auch die am meisten verbreitete katzenfarbe ist.
aber woher kommen dann farben wie reines weis, rot, oder kuhfleckenmuster???
sind das durch die jahre entstandene "fehlfarben" die dann weitergezüchtet oder einfach durch die generationen weitervererbt wurden??
weiße tiere haben ja offenbar oftmals gehörfehler, hängt das unmittelbar mit der farbe weiß zusammen, oder könnte sowas auch z.b. bei den roten auftauchen???
 
  • Farben...

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  • Farben... Beitrag #2
Knopfo, Du schreibst es eigentlich schon richtig, es gibt Muster und Farbe und beide sitzen auf verschiedenen Genorten.
Das Muster nennt man Tabby und es ist die Tarnmusterung der Katzen, die eigentlich jede Katze genetisch besitzt, auch wenn sie nicht bei allen Katzen sichtbar ist.
Farben gibt es bei Katzen eigentlich nur zwei: schwarz und rot, oder genauer gesagt eine Katze ist rot, oder nicht-rot, weiss ist keine Farbe, sondern nur das Nicht-Vorhandensein von Farbe.
Allerdings hat Weiss eine besondere Eigenschaft, es überdeckt die tatsächliche Farbe, epistatisch nennt man das. Die Katze trägt also unter dem weissen Mäntelchen ihre richtige Farbe, bei Kitten kann man diese Farbe oft an einem Genfleck auf dem Kopf erkennen, der aber auch bald verschwindet.
Rot ist eine Farbe, die auf den Geschlechtschromosomen vererbt wird und zwar nur auf dem X-Chromosom, das erklärt auch weshalb in freier Natur rote weibliche Tiere selten sind, denn sie müssen die rote Farbe von beiden Eltern vererbt bekommen.
Kuhkatzen sind also nicht-rote Katzen, haben aber zusätzlich das sogenannte Scheckungsweiss, ein anderes Gen als das, was für das epistatische Weiss verantwortlich ist.

Taubheit kennt man bei den reinweissen Katzen, besonders wenn sie dazu noch blauäugig sind, aber auch wenn sie andere Augenfarben haben, deshalb ist es auch verboten zwei weisse Katzen miteinander zu verpaaren.
 
  • Farben... Beitrag #3
Knopfo, Du schreibst es eigentlich schon richtig, es gibt Muster und Farbe und beide sitzen auf verschiedenen Genorten.
Das Muster nennt man Tabby und es ist die Tarnmusterung der Katzen, die eigentlich jede Katze genetisch besitzt, auch wenn sie nicht bei allen Katzen sichtbar ist.
Farben gibt es bei Katzen eigentlich nur zwei: schwarz und rot, oder genauer gesagt eine Katze ist rot, oder nicht-rot, weiss ist keine Farbe, sondern nur das Nicht-Vorhandensein von Farbe.
Allerdings hat Weiss eine besondere Eigenschaft, es überdeckt die tatsächliche Farbe, epistatisch nennt man das. Die Katze trägt also unter dem weissen Mäntelchen ihre richtige Farbe, bei Kitten kann man diese Farbe oft an einem Genfleck auf dem Kopf erkennen, der aber auch bald verschwindet.
Rot ist eine Farbe, die auf den Geschlechtschromosomen vererbt wird und zwar nur auf dem X-Chromosom, das erklärt auch weshalb in freier Natur rote weibliche Tiere selten sind, denn sie müssen die rote Farbe von beiden Eltern vererbt bekommen.
Kuhkatzen sind also nicht-rote Katzen, haben aber zusätzlich das sogenannte Scheckungsweiss, ein anderes Gen als das, was für das epistatische Weiss verantwortlich ist.

Taubheit kennt man bei den reinweissen Katzen, besonders wenn sie dazu noch blauäugig sind, aber auch wenn sie andere Augenfarben haben, deshalb ist es auch verboten zwei weisse Katzen miteinander zu verpaaren.

Fand ich sehr interessant!
 
