Hallo ihr Lieben,
ich habe mich heute frisch bei euch angemeldet, weil ich dringend etwas loswerden muss. Und ich glaube damit bin ich bei euch richtig.
Es beschäftigt mich so sehr, und ich werde damit nicht wirklich fertig. Ich bin voller Trauer und Selbstvorwürfen.
Ich muss auf den Weg zur Arbeit täglich über Landstraße und Autobahn. Dabei habe ich dieses Jahr so viele tote Katzen gesehen, wie seit Jahren nicht mehr. Ich fahre schon mit der Angst los, wieder eine entdecken zu müssen. 3 auf der Landstraße, 3 auf der Autobahn. Auf der Autobahn kann ich nichts machen- zu gefährlich. Wochenlang musste ich sie auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand liegen sehen. Zumindest eine kleine Katze konnte ich von der Straße holen, und am Flußufer etwas würdevoller betten, eine andere war zu platt- da konnte ich mich nicht überwinden, und eine dritte wurde wahrscheinlich von der Stadtreinigung geholt. Alltag auf den Straßen, der mir sehr weh tut, an dem ich aber nichts ändern kann. Es tut mir jedesmal so weh, dass es mir die Tränen in die Augen treibt.
Aber was ich letzten Freitag erleben musste, war das, wovor ich am meisten Angst habe. Ich habe mitten auf dem rechten Fahrbahnstreifen auf der Landstraße eine angefahrene Katze gefunden. Und sie hat noch gelebt! Ich habe sie schon von weitem gesehen, und habe bis zum Schluss gehofft, dass es ein Haufen Papier ist, eine große Papiertüte, die sich im Wind bewegt.Aber als ich drann vorbei gefahren bin, musste ich der Wahrheit in´s Auge sehen. Es war eine arme, arme Katze die mit den Pfoten gerudert hat! Ich war so geschockt von dem Anblick, ich hab kaum Luft gekriegt vor Panik/ horror. Gott sei dank war in dem Moment keiner hinter mir. Ich habe gebremst, den Wahnblinker angestellt, und bin ein Stück rückwärts gefahren- dichter an die katze ran, damit die anderen die Situation rechtzeitig bemerken, und ausweichen können. Umzukehren, um mich dann hinter die katze zu stellen, wäre zu riskant gewesen. Es ist eine viel befahrene Straße. Bis ich umgekehrt hätte, wäre wahrscheinlich schon jemand drüber gefahren. das wollte ich nicht riskieren. Was sollte ich tun? Wen sollte ich anrufen? Ich hab einfach die polizei angerufen, und die ganze Zeit durch den Rückspiegel die Katze beobachtet. Sie bewegte sich nicht mehr. Nur in dem Moment wo ich sie fand, hatte sie sich kurz bewegt. Seitdem nicht mehr. Dann habe ich gewartet. ich habe mich nicht getreut auszusteigen. Wie feige. ich habe sie alleine gelassen. Ich hatte Angst, ich weiß nicht warum, vor was. Vielleicht davor, was ich sehe( sie hatte keine sichtbaren Verletzungen, soweit ich das vom Auto aus beurteilen konnte), was passiert? Nach einiger zeit hielt noch eine Frau an. Wie schäbig kam ich mir vor, dass ich im Auto saß, anstatt bei der katze zu sein! Mit der Frau zusammen habe ich mich dann getraut. Sie sprach nur englisch, was das ganze etwas erschwerte, denn mein englisch ist ein bisschen eingerostet. Aber wir verstanden uns. Die arme Katze bewegte sich nicht mehr. Auch konnten wir keinen Atem spüren. Wir haben sie dann zusammen mit einer Isomatte von der Straße gehoben, und auf den sicheren Bürgersteig gelegt, und etwas zugedeckt. Sie war ganz warm, aber zeigte keinerlei Lebenszeichen mehr. Dann fing das Blut an aus der Nase zu tropfen, und sie verlor Urin. Sie ist an ihren inneren Verletzungen gestorben. Wahrscheinlich in dem Moment, wo ich noch im Auto saß. Sie war ganz alleine. das kann ich mir nicht verzeihen. dann denke ich wieder, wenn sie vor Fremden so Schau hat wie mein Katerchen Leo, dann hätte ich ihr vielleicht nur noch mehr Angst gemacht, wenn sie mich überhaupt noch wahrgenommen hätte.
Hätte sie auch angefangen aus der Nase zu bluten, wenn wir sie nicht rübergetragen hätten. haben wir ihre Verletzungen nur noch verstärkt? Aber wenn sie noch gelebt hätte, als die polizei eintraf, hätten wir sie auch heben müssen. Das sind alles gedanken, Zweifel und vor allem Selbstvorwürfe die an mir nagen, und mich nicht zur Ruhe kommen lassen.
Ich habe dann bei eins, zwei Häusern geklingelt, um eventuell etwas wegen dem Besitzer zu erfahren, denn der kleine Schatz sah eigentlich nicht wie eine Straßenkatze aus.
Die Frau musste dann los, ihr Kind saß im Auto. Und ich habe auf die Polizei gewartet. Ich habe die katze gestreichelt, und geguckt, ob ich noch Herz oder Atmung finde.
Als die Polizei dann kam, haben sie mir gesagt, dass sie die Stadtreinigung informieren, und ich bin dann zur Arbeit gefahren. Mittags auf dem heimweg war die katze dann weg. Nur wer es wusste, weiß um die bedeutung der zwei Flecken auf dem Bürgersteig.
Das erlebte frist mich auf. Es war das Schlimmste was ich je erleben musste. Und ich werde damit nicht fertig. Ich habe mich getraut die andere, kleine tote katze von der straße zu hole. was hat mich diesmal gebremst gleich zu der katze zu gehen?
Ich liebe Tiere so sehr, und ich fühle ihr leid fast körperlich an mir selbst- wenn ihr versteht wie ich das meine.
Außer der Frau hat es vor mir keiner für nötig befunden anzuhalten. Alle haben sie blöd geguckt, und sind weiter gefahren.
Obwohl, wenn die Leute für ihre eigene Rasse nicht anhalten, warum sollten sie dann für ein Tier anhalten? Wo, verdammt noch mal, bleibt das Mitgefühl für Tiere?
Wie lange lag die arme katze da schon? Meine Kollegin ist die gleiche Strecke 20 Minuten vor mir gefahren, und hat gesagt, dass da die katze noch nicht lag. Also gott sei Dank lag sie da nicht schon stundenlang.
Wo ist der Fahrer der die Katze angefahren hat????? Wie kann man so herzlos sein, und einfach weiter fahren????
Es tut mir leid, dass ich euch so einen langen Text zumute. Aber ich musste es mir so ausführlich von der Seele schreiben. Es sitzt wie ein Kloß in meinem Hals, und lässt mich nicht los. Jetzt muss ich gucken, wie ich damit fertig werde.
Vielleicht denkt so mancher, die soll mal nicht so übertreiben.
Gerade ich bin eigentlich kein gefühlsdusseliger Mensch, und eher rational veranlagt.
Aber Tierleid nimmt mich sehr mit, vielleicht auch deshalb, weil sie selber keine stimme habe.
Ich habe mir jetzt online auf einer Shirtgestalltungsseite eine Tunika kreiert: vorne eine Katzensilouette (schreibt man das so?) und hinten folgender Spruch:
Solange Menschen denken,
dass Tiere nicht fühlen,
müssen Tiere fühlen,
dass Menschen nicht denken.
Ich hoffe, ich muss so etwas nie wieder erleben. Und wenn doch- dann werde ich besser handeln.
Liebe Grüße
Ginihirte