Hallihallo,
der letzte Post ist hier zwar schon etwas her, aber es wurden ja nicht alle Fragen beantwortet (und ich muss irgendwie die Zeit totschlagen):
mein roter ist sehr plüschig und trägt eine richtige halskrause, sieht aus wie ne löwenmähne. kommt das auch von der farbe???
Die Fellänge- und Struktur ist unabhängig von der Fellfarbe. Lediglich weißes Fell fühlt sich auf Grund der fehlenden Pigmente etwas weicher an und fällt auch ein wenig anders (was man aber nur bei Langhaarkatzen sieht), da es dünner ist. Ansonsten haben Kater eben tendentiell eine kräftigere Halskrause als Katzen - vielleicht hat er aber auch einfach nur andere Gene bezüglich der Fellänge abbekommen als seine Schwester.
kühe gehen also nicht die gefahr, aufgrund der farbe ein erhöhtes taubheitsrisiko zu besitzen???
Sagen wir mal so: es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die belegen könnten, dass sog. high-whites (das sind "Kühe" mit einem besonders hohem
Weißanteil) mit Taubheit in Verbindung stehen. Man liest hin und wieder mal auf Webseiten, dass auch Katzen, die großflächig keine Farbe um die Ohren und Augen herum haben, wie komplett weiße Katzen auch eine höhere Wahrschenlichkeit auf Taubheit haben. Ob diese Aussage tatsächlich auf Zuchterfahrungen beruht oder nur auf voreilige Schlussfolgerungen, kann ich nicht beurteilen.
Weswegen man auf so eine "voreilige Schlussfolgerung" kommen kann, hat diesen einfachen Grund: Sowohl die komplett weißen Katzen (mit blauen, grünen oder gelben Augen - nicht die mit
blau-rosa Augen, die es nur ganz selten gibt, das ist ein ganz anderer Defekt) als auch die weiß-gescheckten Katzen haben einen Defekt, den man
Leuzismus nennt.
Leuzismus heißt, während dem langen und komplexen Prozess der Phase, in der die pigmentbildenden Zellen gebildet werden, tritt ein schwerwiegender Fehler auf, der dazu führt, dass der Prozess nicht abgeschlossen werden kann. Bei den weiß-gescheckten Katzen kann der Fehler zu einem gewissen Grad "ausgebügelt" werden, weshalb man dort auch nur von einem Teilweisen-
Leuzismus spricht. Für jemanden, der sich nicht weiters damit auskennt, liegt die Schlussfolgerung also nahe: "Weiße Katze und weiß-gescheckte Katzen sind beide leuzistisch, also sind beide in der Gefahr taub zu sein". Diese Schlussfolgerung ist so aber nicht ganz richtig: Ganz viele Gene sind an diesem Prozess, in dem die pigmentbildenen Zellen gebildet werden, beteiligt, also gibt es potentiell auch ganz viele verschiedene "Genfehler", die zu einem
Leuzismus führen können. Deshalb ist
Leuzismus auch immer einer der ersten sichtbar auftretenden Mutationen, die bei neu domestizierten Tieren auftreten. Nicht jedes involvierte Gen spielt aber eine gleich relevante Rolle und nicht jedes involvierte Gen ist körperweit für die Bildung von
Melanozyten notwendig. So haben z.B. weiße leuzistische Katzen stets Pigmente in den Augen, weswegen es keine weiß-leuzistischen Katzen mit roten Augen gibt - das heißt, dasjenige Gen, das für das Fehlen der
Melanozyten am Körper verantwortlich ist, ist nicht an der ersten
Melanozyten-Bildung beteiligt, die die Augen betreffen. Nicht jeder Genfehler, der zu
Leuzismus führt, hat also negative oder die gleichen negativen Nebeneffekte, da nicht jedes Gen eine gleich-relevante Rolle spielt. Von den vielen verschiedenen Formen von
Leuzismus, sind mir nur zwei weitere bekannt, die bei anderen Tierarten zu Taubheit führen, so gesehen ist es nicht allzu wahrscheinlich (aber natürlich auch nicht auszuschließen), dass auch Scheckungsweiß mit einem erhöhten Taubheitsrisiko einhergeht.
Achja, wenn du dich mit den Pferdefellfarben beschäftigst, kennst du ja vielleicht die Frame-Overo-
Scheckung, Sabino- oder Tobianoscheckung - diese Weißscheckungen beruhen z.B. auch alle auf
Leuzismus, jedoch auf verschiedenen Genfehlern. Das Gen, das zur Frame-Overo-
Scheckung führt, ist z.B. relevant in der Bildung des Nervensystems, weshalb Pferde, die gar keine normal-funktionierende Form dieses Genes tragen (also
reinerbig im Bezug auf die Frame-Overo-Genform sind), bereits 24h nach der Geburt an Darmverschluss sterben. Diese sog. "Lethal-White-Mutationen" sind noch bei einer Reihe anderen Tierarten bekannt, bislang jedoch nicht bei der Katze.
st eine rein weiße katze also durch selektion erfärbt???
Vielleicht hat sich inzwischen die Frage auch schon erledigt, aber trotzdem nochmal kurz dazu: Das komplett weiße Fell (also das Abhanden-sein von pigmentbildenden Zellen) beruht auf einem Genfehler, der irgendwann einmal aufgetreten ist. Solche sog. Genmutationen passieren ständig und können nicht (wenn wir Bestrahlung nun mal außen vorlassen) beeinflusst werden - dass es inzwischen so viele weiße Katzen gibt, liegt natürlich aber wieder daran, dass mit dieser ersten weißen Katze und ihrem Nachwuchs und deren Nachwuchs etc. gezüchtet wurde (->züchterische Selektion). Die
Weißscheckung beruht auf einem anderen, davon unabhängigen Gefehler. Angeblich gibt es weiß-gescheckte Katzen, die komplett weiß sind - die weißesten weißgescheckten Katzen, die ich bislang gesehen habe, hatten aber alle zumindest einen pigmentierten Schwanz und/oder Pigmentflecken auf der Stirn.
So! Genug blah jetzt