  • Farben... Beitrag #4
hmmm ok.
also ich hab was rotes und was getigertes, die sind geschwister und eine kleine kuh.
mein roter ist sehr plüschig und trägt eine richtige halskrause, sieht aus wie ne löwenmähne. kommt das auch von der farbe???
sein schwesterchen ist ganz "normalfellig".
woher kommt aber dann die taubheit bei weißen tieren??? wie vererbt sich weiß dann?
ich finde das thema hochinteressant, vielleicht möchte ich irgendwann mal züchten und da sind vorkentnisse über farben ja ein wichtiger bestandteil des fachwissens
kühe gehen also nicht die gefahr, aufgrund der farbe ein erhöhtes taubheitsrisiko zu besitzen???
ist eine rein weiße katze also durch selektion erfärbt???
ich beschäftige mich momentan ein bisschen mit zuchtfarbegenetik bei pferden und bei katzen ineressiert es mich auch total
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Farben... Beitrag #5
Hallo,
die ursprüngliche Wildfarbe der Falbkatze wird durch rund 10 Gene vererbt. Alle diese Gene arbeiten zusammen, damit das Tigermuster entsteht. Mutiert eines dieser Gene, dann hat das Auswirkungen auf Farbe oder Musterung. Für die Domestizierung von Haustieren ist es typisch, dass Weißscheckung und Farben und Muster auftauchen, die in der Natur von Nachteil sind und sich deshalb nicht durchsetzen können.

Viele Mutationen sind rezessiv gegenüber der Wildform, manche auch dominant wie z.B. das Gen für Weißfärbung. Das Gen für Weißfärbung ist ein Sonderfall, weil es die Wirkung aller anderen Farb- und Mustergene aufhebt. Problematisch ist das deshalb, weil die Zellen, die für die Farbstoffproduktion wichtig sind, auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Sinneszellen in Auge und Ohr spielen. D.h. wenn diese Zellen keinen Farbstoff bilden können, ist bei manchen Katzen auch die normale Ausbildung der Sinneszellen im Ohr gestört und sie sind taub.

Nachkommen von weißen Katzen haben eine 50%ige Chance das Gen für Weiß zu erben und dann auch selbst weiß zu sein.
 
  • Farben... Beitrag #6
Hallihallo,

der letzte Post ist hier zwar schon etwas her, aber es wurden ja nicht alle Fragen beantwortet (und ich muss irgendwie die Zeit totschlagen):

mein roter ist sehr plüschig und trägt eine richtige halskrause, sieht aus wie ne löwenmähne. kommt das auch von der farbe???
Die Fellänge- und Struktur ist unabhängig von der Fellfarbe. Lediglich weißes Fell fühlt sich auf Grund der fehlenden Pigmente etwas weicher an und fällt auch ein wenig anders (was man aber nur bei Langhaarkatzen sieht), da es dünner ist. Ansonsten haben Kater eben tendentiell eine kräftigere Halskrause als Katzen - vielleicht hat er aber auch einfach nur andere Gene bezüglich der Fellänge abbekommen als seine Schwester.

kühe gehen also nicht die gefahr, aufgrund der farbe ein erhöhtes taubheitsrisiko zu besitzen???
Sagen wir mal so: es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die belegen könnten, dass sog. high-whites (das sind "Kühe" mit einem besonders hohem Weißanteil) mit Taubheit in Verbindung stehen. Man liest hin und wieder mal auf Webseiten, dass auch Katzen, die großflächig keine Farbe um die Ohren und Augen herum haben, wie komplett weiße Katzen auch eine höhere Wahrschenlichkeit auf Taubheit haben. Ob diese Aussage tatsächlich auf Zuchterfahrungen beruht oder nur auf voreilige Schlussfolgerungen, kann ich nicht beurteilen.
Weswegen man auf so eine "voreilige Schlussfolgerung" kommen kann, hat diesen einfachen Grund: Sowohl die komplett weißen Katzen (mit blauen, grünen oder gelben Augen - nicht die mit blau-rosa Augen, die es nur ganz selten gibt, das ist ein ganz anderer Defekt) als auch die weiß-gescheckten Katzen haben einen Defekt, den man Leuzismus nennt. Leuzismus heißt, während dem langen und komplexen Prozess der Phase, in der die pigmentbildenden Zellen gebildet werden, tritt ein schwerwiegender Fehler auf, der dazu führt, dass der Prozess nicht abgeschlossen werden kann. Bei den weiß-gescheckten Katzen kann der Fehler zu einem gewissen Grad "ausgebügelt" werden, weshalb man dort auch nur von einem Teilweisen-Leuzismus spricht. Für jemanden, der sich nicht weiters damit auskennt, liegt die Schlussfolgerung also nahe: "Weiße Katze und weiß-gescheckte Katzen sind beide leuzistisch, also sind beide in der Gefahr taub zu sein". Diese Schlussfolgerung ist so aber nicht ganz richtig: Ganz viele Gene sind an diesem Prozess, in dem die pigmentbildenen Zellen gebildet werden, beteiligt, also gibt es potentiell auch ganz viele verschiedene "Genfehler", die zu einem Leuzismus führen können. Deshalb ist Leuzismus auch immer einer der ersten sichtbar auftretenden Mutationen, die bei neu domestizierten Tieren auftreten. Nicht jedes involvierte Gen spielt aber eine gleich relevante Rolle und nicht jedes involvierte Gen ist körperweit für die Bildung von Melanozyten notwendig. So haben z.B. weiße leuzistische Katzen stets Pigmente in den Augen, weswegen es keine weiß-leuzistischen Katzen mit roten Augen gibt - das heißt, dasjenige Gen, das für das Fehlen der Melanozyten am Körper verantwortlich ist, ist nicht an der ersten Melanozyten-Bildung beteiligt, die die Augen betreffen. Nicht jeder Genfehler, der zu Leuzismus führt, hat also negative oder die gleichen negativen Nebeneffekte, da nicht jedes Gen eine gleich-relevante Rolle spielt. Von den vielen verschiedenen Formen von Leuzismus, sind mir nur zwei weitere bekannt, die bei anderen Tierarten zu Taubheit führen, so gesehen ist es nicht allzu wahrscheinlich (aber natürlich auch nicht auszuschließen), dass auch Scheckungsweiß mit einem erhöhten Taubheitsrisiko einhergeht.

Achja, wenn du dich mit den Pferdefellfarben beschäftigst, kennst du ja vielleicht die Frame-Overo-Scheckung, Sabino- oder Tobianoscheckung - diese Weißscheckungen beruhen z.B. auch alle auf Leuzismus, jedoch auf verschiedenen Genfehlern. Das Gen, das zur Frame-Overo-Scheckung führt, ist z.B. relevant in der Bildung des Nervensystems, weshalb Pferde, die gar keine normal-funktionierende Form dieses Genes tragen (also reinerbig im Bezug auf die Frame-Overo-Genform sind), bereits 24h nach der Geburt an Darmverschluss sterben. Diese sog. "Lethal-White-Mutationen" sind noch bei einer Reihe anderen Tierarten bekannt, bislang jedoch nicht bei der Katze.

st eine rein weiße katze also durch selektion erfärbt???
Vielleicht hat sich inzwischen die Frage auch schon erledigt, aber trotzdem nochmal kurz dazu: Das komplett weiße Fell (also das Abhanden-sein von pigmentbildenden Zellen) beruht auf einem Genfehler, der irgendwann einmal aufgetreten ist. Solche sog. Genmutationen passieren ständig und können nicht (wenn wir Bestrahlung nun mal außen vorlassen) beeinflusst werden - dass es inzwischen so viele weiße Katzen gibt, liegt natürlich aber wieder daran, dass mit dieser ersten weißen Katze und ihrem Nachwuchs und deren Nachwuchs etc. gezüchtet wurde (->züchterische Selektion). Die Weißscheckung beruht auf einem anderen, davon unabhängigen Gefehler. Angeblich gibt es weiß-gescheckte Katzen, die komplett weiß sind - die weißesten weißgescheckten Katzen, die ich bislang gesehen habe, hatten aber alle zumindest einen pigmentierten Schwanz und/oder Pigmentflecken auf der Stirn.

So! Genug blah jetzt :D
 
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